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Samstag, 9. Juli 2016

Flautissimo! (K&K)

Einen weiteren Live-Mitschnitt aus dem Kloster Maulbronn mit seiner einzigartigen Atmosphäre haben Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler bei ihrem Label K & K veröffentlicht. Im August 2014 konzertierte dort der Flötist Michael Martin Kofler. Es war bereits wäh- rend seines Studiums Soloflötist im Gustav-Mahler-Jugendorchester unter Claudio Abbado; 1987 berief ihn Sergiu Celibidache in gleicher Posi- tion zu den Münchner Philharmoni- kern. Kofler spielt Konzerte weltweit. Seit 1989 ist der Musiker Professor am Mozarteum in Salzburg; er unterrichtet Meisterklassen und ist als Jury- mitglied bei bedeutenden Wettbewerben tätig. 
In Maulbronn musizierte er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Es wurde 1950 von dem Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant gegründet, und ist noch heute eines der wenigen Full-time-Kammerorchester mit einer Stammbesetzung von 14 Musikern, die bei Bedarf um weitere Streicher und Bläser aufgestockt werden kann. In der Saison 2013/14 übernahm Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm, die Position des künstlerischen Leiters und Chefdirigenten. 
Hier präsentiert er ein Programm, das mit der Symphonie Es-Dur von Carl Philipp Stamitz beginnt. Es folgen das bekannte Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo in G-Dur von Johann Joachim Quantz, und die Sinfonia in C-Dur von Giovanni Battista Sammartini. Der Solist bringt sich noch einmal ein mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur KV 313; abschließend erklingt die Symphonie Nr. 21 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Musiziert wird solide, aber nicht überragend; Über- raschungen gibt es keine – eine CD, die man nicht unbedingt haben muss. 

Montag, 28. März 2016

Peter Kofler: Transkriptionen (Querstand)

Peter Kofler, Jahrgang 1979, ist ein Musiker mit einem weiten künstle- rischen Horizont. Er ist Gründungs- mitglied und Cembalist des Barock- orchesters L'Academie giocosa, er musziert aber auch gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayeri- schen Rundfunks, und konzertiert bei renommierten Musikfestivals. Von 2003 bis 2014 war Kofler Korrepetitor und Assistent von Hansjörg Albrecht beim Münchener Bach-Chor. Er spielt Orgelkonzerte, er ist ein geschätzter Kammermusik-Partner, und er ist zudem Lehrbeauftragter im Fach Chorleitung an der Münchner Musik- hochschule. 
Seit 2008 ist Kofler Organist an der Jesuitenkirche St. Michael in München; dort hat er ein Orgelfestival, den Münchner Orgelherbst, initiiert, das er zudem als künstlerischer Leiter verantwortet. Und auch seine CD-Einspielungen zeugen von breitem musikalischen Interesse; sie reichen von Bachs Kunst der Fuge bis hin zu Rheinberger und Reger. Die neueste Veröffentlichung bei dem Altenburger Label Querstand setzt nun einen weiteren Akzent: Peter Kofler hat Orgeltranskriptionen bekannter Werke aus einer Zeit dafür ausgewählt, die schier süchtig war nach Klangfarben und Tonleiterkaskaden: Daphnis et Cloé, Suite Nr. 2 von Maurice Ravel (1875 bis 1937), die Suite Pelléas et Mélisande von Gabriel Fauré (1845 bis 1924), Saint François de Paule marchant sur les flots sowie die Symphonische Dichtung Prometheus von Franz Liszt (1811 bis 1886) – und zwischen diesen beiden Großwerken hat Kofler noch, mit einem Augenzwinkern, eine eigene Transkription der Klavierminiatur Clair de Lune von Claude Debussy (1862 bis 1918) untergebracht. 
Der Organist musiziert an „seinem“ Instrument, der Michaelsorgel, 2011 unter Einbeziehung von altem Pfeifenmaterial der vorherigen Sandtner-Orgel durch die Firma Orgelbau Rieger aus dem österreichischen Vorarl- berg neu errichtet. Vergleicht man die Transkriptionen, die Kofler für diese Aufnahme ausgesucht hat, mit den Orchester-Originalen, so kann sich die Orgelversion dabei durchaus hören lassen. Man lausche nur, wie Franz Liszt den Heiligen Franziskus von Paola auf den Wassern schreitend die Meerenge von Messina überqueren lässt – das unruhige Rollen der Wel- len passt zur Orgel ebenso trefflich wie die große Fuge im Prometheus, oder der grandiose Sonnenaufgang in Ravels Daphnis et Chloé. Scheinbar mühelos erzielt Kofler mit der Michaelsorgel ähnliche Klangeffekte, wie sie die Komponisten seinerzeit mit einem großen romantischen Orchester erprobt haben. Und auf einer Orgel klingt das noch immer ziemlich kühn.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Bach: New Oboe Sonatas (Berlin Classics)

