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Sonntag, 12. Februar 2017

Anna Netrebko - Verismo (Deutsche Grammophon)

Mit ihrem neuen Album „Verismo“ geht Anna Netrebko ihren Weg hin zum dramatischen Sopran ein Stück weiter. Musikalische Unterstützung erhält die Sängerin dabei von Chor und Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Leitung von Antonio Pappano sowie von ihrem Ehemann, dem Tenor Yusif Eyvazov. Letzterer ist insbesondere im vierten Akt von Puccinis Oper Manon Lescaut in aller Breite zu hören – was nicht entzückt, ganz ehrlich; als Sänger ist er jedenfalls nicht Oberliga. 
Opern von Giacomo Puccini (1858 bis 1924) stehen im Zentrum dieses Albums. Anna Netrebko singt Un bel di vedremo aus Madame Butterfly, Vissi d'arte, vissi d'amore aus Tosca, In quelle trine morbide sowie den kompletten vierten Akt aus Manon Lescaut, und zwei Arien aus Puccinis letzter Oper Turandot. Damit gibt die Sängerin zwei unterschiedlichen Figuren Gestalt: Liù, eine Sklavin, die den Tatarenherrscher Timur auf der Flucht begleitet – und seinen Sohn Kalaf liebt. Und Turandot, eine chinesische Prinzessin, die sich ganz dem Andenken an ihre Ahnfrau verschrieben hat, die vor Jahrhunderten von den Tataren verschleppt und getötet worden ist. Um sie zu rächen, will die junge Dame jeden Mann hinrichten lassen, der es wagt, um ihre Hand zu werben. 
Liù, erfüllt von Demut und Liebe, und Turandot, voll Hass und Hochmut – gegensätzlicher können Opernheldinnen kaum sein. Das würde man gern hören, doch in diesem Punkt wird man enttäuscht. Ausdruck ist nicht die Stärke von Anna Netrebko. Ihre Stimme hat sich entwickelt; sie ist dunkler und schwerer geworden. Aber das Titelbild, das die Sopranistin mit einer unglaublich kitschigen Talmi-Krone und mit verlaufenen Konturen porträtiert, erweist sich in diesem Falle leider als prophetisch. Die einzige Partie aus dieser Auswahl, die die Sängerin auf der Bühne bereits gesungen hat, ist die der Manon. Ob man sich wirklich darauf freuen kann, sie eines Tages als Tosca oder als Nedda zu hören, das wird die Zukunft zeigen. 
Wer es hören mag – ergänzt wird diese CD durch Arien aus Adriana Lecouvreur von Francesco Cilea, Andrea Chénier von Umberto Giordano, Pagliacci von Ruggero Leoncavallo, La Wally von Alfredo Catalani. Mefistofele von Arrigo Boito und La Gioconda von Amilcare Ponchielli. Verkaufen wird sich das Album ohnehin, denn Anna Netrebko hat enorm viele Fans. Und wer sich Karten in Salzburg leisten kann, der kauft viel- leicht auch die Luxus-Edition, mit Seidentüchlein von Chopard. 

Dienstag, 3. März 2015

Tchaikovsky: Iolanta (Deutsche Grammophon)

