Musik aus Lateinamerika erklingt in Konzertsälen hierzulande selten. Dabei gibt es dort eine beeindruckende Musiktradition. Mit seiner neuen CD bei Genuin lädt das Duo Lontano zu einer Entdeckungsreise durch eine Musiklandschaft ein, die in Europa nur teilweise bekannt ist.
Babette Hierholzer und Jürgen Appell präsentieren Kompositionen für Klavier zu vier Händen, wobei die meisten davon, wie Tango-Klassiker von Carlos Gardel und Astor Piazzolla sowie populäre Melodien wie Bésame mucho oder Malagueña, speziell für diese Besetzung bearbeitet worden sind.
Zu hören sind außerdem Werke von Louis Moreau Gottschalk (1829 bis 1869. Der Musiker, in New Orleans geboren, wurde durch französisch-kreolische Einflüsse geprägt. Er galt als Wunderkind, und wurde im Alter von 13 Jahren zum Musikstudium nach Paris geschickt. Auch dort machte er durch sein virtuoses Klavierspiel auf sich aufmerksam; Chopin prophezeite dem Jungen, er werde einmal der König der Pianisten sein.
Gottschalk inspirierte etliche Schüler, wie Maria Teresa Carreño, oder den Geiger José White Lafitte, den er ermutigte, ebenfalls nach Paris zum Studium zu gehen. Auch sie sind auf der CD mit Stücken vertreten, ebenso wie Heitor Villa-Lobos (1887 bis 1959), Ernesto Nazareth (1863 bis 1934) oder Isaac Albéniz(1860 bis 1909) – der zwar aus Spanien stammt, aber im Kindesalter mehrfach seinen Eltern durchbrannte. So gelangte er bis nach Buenos Aires und nach Kuba. Dem abwechslungsreichen Programm lauscht man gern. Und das Duo Lontano musiziert hingebungsvoll, mit Temperament und auch mit Grazie.
Dieses CD-Doppel gibt Zeugnis von einer großen Freundschaft: Paul Badura-Skoda und Jörg Demus musizierten jahrzehntelang immer wieder gemeinsam als Klavierduo. Gern haben die erfolgreichen Pianisten, jeder mit einer beeindruckenden Karriere, Klaviermusik zu vier Händen von Franz Schubert gespielt. Hier sind zwei Mitschnitte von Konzerten zu hören, die sie 1978 in Wien und 2007 in Paris gegeben haben. Und selbst wenn es sich um Ländler oder Märsche handelt – Paul Badura-Skoda und Jörg Demus gestalten wunderbar, und ihre Musizierfreude begeistert.
Da wird es einem ganz wehmütig ums Herz: „So was wie uns zwei gibt's nimmer“, meint auch Jörg Demus: „zwei lernbegierige, für alles Schöne und Gute offene junge Wiener Musiker, die ihrem Liebling Schubert mit all ihren vier Händen dienen wollen im wohl schönsten Kammermusiksaal der Welt, welchen Brahms so sehr liebte, dass man ihn später Brahms-Saal nannte, im ehrwürdigen Haus der Gesellschaft der Musikfreunde, auf dem wienerischsten aller Klaviere, dem Bösendorfer mit dem singenden, geradezu schubertischen Diskant.“ Man lausche also andächtig; wie gut, dass man so einen Wimpernschlag der Musikgeschichte am Lautsprecher nachvollziehen kann...
Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) war vielseitig interessiert und auch sehr geschäftstüchtig. Über den Lebensweg des erfolgreichen Pianisten, Kapellmeisters, Komponisten, Musikverlegers und Begründers einer Klaviermanufaktur haben wir in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet.
Von seiner Musik hingegen gibt es zumeist wenig zu berichten, weil sie heutzutage wenig gespielt wird. Ich bin zu der Meinung gelangt, dass Pleyel unterschätzt wird. Und darin bestätigt mich auch diese neue Einspielung aus der Edition Günter Hänssler: Leonore von Stauss und ihr Lehrer Wolfgang Brunner stellen Klaviermusik des Komponisten vor. Dabei scheuen sie, ebenso wie einst Pleyel, das Populäre nicht – und so erklingen neben dem Konzert für zwei Klaviere und Ausschnitten aus dem Receuil de trois pieces pour le Clavecin solo ou Harpe auch drei Sonaten à Quatre Mains, geschickt arrangiert von Pleyel nach drei seiner Violinduos, und eine Folge von Ecossaisen, also Tänzen, die Wolfgang Brunner behutsam für zwei Hammerflügel arrangiert hat. Musiziert wird auf Nachbauten historischer Instrumente, und klanglich sind die beiden Fortepianos wirklich sehr reizvoll. Die Einspielung hat generell Witz und Charme; in den Kadenzen lugt gelegentlich auch die Moderne um die Ecke. Hinreißend!
