Die Banda Sinfónica Juvenil Simón Bolívar, 2005 von Jesús Ignacio Pérez Perazzo und Valdemar Rodríguez gegründet, gehört zu einem einzigartigen Projekt, das soziales Engagement und eine exzellente musikalische Ausbil- dung miteinander verbindet: El Sistema ist ein Netzwerk aus Orchestern und Chören in Venezu- ela, in dem Kinder und Jugendliche miteinander musizieren. Ihre Ausbildung erhalten sie vor allem im Gruppenunterricht; die „Gros- sen“ unterweisen dabei die Jüngeren. Sie vermitteln ihnen neben den richtigen Tönen auch Ehrgeiz – und jene Spielfreude, für die die Ensembles des Sistema mittlerweile auch im Ausland bekannt sind.
Thomas Clamor, der Chefdirigent der Sächsischen Bläserphilharmo- nie und künstlerischer Leiter der Deutschen Bläserakademie, ist mit El Sistema bestens vertraut. Er engagiert sich beim Aufbau der ersten lateinamerikanischen Bläserakademie. Mit der Banda Sinfónica, in der junge Musiker im Alter zwischen zwölf und 30 Jahren gemeinsam musizieren, hat er im vergangenen Jahr ein Album eingespielt, das nun bei Genuin erschienen ist.
Das Programm startet in Lateinamerika. Die Grand Fanfare am Beginn hat Giancarlo Castro D'Addona komponiert, ein weniger repräsenta- tives als vielmehr enorm anspruchsvolles Startsignal. Ein Zufall ist das nicht – der Trompeter verdankt seine Ausbildung ebenfalls El Sistema. Es folgt Musik des „Mambo-Vaters“ Pérez Prado sowie von Alberto Ginastera. Dann baut Ravels berühmter Bolero eine musika- lische Brücke nach Europa.
Dieses Werk ist berüchigt. Auch wenn das gar nicht so offensichtlich ist – aber der Bolero stellt extrem hohe Anforderungen an ein Orchester. Die Banda Sinfónica bewältigt diese Herausforderungen locker, und die Soli sind geradezu ein Gedicht. Das gilt auch für das nachfolgende Konzertstück für Klarinette, Bassethorn und Klavier von Felix Mendelssohn Bartholdy, das hier wundervoll vorgetragen wird. Und der Zyklus Bilder einer Ausstellung von Modest Mus- sorgski, zu hören in einer Version für sinfonisches Blasorchester von Mark Hindsley, gibt dem Ensemble noch einmal Gelegenheit, eine ganze Palette an Klangfarben zu präsentieren. Das ist Bläsermusik auf allerhöchstem Niveau. Bravi!
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Sonntag, 7. Juli 2013
Freitag, 16. November 2012
Salvatore Accardo (Dynamic)
Diese Neun-CD-Box, erschienen anlässlich des siebzigsten Geburts- tages des großen Geigers Salvatore Accardo, bestätigt es wieder ein- mal: Virtuosität ist eine notwendi- ge, aber keine hinreichende Vor- aussetzung für den Musikerberuf.
Das zeigt sich insbesondere an Accardos Auseinandersetzung mit dem Werk Nicoló Paganinis. Wir verdanken ihm viele Ersteinspie- lungen und Wiederentdeckungen - und wer darum weiß, wie der exzellent ausgebildete Nachwuchs diese Werke oftmals spielt, der wird bestätigen, dass es nichts von dem Zauber dieser Musik vermittelt, wenn man sie lediglich technisch brillant und so rasant wie eben möglich vorträgt. So erklingen Paga- ninis Drei Duette für Violine und Fagott als zwar virtuose, aber eben auch geistreiche Stücke, in denen Salvatore Accardo in einen spielerischen Wettstreit mit Claudio Gonella tritt, der die höllisch anspruchsvolle Fagott-Partie locker und mit Witz meistert.
