"Bei der Zusammenstellung dieser CD waren wir mit unseren Gedanken bei all jenen Menschen in Japan, die zu den Opfern des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März 2011 gehören", schreibt Masaaki Suzuki, der künstlerische Leiter des Bach Collegiums Japan, im Beiheft zu dieser CD. Sie hat gleich zwei Ziele: Zum einen handelt es sich um eine Benefiz-CD, die erscheint, um Geld zu sammeln für das "Tohoku Help"-Netzwerk der christlichen Kirchen des vom Erdbeben schwer getroffenen Gebietes. Dieses Projekt wurde wenige Tage nach dem Erdbeben gegründet, um die Opfer der Katastrophe unterstützen.
"In den vergangenen 20 Jahren haben wir mit dem Bach Collegium Japan erlebt, wie die Musik J. S. Bachs modernen Hörern Trost und Hoffnung bietet, ganz wie sie es auch im 18. Jahrhundert tat", erläu- tert Suzuki das zweite Ziel. "Angesichts der gegenwärtigen Situation haben wir uns dieser Erfahrungen erinnert und das vorliegende Album zusammengestellt - im Gedenken an die vielen Menschen, die ihr Leben verloren, und in der Hoffnung, dass die Musik denen Trost spenden möge, die schmerzliche Verluste erlitten haben, dass sie ihre Schmerzen lindere und ihnen die Kraft gebe, das Land für die nächste Generation wieder aufzubauen."
Es ist ein ruhiges Programm, Musik der Trauer, der Besinnung und der Glaubensgewissheit, vorgetragen in jener exzellenten Qualität, die man mit dem Bach Collegium Japan, seinen hervorragenden Sängern und Musikern verbindet. Die CD beginnt mit Ich steh mit einem Fuß im Grabe BWV 156. Und sie schliesst mit Bachs Motette Komm Jesu, komm BWV 229.
Diese Musik würde auch in Kirchgemeinden hierzulande und auf deutschen Friedhöfen Trauernde wunderbar trösten; es ist ein wohlüberlegtes, erstaunlich farbenreiches Programm, und ich denke, dass diese CD jeder Bestatter kennen sollte. Man kann sie ganz sicher auch an Trauernde verschenken, um Trost zu spenden - und auch wenn sich mit dem Thema in unserem Kulturkreis heutzutage wohl niemand mehr freiwillig auseinandersetzt: Leute, kauft diese CD. Sie ist wirklich phantastisch, und die Menschen in Japan können Hilfe noch immer brauchen.
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Freitag, 6. April 2012
Sonntag, 24. Juli 2011
The Queen's Music (BIS Records)
Und da wir gerade bei Emma Kirkby waren - auch auf dieser CD ist sie zu hören, gemeinsam mit Susanne Rydén, und zwar diesmal mit Musik aus Schweden. Dort traf 1652 eine Gruppe italienischer Musiker und Instrumentenbauer ein, die der Bassist Alessandro Cecconi im Auftrag von Königin Kristina angeworben hatte.
Wer wissen will, was sie am Hof in Uppsala vorgetragen haben, dem geben zwei Handschriften Aus- kunft. Eine davon befindet sich heute in der Bibliothek des Christ Church College in Oxford. Sie kam dorthin über den englischen Botschafter Bulstrode Whitelocke. Er berichtet in seinem Tagebuch am 27. März 1654, wie er die Kapelle der Königin besuchte, um ihre italienischen Musiker zu hören. Einige von ihnen dinierten mit dem Gesandten, sie sangen für ihn - und schenkten ihm einen Notenband. Er enthält die modernste Musik der damaligen Zeit: Arien und Kantaten für zwei und drei Sänger von den damals führenden italienischen Komponisten Luigi Rossi, Antonio Cesti und Giacomo Carissimi - gehobene Unterhaltung, die raffiniert mit den althergebrachten Floskeln der höfischen Liebe spielt.
Die Sopranistinnen Emma Kirkby und Susanne Rydén sowie Counter- tenor Mikael Bellini und Bariton Peter Harvey singen einige dieser hübschen, hochvirtuosen Werke, begleitet von Mime Yamahiro Brinkmann am Violoncello und Lars Ulrik Mortensen, Cembalo. Und weil Abwechslung erfreut, wurde die Musica del Signor Angelo Micheli / Uno de Musici della Capella / de Reyna di Swecia um einige Instrumentalstücke von Girolamo Frescobaldi ergänzt. Perfekt!
