Was für ein Sound! Alexei Lubimov spielt Clavierstücke von Carl Philipp Emanuel Bach – auf einem Tangentenflügel. Das Instrument, das auf dieser CD zu hören ist, stammt aus der Werkstatt von Späth & Schmahl in Regensburg, wo es 1794 gebaut worden ist.
Franz Jacob Späth war der bedeu- tendste Hersteller von Tangenten- klavieren. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Saiten von unten durch emporschnellende Stäbchen aus Holz angeschlagen werden. Mit einem Dämpfer lässt sich der Ton wieder beenden. Außerdem kann er durch Moderatorzüge klanglich verändert werden.
Es erstaunt nicht, dass Musiker die Tangentenflügel schätzten, die wie ein Psalterium, wie eine Harfe oder auch wie ein Hammerklavier klingen konnten. Und weil die Instrumente sehr gefragt waren, nahm Späth seinen Schwiegersohn Christoph Friedrich Schmahl als Partner mit ins Geschäft. Ungefähr zehn Instrumente von Späth und Schmahl sind erhalten geblieben.
Alexei Lubimov spielt den Tangentenflügel auf dieser CD höchst virtuos. Man lauscht verblüfft, und freut sich über das enorme Ausdrucksvermögen dieses Instrumentes. „Historical keyboard instruments contradict the ideal shared by the great pianists of the last century, that of achieving the perfect, ultimate interpretation. And this is absolutely fine!“, schreibt der Pianist im Beiheft. „,Tangere' (to touch) means to find an instrument's personal, individual touch, to touch the hidden secrets of its own proper language.“
In Lubimovs Interpretation wird hör- und nachvollziehbar, wie extra- vagant die Musik des ältesten Bach-Sohnes eigentlich war. Auf dem Tangentenflügel lässt sich ihre kapriziöse Mutwilligkeit so recht auskosten. Das sind Klänge! Wer diese Aufnahme gehört hat, der mag diese Stücke nie wieder anders erleben.
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Montag, 30. April 2018
Donnerstag, 14. September 2017
John Potter: Secret History - Sacred Music by Josquin and Victoria (ECM)
Josquin Desprez (um 1450 bis 1521) wird jeder Musikwissenschaftler in der Renaissance verorten, Tomas Luis de Victoria (um 1548 bis 1611) wohl eher im Frühbarock. Der eine wirkte in Frankreich, der andere in Spanien; beide waren zeitweise auch in Rom tätig.
Ob der Spanier die Werke seines berühmten französischen Kollegen kannte – viele davon waren im Druck erschienen, und sie waren in ganz Europa verbreitet –, lässt sich heute nicht mehr feststellen. John Potter aber meint, dass man Musikgeschich- te nicht als nur Abfolge von Kompositionen und unter dem Aspekt der Suche nach der originalen Gestalt eines Werkes schreiben sollte.
Mindestens ebenso interessant findet der Sänger den Blick auf die Rezeptionsgeschichte von Musikstücken – und mit dieser CD bietet er dafür gleich ein Beispiel. Es ist eine spannende Erkenntnis, dass Kompositionen, die man heutzutage als reine Vokalmusik anzusehen geneigt ist, seinerzeit durchaus auch auf Instrumenten gespielt wurden. In diesem Zusammenhang hat sich John Potter den sogenannten „Sekundär- quellen“ zugewandt – „which actually represent the music as it was known and loved by musicians who felt the composers to be kindred spirits long after their deaths“, schreibt der Sänger im Beiheft.
So finden sich Kompositionen von Desprez und de Victoria erstaunlicher- weise in den Tabulaturen vieler europäischer Lautenisten, und auch Musiker, die Vihuela spielten – eine Art Gitarre, die aber wie eine Laute gestimmt war –, besaßen Abschriften dieser Messen und Motetten.
Die Klänge jener Zeit rekonstruiert Potter auf dieser CD gemeinsam mit Trio Mediaeval-Sängerin Anna Maria Friman und den exzellenten Vihuela-Virtuosen Ariel Abramovich, Jacob Heringman und Lee Santana. In einigen Stücken ist zudem Hille Perl mit ihrer Viola da gamba zu hören.
Das klangschöne Album, produziert von Manfred Eicher, wurde im Kloster St. Gerold in den österreichischen Bergen aufgezeichnet, wo Potter bereits zuvor Stücke für Officium und andere Alben mit dem Hilliard Ensemble und mit dem Dowland Project eingespielt hat.
