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Sonntag, 4. Oktober 2020

John Williams in Vienna (Deutsche Grammophon)

 

Im Januar 2020 dirigierte John Williams erstmals die Wiener Philharmoniker – und sowohl die Presse als auch das Publikum gerieten darüber schier in Ekstase: „Besuch vom lieben Gott“, titelte beispielsweise der Standard. 

Es war ohne Zweifel ein Ereignis, und wer Karten bekommen hatte, der konnte sich freuen. Im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins erklangen im Konzert diesmal ausschließlich Werke des legendären amerikanischen Filmkomponisten – und als Stargast stand auch die Geigerin Anne-Sophie Mutter mit auf der Bühne. 

Die Musiker schätzen nicht nur Williams‘ Musik; sie waren auch von seiner hochprofessionellen Probenarbeit und von seiner präzisen Schlagtechnik begeistert gewesen, so wird berichtet. Die Blechbläser sollen darum gebeten haben, den Imperial March unbedingt mit ins Programm zu nehmen. Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit; auch der Komponist versicherte, die Arbeit mit den Wiener Philharmonikern sei für ihn „eine ganz besondere Ehre“

Die bekannten Melodien aus Filmen wie Star Wars, Indiana Jones, Jurassic Park wirken in dieser Aufnahme sehr edel; man vergisst beinahe, dass es sich nicht um sinfonische Musik, sondern eigentlich um Filmsoundtracks handelt. Die Kompositionen von John Williams haben aber durchaus das Format, um auch im Konzertsaal, ganz ohne Leinwand, das Publikum zu begeistern. Das spricht für die Qualität seiner Musik. 

Diese CD dokumentiert das besondere Konzert – und vielleicht gelingt es bei nächster Gelegenheit, neben den phantastischen Filmmusiken auch einmal ein „richtiges“ Orchesterwerk von John Williams mit ins Programm zu nehmen. May the Force be with you! 


Freitag, 30. August 2019

Across the Stars (Deutsche Grammophon)

Gestern war ich auf der Autobahn unterwegs, in der Dämmerung, ringsum am Horizont Wetter- leuchten, und dazu habe ich diese CD angehört. Great! Wer hätte das gedacht – aber dies ist ohne Zweifel mein ganz persönliches Album des Jahres. 
Ganz ehrlich: Anne-Sophie Mutter gehörte bislang nicht zu meinen Favoriten. Doch die anfängliche Skepsis wich bald purer Begeisterung. Denn die Geigerin kann Moderne. Die Aufnahme bietet eine breit gefächerte Auswahl von John Williams’ berühmten Filmthemen, vom Komponisten höchstpersönlich neu arrangiert und auch selbst dirigiert. Eingespielt wurde sie in Culver City in Kalifornien, im großen Aufnahmesaal der Sony Pictures Studios – dort, wo üblicherweise Filmmusiken für Hollywood aufgezeichnet werden, und von Musikern, die dafür üblicherweise engagiert werden. 
Schon vor Jahren bat Anne-Sophie Mutter John Williams, ein Stück für sie zu schreiben, und sie äußerte zudem den Wunsch, auch ausgewählte Filmmusiken zu spielen. „In discussing this idea, we both realized that I had adapted only one or two of these pieces for solo violin and orchestra, and that the remainder of the chosen material would have to be new developed and orchestrated to complete her album. Because the opportunity to write for a great virtuoso always presents an energizing and exciting opportunity, I set about this project with great enthusiasm“, sagt John Williams.  „Working with Anne-Sophie on this recording has been a pure inspiration. She has brought vibrant life to these familiar themes in new and unexpected ways, which has been a great joy for me as a composer.“ 
Links neben John Williams Dirigentenpult, wie im Konzert, aber im Meister-Yoda-T-Shirt, musizierte Anne-Sophie Mutter. „Ich bin nicht einfach nur ein Fan“, meint die Geigerin. „Ich bewundere die Musik von John Williams, auch seine klassischen Filmmusiken. Von seinem Orchestersatz lerne ich unglaublich viel über Ausdruck und musikalische Farben. Es ist für mich ein echtes Abenteuer, hier den richtigen Ton, die richtige Nuance zu suchen und zu finden.“ 
Man muss aber feststellen, dass genau dies Anne-Sophie Mutter bewundernswert gelungen ist. Sie musiziert mit beeindruckender Leidenschaft und unglaublich ausdrucksstark. Es ist wie ein Sprung in die Zukunft: Immer wieder entdeckt der Hörer neue Facetten, neue Klangfarben, einen mutigen Strich. 
Die Geigerin nutzt ihre brillante Technik, um Williams' Musik bis in die feinste Schattierung perfekt zu gestalten. Man höre nur Night Journeys aus Dracula – was für ein Drama! Kein Violinkonzert könnte aufregender sein, keine Sonate mehr bewegen. Und die ganze Aufnahme strahlt eine Musizierfreude aus, es ist einfach grandios. Bravi, bravi, bravi! 

