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Freitag, 3. Juli 2020

Latin (Genuin)

Musik aus Lateinamerika erklingt in Konzertsälen hierzulande selten. Dabei gibt es dort eine beeindruckende Musiktradition. Mit seiner neuen CD bei Genuin lädt das Duo Lontano zu einer Entdeckungsreise durch eine Musiklandschaft ein, die in Europa nur teilweise bekannt ist. 
Babette Hierholzer und Jürgen Appell präsentieren Kompositionen für Klavier zu vier Händen, wobei die meisten davon, wie Tango-Klassiker von Carlos Gardel und Astor Piazzolla sowie populäre Melodien wie Bésame mucho oder Malagueña, speziell für diese Besetzung bearbeitet worden sind. 
Zu hören sind außerdem Werke von Louis Moreau Gottschalk (1829 bis 1869. Der Musiker, in New Orleans geboren, wurde durch französisch-kreolische Einflüsse geprägt. Er galt als Wunderkind, und wurde im Alter von 13 Jahren zum Musikstudium nach Paris geschickt. Auch dort machte er durch sein virtuoses Klavierspiel auf sich aufmerksam; Chopin prophezeite dem Jungen, er werde einmal der König der Pianisten sein. 
Gottschalk inspirierte etliche Schüler, wie Maria Teresa Carreño, oder den Geiger José White Lafitte, den er ermutigte, ebenfalls nach Paris zum Studium zu gehen. Auch sie sind auf der CD mit Stücken vertreten, ebenso wie Heitor Villa-Lobos (1887 bis 1959), Ernesto Nazareth (1863 bis 1934) oder Isaac Albéniz(1860 bis 1909)  – der zwar aus Spanien stammt, aber im Kindesalter mehrfach seinen Eltern durchbrannte. So gelangte er bis nach Buenos Aires und nach Kuba. Dem abwechslungsreichen Programm lauscht man gern. Und das Duo Lontano musiziert hingebungsvoll, mit Temperament und auch mit Grazie. 

Sonntag, 28. März 2010

Fiesta - Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela, Dudamel (Deutsche Grammophon)

Das Simón Bolívar-Jugend- orchester aus Venezuela spielt lateinamerikanische Musik - aber da geht der Bär ab! Satte Bläser- chöre, ein Schlagwerk, wie es im Konzertsaal selten zu hören ist, und dazu Streicher, die offenbar das Tanzen im Blut haben. Was für ein Programm, und was für ein Temperament! Hier ist Spielfreude pur zu erleben - was aber die Präzision nicht vermindert, mit der das Orchester agiert. Dudamel spielt mit Akzenten und Klang- farben, und die Jugendlichen folgen ihm mit Begeisterung. 
Die CD beginnt mit Silvestre Revueltas Sensemayá - einem Stück voll indianischer Anklänge, das mit seinen Dissonanzen insgesamt etwas aus dem Rahmen fällt. Die folgenden Werke sind rhythmusgetrie- bener, tänzerischer und zugleich oftmals bildhafter. Dudamel beweist Sinn für Dramatik, lässt aber auch die kantablen Stellen nicht in der allgemeinen Party untergehen. Die CD endet mit dem Mambo aus West Side Story - eine Referenz an Leonard Bernstein. Wer sich einen Eindruck von zeitgenössischer lateinamerikanischer Orchestermusik verschaffen will - diese CD sei empfohlen.