Iolanta ist ein Märchen mit einem positiven Ende: Die blinde Prinzessin kann plötzlich sehen. Der Graf bekommt diese Frau, in die er sich soeben verliebt hat, weil sein Freund, der Herzog, verzichtet – nicht ganz uneigennützig, denn eigentlich liebt er längst eine andere. Der maurische Arzt ist mit seiner Kur erfolgreich, und der König freut sich über diesen Ausweg aus einem Idyll, in das er seine Tochter eingeschlossen hatte, in dem sie aber nicht endlos bleiben kann; schließlich sind Prinzessinnen zum Verheiraten auf der Welt. Und dieses Exemplar ist obendrein ein Muster an Schönheit, Tugend und Demut. 
All das erzählt Peter Iljitsch Tschaikowski in seinem Einakter, der in einem verborgenen Garten spielt. „Es ist eine wunderschöne Oper, in Russland kennt jeder dieses Stück“, schwärmte Anna Netrebko schon vor Jahren in einem Interview. Doch den Weg auf die Bühnen der Welt hat Tschaikowskis letzte Oper nie gefunden: „Ich war sehr erstaunt, dass niemand außerhalb Russlands diese Oper kennt“, meinte die Sängerin – und beschloss, das zu ändern. So hat sie dafür gesorgt, dass Iolanta 2011 konzertant bei den Salzburger Festspielen aufgeführt wurde. In den beiden darauffolgenden Jahren ging sie mit der Oper auf Tournee. Und im Januar und Februar 2015 hat sie die Titelrolle an der Metropolitan Opera in New York gesungen. Außerdem sind im Sommer erneut konzertante Aufführungen in London und Luzern geplant. 
Iolanta ist eine Oper fast ohne Handlung, ohne akrobatische Arien und dramatische Verwicklungen. Alle Konflikte lösen sich umgehend in Harmonie auf – und Tschaikowskis Musik leuchtet dazu, spätromantisch üppig, farbenreich und tiefsinnig. „Die Musik macht glücklich“, so bringt es Anna Netrebko auf den Punkt. Und damit auch diejenigen daran teilhaben können, die keine Aufführung besuchen können, ist nun bei der Deutschen Grammophon ein Live-Mitschnitt erschienen. Er wurde bei einer konzertanten Aufführung der Oper in Essen während der Tournee aufgezeichnet. Neben Anna Netrebko in der Titelrolle sind unter anderem zu hören Sergej Schkorochodow als Graf Vaudémont, Vitali Kowaljow als König René, Alexej Markow als Herzog von Burgund, Lucas Meachem als maurischer Arzt Ibn-Hakia, Monika Bohinec als Amme und Theresa Plut sowie Nuska Rojko als Freundinnen der Prinzessin, dazu der Slovenische Kammerchor und das Orchester der Slowenischen Nationalphilharmonie unter Emmanuel Villaume. Eine Entdeckung, nicht nur für Netrebko-Fans.

Samstag, 5. Oktober 2013

Anna Netrebko - Verdi (Deutsche Grammophon)

Die Deutsche Grammophon legt zum 200. Geburtstag Giuseppe Verdis ein neues Album mit Starsopranistin Anna Netrebko vor. Sie singt, neben berühmten Arien und Szenen beispielsweise aus Macbeth und Il Trovatore, auch weniger bekannte Stücke, darunter eine Szene aus Verdis Frühwerk Giovanna d'Arco. Begleitet wird die Sängerin durch das Orchestra Teatro Regio Torino unter Gianandrea Noseda. Über den „Luxus-Sopran“ - so zitiert das Label die „Opera News“ - mag man geteilter Meinung sein; die Stimme der Netrebko reißt mich jedenfalls immer noch nicht vom Stuhl. Aber sie wagt sich offenbar zunehmend an Partien, die nicht in erster Linie schöne Töne, sondern vor allem Ausdrucksvermögen fordern. 
Auf dieser CD gestaltet sie Figuren, die allesamt einen Knacks weg- haben. Das gilt nicht nur für den Wahnsinn einer Lady Macbeth. „Da gibt es diese wundervolle Arie der Elena aus I Vespri Siciliani“, zitiert das Beiheft Netrebko, „die über zweieinhalb Oktaven führt und dabei so eindringlich von Schmerz und Kraft erzählt. Oder jene der Elisabetta aus Don Carlo: Man hört, wie die großen kraftvollen Gefühle in ihr noch einmal aufleben, um gegen Ende im Pianissimo zu verklingen. Wir haben es hier mit einer Frau zu tun, in der jedes Gefühl bereits zu Lebzeiten abgestorben ist.“ Es gehört wenig Phan- tasie dazu, vorherzusagen, dass sich diese Silberscheibe verkaufen wird wie geschnitten Brot. Anna Netrebko sei der Erfolg gegönnt. Denn die Sängerin ist eine großartige Botschafterin der klassischen Musik, die viele Menschen für die Oper begeistert. 

