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Dienstag, 22. Dezember 2020

Machet die Tore weit (Christophorus)


 Der Weihnachtsmusik an der Leipziger Thomaskirche widmet sich auch dieses Album aus dem Hause Christophorus. Das Johann Rosenmüller Ensemble, geleitet von Arno Paduch, und der Kammerchor der Erlöserkirche Bad Homburg, geleitet von Susanne Rohn, konzentrieren sich dabei auf die Werke von Bachs Amtsvorgängern. Als Solisten wirken mit Antonia Bourvé und Simone Schwark, Sopran, Johanna Krell, Alt, Florian Cramer und Hansjörg Mammel, Tenor sowie Markus Flaig, Bass. 

Und auch wenn die Namen von Thomaskantoren wie Tobias Michael, Sebastian Knüpfer, Johann Schelle oder Johann Kuhnau heute dem Publikum kaum noch bekannt sind, erweist sich doch die Beschäftigung mit ihren Festmusiken als überaus lohnend. Man höre nur Schelles prachtvolles Machet die Tore weit, oder Knüpfers Dies est laetitiae für 22 Stimmen, üppig besetzt mit einem fünfstimmigen Trompetenchor nebst Pauken, dazu Streicher, Fagott, drei Flöten sowie sechs Solisten und vierstimmigem Chor. Dieses Konzert sowie Machet die Tore weit von Tobias Michael erklingen in Weltersteinspielung. Was für eine Klangpracht! 


Montag, 9. November 2015

Michael: Musicalische Seelenlust (Raumklang)

Tobias Michael (1592 bis 1657) war den Sohn des Dresdner Hofkapell- meisters Rogier Michael. Seine musikalische Laufbahn begann er 1601 als Sängerknabe in der Hofkapelle; 1609 schickte ihn der Kurfürst zur weiteren Ausbildung an die Landesschule in Pforta. Anschließend studierte Michael ab 1613 erst in Wittenberg, und dann in Jena. 1619 erhielt er die Stelle des Kapellmeisters an einer soeben neu errichteten Kirche in Sondershausen. 1621 fielen allerdings das Schloss und fast die gesamte Stadt einem verheerenden Brand zum Opfer; danach setzten seine Dienstherren, die Grafen zu Schwarzburg, die den Musiker ungern ziehen lassen wollten, Michael als Kanzleibeamten ein. 
Nach dem Tode von Johann Hermann Schein wurde Tobias Michael 1631 zum neuen Thomaskantor gewählt. So konnte er aus dem bedrängten Sondershausen nach Leipzig umziehen, wo er trotz Krieg und Seuchen dafür sorgte, dass das Kantorat an Bedeutung gewann – und dass die Thomaner wieder erstklassig sangen. So widmete Heinrich Schütz, der neue Hofkapellmeister in Dresden, der Stadt Leipzig und ihrem „berühmbten Chor“ seine Geistliche Chormusik von 1648. Der erzielte Qualitätszuwachs ist umso erstaunlicher, wenn man in der Leichpredigt liest, dass Tobias Michael in seinen 30 letzten Lebensjahren immer wieder von schweren Gichtanfällen geplagt wurde, und zum Schluss das Krankenlager gar nicht mehr verlassen konnte. 
Das bedeutendste Werk Michaels ist die Musicalische Seelenlust, 1634/35 und 1637 in zwei Teilen im Druck veröffentlicht. Der erste Teil enthält 30 geistliche Madrigale – biblische Texte in Vertonungen für fünf Stimmen, gesetzt nach dem seinerzeit innovativen italienischen Vorbild. Insofern erinnert dieser Teil an Scheins berühmtes Israelsbrünnlein. Im zweiten Teil fasste Michael 50 geistliche Konzerte für sehr unterschiedliche Besetzungen zusammen. Auf dieser CD erklingen Werke aus beiden Teilen, vorgetragen vom Ensemble Polyharmonique.

Donnerstag, 5. November 2015

Bach Handel Scarlatti: Gamba Sonatas (Hyperion)

„1685 – what a year! The storks must have been working overtime, earning bonusses for high-quality deliveries“, witzelt Steven Isserlis im Beiheft zu dieser CD, die er den drei großen musikalischen Persön- lichkeiten gewidmet hat, welche in jenem Jahr das Licht der Welt erblickten: Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Domenico Scarlatti. Der Cellist hat gemeinsam mit dem Cembalisten Richard Egarr Gambensonaten dieser Komponisten eingespielt; bei den Werken Händels und Scarlattis wirkt zudem noch Robin Michael mit, der mit dem Continuo-Cello einen wichtigen Beitrag zum Gesamtklang leistet. 
Wie anspruchsvoll diese Auswahl ist, das ist Isserlis durchaus bewusst: „Playing these Bach sonatas on the cello – the gamba's rather more robust younger brother, or at least cousin – perhaps throws up a few more questions of balance than arise between the gentle gamba and its old friend the harpsichord; but these are by no means insuperable“, erklärt der Musiker. „And its lovely for us cellists, used to making our presence felt with some difficulty over the rich sound of a modern piano, to be able to play as lightly as possible without ever courting inaudibility.“ Isserlis musiziert mit wundervollem, federleichten und wandlungsfähigen Ton. So tänzerisch-beschwingt, und dabei so ausgewogen und wohldurchdacht habe ich diese Werke noch nie gehört. Diese CD ist durchweg die reine Freude. Unbedingt anhören, jede Minute lohnt sich! 