Dienstag, 11. Dezember 2018

Der Nussknacker und die vier Reiche (Sony)

Die Geschichte von Nussknacker und Mausekönig, erdacht einst von dem Schriftsteller E.T.A. Hoffmann, gehört seit Jahrzehnten zur Vorweihnachtszeit. Ob als Ballett, mit der unsterblichen Musik Pjotr IljitschTschaikowskis, oder als Trickfilm – alle Kinder kennen und lieben die Geschichte um die kleine Marie, ihren Paten Drosselmeier und den etwas lädierten Nussknacker, der dennoch die Spielzeugsoldaten wacker in die Schlacht gegen das Heer der Mäuse führt. 
Nun hat Disney eine Spielfilmversion ins Kino gebracht: Der Nussknacker und die vier Reiche, inspiriert durch Märchen und Ballett, nimmt Groß und Klein mit auf eine abenteuerliche Reise ins Reich der Fantasie. Und diese CD beweist: Ebenso opulent wie Inszenierung und Ausstattung ist die Filmmusik von James Newton Howard. Natürlich wird der Kenner zahlreiche Themen von Tschaikowski erkennen. Doch der Rest ist Hollywood pur – zelebriert von Stars wie Lang Lang am Klavier, und Gustavo Dudamel, der das Philharmonia Orchestra dirigiert. Das Duett Fall on me singt Tenor Andrea Bocelli gemeinsam mit seinem Sohn Matteo; das Video dazu wurde innerhalb weniger Tage Tage nach Erscheinen auf Youtube Ende September 2018 bereits über elf Millionen Mal geklickt. 

Montag, 19. November 2018

Christmas at the Movies (Sony)

Beliebte Weihnachtsfilme und Weihnachten im Film – Sony hat aus bekannten Soundtracks ein Programm zusammengestellt, dass sich rundum hören lassen kann. Von „Der Polarexpress“ bis zum „Zauberer von Oz“ und von „The Nightmare before Christmas“ bis zu „Kevin – Allein zu Haus“ erinnert das Album an Lieblingsfilme aller Generationen. 
Von White Christmas aus dem Film „Holiday Inn“ über Melodien aus „Harry Potter und der Stein der Weisen“ oder „Edward mit den Scherenhänden“ reicht die Auswahl moderner Klassiker, und auch die Gremlins, die Elfenfamilie, die Muppets oder Charlie Brown und die Peanuts sind mit vertreten. 
Die Filmmusiken wurden eigens für diese CD neu arrangiert, und vom Czech Philharmonic Orchestra unter Leitung von Nick Patrick eingespielt. Natürlich darf dabei ein wenig musikalischer Feenstaub, wie Glockenspiel und Chorgesang, nicht fehlen. Aber wer wird denn darüber meckern – es ist schließlich Weihnachten, und da kann es ruhig eine Prise rosa Puder- zucker sein! Als Gaststars sind auf dieser CD übrigens The Piano Guys zu hören, mit dem Titel Let it go aus dem Film „Frozen – Die Eiskönigin“. 

Donnerstag, 3. Mai 2018

John Williams - Themes and Transcriptions for Piano (Varèse Sarabande)

