Posts mit dem Label Zürcher Kammerorchester werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Zürcher Kammerorchester werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 10. Juli 2021

Serenades (Deutsche Grammophon)

 

Das Zürcher Kammerorchester aus Anlass seines 75jährigen Bestehens eine Auswahl von beliebten Meisterwerken für kleine Orchesterbesetzung zusammengestellt. Hervorgegangen ist es aus einer losen Formation von Musikfreunden um den Musikstudenten Edmond de Stoutz, die sich in den 40er Jahren trafen, um gemeinsam ihrer Leidenschaft für Kammermusik zu frönen. 

Schließlich wurde daraus ein Kammerorchester, das 1945 in Zürich sein erstes öffentliches Konzert gab. Seit 2016 leitet Daniel Hope das Orchester. Seitdem spielen die Musiker zumeist ohne Dirigenten; Hope leitet das Ensemble, als primus inter pares, quasi vom Konzertmeisterpult aus. 

Das kollegiale Musizieren prägt auch diese Aufnahme mit drei weltberühmten Streicherserenaden: Die Serenade für Streicher C-Dur von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, die Serenade für Streicher e-Moll von Edward Elgar, und Mozarts berühmte Kleine Nachtmusik sind ein schönes Geschenk an das Publikum zum Orchesterjubiläum. 


Freitag, 7. Juli 2017

Sebastian Knauer - Bach & Sons 2 (Berlin Classics)

„Period performance is in the mind and not in the hardware“, zitiert Sebastian Knauer den Dirigenten Sir Roger Norrington. Und weil das so ist, spielt der Pianist auf Bach & Sons 2 Werke von Johann Sebastian Bach und seinen Söhnen Carl Philipp Emanuel und Johann Christian auf dem Konzertflügel. 
Ausgewählt hat Knauer für dieses Projekt neben den beiden bekannten Konzerten BWV 1055 und 1056 auch das Konzert für Flöte, Violine und Cembalo BWV 1044 sowie zwei wirkliche Raritäten: Das Konzert in F-Dur von Johann Christian Bach entdeckte Knauer beim Stöbern in einem sich auflösenden Notenarchiv – ursprünglich war es Wilhelm Friedemann Bach zugeschrieben: „Dann hat sich jedoch herausgestellt, dass es unter falschem Namen veröffentlicht wurde und eigentlich von Johann Christian Bach stammt“, so der Musi- ker. 
Das Konzert in G-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach faszinierte Knauer – „aber es gab noch kein editiertes Notenmaterial dazu. Da hat mir der Dohr-Verlag geholfen, dass wir rechtzeitig für die CD auch eine Noten- ausgabe bekamen.“ 
Glück hatte Sebastian Knauer auch mit seinen Partnern. „Wir atmen gleich, denken gleich und können unglaublich schnell aufeinander reagieren“, beschreibt der Pianist seine Erfahrungen mit dem Geiger Daniel Hope, mit dem er schon seit vielen Jahren gern musiziert. Beim Tripelkonzert spielt er zudem mit dem Flötisten Philipp Jundt. 
Fast noch wichtiger ist aber dafür, dass diese Einspielung derart fabelhaft gelungen ist, Knauers langjährige Zusammenarbeit mit dem Zürcher Kammerorchester: „Es ist einfach eine reine Freude, mit diesem Orchester zu spielen“, schwärmt der Pianist für dieses Ensemble. „Für mich ist es elementar, dass ich mich mit den anderen Musikern blind verstehe. Das ist auch der Fall bei Philipp Jundt, zu dem der Kontakt über das Orche- ster kam. Das ist die Grundlage von Erfolg, wenn man gemeinsam musiziert.“ 
Und musiziert wird lustvoll, zupackend, mit Schwung und Eloquenz. Das moderne Instrumentarium ist dabei kein Hindernis: „Ich nutze die Mög- lichkeiten eines modernen Flügels, versuche mich aber in Klang und Spielweise dem Cembalo zu nähern“, sagt Sebastian Knauer. „Das heißt, dass ich nicht die ganze Bandbreite eines Pedals benutze oder den Anschlag nicht so ansetze, wie ich es bei einem romantischen Werk tun würde.“ Das dynamische Differenzierungsvermögen seines Steinways aber setzt er gern ein; auf einem Cembalo wäre ein derart facettenreiches Spiel nicht möglich. Die drei Solisten und das Zürcher Kammerorchester wirken zudem ungemein sensibel zusammen. Für die Interpretation hat das erfreuliche Konsequenzen: Bach & Sons 2 klingt frisch und natürlich; die Aufnahme wirkt in sich rund und stimmig. Unbedingt anhören, es lohnt sich!