Oboensonaten von Johann Sebastian Bach? Wer da erstaunt die Stirn runzelt, der hat wohl das Wörtchen „new“ übersehen. Denn der berühmte Thomaskantor hat zwar viele traum- haft schöne Partien für die Oboe geschrieben. Aber Sonaten für dieses Instrument sind von ihm leider nicht überliefert. Und so spielen Oboisten mitunter Bachs Flötensonaten – was zur Entstehungszeit dieser Werke durchaus üblich war; auch Bach selbst hat munter seine Komposi- tionen bearbeitet und bei Bedarf die Instrumentierung geändert. 
Ramón Ortega Quero, Solo-Oboist des Symphonieorchesters des Bayeri- schen Rundfunks, hat daher Bachs Kammermusik mit wachem Blick studiert – und so einige interessante Werke ausfindig gemacht, um sie auf seinem Instrument zu spielen. Die CD startet mit der Suite in c-Moll BWV 997, von der Experten annehmen, dass sie für das Lautenwerk entstanden sind, eine Art Cembalo mit einem lautenähnlichen Resonanzkörper. Diese Musik ist bereits mehrfach für andere Besetzungen bearbeitet worden; Quero hat nun eine Version für Oboe und Cembalo geschaffen, die enorm gut klingt und durchweg überzeugt. Die Sonate BWV 1034 wurde für Traversflöte und Basso continuo geschrieben. 
Die Triosonate in G-Dur BWV 1039 gibt es in derselben Tonart auch in einer Variante für Gambe. An diesem Beispiel hat sich der Flötist Henrik Wiese orientiert, und Bachs Gambensonaten sehr kompetent für die Flöte bearbeitet. Quero spielt eines dieser Werke, BWV 1029, nun auf der Oboe. Dieser Transfer funktioniert auch bei der Triosonate Nr. 3 für zwei Traversflöten und Basso continuo hervorragend. Bei diesem Stück musiziert Ramón Ortega Quero gemeinsam mit seiner Frau Tamar Inbar, die ebenfalls exzellent Oboe spielt. Es ist faszinierend, den beiden Solisten zuzuhören, denn bei aller Harmonie unterscheiden sie sich doch im Klang recht deutlich. 
Musikalische Partner bei dieser Einspielung waren Quero zudem Luise Buchberger am Barockcello und Peter Kofler am Cembalo. Das passt sehr gut, denn sie übernehmen ihren Part mit Elan, mit sehr viel Sachverstand und auch mit Temperament. Entstanden ist somit eine CD, die man wirklich gern und mit Gewinn anhört, von außergewöhnlich hoher musikalischer Qualität. Bravi!

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Bach: Die Kunst der Fuge; Kofler (Raumklang)

"Für mich ist die Kunst der Fuge kein akademisches Lehrbuch der Fugenkomposition, sondern eine Folge von lebendigen, packenden Charakterstücken", erklärt Peter Kofler. Damit tritt der Organist und Cembalist in die Tradition Robert Schumanns, der diese Bezeichnung seinerzeit wählte. Es ist eine ro- mantische Tradition, und das prägt auch diese CD maßgeblich. 
Um den Ausdruck zu unterstrei- chen, wählte Kofler für diese Ein- spielung zwei höchst unterschied- liche Instrumente aus. Da wäre zum einen ein zweimanualiges Cem- balo von Karl August Gräbner, Dresden 1782, aus der Sammlung des Germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg. Es ist ein Instrument, das vergleichsweise spät angefertigt worden ist, zu einem Zeitpunkt, da das Hammerklavier schon weit verbreitet war. Dennoch blieb das Cembalo noch für einige Zeit ein beliebtes Konzertinstrument - und profitierte ebenfalls von der Weiterentwicklung  des Klavierbaus. 
Im Kontrast dazu entschied sich Peter Kofler für ein Organo di Legno, eine kleine Orgel, deren Pfeifen ganz aus Zypressenholz bestehen. Sie wurde von Andreas J. Schiegnitz, Albsheim/Grünstadt in der Pfalz, nach einem Original erbaut, das sich in der Silbernen Kapelle zu Innsbruck befindet. Ihr Klang ist charakteristisch, sehr weich und zugleich durchdringend. Auch sind die Klangfarben von Bass und Diskant ziemlich unterschiedlich, was zur Durchhörbarkeit eines mehrstimmigen Satzes beiträgt. 
Bei der Erkundung der einzelnen Stücke lässt sich Kofler Zeit. Er spürt dem Charakter der jeweiligen Fuge nach, versäumt darüber jedoch nicht, den Zyklus als solchen zu präsentieren. Eine interessante Variante, die man gern anhört. 