An dieser Stelle sei gleich noch eine weitere CD mit Melodien von John Williams empfohlen. Denn Simone Pedroni, Goldmedaillen-Gewinner beim Van Cliburn International Piano Competition, schätzt die Werke des renommierten Filmmusik-Spezialisten sehr. 
„My love for John William's music dates back to my adolescence when, sitting in a movie theatre, I saw Return Of The Jedi three times in an row“, erinnert sich der italienische Pianist. „I realized that behind those images, there was a great symphonic orchestra performing a complex score for almost the entire duration of the film.“ 
Die Faszination ist seitdem ungebrochen. Und so hat Pedroni für das Filmmusik-Label Varèse Sarabande einige der bekanntesten Kompositionen von John Williams auf dem Klavier eingespielt. Das ist besonders deshalb interessant, weil es einen Einblick in die Werkstatt des Meisters gestattet: Williams, ebenfalls ein brillanter Pianist, entwickelt seine Soundideen am Klavier; orchestriert wird später. 
„As a concert pianist, I always wanted to play his music in my recitals but no original work was available“, bedauert Pedroni. „So it was an immense surprise when I found two suites for piano originally arranged by the composer from the soundtracks of Lincoln and The Book Thief! These intimate and extremely refined piano versions give us the possibility to trace the ,dawn' of Williams' creative process, as he always composes at the piano.“ Allerdings sei Musik aus den Suiten letztendlich im Film nicht verwendet worden. „My enthusiasm for these Williams originals pushed me to transcribe in a virtuosic and transcendent style other works that could, on the piano, have the same evocative power oft the orchestral versions – a sort of ;Pianist's cut'.“ 
Pedronis Transkriptionen sind nun auf dieser CD zu hören. Es erklingt Filmmusik aus Lincoln, Sabrina, Die Bücherdiebin, Schindlers Liste, Aus Mangel an Beweisen, zwei Harry-Potter-Filmen und den Star-Wars-Filmen Das Imperium schlägt zurück sowie Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Viel Vergnügen! 

John Williams - A Life in Music (Decca)

Lang ist die Liste der Filmmusiken, die John Williams (*1932) komponiert hat. Und beinahe ebenso lang ist die Liste der Auszeichnungen, die er dafür erhalten hat, darunter mehrere Oscars und Grammys. So hat Williams die Musik zu nahezu allen Filmen des Regisseurs Steven Spielberg geschrieben. 
Diese CD fasst wichtige Meilensteine zusammen. Sie enthält Melodien aus Der weiße Hai, Jurassic Park, E.T. – Der Außerirdische, Hook, Der Soldat James Ryan, Schindlers Liste und Jäger des verlorenen Schatzes. Zu hören sind zudem Hedwigs Thema aus Harry Potter und der Stein der Weisen, der Superman-Marsch und natürlich die Titelmelodie aus Star Wars
Neu eingespielt hat all diese Filmhits das London Symphony Orchestra unter Leitung von Gavin Greenway, einem Dirigenten, der mit Filmmusik sehr viel Erfahrung hat. Das Album ist insgesamt mit großer Sorgfalt erarbeitet worden. So kann man in dem schön gestalteten Beiheft nachlesen, wie sehr die beteiligten Musiker John William und seine Werke schätzen. „John William's music will be as long-lasting as Beethoven's and I feel truly privileged to have worked with him“, sagt beispielsweise Tim Hugh, Solocellist des LSO, „as well as having now performed his newly-arranged version of the Schindler's List theme.“ Rundum gelungen! 

Sonntag, 29. Oktober 2017

Sounds of Hollywood (Ars Produktion)

Dies ist bereits die dritte CD mit Filmmusik, die die Vogtland Philharmonie unter Leitung von Stefan Fraas eingespielt hat. Dieses Orchester ist einzigartig in der deutschen Musiklandschaft – und das nicht nur deshalb, weil es von zwei Bundesländern, Thüringen und Sachsen, gemeinsam getragen wird. Bekannt ist es auch für seine ungewöhnlichen Veranstaltungs- und Konzertformate. Damit wirbt es ziemlich erfolgreich um Publikum, das normalerweise nicht ins Sinfonie- konzert gehen würde. 
So lädt „Sounds of Hollywood“ ein zu einer musikalischen Reise durch die Welt der Filme. Das Konzert, mitunter sogar als Open Air, bietet sowohl Musik- als auch Kinofans ein unvergessliches Erlebnis. Dazu wird der Orchestersound ergänzt durch legendäre Filmszenen, die zusammen mit Großaufnahmen der Künstler auf eine überdimensionale Leinwand übertragen werden. 
Auf diese multimediale Dimension muss freilich verzichten, wer sich die bekannten Filmmusiken per CD ins Haus holt. Auch das ganz besondere Flair einer Großveranstaltung unter freiem Himmel überträgt sich hier nicht, da die Aufnahmen in der Stadthalle Werdau entstanden sind. Zu hören sind Hits aus Hollywood, für jeden Geschmack. Das Programm reicht von Star Wars – Das Erwachen der Macht über Bonanza bis zu Batman und vom Dschungelbuch über Games of Thrones bis hin zu Der Polarexpress. Nicht alles ist so filigran gestaltet, wie man sich das wünschen könnte. Aber generell hat das Album etliches zu bieten – man höre nur John Williams' Filmmusik zu Die Geisha, mit ausgesprochen reizvollen Solopartien von Violine und Violoncello, gespielt von Konzert- meister Sergei Synelnikov und Solo-Cellist Peter Manz. 