Wer wissen will, was sie am Hof in Uppsala vorgetragen haben, dem geben zwei Handschriften Aus- kunft. Eine davon befindet sich heute in der Bibliothek des Christ Church College in Oxford. Sie kam dorthin über den englischen Botschafter Bulstrode Whitelocke. Er berichtet in seinem Tagebuch am 27. März 1654, wie er die Kapelle der Königin besuchte, um ihre italienischen Musiker zu hören. Einige von ihnen dinierten mit dem Gesandten, sie sangen für ihn - und schenkten ihm einen Notenband. Er enthält die modernste Musik der damaligen Zeit: Arien und Kantaten für zwei und drei Sänger von den damals führenden italienischen Komponisten Luigi Rossi, Antonio Cesti und Giacomo Carissimi - gehobene Unterhaltung, die raffiniert mit den althergebrachten Floskeln der höfischen Liebe spielt.
Die Sopranistinnen Emma Kirkby und Susanne Rydén sowie Counter- tenor Mikael Bellini und Bariton Peter Harvey singen einige dieser hübschen, hochvirtuosen Werke, begleitet von Mime Yamahiro Brinkmann am Violoncello und Lars Ulrik Mortensen, Cembalo. Und weil Abwechslung erfreut, wurde die Musica del Signor Angelo Micheli / Uno de Musici della Capella / de Reyna di Swecia um einige Instrumentalstücke von Girolamo Frescobaldi ergänzt. Perfekt!
Sonntag, 19. Dezember 2010
Mattheson: Das größte Kind (cpo)
Johann Mattheson (1681 bis 1764), heute vor allem bekannt als ein bedeutender Musiktheoretiker der Barockzeit, nahm 1715 das Amt Musikdirektors am Hambur- ger Dom an. Zwar war es schlecht bezahlt, aber es brachte dem streitbaren Musikpublizisten den Status eines Canonicus minor am Domkapitel und somit einige Freiheiten ein, weil das Domkapitel nicht der städtischen Gerichts- barkeit unterstand. Auch war der Aufwand, den diese Tätigkeit mit sich brachte, nicht allzu groß - nur an sechs Tagen pro Jahr hatte im Dom Figuralmusik zu erklingen, und genau dafür war der Musikdi- rektor verantwortlich.1728 musste Mattheson dieses Amt allerdings wieder aufgeben, weil er kaum noch etwas hörte; für den Rest seines Lebens blieb er taub.
In den Werken, die Mattheson als Domkantor schuf, versuchte er, einen theatralischen, stark von der Oper beeinflussten Stil durchzu- setzen. Für die Aufführungen engagierte er Sänger und vor allem Sängerinnen von der Hamburger Oper - was zunächst einen hand- festen Skandal verursachte, bald aber offensichtlich akzeptiert wurde. Für den Nachmittagsgottesdienst am zweiten Weihnachtstage, also am 27. Dezember, komponierte Mattheson 1720 Das Gröste Kind, in einem Oratorio auf Weynacht musicalisch vorgestellet - ein zwei- teiliges, üppig instrumentiertes Oratorium, das im Stall zu Bethlehem nach der Geburt Christi spielt. Dieses prachtvolle Werk, das mit seinen virtuosen Arien auch den Sängern allerhand abfordert, liegt nun auf CD vor.
Die Einspielung ist ringsum gelungen. Es singen Susanne Rydén und Nele Gramß, Sopran, Anna Schmid und Melissa Hegney, Alt, Gerd Türk und Ulrich Cordes, Tenor sowie Wolf Matthias Friedrich und Thilo Dahlmann, Bass, und dazu musiziert die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens - und zwar mit so viel Temperament und Spielfreude, dass es trotz der angestaubten Texte das reine Vergnü- gen ist, dieses Werk anzuhören. Bravi!
Donnerstag, 15. April 2010
Travelogues of Italy - Die Freitagsakademie (Winter & Winter)
Hofkomponist Johann Gottlieb Janitsch lud ab 1736 zu "Freitags- akademien" ein, bei denen sich die Berliner Gesellschaft zum gemein- samen Musizieren traf. Diese bürgerliche Tradition nimmt das Berner Ensemble "Die Freitagsaka- demie" auf, das sich seit 1993 in verschiedenen Besetzungen der Musik des 17. und 18. Jahrhun- derts widmet. Seit acht Jahren veranstalten die Musiker um Oboistin Katharina Suske und Cellist Bernhard Maurer zudem fünf "Freitagskonzerte" pro Saison im Kunstmuseum Bern.
Mit dieser CD begeben sich acht exzellente Solisten sowie die Sopra- nistin Susanne Rydén auf eine musikalische Reise nach Italien zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Damals ließ sich Georg Friedrich Händel, gerade 21 Jahre jung, endlich überzeugen, jenes Land zu besuchen, dem damals die Sehnsucht aller Künstler und Kunstbegeis- terten galt. Händel blieb mehr als drei Jahre dort, lernte Land und Leute kennen, und arbeitete mit den besten Musikern seiner Zeit zusammen. Die Reise nach Italien prägte Händel nachhaltig; und das gilt nicht nur für seinen musikalischen Stil.