Charles Burney (1728 bis 1814) ist heute in erster Linie durch seine Reiseberichte bekannt, in denen er mit durchaus spitzer Feder schil- derte, was er auf zwei ausgedehnten Studienreisen durch den Kontinent erlebt hat. Begegnet ist er dabei nicht nur Sängern und Musikern, sondern auch dem europäischen Adel.
Ziel des musikhistorisch interessier- ten Organisten, der aus Shrewsbury stammte und dann auch in Norfolk sowie in London wirkte, war es, auf seinen Reisen das Material für eine umfassende Darstellung der Musikgeschichte zu sammeln. Diese hat er dann in den Jahren 1776 bis 1789 in vier Bänden veröffentlicht. Erwähnenswert ist zudem eine Schrift im Gedenken an Georg Friedrich Händel, inklusive einer sorgsam erarbei- teten Biographie, die Burney 1785 publizierte.
Der Musiker wurde von seinen Zeitgenossen sehr geschätzt und geachtet. In späteren Jahren erhielt er sogar eine Staatspension, und er starb als ein vermögender und hoch geehrter Mann. Dass er auch als Komponist ein gar nicht kleines Werk hinterlassen hat, ist weniger bekannt.
Auf zwei CD stellen Anna Clemente und Susanna Piolanti nun bei Brilliant Classics Sonaten vor, die Burney für Musikliebhaber geschrieben hat – zu spielen am Fortepiano oder am Cembalo zu vier Händen. Die Musikerin- nen haben dafür ein Tafelklavier ausgewählt, das ein Josephus Kirckman 1800 in London angefertigt hat. Es verfügt über ein Pedal mit einem Dämpfermechanismus; die Hämmerchen sind mit Hirschleder bezogen. Sein Klang ist facettenreich und faszinierend; die beiden Pianistinnen demonstrieren gekonnt insbesondere auch den erstaunlichen Farben- reichtum dieses Instrumentes.
Die Musikstücke sind elegant, und zu einer Zeit, da es kein Radio und kein Internet gab, waren sie sicherlich im gutbürgerlichen Haushalt auch eine willkommene Unterhaltung. Musikalisch sind sie aber kein wirklich großer Wurf, und mit ihren unendlich vielen Wiederholungen stellen sie die Geduld des Hörers heute mitunter schon auf die Probe.
Zunächst waren da die Acht Walzer op. 6 von Paul Hindemith, berichten Gülru Ensari und Herbert Schuch. Das türkisch-deutsche Duo, auch außermusikalisch ein Paar, spielte diese Stücke eine Weile morgens, vor dem eigentlichen Üben, vierhändig vom Blatt. Und die beiden Pianisten fanden die Nähe dieser frühen Werke Hindemiths zu den Walzern op. 39 von Johannes Brahms verblüffend.
So entstand die Idee, diese Walzer für eine CD einzuspielen – Brahms und Hindemith sorgsam miteinander verflochten; so kann man beim Zuhören den Ähnlichkeiten nachsinnen. „Wir haben lange experimentiert, bis wir mit der Reihenfolge zufrieden waren“, erläutert Gülru Ensari. „Wir wollten auch den reizvollen Kontrast ausspielen, den es zwischen der ungebrochenen Natürlichkeit des Walzers bei Brahms und dessen ironischer Verwandlung bei bei Hindemith gibt. Das sieht man ganz deutlich im Notenbild. Da steht dann ,viel langsamer spielen' oder ,großes Ritardando'.“
Ergänzt haben die beiden Pianisten ihr Programm durch zwei türkische Tänze, die Özkan Manav eigens für sie komponiert hat, und durch Le Sacre du printemps in der Fassung für Klavier zu vier Händen von Igor Strawinsky.
Somit zieht sich die Blickrichtung nach Osten wie ein Roter Faden durch das Programm: Brahms und Hindemith ließen sich bei ihren Walzern von ungarischen Volksweisen inspirieren. Die beiden Stücke von Özkan Manav beruhen ebenfalls auf Volksliedern. Und Strawinsky, der in Paris lebte, verwendete für seine Ballettmusik Melodien aus seiner russischen Heimat.
