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Samstag, 15. Mai 2021

Songbook (Sony)

 


Gitarre und Violoncello? Diese CD beweist, dass es sich dabei um eine überaus reizvolle Kombination handelt. Jan Vogler, ein exquisiter Cellist, musiziert gemeinsam mit dem finnischen Gitarristen Ismo Eskelinen – man lauscht, staunt und fragt sich, warum diese Besetzung eigentlich derart ungebräuchlich ist. 

Denn klanglich harmonieren die beiden Instrumente ausgezeichnet, und auch im Ausdruck bieten sie viele Möglichkeiten: Sowohl Gitarre als auch Violoncello können fein nuanciert große Melodiebögen spannen; sie können aber auch rhythmische Impulse setzen, oder sich hart und schneidend behaupten. 

„Die Gitarre verleiht der Musik eine wunderbare Struktur und läuft – anders als es beim ungleich mächtigeren Klavier gelegentlich der Falle sein kann – nie Gefahr, das Cello mit seinem singenden Charakter zuzudecken“, erläutert Jan Vogler. „Manchmal geht die Gitarre in Führungsposition und forciert die rhythmische Komponente, so dass die melodiösen Linien dadurch auch mal in den Hintergrund treten. Dieses Dialogische und die natürliche, organische komplementäre Ergänzung beider Instrumente, das hat mich sehr gereizt.“ 

Die beiden Virtuosen eröffnen das Album mit einem Cantabile von Niccolò Paganini, komponiert ursprünglich für Geige und Gitarre. „Ich habe so wenig wie möglich geändert“, so Vogler. „Ich spiele lediglich eine Oktave tiefer.“ Auch sonst bietet diese CD Überraschendes – von Astor Piazzollas Histoire du Tango über Werke von Manuel de Falla, Maurice Ravel, Heitor Villa-Lobos bis hin zu den wundervollen Drei Nocturnes von Friedrich Burgmüller. Diese Werke für Violoncello und Gitarre, erschienen 1840, betrachtet Vogler als „einen Glücksgriff“ – der Komponist habe „die klanglichen Möglichkeiten im Zusammenspiel beider Instrumente genau erkannt und nutzt sie im besten Sinne aus.“ 

Ein Originalwerk ist auch die Sonate des Brasilianers Radamés Gnattali. Alles andere sind Bearbeitungen – aber diese sind hervorragend: „Bei den hier ausgewählten Tangos wirkt die Musik ganz anders als mit Flöte oder Geige“, unterstreicht Vogler, „gerade was die dunklen Qualitäten, die tiefrote Glut oder das Verruchte von Piazzollas Musik betrifft.“ Das kann nur bestätigt werden. 

Doch meine ganz persönlichen Lieblingsstücke auf der CD sind Moon River von Henri Mancini, und last but not least Gymnopédie No. 1 von Erik Satie. Das Hörvergnügen wird noch durch die ausgezeichnete technische Qualität der Aufnahmen verstärkt. Rundum ein Genuss! Unbedingt anhören. 


Dienstag, 26. Juni 2018

The Bach Circle (Brilliant Classics)