Ob der Spanier die Werke seines berühmten französischen Kollegen kannte – viele davon waren im Druck erschienen, und sie waren in ganz Europa verbreitet –, lässt sich heute nicht mehr feststellen. John Potter aber meint, dass man Musikgeschich- te nicht als nur Abfolge von Kompositionen und unter dem Aspekt der Suche nach der originalen Gestalt eines Werkes schreiben sollte.
Mindestens ebenso interessant findet der Sänger den Blick auf die Rezeptionsgeschichte von Musikstücken – und mit dieser CD bietet er dafür gleich ein Beispiel. Es ist eine spannende Erkenntnis, dass Kompositionen, die man heutzutage als reine Vokalmusik anzusehen geneigt ist, seinerzeit durchaus auch auf Instrumenten gespielt wurden. In diesem Zusammenhang hat sich John Potter den sogenannten „Sekundär- quellen“ zugewandt – „which actually represent the music as it was known and loved by musicians who felt the composers to be kindred spirits long after their deaths“, schreibt der Sänger im Beiheft.
So finden sich Kompositionen von Desprez und de Victoria erstaunlicher- weise in den Tabulaturen vieler europäischer Lautenisten, und auch Musiker, die Vihuela spielten – eine Art Gitarre, die aber wie eine Laute gestimmt war –, besaßen Abschriften dieser Messen und Motetten.
Die Klänge jener Zeit rekonstruiert Potter auf dieser CD gemeinsam mit Trio Mediaeval-Sängerin Anna Maria Friman und den exzellenten Vihuela-Virtuosen Ariel Abramovich, Jacob Heringman und Lee Santana. In einigen Stücken ist zudem Hille Perl mit ihrer Viola da gamba zu hören.
Das klangschöne Album, produziert von Manfred Eicher, wurde im Kloster St. Gerold in den österreichischen Bergen aufgezeichnet, wo Potter bereits zuvor Stücke für Officium und andere Alben mit dem Hilliard Ensemble und mit dem Dowland Project eingespielt hat.
Freitag, 9. Oktober 2015
Arvo Pärt - Musica Selecta (ECM New Series)
„Vor mehr als dreißig Jahren hörte ich zum ersten Mal Musik von Arvo Pärt. Diese Begegnung war uner- wartet und wegweisend“, erinnert sich Manfred Eicher. Denn sie ließ bei dem Produzenten den Wunsch entstehen, den Komponisten dieser leisen Musik kennenzulernen und seine Musik aufzunehmen, „damit andere Menschen dieselbe beglückende Erfahrung machen konnten, die mir zuteil geworden war.“
Aus dieser Begegnung sind dann die ECM New Series hervorgegangen – und viele, viele exzellente Aufnahmen mit Musik von Arvo Pärt. Noch heute habe ich Fratres im Ohr, eingespielt 1983 von Gidon Kremer und Keith Jarrett, Es sang vor langen Jahren, gesungen von Susan Bickley gemeinsam mit Gidon Kremer, Violine und Vladimir Mendelssohn, Viola, oder das Da Pacem Domine mit dem Estonian Philharmonic Chamber Choir und dem Tallin Chamber Orchestra unter Tõnu Kaljuste. Durch die Werke von Arvo Pärt – aufgezeichnet von Eicher – habe ich verstanden, dass auch die Stille Musik sein kann, ja, dass ohne Stille Musik nicht sein kann. Eicher schuf Klangräume für Pärts Werke. Und er wählte Musiker aus, die sich auf Pärts Spiritualität und seine enormen klanglichen Kraft- felder eingelassen haben.
Die vorliegende Doppel-CD fasst noch einmal Ergebnisse dieser lang- jährigen Weggenossenschaft zusammen: „Die hier versammelten Stücke sind eine persönliche Auswahl, die ich zu einer Sequenz zusammengefügt habe. Jede Episode entspricht einer Station auf unserer gemeinsamen Reise“, schreibt Eicher im Beiheft. Es ist die wohl schönste Gabe zum 80. Geburtstag des Komponisten, den dieser kürzlich feiern konnte – und wir alle wünschen ihm noch viele Jahre bei guter Gesundheit, Schaffenskraft und wachem Geist. Pärt und sein Werk sind einzigartig, unersetzbar, und unendlich kostbar.
Aus dieser Begegnung sind dann die ECM New Series hervorgegangen – und viele, viele exzellente Aufnahmen mit Musik von Arvo Pärt. Noch heute habe ich Fratres im Ohr, eingespielt 1983 von Gidon Kremer und Keith Jarrett, Es sang vor langen Jahren, gesungen von Susan Bickley gemeinsam mit Gidon Kremer, Violine und Vladimir Mendelssohn, Viola, oder das Da Pacem Domine mit dem Estonian Philharmonic Chamber Choir und dem Tallin Chamber Orchestra unter Tõnu Kaljuste. Durch die Werke von Arvo Pärt – aufgezeichnet von Eicher – habe ich verstanden, dass auch die Stille Musik sein kann, ja, dass ohne Stille Musik nicht sein kann. Eicher schuf Klangräume für Pärts Werke. Und er wählte Musiker aus, die sich auf Pärts Spiritualität und seine enormen klanglichen Kraft- felder eingelassen haben.