Ensari und Schuch spielen dieses Werk tatsächlich vierhändig, auf einem Klavier – auch wenn Klavierduos üblicherweise zwei Instrumente verwenden. „Ich mag aber diese Nähe auf 88 tasten, wir spüren sofort jede rhythmische Verzögerung des anderen und können uns darauf einstellen“, erläutert die Pianistin. „Und es ist unglaublich, sich vorzustellen, dass vor über 100 Jahren Strawinsky und Debussy in einem Privatkonzert auch an einem Flügel dieses Stück zum ersten Mal aufgeführt haben.“
Gülru Ensari und Herbert Schuch haben die ursprüngliche Version allerdings noch kräftig aufgepeppt – so haben sie an etlichen Stellen zusätzliche Orchesterstimmen integriert, und sie spielen auch Stichnoten mit. Außerdem haben sie mit Tamburin und Guiro nachgeholfen, „weil es überlagernde rhythmische Strukturen mit sehr besonderen Klangfarben gibt, die auf dem Klavier so gar nicht darstellbar sind“, so Schuch.
Das Ergebnis ist dann wirklich ein Kracher. So radikal, so rhythmus- betont-archaisch und zugleich so detailreich habe ich Le Sacre du printemps auf dem Klavier noch nicht gehört. Die beiden Pianisten musizieren, als ob sie außer den Noten auch noch gegenseitig ihre Gedanken lesen könnten – genial! und wirklich große Klavierkunst.
„Die Faszination,
die von dem Komponisten und dem Menschen Franz Liszt ausgeht,
begleitet uns Beide als Pianisten schon seit unserer Jugend“,
schreiben Chie Tsuyuki und Michael Rosenboom im Beiheft zu dieser CD.
„Wir haben uns dem Werk Liszts aber mittlerweile nicht nur als
Pianisten verschrieben, sondern vor Allem als Musiker. Schon kurz
nach Gründung unseres Klavierduos im Jahr 2009 entdeck- ten wir mit
großer Begeisterung die Originaltranskriptionen seiner Sinfonischen
Dichtungen zur zwei Klaviere sowie für Klavier zu vier Händen. ,Les
Préludes' war eines der ersten Werke,
die wir als Duo öffentlich aufführten.“
Auf dieser CD
erklingen zudem die Transkriptionen zu Mazeppa und Hunnenschlacht.
Die Auseinandersetzung mit Liszts Transkriptionen gab Chie Tsuyuki
und Michael Rosenboom Anregungen für die Arbeit an eigenen
Arrangements – ein Ergebnis, die Transkription von Totentanz,
stellt das Klavierduo auf dieser CD ebenfalls vor. Diese Paraphrase
des Dies irae ist schon im Original ziemlich beeindruckend: „Die
szenische Klangmalerei, welche Liszt für die Umsetzung der jeweils
zugrunde liegenden Programme in den sinfonischen Dichtungen, aber
auch in den verschiedenen Fassungen des Totentanzes verwendete, hat
uns in der Entstehungsphase unserer Totentanz-Transkription besonders
inspiriert“, erläutern die Pianisten. „Wir kamen mehr und mehr
dazu, das Klangspektrum eines modernen Flügels durch die uns heute
bekannten Mittel noch zu erweitern. So ließen wir auch moderne
Spieltechniken innerhalb des Klaviers und andere akustische
Hilfsmittel mit in die Transkription einfließen, um unsere sehr
persönliche Vorstellung der apokalyptischen ,Totentanz-Szenerie'
darstellen zu können. Trotz aller künstlerischen Freiheit, die wir
uns in dieser Transkription erlaubten, haben wir besonders danach
gestrebt, der Intention Liszts gerecht zu werden. Uns war es wichtig,
dass der ursprüngliche Gestus des Werkes dabei nicht verloren geht.“
Das Resultat, was die
beiden Musiker mit dieser Mischung aus Respekt und Experimentierlust
erzielt haben, kann sich hören lassen. Das dröhnt und pocht, das
wirbelt und scheppert. Da läuten die Glocken, und es formiert sich
ein bizarrer Reigen. Krass! Man fragt sich allerdings, wie lange die
zwei Pianisten üben mussten, bis sie solch ein Werk gemeinsam
spielen konnten. Dagegen muten Liszts eigene Transkriptionen –
ebenfalls hochvirtuos und in jeder Hinsicht anspruchsvoll – beinahe
zahm an.