Sonntag, 24. Mai 2015

Bach: Klavierkonzerte BWV 1052 - 1058 (Genuin)

Noch eine Aufnahme der Klavier- konzerte von Johann Sebastian Bach, seufzt der Rezensent, und legt die CD in den Player. Doch dann folgt eine Überraschung. Denn was Yorck Kronenberg gemeinsam mit dem Zürcher Kammerorchester bei Genuin veröffentlicht hat, das ist alles andere als Mainstream. „Ich liebe Bach“, erklärt der Pianist in einem Interview im Beiheft – und das darf man ruhig als Credo verstehen. 
Mit beeindruckender Sorgfalt und der gehörigen Ehrfurcht hat sich Kronen- berg die Konzerte erschlossen. „Ich spiele Bach gern auf dem Cembalo; die Auseinandersetzung mit diesem Instrument beeinflusst zweifellos meine Sicht auf seine Musik“, erläutert der Pianist. „Es ist wichtig zu wissen, in welchem dynamischen Rahmen man sich bewegt, was beispielsweise auch Auswirkungen auf die Anlage von Phrasen hat, auf deren Länge und ihre innere Spannung. Auf dem Cembalo ergibt sich der Ausdruck wesentlich durch Artikulation und Tempoführung, diese Erkenntnis ist auch für heutige Pianisten von unschätzbarem Wert. Das heißt nicht, dass ich mir den Klangfarben- reichtum des modernen Flügels versage. Ich verzichte aber weitgehend auf den Einsatz des Haltepedals; und ich scheue mich vor allzu kurzatmigen dynamischen Ausbrüchen, die grell und aufgesetzt wirken können. Bachs Musik hat eine gleichermaßen archaische wie intellektuelle Kraft, die solche Effekte nicht nötig hat.“ 
Ein Konzert, BWV 1057, spielt Kronenberg auch bei dieser Einspielung auf dem Cembalo. Damit nimmt er Rücksicht auf die beiden solistisch besetz- ten Blockflöten; eine weise Entscheidung, wie man beim Anhören fest- stellen wird. Auch sonst hört der Pianist gern auf seine Mitmusiker. Gemeinsam mit dem Zürcher Kammerorchester musiziert er ungemein lebendig, aber stets auch präzise und ausbalanciert. 
Der Klang des Bösendorfer Konzertflügels passt dabei perfekt zum be- schwingten und stets klar strukturierten Spiel des Orchesters. Kronenberg begeistert durch seine fein austarierte, gut durchdachte und nuancenreiche Interpretation. Hier wird ebenso lustvoll wie stilsicher ausgeziert, und mit einer Leidenschaft musiziert, die ich schlicht hinreißend finde. Man vergisst vollkommen, dass es zu Bachs Zeiten noch gar kein modernes Klavier gab. Bravi! Diese Aufnahmen haben zweifellos Referenzcharakter; man möchte sie wieder und wieder hören, freut sich an den Nebenstimmen, den Klangfarben, an Frische und Musizierlust. Mehr davon! 

Samstag, 28. Dezember 2013

Vienna 1789 (Berlin Classics)

Wien 1789? Etwas irritiert überlegt man beim Blick auf diese CD: Französische Revolution? Wien?? Ein Päckchen mit Noten war es, das Sebastian Knauer zu dieser CD inspirierte – das berichtet er jedenfalls im Beiheft „Haydn, der nicht nur für Orchesterkonzerte und Kammermusik zuständig war, sondern auch für den Opern-Spielplan des Hoftheaters, hatte sich zur Vorbereitung einer neuen Produktion das Aufführungs- material zu Mozarts ,Figaro' bestellt, jener Oper, die wegen ihres sozialkritischen Inhalts von der kaiserlichen Zensur nur mit großen Bedenken zugelassen worden war und die bis heute als Vorbote der französischen Revolution gilt. Am 14. Juli 1789 hat diese Revolution dann tatsächlich begonnen, und ausgerechnet an diesem Tag, an dem die Bürger von Paris auf die Straße gingen, die Bastille stürmten und das verhasste alte Regime zu Fall brachten, kam das Paket aus Wien mit dem ,Figaro'-Material bei Haydn an.“ 
Dieser Zufall brachte Knauer auf die Idee, die Klavierwerke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven – „die drei großen Repräsentanten der Wiener Klassik“ – als Zeit- zeugen darauf zu befragen, ob sich darin Spuren der Revolution erkennen lassen. Mozart komponierte damals sein letztes Klavier- konzert KV 595, Beethoven, nach einem kurzen Aufenthalt in Wien zurück in Bonn, sein der Abfolge nach erstes Klavierkonzert op. 19. Zwischen den beiden Konzerten platzierte Knauer Haydns Klavier- sonate Es-Dur, Hob. XVI:49. Sie ist ebenfalls im Revolutionsjahr entstanden, und zeigt deutlich, dass der alte Haydn dem jungen Beethoven musikalisch oftmals erstaunlich nahe war. 
Ein Echo der Revolution wird man in diesen drei Werken vergebens suchen; in Wien hielt man es mehr mit der Monarchie, und selbst der junge Beethoven reagierte ernüchtert, als bekannt wurde, dass die Republikaner erst die alten Eliten und dann die Revolutionäre unter die Guillotine verfrachteten. Spannend ist es dennoch, den musikalischen Generationswechsel nachzuvollziehen, der in den ausgewählten Werken anklingt. Bei seiner Aufnahme konnte Sebastian Knauer auf vertraute Partner bauen: Das Zürcher Kammerorchester unter Sir Roger Norrington ist sehr versiert in Sachen historisch informierte Interpretation auf modernen Instrumenten. 
Der Pianist und das kleine Orchester musizieren perfekt abgestimmt und mit Esprit. „Darüber, was die drei Komponisten zum Klang des auf dieser CD verwendeten modernen Flügels gesagt hätten, kann man naturgemäß nur spekulieren“, meint Knauer. „Doch mich sollte nicht wundern, wenn sie mit größtem Interesse zugehört und die Möglichkeiten, die ein Steinway im Vergleich zu den Hammerflügeln ihrer Zeit zu bieten hat, genauestens studiert hätten. Und wer weiß? Am Ende hätten sie womöglich sogar bedauert, dass sie selbst solche Instrumente noch nicht zur Verfügung hatten.“ 