Die vorliegende Doppel-CD fasst noch einmal Ergebnisse dieser lang- jährigen Weggenossenschaft zusammen: „Die hier versammelten Stücke sind eine persönliche Auswahl, die ich zu einer Sequenz zusammengefügt habe. Jede Episode entspricht einer Station auf unserer gemeinsamen Reise“, schreibt Eicher im Beiheft. Es ist die wohl schönste Gabe zum 80. Geburtstag des Komponisten, den dieser kürzlich feiern konnte – und wir alle wünschen ihm noch viele Jahre bei guter Gesundheit, Schaffenskraft und wachem Geist. Pärt und sein Werk sind einzigartig, unersetzbar, und unendlich kostbar.
Montag, 23. Februar 2015
Beethoven: Diabelli-Variationen; Schiff (ECM New Series)
Nach seiner vielfach preisgekrönten Einspielung sämtlicher Klavier- sonaten von Ludwig van Beethoven bei ECM hat sich András Schiff nun erneut bedeutenden Werken des Komponisten zugewandt: Er spielt die Diabelli-Variationen – gleich zweimal, ergänzt um seine letzten Klaviersonate op. 111 bzw. um die späten Bagatellen op. 126, auf zwei grundverschiedenen Instrumenten. „Der Bechstein-Flügel von 1921 repräsentiert eine längst vergessene Welt. Wilhelm Backhaus hat ihn oft gespielt und mit ihm Aufnahmen gemacht“, erläutert der Pianist seine Entscheidung. „Und es sei daran erinnert, dass Bechstein Arthur Schnabels bevorzugte Marke gewesen ist. Schnabels Klavierton – gerade bei Beethoven und Schubert – war immer mein Vorbild. Der Bechstein-Flügel hilft mir, diesem Ideal näherzu- kommen.“ Und mit dem Hammerflügel des Wiener Klavierbauers Franz Brodmann „sind wir direkt an der Quelle“, begeistert sich Schiff. „Wien im Jahr 1820: Das sind Ort und Zeit der Komposition. Dieses Instrument hier ist ein Original, keine moderne Kopie, und es ist in perfektem Zustand. An ihm klingt die Musik frischer, kühner und unendlich viel zarter.“
Bei diesem Hammerklavier unterscheiden sich die Register klanglich deutlich. Und die tiefere Stimmung – auf 430 statt 442 oder mehr Hertz – „klingt für die Ohren viel angenehmer und obertonreicher“, schwärmt der Pianist. „Die Dynamik wirkt differenzierter: Während die Lautstärke wesentlich zurückgenommen wird, gelingen die leisen und leisesten Passagen mit Hilfe der Verschiebung und des Moderators magisch und geheimnisvoll.“ Das Instrument gibt durch das Verklingen des Tones dem Pianisten eine Orientierung bei der Wahl der die Tempi. Schiff zeigt zudem mit seiner sorgsam an der Handschrift ausgerichteten Interpretation exemplarisch, welch enorme Bedeutung Beethovens Anweisungen zum Pedalgebrauch haben. „Sie zu ignorieren, ist Ausdruck höchster Arroganz, eine Verfälschung der Musik“, kritisiert der Pianist. Und wenn man sie beachtet, dann ergibt sich klanglich tatsächlich ein Unterschied.
Es sind ohnehin faszinierende Klangwelten, die Schiff hier vorstellt. Der historische Hammerflügel beeindruckt mit seinem unendlichen Farben- reichtum. Der Bechstein hingegen klingt sehr ausgeglichen, warm und sanft. Schiff stellt sich jeweils auf die Eigenheiten des Instrumentes ein; so unterscheiden sich die beiden Aufnahmen mitunter doch erstaunlich. Ich würde freilich keiner von beiden den Vorzug geben wollen, beide Varianten möchte man gleichermaßen immer wieder hören. Ob das Fans des Einheits-Steinways auch so empfinden werden, das darf bezweifelt werden. Aber einen Hörversuch sollte man in jedem Falle starten – es lohnt sich!
