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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Paradisi Gloria - Sacred Music by Emperor Leopold I (Audite)

Leopold I. (1640 bis 1705) war der zweite Sohn des Kaisers Ferdinand III. und sollte daher eigentlich die geistliche Laufbahn einschlagen. Schon sein Vater liebte die Musik und komponierte auch selbst; der Sohn erlernte beim Hoforganisten Marcus Ebner das Clavierspiel, und im Fach Komposition unterrichtete ihn möglicherweise Hofkapellmeister Antonio Bertali. 
Doch dann starb noch vor dem Kaiser der Thronfolger; und so wurde Leopold I. 1658 zum Kaiser gekrönt. Der Politik konnte er wohl nicht wirklich etwas abgewinnen; den Wiener Hof allerdings machte er zu einem Zentrum der europäischen Kultur. 
Dass er selbst auch ein begabter Komponist war, beweist diese CD, die vier seiner Werke vorstellt. Das Stabat Mater und die Motette de Septem Doloribus Beatae Mariae Virginis schuf der Kaiser für das Fest der Sieben Schmerzen der Gottesmutter. Das Requiem, entstanden für die Beisetzungs- feierlichkeiten der ersten Frau des Kaisers, ist betont schlicht und innig gehalten. Leopold I. hatte seine Nichte, Margarita Theresa von Spanien, 1666 aus dynastischen Gründen geheiratet; sie teilte seine Leidenschaft für die Musik, starb aber bereits 1673. 
Auch seine nächste Ehefrau, Claudia Felizitas von Österreich-Tirol, musste der Kaiser 1676, nach dreieinhalbjähriger Ehe, zu Grabe tragen. Für sie vertonte er drei Lektionen zur ersten Nokturn für das Totenoffizium. Diese Musik erklang übrigens auch bei den Exequien nach dem Tode des Kaisers 1705 und seiner dritten Frau 1720. 
Johannes Strobl hat diese durchweg eher klagenden Gesänge mit der Cappella Murensis und Les Cornets Noirs in der Klosterkirche Muri eingespielt, die bereits bei anderen Aufnahmen durch ihre beeindruckende Akustik in Erinnerung geblieben ist. Das Solistenquintett und die Ripieni- sten, jeweils doppelt besetzt, singen diese emotionsgeladenen Werke sehr schlicht und gerade dadurch eindrücklich. Sie werden dabei bestens unterstützt durch die Musiker von Les Cornets Noirs, die auf Nachbauten historischer Instrumente musizieren. Formidabel! 

Montag, 25. Juli 2016

Muffat: Missa in labore requies (Audite)

Die Klosterkirche St. Martin der ehemaligen Benediktinerabtei Muri, gelegen im Kanton Aargau, ist ein ganz besonderer Raum. Es handelt sich dabei um ein barockes Oktogon, errichtet in den Jahren 1694 bis 1697 nach den Plänen des Baumeisters Giovanni Battista Bettini – noch heute der größte Kuppelzentralbau der Schweiz. 
Mit ihren vier Musizier-Emporen lädt diese Kirche zur Aufführung mehrchöriger Musik geradezu ein. Dazu kommt, dass das ehemalige Hauskloster der Habsburger im 18. Jahrhundert nicht nur mit Altären, Stuck, Schnitzwerk und Ausmalungen üppig ausgestattet wurde, sondern auch über fünf Orgeln verfügt. Zwei davon, die Epistel- und die Evangelienorgel, 1743 erbaut von Joseph und Viktor Ferdinand Bossart, und dazu drei Truhenorgeln, sind auf dieser CD zu hören. 
Die Cappella Murensis, gegründet 2002 durch den Kirchenmusiker Johan- nes Strobl, hat den Raum genutzt, um die Missa In labore requies von Georg Muffat (1653 bis 1704) aufzuführen – eine Komposition mit 24 (!) Stimmen in fünf Chören. Die Partitur dieser Rarität befand sich zunächst im Besitz Joseph Haydns; heute ist sie ein Bestandteil der Musikalien- sammlung der Fürsten Esterházy und wird in der Széchényi-National- bibliothek in Budapest aufbewahrt. In welcher Weise die Sänger und Musiker dabei im Kirchenraum positioniert worden sind, das wurde mit einigem Aufwand im Beiheft zu dieser CD dokumentiert. 
Außerdem erklingen groß besetzte Kirchensonaten von Antonio Bertali (1605 bis 1669), Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 bis 1704) und Johann Heinrich Schmelzer (um 1623 bis 1680). Das Label Audite hat dieses musikalische Ereignis aufgezeichnet – angesichts der Raumsituation kein einfaches Unterfangen, wie auch das gemeinsame Musizieren derart ver- teilter Ensembles nicht ganz unkompliziert ist. Der Zuhörer aber hat den akustischen Eindruck, mitten im Kirchenraum zu sitzen. Dieses Klang- erlebnis sollte man sich nicht entgehen lassen, zumal sowohl die Sänger der (professionellen) Cappella Murensis als auch die Mitwirkenden vom Trompetenconsort Innsbruck und Les Cornets Noirs sehr hörenswert musizieren. 