Diese CD mit Klaviermusik "for Two Performers on One Piano Forte" von Muzio Clementi (1752 bis 1832) gibt zugleich Einblick in die Geschichte des Klavierbaus. Heutzutage ist der Konzertflügel so selbstverständlich und so allgegenwärtig, dass man beinahe vergisst, wie jung dieses Instrument doch eigentlich ist. Musikhistoriker haben ermittelt, dass das allererste Konzert auf einem Klavier in England beispielsweise 1767 stattgefunden hat – auf einem Tafelklavier, um genau zu sein. Die ersten englischen Konzertflügel erklangen nach 1780; zehn Jahre später waren sie bereits so etabliert, dass Virtuosen aus ganz Europa anreisten, um darauf zu musizieren.
Diese Instrumente wurden immer weiter vervollkommnet, und sie waren bald sehr begehrt. Dank der industriellen Revolution wurden daher aus etlichen Klavierbau-Werkstätten Klavierfabriken. Zu Beginn des 19. Jahr- hunderts fertigte, so erfährt man aus dem Beiheft zu dieser CD, allein John Broadwood & Son um die 400 Instrumente jährlich. Wie die Hammerflügel von Broadwood klangen, das zeigt exemplarisch diese Einspielung auf einem beeindruckenden Instrument aus dem Jahre 1798. Es hat einen Tonumfang von fünfeinhalb Oktaven, wurde sorgsam restauriert und befindet sich heute in der Sammlung von Eckart Sellheim.
Galina Draganova und Vasily Ilisavsky, seit 2005 gemeinsam unterwegs als Duo Hammerklavier, präsentieren auf dem Broadwood Werke von Muzio Clementi. Das ist insofern witzig, als der „father of the pianoforte“ es nicht dabei beließ, als Virtuose zu konzertieren, zu komponieren und zwei berühmte pädagogische Schriften zu veröffentlichen – „Introduction to playing the Piano-Forte“, erschienen 1801, sowie die Etüdensammlung „Gradus ad Parnassum“, erstmals veröffentlicht 1817. Clementi interessier- te sich ebenfalls sehr für den Klavierbau, und er beteiligte sich sogar an der Klavierfabrik eines Freundes (und verlor wohl eine Menge Geld dabei).
William Vincent Wallace (1812 bis 1865) war der Sohn eines schotti- schen Militärkapellmeisters; er wuchs in Irland auf, und erhielt eine fundierte musikalische Aus- bildung. 1835 wanderte Wallace nach Australien aus, wo er ge- meinsam mit Familienangehörigen die erste Musikschule auf dem Kontinent gründete. Doch der Musiker wurde in Sydney nicht sesshaft. 1838 ging Wallace nach Südamerika, 1842/43 war er in New Orleans und New York zu finden, wo er sowohl im Konzert als auch als Komponist erfolgreich war. Auch nach Europa kehrte er mehrfach zurück. So gab Wallace im Mai 1845 sein Debüt in London. Er war ein erfolgreicher Opernkom- ponist, und schrieb zudem vor allem Klavier- und Kammermusik.
Auf dieser CD erklingen einige seiner Werke für Klavier zu vier Hän- den. In ihnen hat er Musik verarbeitet, wie er sie in seiner Kindheit gehört hat. Aus den beliebten irischen und schottischen Melodien hat er mit seinen Arrangements effektvolle Konzertpieces geformt. Die renommierten Pianisten Rosemary Tuck und Richard Bonynge haben an dieser mitreißenden Musik hörbar Vergnügen. Der Zuhörer an dieser Einspielung auch.
Originalwerke für Klavier zu vier Händen von tschechischen Kom- ponisten finden sich auf dieser CD. Ihre Biographie hat zudem durch- weg einen Bezug zur Stadt Prag, so dass die Stücke auch aufzeigen, wie sie sich Musikwelt in der Goldenen Stadt innerhalb von etwa hundert Jahren verändert hat.
Die Slawischen Tänze op. 46 von Antonín Dvorák entstanden 1878. Der Berliner Verleger Fritz Sim- rock war durch Johannes Brahms auf den jungen Tschechen hinge- wiesen worden, und beauftragte ihn, Klaviermusik zu vier Händen zu komponieren, analog Brahms' Ungarischen Tänzen. Seine Kalkulation ging auf: Auch Dvoráks sieben Tänze waren ein großer Erfolg.
