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Montag, 28. Juni 2021

Carl Loewe: Piano Music, Volume two (Toccata Classics)


 Carl Loewe (1796 bis 1869) galt zu Lebzeiten als „norddeutscher Schubert“. Heute ist der Komponist nur noch Kennern und Liebhabern des Kunstlieds aufgrund seiner berühmten Balladen ein Begriff. 

Dass er auch ein beachtliches Klavierwerk geschaffen hat, das beweist Linda Nicholson mit einer Reihe von Aufnahmen, die britische das Label Toccata Classics nun in Co-Produktion mit dem WDR veröffentlicht. 

Auf diesem Album, es ist das zweite der Reihe, wurden vier Stücke zusammengefasst, die deutlich werden lassen, dass Loewe zu den wichtigsten Komponisten der Romantik gehört – durchaus an die Seite von Koryphäen wie Franz Liszt, Johannes Brahms oder Edvard Grieg. 

Zu hören sind Frühling. Eine Tondichtung in Sonatenform op. 47, Biblische Bilder op. 96, die Grande Sonate Brillante in Es-Dur op. 41 und die Abendfantasie op. 11, letztere in Erstaufnahme. Linda Nicholson spielt diese Werke stilsicher auf einem herrlichen Originalinstrument von Erard aus dem Jahre 1839, das sich im Besitz des WDR befindet. Was für ein Klang!  


Freitag, 3. Mai 2019

Lassus: Responsories for Holy Week (Toccata Classics)

Noch ein Nachtrag zum Osterfest: Beim Aufräumen fand sich im Regal noch diese CD mit Vokalwerken eines Renaissancemeisters. Orlando di Lasso (1532 bis 1594) gehört zu den wichtigsten Komponisten des 16. Jahrhunderts. Er kam in Mons zur Welt, das sich damals in den spanischen Niederlanden befand, und trat 1544 als Chorknabe in die Dienste des sizilianischen Vizekönigs Ferrante I. Gonzaga. Auf langen Reisen lernte er Italien und die italienische Musik kennen; er lebte in Palermo, Mailand und Neapel, und erhielt bereits in jungen Jahren eine Anstellung an der Lateranbasilika in Rom. 
Diese kündigte er dann 1554, um zu seinen Eltern zurückzukehren. Doch als er zu Hause eintraf, waren diese bereits verstorben. So begleitete di Lasso einen Freund nach England, und ließ sich danach dann erst einmal in Antwerpen nieder. 
1556 wurde di Lasso von Herzog Albrecht V. engagiert. Die Münchner Hofkapelle gehörte damals zu den besten Europas; di Lasso trug dazu bei, diesen Ruf zu mehren. Etliche seiner Werke erschienen im Druck, und sie sorgten sogar in Italien für Aufsehen. Viele versuchten, den Musiker für sich zu gewinnen. Doch weder der französische König noch der Kurfürst von Sachsen waren erfolgreich: Albrechts Nachfolger Wilhelm gelang es, di Lasso in München zu halten, wo er bis ans Ende seiner Tage blieb. 
Etliche seiner Werke sind mittlerweile bei dem Label Toccata Classics erschienen. Die vierstimmigen Fassungen der Responsorien für die Heilige Woche komponierte di Lasso um 1580. Der (professionelle) Chor Ars Cantica unter Leitung von Mario Berrini hat sie für diese Welterstein- spielung nach der neuen kritischen Partitur-Ausgabe eingesungen. Eine exquisite Aufnahme, und ein hervorragender Chorklang. Sehr beeindruckend! 

Donnerstag, 5. April 2018

Karg-Elert: Music for Piano and Organ (Toccata Classics)

Beinahe ebenso beliebt wie das Klavier war zur Zeit der Romantik das Harmonium. Und weil es interessante Klangfarben mitbrachte, durfte es nicht nur in so manchem gutbürgerlichen Haushalt Einzug ins Musikzimmer halten. Auch erstaun- lich viele Komponisten schrieben Werke dafür. 
Annikka Konttori-Gustafsson, Piano, und der Organist Jan Lehtola präsentieren auf dieser CD einige Beispiele dafür – und zwar, bis auf das Andante cantabile von Jean Sibelius (1865 bis 1957), durchweg in Weltersteinspielungen. Zu hören sind Sibelius' Schauspielmusik zu Pelléas und Mélisande, bearbeitet für Harmonium und Klavier von Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933), sowie zwei Zyklen Karg-Elerts für diese Besetzung, Poesien op. 35 und Silhouetten op. 29. 
Musikalisch sind diese Werke ziemlich reizvoll. Allerdings wird der Hörgenuss dadurch etwas getrübt, dass in Finnland, wo die Aufnahmen entstanden sind, kein Kunstharmonium aufzutreiben war. Und deshalb spielt Jan Lehtola auf der Orgel der Sovitutsenkirkko in Hollola. Das moderne Instrument, errichtet von Veikko Virtanen Oy, verfügt über 26 Register auf zwei Manualen und Pedal. Es klingt aber nicht wirklich wie ein Harmonium (das zudem deutlich weniger Register aufbieten könnte). Insofern ist dies tatsächlich eine Orgel-CD, auch wenn Jan Lehtola ziemlich zurückhaltend registriert. 

Sonntag, 21. September 2014

Telemann: Harmonischer Gottes-Dienst (Toccata Classics)

Nicht alle Kirchen haben große Chöre und Orchester. Das war schon zu Zeiten Georg Philipp Telemanns (1681 bis 1767) so – und deshalb schrieb und veröffentlichte der Komponist Kantatensammlungen in kammermusikalischer Besetzung, unter anderem Der harmonische Gottes-Dienst, oder Geistliche Can- taten zum allgemeinen Gebrauche (1725/26; Fortsetzung 1731/32). Sie waren bestimmt für eine Singstimme, ein obligates Melodieinstrument, wie Flöte, Oboe oder Violine, und Basso continuo. 
Eröffnet werden sie mitunter durch ein Rezitativ; generell bestehen sie aus zwei Da-Capo-Arien, die durch ein Rezitativ verbunden sind. Sie sind nicht alle gleichermaßen anspruchsvoll, einige von ihnen können auch durch eine weniger geschulte Stimme gesungen werden. Damit eigneten sich diese Kantaten möglicherweise auch für das Musizieren im Familienkreise – ganz im pietistischen Geist, der großen Wert auf die häusliche Andacht legte. 
Das Ensemble Bergen Barokk legt derzeit bei Toccata Classics die erste Gesamteinspielung der Kollektion vor. Auf dieser CD erklingen sechs Kantaten für hohe Stimme, Violine und Basso continuo. Zu hören sind Mona Julsrud, Sopran, Bjarte Eike, Barockvioline, Hans Knut Sveen, Cembalo und Orgel, Markku Luolajan-Mikkola, Barock-Violoncello, sowie Thomas C. Boysen an der Theorbe.