Sonntag, 8. Januar 2012

Bach & Sons: Piano Concertos; Knauer (Berlin Classics)

"Joh. Seb. Bachs Art das Clavier zu behandeln, ist von jedem, der das Glück gehabt hat, ihn zu hören, bewundert, und von allen, die selbst Ansprüche machen konn- ten, für gute Spieler gehalten zu werden, beneidet worden", be- richtet sein Biograph Johann Nikolaus Forkel. Im Falle von Bach senior sind damit vor allem Cem- balo und Clavichord gemeint; doch auch den Hammerflügel lernte der Musiker in seinen letzten Lebens- jahren noch kennen und schätzen. 
Bach gehörte zudem zu den ersten Komponisten überhaupt, die das Cembalo in Konzerten als Solo-Instrument einsetzten. So adaptierte er zahlreiche Werke, die er ursprünglich für gänzlich andere Instru- mente geschrieben hatte, für das Cembalo, um sie mit dem Collegium musicum im Zimmermannischen Kaffeehaus aufzuführen. Es klingt ungewohnt, wenn der Hamburger Pianist Sebastian Knauer sie nun auf einem modernen Steinway vorträgt, und Puristen mögen sich darüber ärgern.
Aber Bach selber hätte es wohl ebenso gemacht. Die Frage also, ob es zulässig ist, Bach auch im Zeitalter des historisch korrekten Musi- zierens auf modernen Instrumenten zu spielen, stellt sich nicht. Ob Knauer aber eine spannende neue Sichtweise auf Bachs Werk gelingt, das ist die interessante Frage. 
Der Pianist beantwortet sie, indem er auf Traditionen verweist - nicht zuletzt auf die seiner eigenen Familie. Dass er nebenher Bach nebst seinen Söhnen zu Quasi-Hamburgern erklärt, lässt schmunzeln. Er stellt zwei "Klavierkonzerte" des Thomaskantors neben Werke seiner Söhne Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) und Johann Christian Bach (1735 bis 1782). So macht der Pianist Entwicklung hörbar - vom Barock über den eher galanten Stil von Carl Philipp Emanuel Bach bis hin zum Werk seines Bruders und Schülers Johann Christian Bach, das schon deutlich auf die Frühklassik verweist. 
Mit der strengen Form Johann Sebastian Bachs weiß Knauer jedoch eher wenig anzufangen. Er spielt brillant, stets durchsichtig und mit weichem, aber perlendem Ton. Doch man hat ein bisschen den Ein- druck, Examensstücke zu hören statt Musik, der sich der Interpret mit Leidenschaft und Verstand verschrieben hat. Diese Distanz ist auch beim Zürcher Kammerorchester festzustellen, das hier seine erste Aufnahme unter seinem neuen Chefdirigenten Sir Roger Norrington eingespielt hat. Sie schwindet erst bei den eher drama- tischen als mathematischen Werken der beiden Bach-Söhne; das Konzert von Johann Christian Bach scheint auch dem Solisten am meisten zu liegen. Hier beginnt der Flügel auf einmal zu singen, und die Kadenzen gefallen mir hier am besten.