Zdenek Fibich war ein Schüler Bedrich Smetanas. Er war Kapellmei- ster, Chorleiter und schließlich Operndramaturg an Nationaltheater in Prag. Seine Sonate in B-Dur op. 28 für Klavier zu vier Händen widmete er "seinem lieben Freund Antonín Dvorák".
Erwin Schulhoff stammte aus Prag. Das hochbegabte Kind verdankte es einer Empfehlung Dvoráks, dass er bereits mit sieben Jahren Klavierunterricht bei Jindrich Kahn erhielt, und wenig später ins Konservatorium aufgenommen wurde. Schulhoff studierte in Wien, Leipzig, Köln und Berlin, unter anderem bei Max Reger. Er gehörte zu den ersten europäischen Komponisten, die den Jazz als Inspirations- quelle nutzten. Auch sonst engagierte sich Schulhoff im Sinne der musikalischen Avantgarde; in den 30er Jahren wandte er sich aller- dings dem "sozialistischen Realismus" zu, begann, Propaganda-Musik zu schreiben, und wollte in die Sowjetunion übersiedeln. Das ist ihm dann leider nicht mehr geglückt. 1941 wurde er verhaftet und auf der Wülzburg bei Weißenburg in Bayern interniert. Dort starb er im August 1942 - halb verhungert, krank, erschöpft und entkräftet. In seinem Werk Ironien op. 34 parodiert er die Musik der versunkenen Donaumonarchie - und die musikalischen Moden der Nachkriegszeit.
Abschließend erklingen auf dieser CD die Variationen über ein Thema von Pergolesi von Ilja Hurník. Dieses Werk aus dem Jahre 1985, das mit dem Grand Prix des Kompositionswettbewerbes für Klavierduo der Piano Assoziation of Japan ausgezeichnet würde, ist hier in Welt- ersteinspielung zu hören.
Auch Pianistin Romana Danhel-Kolb stammt aus Prag. Beim Studium in der Klavierklasse von Professor Grigory Gruzman lernte sie Oliver Kolb kennen. Das Paar musiziert seit 2005 gemeinsam, und hat sich auf das vierhändige Klavierspiel spezialisiert. Diese CD belegt, dass eine eheliche Harmonie sich auch auf das Konzertieren positiv aus- wirkt; das Klavierduo Danhel-Kolb spielt präzise abgestimmt, mit Sinn für Klangfarben und einer gehörigen Portion Temperament.
"Damit Dich diese Zeilen nicht vielleicht verführen, zu glauben, ich sey nicht wohl, oder nicht heiteren Gemüthes, so beeile ich mich, Dich des Gegentheils zu versichern. Freylich ists nicht mehr jene glückliche Zeit, in der uns jeder Gegenstand mit einer jugendlichen Glorie umgeben scheint, sondern jenes fatale Erkennen einer miserablen Wirklichkeit, die ich mir durch meine Phantasie (Gott sey's gedankt) so viel als möglich zu verschönern suche", schrieb Franz Schubert im Juli 1824 an seinen Bruder Ferdinand. "Man glaubt an dem Orte wo man einst glücklicher war, hänge das Glück, (...) doch bin ich jetzt mehr im Stande Glück und Ruhe in mir selbst zu finden als damals. Als Beweis dessen werden Dir eine große Sonate und Variationen über ein selbst erfundenes Thema, beides zu 4 Hände, welche ich bereits componirt habe, dienen."
Gemeint ist hier die Sonate C-Dur D 812, auch Grand Duo genannt, weil sie sich wenig um Konventionen scherte. Klavierwerke zu vier Händen nämlich waren seinerzeit üblicherweise für das häusliche Musizieren bestimmt, und daher achteten die Komponisten sorgsam darauf, dass sie - selbst wenn sie technisch anspruchsvoll waren - spielbar blieben. Schubert scherte sich darum bei diesem Stück so wenig, dass Robert Schumann, der Jahre später diese Noten auf- spürte, meinte, es müsse sich dabei um den Klavierauszug einer nie orchestrierten Sinfonie handeln.
Das Duo d'Accord hat dieses grandiose Werk nun für den Bayerischen Rundfunk und das Label Solo Musica eingespielt. Es ist kraftvolle Musik, zupackend interpretiert von Lucia Huang und Sebastian Euler. Die beiden Pianisten haben es auf dieser CD kombiniert mit Schuberts Rondo in A-Dur D 951, einem ebenfalls wunderschönen, aber eher lyrischen Stück.