Auch diese CD ist dem Umfeld von Johann Sebastian Bach gewidmet: Der italienische Organist Emanuele Cardi spielt Werke von Johann Christian Kittel, Johann Ludwig Krebs, Johann Caspar Vogler, Johann Gottfried Walther, Carl Philipp Emanuel Bach und natürlich auch vom Meister höchstselbst. 
Dass Bach nach seinem Tode vergessen wurde, bis zu dem Zeitpunkt, da ihn die Romantiker wiederentdeckten, erscheint mir eine Legende. Denn als Lehrer hat er die musikalische Landschaft mindestens so nachhaltig verändert, wie mit seinen Kompositionen. Seine Spuren finden sich über Generationen, auch wenn seine Schüler und Enkelschüler natürlich neue Entwicklungen in der Musik aufgegriffen haben. 
Johann Christian Kittel (1732 bis 1809) wirkte in seiner Heimatstadt Erfurt als Organist. Er unterrichtete zahlreiche Schüler, und vermittelte auch mit seiner dreibändigen Orgelschule Der angehende Organist die hohe Kunst des Orgelspiels, wie er sie bei Bach gelernt hatte. Allerdings beeindruckten ihn Haydn und Mozart sehr, was man deutlich hören kann. 
Johann Ludwig Krebs (1713 bis 1780) war neun Jahre lang Schüler, Notenkopist und wohl auch ein Freund Bachs. Er war ein Orgelvirtuose von hohem Rang, und erhielt 1756 eine Anstellung als Hoforganist in Altenburg. 
Johann Caspar Vogler (1696 bis 1763) lernte gleich zweimal bei Bach – einmal in seiner Vaterstadt Arnstadt, und dann später noch einmal in Weimar. Er wurde zunächst Organist im thüringischen Stadtilm, und dann Hoforganist in Weimar. 1735 bewarb er sich erfolgreich in Hannover. Doch der Herzog ließ ihn nicht gehen, so dass er letztendlich nicht Organist der Marktkirche wurde, sondern Bürgermeister in Weimar. 
Johann Gottfried Walther (1684 bis 1748) war ein entfernter Verwandter Bachs. Er stammte aus Erfurt, und war in Weimar als Organist und als Musiklehrer des hochtalentierten Prinzen Ernst August tätig. Mit Johann Sebastian Bach war er befreundet. 
Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) war der berühmteste der Bach-Söhne. Ab 1735 musizierte er als Cembalist in der Hofkapelle Friedrichs II. von Preußen, und 1768 wurde er schließlich der Nachfolger seines verstorbenen Paten Georg Philipp Telemann als Musikdirektor und Kantor am Gymnasium Johanneum in Hamburg. Er war ein Musiker, der in ganz Europa wahrgenommen und verehrt wurde. 
Cardi hat mit viel Geschick eine Werksauswahl zusammengestellt, die Querverbindungen aufzeigt, aber auch Individualität herausarbeitet. Für seine Einspielung wählte der Organist ein zweimanualiges Instrument, das sich in der Kirche San Martino im italienischen Cimego befindet. Es wurde 2014 von Giorgio Carli nach dem Vorbild der Silbermannorgeln im sächsischen Großhartmannsdorf sowie im benachbarten Helbigsdorf errichtet. Dabei orientierte sich der Orgelbauer sehr stark an den beiden Originalen. Einzig das Register Trompete 8' im Hauptwerk hat er wohl ergänzt. Und als Stimmton wählte er 440 statt der historischen 465 Hertz. 

Samstag, 23. September 2017

Tchaikovsky - Jan Vogler (Sony)

Schon seit einiger Zeit steht sie bei mir im Regal – und nun will ich sie endlich auch im Blog vorstellen: Die Tschaikowski-CD von Jan Vogler, die man genießen sollte wie einen sonnigen Herbsttag. Der Cellist ist nicht nur in den Konzertsälen weltweit sehr gefragt, sondern darüber hinaus Intendant der Dresdner Musikfestspiele und künstlerischer Leiter des ebenso renommierten Moritzburg Festivals. 
Dennoch hat er sich die Zeit genommen für diese Einspielung, die aus seiner sehr persönlichen Sicht auf die Werke Peter Tschaikowskis entstanden ist. Die Idee dazu ergab sich auf einer Reise, bei einem Konzert in St. Petersburg, der Heimatstadt des Komponisten. Im Beiheft der CD berichtet Jan Vogler, wie er durch die Straßen flanierte, und sich über die Bauwerke freute: „Was für eine beeindruckende Rokoko-Pracht“, scheibt der Cellist. „Die wunderschönen Palais' stehen wie aufgereiht am Flussufer und inspirieren jeden Besucher. Was, wenn Tschaikowski sich von der Rokoko-Architektur seiner Heimatstadt zu seinen Rokoko-Variationen inspirieren ließ? Was, wenn all' die Verzierungen und verspielten Floskeln dieses Werkes Anklänge an die eleganten Möbel, die gewundenen Fassaden-Linien oder den galanten Stil der höfischen Kleider dieser Zeit wären?“ 
Für diese CD hat Vogler Tschaikowskis Musik daher nicht aus spätroman- tischer Perspektive, sondern mit dem Blick der historischen Aufführungs- praxis neu betrachtet, und dabei etliche Details liebevoll gestaltet. So spielt er zwar die Rokoko-Variationen in der Version des Cellisten Wilhelm Fitzenhagen, und nicht die Urfassung – aber er hat die letzte Variation, die sich durch „amüsante Verspieltheit“ auszeichnet, so Vogler, und die Fitzenhagen gestrichen hat, wieder eingefügt. 
Die Rokoko-Variationen sowie die ursprünglich für Violine komponierten Werke Sérénade mélancolique und Méditation hat der Cellist mit dem hr-Sinfonieorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada eingespielt. Komplettiert wird das Programm durch das tempera- mentvolle Souvenir de Florence, das Vogler gemeinsam mit Valeriy Soko- lov, Annabelle Meare, Lawrence Power, Yura Lee und Christian Poltéra als ein nostalgisches Andenken an diese schöne Stadt interpretiert. 

