Posts mit dem Label Baltzar werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Baltzar werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 16. April 2013

Division-Musick (Ramée)

Im Barock war es üblich, Musik aufwendig und virtuos mit Ver- zierungen auszustatten. Diese Ornamente wurden durch die Musiker improvisiert; wie sie ausgeführt wurden, das kann, je nach Vermögen der Musizierenden und abhängig von Ort und Zeit, höchst unterschiedlich klingen. 
Diese CD stellt eine spezielle Variante solcher Auszierungen vor, die im 17. Jahrhundert in England, vor allem in der Gambenmusik, gebräuchlich und sehr beliebt war. 
Den Namen Divison-Musick gab ihr Christopher Simpson (um 1605 bis 1669), der 1659 sogar ein Lehrbuch veröffentlichte, um Schülern den Zugang zu dieser speziellen Kunst zu erleichtern - The Division-Viol, or the Art of Playing upon a Ground. Darin erläutert Simpson, wie man über einer Bassmelodie, dem sogenannten Ground, zunächst einfache und langsame Melodien improvisiert, und daraus dann durch Diminution äußerst virtuose, schnelle und komplexe Klang- gebilde entwickelt. 
Und weil nicht jeder Musiker in dieser Kunst gleichermaßen versiert war, haben einige Spezialisten solche kunstvollen Divisions auch bis ins Detail notiert. Wer heute diese Kunst kennenlernen will, der findet dort eine außerordentlich wertvolle Quelle. Jane Achtmann und Irene Klein, Gambenduo Musicke & Mirth, stellen auf dieser CD einige solcher Werke mustergültig vor. Dabei werden sie durch Amandine Beyer, Violine, und Johannes Strobl, Virginal und Orgel, unterstützt. Und man muss sich nicht unbedingt für die Details der historischen Verzierungspraxis interessieren, um dem Zauber dieser wunder- vollen Musik zu verfallen. 

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Stylus phantasticus (Berlin Classics)


Was ist "stylus phantasticus"? Eine hervor-ragende Möglichkeit jedenfalls, tradierte Formen auszureizen bis an ihre Grenzen - und noch ein gehöriges Stückchen darüber hinaus, wie diese CD beweist. Die norddeutschen Meister des 17. Jahrhunderts setzten auf den Wechsel von freien Passagen, die teilweise wie improvisiert klingen, und streng dem Kontrapunkt folgenden Abschnitten, die jedoch mitunter durch ihre überaus kühne harmonische Gestaltung verblüffen.
Ob Dietrich Buxtehude, Nicolaus Adam Strungk, Matthias Weckmann, Johann Vierdanck oder weniger bekannte Komponisten wie Samuel Peter Sidon, Dietrich Becker oder Thomas Baltzer - es ist erstaunlich, wie unterschiedlich sie die Freiheiten nutzten, die ihnen diese musikalische Innovation brachte. Die Partita in a-moll, komponiert von Johann Adam Reincken für zwei Violinen, Viola da gamba und Cembalo, bearbeitete später Johann Sebastian Bach für Cembalo solo.
Das Ensemble Bell'Arte Salzburg - Annegret Siedel und Ulrike Titze, Barockviolinen, Matthias Müller, Viola da gamba, Zvi Meniker, Cembalo und Margit Schultheiss, Orgel - hat für diese CD eine Reihe typischer Stücke ausgewählt, und das sowohl mit sozusagen pädagogischer Sorgfalt als auch dramaturgischem Geschick. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht gelungen: Eine abwechslungsreiche, spannungsvolle Aufnahme, mit Lust musiziert. Das hört man gern.