Dienstag, 3. Januar 2017

Shield: Laurel & Hardy - The original piano music (Aevea)

Er schuf die Musik zu Die kleinen Strolche und zu sämtlichen Laurel-und-Hardy-Filmen: Leroy Shield (1893 bis 1962), eigentlich hieß er Leroy Bernard Shields, gab sein Debüt als Konzertpianist bereits im Alter von zwölf Jahren. Er begleitete unter anderem Éva Gauthier, von der Presse gefeiert als the high priestess of modern song, bei ihren frühen Konzertreisen in Amerika. 
In den Jahren 1923 bis 1931 arbeitete er hauptsächlich als Arrangeur, Dirigent und Produzent für die Victor Talking Machine Company bzw. RCA Victor. Die Discography of American Historical Recordings nennt ihn als Leiter von 750 Aufnahmen, als Pianisten bei 393 Aufnahmen, Dirigenten von 488 Aufnahmen und Produzenten von 353 Aufnahmen. Die Hal Roach Studios betrat er sozusagen durch die Hintertür: Als Victor 1929 engagiert wurde, in den Hal Roach Studios das Sound Equipment zu installieren, kam Shield mit Lastwagen voller Kabel und Mikrophone. Bis 1938 kom- ponierte er dann obendrein Musik für mehr als 180 Filme; im Abspann genannt wurde er allerdings nur zwei Mal, und auch Noteneditionen seiner Filmmusiken gibt es nicht. 
Zeit ist beim Film bekanntlich Geld; die Filmmusik wurde schon damals in der Regel durch ein Studio-Orchester eingespielt. Dabei wurde eher zügig als sorgfältig gearbeitet: Die Musik läuft nicht immer synchron zum Film, und die Tempi schwanken. Hal Roach war das egal. Der Unternehmer war mit seinen Kurzfilmen seinerzeit sehr erfolgreich; sein Studio wurde aus gutem Grund als Hollywoods Lachfabrik bezeichnet, denn das Komische war sein Metier. Die kleinen Strolche, die berühmten Komödien mit Stan Laurel und Oliver Hardy, und viele weitere, die heute nicht mehr so be- kannt sind, wurden in den Hal Roach Studios gedreht. 
Alessandro Simonetto hat nun am Klavier einige der Filmmusiken einge- spielt, die Leroy Shield für Hal Roach geschrieben hat. Nur ganz selten existierten Klaviernoten. In einigen Filmen ist Shield sogar am Piano zu hören; Símonetto hat sich alles mit Sorgfalt angehört und aus den wenigen erhaltenen Orchesterpartituren, Skizzen und Leadsheets Klavierarrange- ments geschaffen. Einiges musste er sogar von den Originalaufnahmen transkribieren. An einer exakten Kopie der Filmmusik war der italienische Pianist allerdings nicht interessiert, wie er im Beiheft zu dieser CD erklärt: „I have to play pianistically“, so Simonetto, „the music can never be played exactly like brass and woodwinds do, nor would it make sense. There's no point in attempting another copy!“ Die Klavierstücke, die nun letztendlich auf dieser CD erklingen, sind ebenso virtuos wie ausdrucks- stark – nicht nur die Freunde von Laurel und Hardy werden ihr Vergnügen daran haben. 