Sonntag, 20. März 2011

Stabat Mater - A Tribute to Pergolesi; Netrebko, Pizzolato (Deutsche Grammophon)

Seit Jahren singt Anna Netrebko regelmäßig in Baden-Baden. Im vergangenen Jahr entschied sich die Sopranistin, erstmals keine Oper und auch kein Arien-Recital zu singen - sondern Barock- musik, von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736). 
Dabei kombinierte sie das berühm- te Stabat Mater mit weltlichen Werken - sie selbst wählte die Kantate Nel chiuso centro, und die italienische Mezzosopranistin Marianna Pizzolato, die Kapellmeister Antonio Pappano für das Projekt vorgeschlagen hatte, entschied sich für Questo è il piano. Das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia aus Rom spielt zudem die Sinfonia aus dem geistlichen Drama Li prodigi della divina grazia nella conversione e morte di San Guglielmo duca d'Aquitania. Die Musiker, die moderne Instrumente nutzen, sind ganz offenkundig mit den Anforderungen der "Alten" Musik bestens vertraut, und spielen sie souverän.
Die beiden Sängerinnen aber können ihre Ausbildung nicht verleug- nen - und diese hat die Opernbühne zum Ziel, räumt Netrebko ein: "Zuerst versuchte ich, meine Stimme zurückzunehmen und wie eine Barocksängerin zu singen, aber dann fand ich die Idee nicht mehr so gut. Ich musste einen Mittelweg finden und mit meiner eigenen Stimme singen." Die Sängerin interessierte sich ganz offenkundig besonders für die theatralischen Momente von Pergolesis Musik. An manchen Stellen erzeugt das Dramatik; gelungen ist beispielweise Netrebkos messerscharfer Triller, der geradezu schmerzhaft verdeut- licht, wie das Schwert des Leidens die Seele der Gottesmutter beim Anblick ihres gekreuzigten Sohnes durchdringt. So perfekt ist das nicht einmal in der Aufnahme mit René Jacobs zu hören. An anderen Stellen muss man freilich schmunzeln, weil die Sängerinnen über- ziehen und hier und da doch die Primadonna hören lassen. 
Was soll's - Netrebko-Fans wird das nicht schrecken. Und Mezzo- sopranistin Pizzolato harmoniert stimmlich sehr gut mit dem Star. Sie hat eine warme, stets gut geführte, allerdings sehr hell timbrierte Stimme; eigentlich sollte ein contralto aber auch klanglich einen Kontrast zum Sopran bieten. 

Sonntag, 3. Januar 2010

Puccini: La Bohème (Deutsche Grammophon)

"La Bohème" dürfte wohl die populärste Oper Puccinis sein. Entsprechend oft wurde sie eingespielt. Es gehört mittlerweile Mut dazu, neben die vielen vorhandenen Interpretationen eine weitere zu stellen. Einen Grund dafür sollte es schon geben, und das sollte sinnvollerweise nicht ausschließlich der Name eines aktuellen Opernsternchens sein.
Auch reicht es - selbst im Multimedia-Zeitalter - nicht aus, wenn die Sänger rein optisch-schauspielerisch als Idealbesetzung ihrer Rollen durchgehen könnten. Was also könnte die Deutsche Grammophon bewogen haben, diese CD auf den Markt zu bringen? Das Vertrauen auf das schlechte Gedächtnis und das noch schlechtere Gehör der Leute?
Man höre und vergleiche: Mit der Intensität einer Mirella Freni oder einer Maria Callas (deren stärkste Partie die Mimi freilich nicht war) kann eine Anna Netrebko nicht annähernd mithalten, vom Gesang gleich ganz zu schweigen. Und was Netrebko unterm System fehlt, das lässt Rolando Villazón als Rodolfo überm System vermissen. Beide wirken angestrengt und etwas orientierungslos. Die comprimari sind ebenfalls wenig glücklich besetzt. Und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks musiziert unter Bertrand de Billy derart farb-, saft- und ideenlos - es ist ein Trauerspiel, man mag gar nicht hinhören.