Dienstag, 6. Oktober 2020

Reflecting Beethoven - Herbert Schuch (Avi-Music)

 

„Zu viel Beethoven gibt es nicht!“, meint Herbert Schuch. Zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 legt der Pianist deshalb allen Musikfreunden ein Album auf den Gabentisch, das drei Klaviersonaten des Komponisten in den Mittelpunkt stellt. Schuch hat dafür die Pathétique op. 13 sowie die Sonaten op 31 Nr. 1 und 2 – letztere bekannt unter „Der Sturm“ – ausgewählt. Diese kombiniert er mit Miniaturen, die mit Beethovens Musik korrespondieren. 

So erklingen nach der Klaviersonate op. 13 – für Schuch „ganz große italienische Oper mit schwerer Einleitung, großem Drama, Streitgespräch zweier Personen beim Seitenthema, dem Mittelsatz als Belcanto-Arie und dem Finale als Abschiedsszene“ – die Pathétique Variations von Mike Garson, dem langjährigen Keyboarder David Bowies. Sie erscheinen wie eine improvisierte Reflektion des großen Vorbildes aus heutiger Perspektive – oder vielleicht sollte man besser sagen „Perspektiven“? Denn der Stilpluralismus unserer zeitgenössischen Musik erzeugt viele Facetten, die höchst unterschiedliche Klangbilder auslösen. 

Coup de dés en échos von Henri Pousseur hat Schuch Beethovens Klaviersonate Nr. 16 vorangestellt. Damit setzt er einen Kontrast, denn dieses Stück ist ein modernes, von Pousseur John Cage gewidmet. Die Sturm-Sonate wiederum beantwortet Schuch mit Leander Ruprechts Sonata d-Moll (2nd Version); er macht darin aus Musik wieder Geräusch. Das ist in diesem Fall sogar witzig.


Sonntag, 4. Oktober 2020

John Williams in Vienna (Deutsche Grammophon)

 

Im Januar 2020 dirigierte John Williams erstmals die Wiener Philharmoniker – und sowohl die Presse als auch das Publikum gerieten darüber schier in Ekstase: „Besuch vom lieben Gott“, titelte beispielsweise der Standard. 

Es war ohne Zweifel ein Ereignis, und wer Karten bekommen hatte, der konnte sich freuen. Im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins erklangen im Konzert diesmal ausschließlich Werke des legendären amerikanischen Filmkomponisten – und als Stargast stand auch die Geigerin Anne-Sophie Mutter mit auf der Bühne. 

Die Musiker schätzen nicht nur Williams‘ Musik; sie waren auch von seiner hochprofessionellen Probenarbeit und von seiner präzisen Schlagtechnik begeistert gewesen, so wird berichtet. Die Blechbläser sollen darum gebeten haben, den Imperial March unbedingt mit ins Programm zu nehmen. Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit; auch der Komponist versicherte, die Arbeit mit den Wiener Philharmonikern sei für ihn „eine ganz besondere Ehre“

Die bekannten Melodien aus Filmen wie Star Wars, Indiana Jones, Jurassic Park wirken in dieser Aufnahme sehr edel; man vergisst beinahe, dass es sich nicht um sinfonische Musik, sondern eigentlich um Filmsoundtracks handelt. Die Kompositionen von John Williams haben aber durchaus das Format, um auch im Konzertsaal, ganz ohne Leinwand, das Publikum zu begeistern. Das spricht für die Qualität seiner Musik. 

Diese CD dokumentiert das besondere Konzert – und vielleicht gelingt es bei nächster Gelegenheit, neben den phantastischen Filmmusiken auch einmal ein „richtiges“ Orchesterwerk von John Williams mit ins Programm zu nehmen. May the Force be with you!