Die dritte CD mit Chorrepertoire aus der Zeit der Renaissance, die Philippe Herreweghe bei seinem Label Phi vorgelegt hat, ist William Byrd (um 1540-1623) gewidmet. Der Komponist wirkte, ebenso wie Thomas Tallis, der möglicherweise sein Lehrer gewesen ist, als Organist an der Chapel Royal. Mit der anglikanischen Kirche konnte Byrd allerdings wenig anfangen; er selbst blieb zeitlebens Katholik und schrieb, neben Werken für den anglikanischen Gottesdienst, auch eine Vielzahl von Musikstücken entsprechend der katholischen Liturgie. Er veröffentlichte sie auch, was ziemlich kühn war, da Katholiken damals in England verfolgt und für die Missachtung des staatlich verordne- ten rechten Glaubens mitunter hart bestraft wurden.
Mit dem Collegium Vocale Gent hat Herreweghe neben der fünfstimmigen Messe auch einige Motetten dieses bedeutenden Meisters der späten Tudor-Zeit eingespielt. Byrds Musik wurde zudem durch je ein Werk von Alfonso Ferrabosco und Philippe de Monte ergänzt. Auch diese beiden Musiker wirkten zeitweise in England bei Hofe; es gibt gute Gründe dafür, anzunehmen, dass Byrd beide kannte.
Den Mittelpunkt dieser CD bildet Byrds berühmte Motette Infelix ego. Der Text ist eine Meditation über Psalm 51, verfasst von dem Dominikaner Girolamo Savonarola (1452 bis 1498) kurz vor seiner Hinrichtung. Der Prediger hatte seinerzeit die Medici aus Florenz vertrieben und dort ein grausiges, rigoros frommes Regime zu errichten versucht. Er ist damit gescheitert – und wurde als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Diesen Text dürfte Byrd wohl kaum zufällig gewählt haben; seine Verto- nung ist ein Meisterwerk, das man unbedingt kennen sollte. Und das Collegium Vocale Gent singt exzellent. Es ist faszinierend, wie sehr sich die Sängerinnen und Sänger sogar auf den typisch englischen Chorklang einstellen. Bravi!
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Donnerstag, 16. April 2015
Montag, 7. Juli 2014
Te Deum laudamus (cpo)
Eine Überraschung ganz besonde- rer Art hielt der Freiberger Dom bereit: Als man daran ging, die Engel zu restaurieren, die in der Grablege der einstmals evange- lischen Wettiner hoch über den Köpfen Instrumente in den Händen hielten, um himmlische Musik anzustimmen, stellte sich heraus, dass es sich dabei zumeist um echte Instrumente handelte. Die Freude der Experte war riesen- groß, denn die Geigen, Zinken, Harfen, Cistern, Lauten und Schal- meien stammten aus einer Zeit, aus der nur sehr wenig derartige Sachzeugen überliefert sind. Und sie waren so gut erhalten, dass Instrumentenbauer sie kopieren konnten. Selbst die hölzernen Posaunen waren so detailgetreu angefertigt worden, dass ein Nachbau möglich war. Auf dieser CD ist nun anzuhören, wie die Engelskapelle geklungen haben könnte.
Die Werke dazu wurden der Sammlung der einstigen Freiberger Lateinschule entnommen. 1515 gegründet, zählt sie zu den ältesten städtischen Bildungseinrichtungen Sachsens. „Musik aus der Freiber- ger Gymnasialbibliothek aufführen zu wollen, heißt weniger, Lokalkolorit herauszuarbeiten und unbekannte, vergessene Meister der Öffentlichkeit vorzuführen. Vielmehr ist erstaunlich, wie welt- gewandt die Freiberger Musik im 15. und 16. Jahrhundert war“, meint Domkantor Albrecht Koch. „Führend dabei natürlich die Dommusik, die in enger Verbindung zur damaligen Lateinschule stand. Im Zentrum des Konzertes steht so das Te Deum von Rogier Michael, einem der wichtigen sächsischen Hofkapellmeister vor Heinrich Schütz. Das Programm erfährt seine Ergänzung aus den Werken vieler Meister, die in Freiberg gesammelt und aufbewahrt werden, unter ihnen Atanasius Kirchner, Leonard Lechner oder Orlando di Lasso. Es liegt auf der Hand, diese Musik mit dem groß- artigen Freiberger Renaissance-Instrumentarium zu verbinden und am ursprünglichen Ort zum Klingen zu bringen.“
Und so musizieren auf dieser CD gemeinsam die Ensembles „chordae freybergensis“ um Professorin Susanne Scholz, gegründet 2005, um Spieltechnik und Klang der Engelsgeigen zu erkunden, und die Sängerinnnen und Sänger der Freiberger Dom-Musik. Die Leitung hat Domkantor Koch, er spielt auch das Orgelpositiv. Bei aller Faszination ist leider eine gewisse Blutleere der Interpretationen zu bemängeln. Alles klingt irgendwie gleich; und das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Singenden zwar sehr sauber, aber wenig durchhörbar musizieren. Es fehlt Struktur, und man vermisst Abwechslung und auch verschiedene Klangfarben. Schade!
Die Werke dazu wurden der Sammlung der einstigen Freiberger Lateinschule entnommen. 1515 gegründet, zählt sie zu den ältesten städtischen Bildungseinrichtungen Sachsens. „Musik aus der Freiber- ger Gymnasialbibliothek aufführen zu wollen, heißt weniger, Lokalkolorit herauszuarbeiten und unbekannte, vergessene Meister der Öffentlichkeit vorzuführen. Vielmehr ist erstaunlich, wie welt- gewandt die Freiberger Musik im 15. und 16. Jahrhundert war“, meint Domkantor Albrecht Koch. „Führend dabei natürlich die Dommusik, die in enger Verbindung zur damaligen Lateinschule stand. Im Zentrum des Konzertes steht so das Te Deum von Rogier Michael, einem der wichtigen sächsischen Hofkapellmeister vor Heinrich Schütz. Das Programm erfährt seine Ergänzung aus den Werken vieler Meister, die in Freiberg gesammelt und aufbewahrt werden, unter ihnen Atanasius Kirchner, Leonard Lechner oder Orlando di Lasso. Es liegt auf der Hand, diese Musik mit dem groß- artigen Freiberger Renaissance-Instrumentarium zu verbinden und am ursprünglichen Ort zum Klingen zu bringen.“
Und so musizieren auf dieser CD gemeinsam die Ensembles „chordae freybergensis“ um Professorin Susanne Scholz, gegründet 2005, um Spieltechnik und Klang der Engelsgeigen zu erkunden, und die Sängerinnnen und Sänger der Freiberger Dom-Musik. Die Leitung hat Domkantor Koch, er spielt auch das Orgelpositiv. Bei aller Faszination ist leider eine gewisse Blutleere der Interpretationen zu bemängeln. Alles klingt irgendwie gleich; und das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Singenden zwar sehr sauber, aber wenig durchhörbar musizieren. Es fehlt Struktur, und man vermisst Abwechslung und auch verschiedene Klangfarben. Schade!
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