Dienstag, 16. April 2013

Division-Musick (Ramée)

Im Barock war es üblich, Musik aufwendig und virtuos mit Ver- zierungen auszustatten. Diese Ornamente wurden durch die Musiker improvisiert; wie sie ausgeführt wurden, das kann, je nach Vermögen der Musizierenden und abhängig von Ort und Zeit, höchst unterschiedlich klingen. 
Diese CD stellt eine spezielle Variante solcher Auszierungen vor, die im 17. Jahrhundert in England, vor allem in der Gambenmusik, gebräuchlich und sehr beliebt war. 
Den Namen Divison-Musick gab ihr Christopher Simpson (um 1605 bis 1669), der 1659 sogar ein Lehrbuch veröffentlichte, um Schülern den Zugang zu dieser speziellen Kunst zu erleichtern - The Division-Viol, or the Art of Playing upon a Ground. Darin erläutert Simpson, wie man über einer Bassmelodie, dem sogenannten Ground, zunächst einfache und langsame Melodien improvisiert, und daraus dann durch Diminution äußerst virtuose, schnelle und komplexe Klang- gebilde entwickelt. 
Und weil nicht jeder Musiker in dieser Kunst gleichermaßen versiert war, haben einige Spezialisten solche kunstvollen Divisions auch bis ins Detail notiert. Wer heute diese Kunst kennenlernen will, der findet dort eine außerordentlich wertvolle Quelle. Jane Achtmann und Irene Klein, Gambenduo Musicke & Mirth, stellen auf dieser CD einige solcher Werke mustergültig vor. Dabei werden sie durch Amandine Beyer, Violine, und Johannes Strobl, Virginal und Orgel, unterstützt. Und man muss sich nicht unbedingt für die Details der historischen Verzierungspraxis interessieren, um dem Zauber dieser wunder- vollen Musik zu verfallen. 

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Music for two Organs (Audite)

Das Kloster Muri, gegründet 1027, war das Hauskloster der Habsbur- ger. Im 17. Jahrhundert errichte- ten die Benediktiner anstelle der alten Gebäude eine repräsentative barocke Klosteranlage. Dabei wurde auch die Klosterkirche um- gebaut. Sie erhielt unter anderem vier Emporen, deren Zweck durch Fresken mit musizierenden Engeln deutlich erkennbar ist, und zwei prachtvolle Orgeln mit acht bzw. 16 Registern, die der Orgelbauer Joseph Bossart und sein Sohn Victor Ferdinand Bossart 1743 auf zwei der Emporen aufstellten. 
Die beiden Instrumente, die nach ihrer Position links und rechts vom Hochaltar auch als Evangelien- und Epistelorgel bezeichnet werden, sind erhalten und wurden vorbildlich restauriert. David Blunden und Johannes Strobl haben nun für eine Super-Audio-CD des Labels Audite auf diesen historischen Instrumenten Musik eingespielt, wie sie im 17. Jahrhundert am Wiener Hof erklungen ist. 
Diese Zeitreise beginnt mit der Übersiedlung Ferdinands II. von Graz nach Wien. Der Erzherzog von Innerösterreich, der nach dem Tode des kinderlosen Matthias zum neuen Kaiser gewählt worden war, brachte nicht nur seinen Hofstaat mit, sondern auch seinen Musik- geschmack, der sich am italienischen Vorbild orientierte. Seine Hofkapelle leitete zunächst der Venezianer Giovanni Priuli, dann Giovanni Valentini.   Wolfgang Ebner und Johann Jakob Froberger waren die Favoriten seines Nachfolgers Ferdinand III. Kaiser Leo- pold I. schließlich war selbst ein herausragender Komponist. Seine Hoforganisten waren Alessandro Poglietti, Johann Caspar Kerll und Franz Mathias Techelmann. 
Aus der Regierungszeit dieser drei Kaiser also sind auf dieser CD Werke versammelt, wie sie in Kammer und Kirche erklungen sind. Ergänzt werden die Orgelstücke, die von den beiden Organisten sehr hörenswert sowohl solistisch als auch im dialogischen Spiel vorgetragen werden, durch eine weitere österreichische Spezialität: Kunstvolle Orgelmusik und generalbassbegleitete Gregorianik im Wechselgesang, hier vorgestellt anhand von Quellen aus dem Musik- archiv des Wiener Minoritenkonvents. 

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Praeludien für die heilige Weihnachtszeit (audite)


Wenn die Orgel Bordunbässe fröhlich dröhnen lässt, wenn die Melodien in Terzen laufen und in Siciliano-Rhythmen daherhüpfen, wenn die Flöten säuseln und die Schalmeien näseln - dann ist Weihnachten, und der Organist spielt Pastorellen. Diese Stücke, die vor allem in Süddeutschland und im Alpenraum bis heute sehr beliebt sind, imitieren die Hirtenmusik. Und Hirten gehören bekanntlich zur Weihnacht, das berichtet ja schon das Evangelium nach Lukas.
Johannes Strobl, Organist an der Klosterkirche Muri im Schweizer Kanton Aargau, hat an diesen stimmungsvollen Miniaturen hörbar Vergnügen. Er registriert geschickt, und spielt temperamentvoll bis virtuos. Und die Stücke, die er ausgewählt hat, sind in der Tat wunderschön. 
Eine Schwäche allerdings hat diese Super Audio CD, das sei nicht verschwiegen. Sie ähnelt in ihrer Überfülle einer großen Packung allerbester Pralinen. Die sind bekanntlich alle appetitlich anzusehen, und schmecken hervorragend. Isst man aber alle auf einmal, hält sich der Genuss arg in Grenzen. So ist das auch mit dieser Einspielung: Portionsweise angehört, bringt sie mehr Freude.