Freitag, 2. Juli 2010

Haynd: Cello Concertos I - III; Vogler - Virtuosi Saxoniae (Berlin Classics)

"Ich konnte als Chef eines Orche- sters Versuche machen", schrieb Haydn, "beobachten, was den Eindruck hervorbringt und was ihn schwächt, als verbessern, zusetzen, wegschneiden, wagen; ich war von der Welt abgesondert. Niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so mußte ich original werden."
Das Orchester von Fürst Paul Anton von Esterházy, dem Haydn als Kapellmeister vorstand, war nicht groß, aber offensichtlich leistungsfähig. Davon zeugen unter anderem auch die beiden Violoncello-Konzerte, die Haydn zweifels- frei für Cellisten aus diesem Orchester geschrieben hat, für Joseph Weigl und Anton Kraft. Bei einem dritten Cello-Konzert ist seine Urheberschaft umstritten. Dennoch wurde das hübsche Stück hier mit eingespielt. 
Die Aufnahmen sind mittlerweile bereits zehn Jahre alt;  Jan Vogler musiziert gemeinsam mit den Virtuosi Saxoniae unter Ludwig Güttler - solide, aber nicht überwältigend. Insbesondere der feine Haydnsche Humor dürfte gern etwas stärker zum Tragen kommen.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Mendelssohn Bartholdy: Cellosonaten; Vogler (Berlin Classics)

Felix Mendelssohn Bartholdy hatte ein unglaubliches Gespür für Klangfarben. Seine Werke für Violoncello sind so perfekt auf das Instrument zugeschnitten, dass man kaum glauben mag, dass er es nicht selbst gespielt hat. Sie sind intime Dialoge zwischen Cello und Klavier, wobei jeder Dialogpartner eigene Gedanken und eine eigene Stimme einbringt. 
Die vorliegende CD enthält Men- delssohns Sonaten für Violoncello und Klavier Nr. 1 in B-Dur op. 45 und Nr. 2 in D-Dur op. 58 sowie die Variations concertantes D-Dur op. 17 und das Lied ohne Worte D-Dur op. 109. Jan Vogler und Louis Lortie erweisen sich als ideale Interpreten dieser Stücke. Denn sie beherrschen dieses Wechselspiel, dieses Balancieren zwischen Solo und Zwiegesang perfekt. 
Da wird jede Phrase sorgsam und mit Hingabe gestaltet. Vogler lässt sein Guarneri-Cello singen - mit dem charakteristischen dunklen, weichen Ton - und der kanadische Pianist führt den musikalischen Gedanken weiter. Oder aber das Klavier gibt eine Struktur vor, und das Cello greift die Idee auf und spinnt sie fort. Lortie und Vogler musizieren seit vielen Jahren gemeinsam; Mendelssohns Werken kommt dies offenbar sehr zugute. Ich jedenfalls halte diese Einspie- lung für eine von Voglers besten.