Bei diesem Hammerklavier unterscheiden sich die Register klanglich deutlich. Und die tiefere Stimmung – auf 430 statt 442 oder mehr Hertz – „klingt für die Ohren viel angenehmer und obertonreicher“, schwärmt der Pianist. „Die Dynamik wirkt differenzierter: Während die Lautstärke wesentlich zurückgenommen wird, gelingen die leisen und leisesten Passagen mit Hilfe der Verschiebung und des Moderators magisch und geheimnisvoll.“ Das Instrument gibt durch das Verklingen des Tones dem Pianisten eine Orientierung bei der Wahl der die Tempi. Schiff zeigt zudem mit seiner sorgsam an der Handschrift ausgerichteten Interpretation exemplarisch, welch enorme Bedeutung Beethovens Anweisungen zum Pedalgebrauch haben. „Sie zu ignorieren, ist Ausdruck höchster Arroganz, eine Verfälschung der Musik“, kritisiert der Pianist. Und wenn man sie beachtet, dann ergibt sich klanglich tatsächlich ein Unterschied.
Es sind ohnehin faszinierende Klangwelten, die Schiff hier vorstellt. Der historische Hammerflügel beeindruckt mit seinem unendlichen Farben- reichtum. Der Bechstein hingegen klingt sehr ausgeglichen, warm und sanft. Schiff stellt sich jeweils auf die Eigenheiten des Instrumentes ein; so unterscheiden sich die beiden Aufnahmen mitunter doch erstaunlich. Ich würde freilich keiner von beiden den Vorzug geben wollen, beide Varianten möchte man gleichermaßen immer wieder hören. Ob das Fans des Einheits-Steinways auch so empfinden werden, das darf bezweifelt werden. Aber einen Hörversuch sollte man in jedem Falle starten – es lohnt sich!
Montag, 22. Dezember 2014
Transeamus - The Hilliard Ensemble (ECM New Series)
Transeamus – lasst uns gehen! - überschreibt das Hilliard Ensemble seine aktuelle CD. Das darf man durchaus wörtlich nehmen, denn dies soll die letzte Aufnahme des Vokal- ensembles sein. Das Quartett, das sich vor 40 Jahren formierte hatte, um „Alte“ Musik zu singen, hat schon vor einiger Zeit mitgeteilt, dass es zum Jahresende auseinandergehen werde.
Die Abschiedstournee quer durch Europa ist beendet; das letzte Konzert hat das Hilliard Ensemble dieser Tage in London in Wigmore Hall gegeben. Es war schon lange ausverkauft. Es ist der ganz besondere Klang, der das Hilliard Ensemble so einmalig macht – die vier Sänger haben ihn über alle Projekte und Besetzungswechsel hin beibehalten. Heute bilden David James, Rogers Covey-Trump, Steven Harrod und Gordon Jones das Quartett; für einige Programme kamen zusätzliche Sänger hinzu.
Unvergesslich sind CD wie In paradisum, Perotin oder Tenebrae. Obwohl The Hilliard Ensemble sich eigentlich mit Musik beschäftigt, die vor 1600 geschrieben wurde, gehören Aufnahmen mit moderner Musik zu den Höhepunkten in der Geschichte der Formation. Hier sei nur an die Werke von Arvo Pärt erinnert, die die Sänger vorgetragen haben, wie es keinem anderen Ensemble je wieder gelingen wird, oder aber an ihre langjährige Zusammmenarbeit mit dem Saxophonisten Jan Garbarek, die einige bezaubernde Alben von geradezu überirdischer Strahlkraft hervorgebracht hat. Kurz und gut: The Hilliard Ensemble wird uns fehlen. Diese Lücke können auch die jungen A-cappella-Formationen nicht schließen, die durch die Sänger des Hilliard Ensembles seit Jahren nach Kräften geför- dert werden.
Das Quartett verabschiedet sich von seinem Publikum mit polyphonen Gesängen aus dem England des 15. Jahrhunderts. „The Hilliard Ensemble's first ever recording contained music from the court of King Henry VIII and so it seemed appropriate for our final recording to return to our roots, particularly as we have never recorded several of our most loved and often performed pieces from this period“, schreibt Countertenor David James im Beiheft zu dieser CD. Ein ganz besonderes Weihnachts- geschenk für alle Freunde des Ensembles. Hochachtung für die Sänger, die aufhören, obwohl sie noch gut bei Stimme und auch gut im Geschäft sind. Es fällt nicht ganz leicht, zu gehen, wenn es am schönsten ist.