Auch die Kammermusik gehört offensichtlich zu den Leidenschaften Accardos. Ob das Concerto von Alberto Ginastera oder Werke von Dvorak, Verdi, Chausson, Borodin oder Rolla - in den Archiven von Dynamic fanden sich viele interessante Aufnahmen. Sie zeigen, mit welcher Sorgfalt und Hingabe der Geiger auch Werke erarbeitete, die viele namhafte Solisten gar nicht beachten. Vielen Dank an das Label für dieses großartige Porträt eines bedeutenden Musikers.
Das zeigt sich insbesondere an Accardos Auseinandersetzung mit dem Werk Nicoló Paganinis. Wir verdanken ihm viele Ersteinspie- lungen und Wiederentdeckungen - und wer darum weiß, wie der exzellent ausgebildete Nachwuchs diese Werke oftmals spielt, der wird bestätigen, dass es nichts von dem Zauber dieser Musik vermittelt, wenn man sie lediglich technisch brillant und so rasant wie eben möglich vorträgt. So erklingen Paga- ninis Drei Duette für Violine und Fagott als zwar virtuose, aber eben auch geistreiche Stücke, in denen Salvatore Accardo in einen spielerischen Wettstreit mit Claudio Gonella tritt, der die höllisch anspruchsvolle Fagott-Partie locker und mit Witz meistert.
Auch die Kammermusik gehört offensichtlich zu den Leidenschaften Accardos. Ob das Concerto von Alberto Ginastera oder Werke von Dvorak, Verdi, Chausson, Borodin oder Rolla - in den Archiven von Dynamic fanden sich viele interessante Aufnahmen. Sie zeigen, mit welcher Sorgfalt und Hingabe der Geiger auch Werke erarbeitete, die viele namhafte Solisten gar nicht beachten. Vielen Dank an das Label für dieses großartige Porträt eines bedeutenden Musikers.
Sonntag, 28. März 2010
Fiesta - Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela, Dudamel (Deutsche Grammophon)
Das Simón Bolívar-Jugend- orchester aus Venezuela spielt lateinamerikanische Musik - aber da geht der Bär ab! Satte Bläser- chöre, ein Schlagwerk, wie es im Konzertsaal selten zu hören ist, und dazu Streicher, die offenbar das Tanzen im Blut haben. Was für ein Programm, und was für ein Temperament! Hier ist Spielfreude pur zu erleben - was aber die Präzision nicht vermindert, mit der das Orchester agiert. Dudamel spielt mit Akzenten und Klang- farben, und die Jugendlichen folgen ihm mit Begeisterung.
Die CD beginnt mit Silvestre Revueltas Sensemayá - einem Stück voll indianischer Anklänge, das mit seinen Dissonanzen insgesamt etwas aus dem Rahmen fällt. Die folgenden Werke sind rhythmusgetrie- bener, tänzerischer und zugleich oftmals bildhafter. Dudamel beweist Sinn für Dramatik, lässt aber auch die kantablen Stellen nicht in der allgemeinen Party untergehen. Die CD endet mit dem Mambo aus West Side Story - eine Referenz an Leonard Bernstein. Wer sich einen Eindruck von zeitgenössischer lateinamerikanischer Orchestermusik verschaffen will - diese CD sei empfohlen.
Die CD beginnt mit Silvestre Revueltas Sensemayá - einem Stück voll indianischer Anklänge, das mit seinen Dissonanzen insgesamt etwas aus dem Rahmen fällt. Die folgenden Werke sind rhythmusgetrie- bener, tänzerischer und zugleich oftmals bildhafter. Dudamel beweist Sinn für Dramatik, lässt aber auch die kantablen Stellen nicht in der allgemeinen Party untergehen. Die CD endet mit dem Mambo aus West Side Story - eine Referenz an Leonard Bernstein. Wer sich einen Eindruck von zeitgenössischer lateinamerikanischer Orchestermusik verschaffen will - diese CD sei empfohlen.
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