Dort aber sind die Einflüsse ganz offensichtlich. So entsprechen Händels Solokonzerte für Oboe - diese CD beginnt mit Concerto Nr. 3 in g-Moll HWV 287 - nicht nur formal dem Vorbild der Kirchen- sonaten von Arcangelo Corelli; bis hinein in Klangfarben und Melodik folgt er dem Muster, das er in Rom kennengelernt hat. Der Oboe blieb der Komponist sehr zugetan. Davon zeugt unter anderem die Kantate "Delirio amoroso", wo sie einen außerordentlich delikaten Part übernimmt. Das Werk ist eine Klage einer gewissen Chloris um einen toten Thyris, dem sie offensichtlich sehr zugetan ist - der ihre Zuneigung jedoch schon zu Lebzeiten nicht erwiderte, und sich nun auch in der Hölle, wohin sie zu seiner Rettung geeilt ist, von ihr abwendet.
Eine typische italienische Kantate - der Inhalt ist nicht wirklich von Belang, aber die Form ist phantastisch. Susanne Rydén hat hörbar Vergnügen an diesem Kabinettstückchen, das weniger versierte Sänger wohl an den Rand der Aspyxie treiben kann. Auch eine zweite Kantate Händels, "Mi palpita il cor", singt die Schwedin bravourös. Die CD schließt mit der Sonate Nr. 6 in A-Dur für Violine und Basso continuo op. 5 von Corelli. Als absolute Überraschung aber erweist sich die Toccata in d-Moll für Cembalo "d'ottava stesa" von Alessandro Scarlatti. Dieses Werk ist nicht nur hochkomplex; es bricht über den Zuhörer herein mit der Wucht eines Tornados, und wirbelt mit seinen energischen Läufen, gewagten Modulationen und Affektwechseln jedes Barockmusik-Stereotyp davon. Brillant! besten Dank an Jörg-Andreas Bötticher am Cembalo.
Sonntag, 20. Dezember 2009
Vivaldi: Mottetti Sacri - Harmonices Mundi (Stradivarius)
Vivaldi ist allgemein bekannt als Violinvirtuose und als Autor einer Vielzahl von Instrumentalwerken. Doch der Komponist schuf auch zahlreiche Opern, die leider derzeit auf den Bühnen wenig präsent sind, Kantaten und Motetten. Vier geistliche Motetten "per voci, due cori e due orchestre" hat Claudio Astronio für diese Aufnahme mit dem Bozener Barock-Ensemble "Harmonices Mundi" ausgewählt.
Diese vier Werke zeigen einerseits in den Vokalpartien eine große Nähe zur Gattung Oper. Sie nehmen jedoch zugleich in ihrer Doppelchörigkeit Bezug auf die traditionelle Psalmodie, und erweisen so Vergangenheit und Zukunft zugleich auf charmante Weise Referenz. Insbesondere für die Sänger bringen Vivaldis Mottetti so manche Herausforderung.
Musiziert wird in Minimalbesetzung, ohne Netz und doppelten Boden. Das gilt für die Instrumentalisten ebenso wie für die Sänger, die durchweg solistisch agieren - auch, wenn sie "nur" in einem der Chöre zu hören sind. "Lauda Jerusalem" RV 609, "Laudate Pueri Dominum" RV 602/a - mit per Bonustrack beigefügten Alternativfassungen der Verse VI und VII -, "Salve Regina" RV 618 und das Kyrie RV 587 geben den Musikern reichlich Gelegenheit, in wechselnder Formation sowohl solistische Brillanz als auch kollegiales Miteinander zu demonstrieren. Genannt seien hier nur die Solo-Sopranistinnen Susanne Rydén und Gemma Bertagnolli sowie Massimiliano Mauthe von Degerfeld, als Altus im "Salve Regina".
Um es in einem Satz zu sagen: Diese CD, eingespielt in Kloster Muri-Gries, ist ein in vielen Facetten funkelndes Juwel, das die lange Reihe von Vivaldi-Wiederentdeckungen der letzten Jahre würdig ergänzt. Die Interpretation ist exzellent, und der Repertoirewert ist ebenfalls hoch.
Dienstag, 12. Februar 2008
In Nativitate Domini - Festliche Weihnachtsmusik (Berlin Classics)
„In Nativitate Domini – Festliche Weihnachtsmusik“ legt Edel Classics dem Musikfreund auf den Gabentisch. Die CD ist in der Tat eine Überraschung, denn sie bietet eine zauberhafte Auswahl wenig bekannter Musikstücke aus dem Barock, klug zusammengestellt und bemerkenswert sauber interpretiert. Da finden sich Biber, Schmeißer und Hammerschmidt neben Vierdanck, Vejvanosky oder Lechler. Das Ensemble Bell’Arte Salzburg musiziert, gemeinsam mit den Sängerinnen Emma Kirkby und Susanne Rydén. Wer die Nase voll hat von der vorweihnachtlichen Dauerberieselung mit Kaufhauseinheitsmusik - diese CD ist eine Oase für die Ohren!
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