Mittwoch, 11. November 2015

Poledouris: Conan the Barbarian (Naxos)

Kann man die Musik zu dem Film Conan der Barbar auf einer Orgel spielen? Warum eigentlich nicht – wo es doch so viele andere Bearbeitungen klassischer Musik für Orgel gibt. Die Musik von Basil Poledouris (1945 bis 2006) hat in dem Film, in dem es kaum Dialoge gibt, eine wichtige narrative Funktion. Passend zur Handlung, wirkt sie mitunter roh und simpel – doch unterschätzen sollte man diese Klänge nicht; es ist ganz gewiss kein Zufall, wenn man gelegentlich Anklänge etwa an Strawinskis Frühlingsopfer oder an Orffs bekannte Werke wahrnimmt. 
„Transcribing this unique music for the pipe organ was both challenging and motivating“, berichtet Philipp Pelster. „It is a fact that numerous orchestral colours found in his score are impossible to reproduce on the organ. For example, there is extensive use of percussion instruments. (..) Another challenge was the frequent use of glissando effects in the Pit Fights movement, produced by the pedals. This accelerating movement is reminescent of the Rowing of the galley slaves composed by Miklós Rósza for his 1959 Ben-Hur score.“ 
Der Organist hat für all diese Herausforderungen Lösungen gesucht und gefunden: „The chief aim of a transcription should be to make it sound as though originally it had been written for organ“, betont Pelster. „And indeed, playing Poledouris's score on this instrument is like generating a completely new musical experience.“ Eingespielt wurde die Bearbeitung an der Orgel der Claremont United Church of Christ, Claremont in Kalifor- nien. Sie ist Ende der 90er Jahre von der Glatter-Götz Orgelbau GmbH aus dem deutsche Pfullendorf und Rosales Organ Builders, Inc. aus Los Angeles gemeinsam errichtet worden, und hat einen interessanten Klang. 

Montag, 23. Juni 2014

Saxophone Cinema (MDG)

Was für ein Sound! In dem Ensem- ble Selmer Saxharmonic musi- zieren zwölf der besten klassischen Saxophonisten Deutschlands. Auf dieser CD sind sie mit Filmmusik zu hören, und zwar auf sämtlichen Instrumenten der Saxophon-Familie, vom Sopranino bis zum Bass. Dabei überraschen sie mit spektakulären Klangeffekten – man höre nur die „Mundharmonika“ in der berühmten Musik zu Spiel mir das Lied vom Tod, komponiert von Ennio Morricone. Doch auch die Titelmelodien von Paulchen Panther oder Star Wars kommen in der Bearbeitung für zwölf Saxophone grandios zur Geltung. Es ist kaum zu glauben, wie farbenreich und klanglich flexibel diese Instrumente hier präsentiert werden. Und die Musiker agieren unter der Leitung von Milan Turković wie aus einem Atem, der Effekt ist wirklich phänomenal – diese Aufnahme macht süchtig, unbedingt mehr davon! 

Samstag, 7. September 2013

Bond for Orchestra (Threefold Records)

Als in den 90er Jahren die Phil- harmonic Hall der Stadt Liverpool wegen Baufälligkeit für einen längeren Zeitraum als Konzertsaal ausfiel, machte das Orchester- management aus der Not eine Tugend – und stellte ein Zirkuszelt auf. Diesem ungewöhnlichen Spielort wurde dann auch das Programm angepasst. So ist unter anderem diese CD mit Filmmusik entstanden. 
Carl Davis folgt mit dem Philhar- monia Orchestra den Spuren von James Bond. Der Hörer wird erstaunt feststellen, dass die Musik zwar durch das Bond-Thema von Monty Norman und den Sound von John Barry geprägt ist, der die Musik für eine ganze Reihe von Bond-Filmen geschaffen hat. Doch grundsätzlich sind die Klänge, die Agent 007 durch seine Abenteuer geleiten, höchst individuell gestaltet. Das fällt hier, wo sie so geballt erklingen, viel stärker auf als im Kino, wo man sich natürlich auf die Handlung konzentiert. Das macht die CD doppelt spannend – und hörenswert musiziert wird obendrein. Meine Empfehlung! 

Sonntag, 21. April 2013

Williams: Greatest Hits (Telos Music)