Die Abschiedstournee quer durch Europa ist beendet; das letzte Konzert hat das Hilliard Ensemble dieser Tage in London in Wigmore Hall gegeben. Es war schon lange ausverkauft. Es ist der ganz besondere Klang, der das Hilliard Ensemble so einmalig macht – die vier Sänger haben ihn über alle Projekte und Besetzungswechsel hin beibehalten. Heute bilden David James, Rogers Covey-Trump, Steven Harrod und Gordon Jones das Quartett; für einige Programme kamen zusätzliche Sänger hinzu.
Unvergesslich sind CD wie In paradisum, Perotin oder Tenebrae. Obwohl The Hilliard Ensemble sich eigentlich mit Musik beschäftigt, die vor 1600 geschrieben wurde, gehören Aufnahmen mit moderner Musik zu den Höhepunkten in der Geschichte der Formation. Hier sei nur an die Werke von Arvo Pärt erinnert, die die Sänger vorgetragen haben, wie es keinem anderen Ensemble je wieder gelingen wird, oder aber an ihre langjährige Zusammmenarbeit mit dem Saxophonisten Jan Garbarek, die einige bezaubernde Alben von geradezu überirdischer Strahlkraft hervorgebracht hat. Kurz und gut: The Hilliard Ensemble wird uns fehlen. Diese Lücke können auch die jungen A-cappella-Formationen nicht schließen, die durch die Sänger des Hilliard Ensembles seit Jahren nach Kräften geför- dert werden.
Das Quartett verabschiedet sich von seinem Publikum mit polyphonen Gesängen aus dem England des 15. Jahrhunderts. „The Hilliard Ensemble's first ever recording contained music from the court of King Henry VIII and so it seemed appropriate for our final recording to return to our roots, particularly as we have never recorded several of our most loved and often performed pieces from this period“, schreibt Countertenor David James im Beiheft zu dieser CD. Ein ganz besonderes Weihnachts- geschenk für alle Freunde des Ensembles. Hochachtung für die Sänger, die aufhören, obwohl sie noch gut bei Stimme und auch gut im Geschäft sind. Es fällt nicht ganz leicht, zu gehen, wenn es am schönsten ist.
Mittwoch, 1. Oktober 2014
Bach: Six Sonatas for Violin and Piano (ECM New Series)
Aufnahmen der sechs Sonaten für Violine und Cembalo BWV 1014-19 gibt es in großer Zahl. Dieses Album aber ist etwas ganz Besonderes – und das liegt daran, mit welcher Tief- gründigkeit und Ernsthaftigkeit die Geigerin Michelle Makarski gemein- sam mit dem Pianisten Keith Jarrett diese Werke erkundet hat. Die beiden befreundeten Musiker haben sich offenbar sehr viel Zeit genommen, und die Sonaten wieder und wieder gemeinsam gespielt.
Daraus ist dann schließlich die vorliegende Aufnahme entstanden. Es ist Jarretts erste Klassik-Einspielung seit seinem Doppelalbum mit Mozarts Klavierkonzerten 1996, und erst das zweite Mal, dass er für eine Aufnahme Bach auf dem Klavier und nicht am Cembalo spielte. Seine Entscheidung für den Konzertflügel wird man aber alsbald nachvollziehen, denn hier ist nichts zufällig, beiläufig, beliebig. Jede Phrase wird sorgsam zelebriert, jede Nuance wird mit Sorgfalt ausgestaltet; die beiden Instru- mente erklingen wie miteinander verwoben. Die Transparenz, die Keith Jarrett dabei mit seinem äußerst differenzierten Anschlag erreicht, ist faszinierend. Diese Aufnahme, obwohl überhaupt nicht historisch korrekt, ist konkurrenzlos gut und vom ersten bis zum letzten Ton gelungen. Makarski und Jarrett musizieren wie in einer anderen Dimension. Bravi!
Daraus ist dann schließlich die vorliegende Aufnahme entstanden. Es ist Jarretts erste Klassik-Einspielung seit seinem Doppelalbum mit Mozarts Klavierkonzerten 1996, und erst das zweite Mal, dass er für eine Aufnahme Bach auf dem Klavier und nicht am Cembalo spielte. Seine Entscheidung für den Konzertflügel wird man aber alsbald nachvollziehen, denn hier ist nichts zufällig, beiläufig, beliebig. Jede Phrase wird sorgsam zelebriert, jede Nuance wird mit Sorgfalt ausgestaltet; die beiden Instru- mente erklingen wie miteinander verwoben. Die Transparenz, die Keith Jarrett dabei mit seinem äußerst differenzierten Anschlag erreicht, ist faszinierend. Diese Aufnahme, obwohl überhaupt nicht historisch korrekt, ist konkurrenzlos gut und vom ersten bis zum letzten Ton gelungen. Makarski und Jarrett musizieren wie in einer anderen Dimension. Bravi!
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