Freitag, 25. März 2011

Jeux à Deux - Recital for Flute and Harp (Genuin)

Liebe Veranstalter, kauft uns ein! ruft diese CD laut und vernehm- lich. Das Ehepaar Regine und Michael Martin Kofler hat bei Genuin Classics Werke eingespielt, die zu ihrem Standard-Konzert- programm gehören, und beim Publikum ganz sicher gut ankom- men: Die Sonate in C-Dur, BWV 1033, von Johann Sebastian Bach, das berühmte Mozart-Andante
KV 315, Variationen von Frédéric Chopin über ein Thema von Rossi- ni, die Deux Préludes Romantiques op. 17 von Marcel Tournier sowie Werke von Jacques Ibert, Marc Berthomieu, Camille Saint-Saens und Gabriel Fauré - und natürlich auch ein Andante con Variazioni von Gioachino Rossini höchst- selbst. 

Keines dieser Stücke ist so modern, dass man es nicht auch im Altersheim problemlos spielen könnte. "Es ist Musik für die Seele. Musik, die berührt, die tanzt und auch in vielerlei Hinsicht virtuos ist", erklärt Michael Martin Kofler. Flöte und Harfe harmonieren ohnehin ausgezeichnet miteinander, und musiziert wird hier auf höchstem Niveau. Sowohl der Flötist als auch die Harfenistin haben Gelegenheit zu schönen Tönen wie zu rasanten Passagen, und beide spielen exzellent. 

Sonntag, 28. November 2010

Shadows - Baroque Music by Vivaldi, Blavet, Dieupart and Veracini (Solo Musica)

"Aus Liebe zur Barockmusik habe ich dieses Programm eingespielt", schreibt Ramón Ortega Quero, Solo-Oboist des Symphonie- orchesters des Bayerischen Rund- funks und Rising Star der European Concert Hall Organization 2010/11. "Wir haben die drei italienischen Sonaten und drei französische Stücke aufgenommen und versucht, Ähnlichkeiten und Unterschiede beider Stilrichtun- gen deutlich zu machen."
Das ist offenbar gar nicht so einfach, denn die Musiker der Barockzeit reisten umher, um zu lernen, einander zuzuhören und Arbeiten berühmter Kollegen zu kopieren. Italien galt damals als das Maß aller Dinge. Concerti grossi nach Corelli, die Kirchensonate oder die nea- politanische Oper wurden bald in ganz Europa nachgeahmt. 
Die Franzosen bevorzugten Suiten, Folgen von Tanzsätzen; sie über- nahmen aber bald die Innovationen aus Italien. So steht auf dieser CD nur noch ein Werk für den französischen Stil - und die Suite VI in f-Moll stammt lustigerweise von Charles Dieupart, der in London lebte und arbeitete. Die beiden Werke von Michel Blavet, damals der berühmteste Flötist in Frankreich, folgen bereits dem Modell der Sonate. Die CD enthält zudem Sonaten von Francesco Maria Veracini und Antonio Vivaldi - darunter auch die Sonate c-Moll RV 53, das einzige der sechs Werke, das ursprünglich für Oboe entstanden ist.
Alle sechs Werke stehen zudem im Tongeschlecht Moll, was das Label veranlasste, den Titel Schatten für die CD zu wählen. Nach der Affektenlehre, die im Beiheft sogar zitiert wird, haben aber nicht alle Moll-Tonarten etwas Düsteres; erst die Wiener Klassik bevorzugte die Dur-Tonarten, und degradierte Moll zum Kontrast. Johann Mattheson beschreibt in seinem Neu-Eröffneten Orchestre (1713) aber nicht nur die Charaktere der einzelnen Tonarten: "Der gleichsam redende Haut- bois, ital. Oboe, ist bey den Frantzosen, und nunmehro auch bey uns, das, was vor diesem in Teutschland die Schalmeyen (von den alten Musicis Piffari genandt) gewesen sind, ob sie gleich etwas anders eingerichtet. Die Hautbois kommen, nach der Flute Allemande, der Menschen-Stimme wol am nähesten, wenn sie mannierlich und nach der Sing-Art tractiert werden, wozu ein großer Habitus und sonder- lich die gantze Wissenschaft der Singe-Kunst gehöret. Werden aber die Hautbois nicht auff das aller delicateste angeblasen, (es sei denn im Felde oder inter pocula, wo mans eben so genau nicht nimmt) so will ich lieber eine gute Maultrummel oder ein Kamm-Stückchen davor hören, und glaube, es werden ihrer mehr also verwehnet seyn." 
Was die Qualität des Oboenspiels angeht, so ist bei dieser CD nicht viel zu befürchten; auch wenn der Ton vielleicht noch ein wenig weicher, singender, samtiger werden könnte. Und mit Luise Buchberger am Violoncello und Peter Kofler am Cembalo steht Ramón Ortega Quero ein versiertes Continuo zur Seite.