Moderne Musik gilt üblicherweise als sperrig und unerfreulich. Steht ein zeitgenössisches Werk auf dem Programm, so löst dies beim Publi- kum oftmals eine Massenflucht aus. Ist sie nicht möglich, so er- zeugt dies Unmut. 
In Metropolen ist den Musikern das zumeist ziemlich egal. In ländlichen Regionen aber kann ein anhaltender Zuhörerschwund durchaus dazu führen, dass der Kapellmeister gehen muss - oder clevere Politiker das Orchester gleich ganz "einsparen". Wie gelingt es einem Orchester in einem solchen Umfeld, Gegenwartsmusik in seine Konzertprogramme ein- zubinden - und damit erfolgreich zu sein? 
Evan Christ, seit 2008 Generalmusikdirektor und somit Leiter des Philharmonischen Orchesters am Staatstheater Cottbus, ist es gelungen, dort sogar einen "composer in residence" zu etablieren, und acht Uraufführungen in acht Konzerten vorzustellen. Für die Saison 2010/2011 erhielt das Orchester die Auszeichnung "Bestes Konzertprogramm" des Deutschen Musikverleger-Verbandes e.V. 
Im Januar 2010 hatte das Ensemble erstmals zu einer John-Williams-Gala eingeladen - "vom Publikum euphorisch gefeiert", wie Martin Schüler, der Intendant des Staatstheaters Cottbus, im Beiheft zu dieser CD versichert. Sie ist dann offensichtlich ein Jahr später entstanden - und wer seine Freude an Star Wars, Harry Potter, E.T. oder an Indiana Jones hat, der wird diese Melodien natürlich sofort wiedererkennen. 
Für seine Filmmusiken hat John Williams, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Steven Spielberg und George Lucas, mittlerweile fünf Oscars bekommen, zudem war er sagenhafte fünfundvierzigmal für den Preis nominiert. Der Komponist hat einen eigenen, sehr typischen Stil mit einem hohen Wiedererkennungswert entwickelt - und ganze Generationen von Kinogängern kennen seine Melodien. "Wie viele von uns bin ich mit der Musik von John Williams aufge- wachsen", zeigt sich auch Evan Christ begeistert von diese Klängen: "Seitdem ich Dirigent bin, wollte ich immer diese gigantische Musik dirigieren. Die Gelegenheit das hat sich erst in Cottbus ergeben." Das Programm bietet eine stimmungsvolle Auswahl aus Williams' Sound- tracks, von Der weiße Hai bis zu Harry Potter und die Kammer des Schreckens, engagiert gespielt vom Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus. 

Dienstag, 5. Februar 2013

Cellocinema (Genuin)

Eckart Runge und Jacques Ammon, im Konzertleben präsent unter dem Namen Celloprojekt, haben sich auf ihrer neuen CD der Filmmusik zugewandt. Das Violoncello sieht der Cellist als das ideale Medium für ein solches Unterfangen: "Vom innigen Singen der Diva über säuselnden Flöten oder krächzenden Quäken gestopfter Trompeten bis hin zu kreischenden Todesschreien, heulendem Wind oder dem Knarren einer alten Tür lassen sich diesem Instrument wie keinem anderen alle denkbaren Klänge des Lebens entlocken", begeistert sich Runge im Beiheft. 
Glücklicherweise ist sein Cello-Spiel deutlich besser als seine Grammatik. Und so arbeiten sich Runge und der Pianist Ammon gemeinsam durch die Filmgeschichte - von Charlie Chaplin, der übrigens selbst Cello spielte, über Astor Piazzolla, Klassiker wie Carlos Gardel, Nino Rota oder Enrico Morricone bis hin zu Dmitri Schostakowitsch, der immerhin 39 Filmmusiken komponierte, bis hin zu Dick Dale oder Tom Waits. Der Zuhörer wird erinnert an Kino-Ereignisse wie Modern Times, Psycho oder Pulp Fiction - und freut sich über die pfiffigen Arrangements, die zum überwältigenden Teil von den beiden Musikern selbst geschrieben worden sind. Bravi! 

Dienstag, 11. September 2012

Fellini! E più (Gramola)

Die Österreichischen Salonisten wenden sich auf dieser CD der Filmmusik zu. Gerrit Wunder, ein erfahrener Filmkomponist, hat bekannte Melodien für das En- semble arrangiert. Peter Gillmayr und Kathrin Lenzenweger, Violine, Judith Bik, Violoncello, Roland Wiesinger, Kontrabass, Peppone Ortner, Klarinette und Saxophon und Wieland Nordmeyer am Klavier spielen Stücke, die so populär sind, dass sie wahrscheinlich jedermann mitpfeifen könnte. 
Auch wenn sie auf dem Cover nicht so aussehen - aber die Musiker sind bestens ausgebildet und etabliert. Man darf dieses Bild also als einen zusätzlichen Beleg für ihre Spielfreude ansehen, und die CD wird dann wohl auch den letzten Skeptiker überzeugen. Allerdings wird der Sound stark durch den einzigen Bläser dominiert; der Zuhörer sehnt sich bald nach Abwechslung. Hier hat diese CD, bei aller Musizierlust, Schwächen.