Montag, 7. Juli 2014

Te Deum laudamus (cpo)

Eine Überraschung ganz besonde- rer Art hielt der Freiberger Dom bereit: Als man daran ging, die Engel zu restaurieren, die in der Grablege der einstmals evange- lischen Wettiner hoch über den Köpfen Instrumente in den Händen hielten, um himmlische Musik anzustimmen, stellte sich heraus, dass es sich dabei zumeist um echte Instrumente handelte. Die Freude der Experte war riesen- groß, denn die Geigen, Zinken, Harfen, Cistern, Lauten und Schal- meien stammten aus einer Zeit, aus der nur sehr wenig derartige Sachzeugen überliefert sind. Und sie waren so gut erhalten, dass Instrumentenbauer sie kopieren konnten. Selbst die hölzernen Posaunen waren so detailgetreu angefertigt worden, dass ein Nachbau möglich war. Auf dieser CD ist nun anzuhören, wie die Engelskapelle geklungen haben könnte. 
Die Werke dazu wurden der Sammlung der einstigen Freiberger Lateinschule entnommen. 1515 gegründet, zählt sie zu den ältesten städtischen Bildungseinrichtungen Sachsens. „Musik aus der Freiber- ger Gymnasialbibliothek aufführen zu wollen, heißt weniger, Lokalkolorit herauszuarbeiten und unbekannte, vergessene Meister der Öffentlichkeit vorzuführen. Vielmehr ist erstaunlich, wie welt- gewandt die Freiberger Musik im 15. und 16. Jahrhundert war“, meint Domkantor Albrecht Koch. „Führend dabei natürlich die Dommusik, die in enger Verbindung zur damaligen Lateinschule stand. Im Zentrum des Konzertes steht so das Te Deum von Rogier Michael, einem der wichtigen sächsischen Hofkapellmeister vor Heinrich Schütz. Das Programm erfährt seine Ergänzung aus den Werken vieler Meister, die in Freiberg gesammelt und aufbewahrt werden, unter ihnen Atanasius Kirchner, Leonard Lechner oder Orlando di Lasso. Es liegt auf der Hand, diese Musik mit dem groß- artigen Freiberger Renaissance-Instrumentarium zu verbinden und am ursprünglichen Ort zum Klingen zu bringen.“
Und so musizieren auf dieser CD gemeinsam die Ensembles „chordae freybergensis“ um Professorin Susanne Scholz, gegründet 2005, um Spieltechnik und Klang der Engelsgeigen zu erkunden, und die Sängerinnnen und Sänger der Freiberger Dom-Musik. Die Leitung hat Domkantor Koch, er spielt auch das Orgelpositiv. Bei aller Faszination ist leider eine gewisse Blutleere der Interpretationen zu bemängeln. Alles klingt irgendwie gleich; und das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Singenden zwar sehr sauber, aber wenig durchhörbar musizieren. Es fehlt Struktur, und man vermisst Abwechslung und auch verschiedene Klangfarben. Schade! 

Freitag, 6. April 2012

Thomanerchor Leipzig - 800 Jahre (Crystal Classics)

Vor 800 Jahren wurde in Leipzig durch Markgraf Dietrich von Meißen ein Kloster gestiftet - das Augustinerkloster St. Thomas, und zugleich damit gründete er die Thomasschule und der Thomaner- chor. Denn die Knaben, die an der Klosterschule ausgebildet wurden, wohnten im Stift - und sangen in den Gottesdiensten. 
Im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgelöst. Die Verant- wortung für Schule, Alumnat und Chor ging an die Stadt, und wenn der Thomanerchor in diesem Jahr sein großes Jubiläum feiert, dann feiert sich damit auch die Stadt Leipzig ein bisschen selbst. Den Stadtvätern sei dies vergönnt, denn der berühmte Chor hat im Laufe der Jahrhunderte viele große Musiker an die Pleiße gelockt, und zugleich viele von ihnen ausgebildet. 
Aus Archivbeständen hat Crystal Classics zum Jubiläum Werke von Thomaskantoren zusammengetragen, die der Chor seinerzeit unter Thomaskantor Hans-Joachim Rotzsch gemeinsam mit dem Neuen Bachischen Collegium Musicum Leipzig eingespielt hat. Auf der ersten CD finden sich neben Werken von Johann Sebastian Bach auch die seiner Vorgänger Johann Hermann Schein (1586 bis 1630), Tobias Michael (1592 bis 1657) und Johann Schelle (1648 bis 1701) sowie seiner Nachfolger Johann Adam Hiller (1728 bis 1804), Johann Gottfried Schicht (1753 bis 1823), Christian Theodor Weinlig (1780 bis 1842) und Gustav Schreck (1849 bis 1918). 
Auf der zweiten CD findet sich ein Repertoire, das auch bei den Thomanern zum Chorleben gehört - weltliche Chormusik und Volkslieder in handverlesenen Sätzen. Gerade hier fällt aber der schöne, homogene und ausgewogene Chorklang besonders auf, den Thomaskantor Rotzsch kultiviert hatte. Und so werden gerade Freunde des Knabenchor-Klanges sehr viel Freude an dieser Ergänzung haben.