Der Chor der Sixtinischen Kapelle singt unter Leitung von Maestro Massimo Palombella Kompositionen von Giovanni Pierluigi da Palestrina (um 1525 bis 1594), Orlando di Lasso (?1532 bis 1594), Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611) und anderen. Leider zeigt sich hier exemplarisch, dass eine Kollektion schöner Stimmen (die Soli sind prachtvoll!) lang noch keinen guten Chor ergibt. Beim chorischen Singen würde man sich doch mehr Ausdruck, eine gewisse Textverständlichkeit, mehr Struktur und Durchhörbarkeit wünschen. So kommen die prachtvollen Chorwerke nicht wirklich zur Geltung. Schade.
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Sonntag, 19. April 2020
O Crux benedicta (Deutsche Grammophon)
Für die Zeit vom Aschermittwoch bis zum Ostersonntag sind die Chorwerke bestimmt, die auf dieser CD erklingen. Die sogenannte Heilige Woche mit dem Osterfest ist der Höhepunkt des Kirchenjahres, und so sind im Laufe der Jahrhunderte dafür auch sehr viele Kompositionen entstanden. Massimo Palombella, der Leiter des Chores der Sixtinischen Kapelle, hat für diese Einspielung aus den Originalmanuskripten der vatikanischen Bibliotheken eine Auswahl an Musikstücken zusammengestellt, die sonst nur in den Gottesdiensten des Papstes zu hören sind. Nach Cantate Domino (2015), Palestrina (2016) und Veni Domine - Advent & Christmas at the Sistine Chapel (2017) setzt O Crux benedicta die einzigartige Reihe der Deutschen Grammophon mit Aufnahmen aus der Sixtinischen Kapelle fort.
Der Chor der Sixtinischen Kapelle singt unter Leitung von Maestro Massimo Palombella Kompositionen von Giovanni Pierluigi da Palestrina (um 1525 bis 1594), Orlando di Lasso (?1532 bis 1594), Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611) und anderen. Leider zeigt sich hier exemplarisch, dass eine Kollektion schöner Stimmen (die Soli sind prachtvoll!) lang noch keinen guten Chor ergibt. Beim chorischen Singen würde man sich doch mehr Ausdruck, eine gewisse Textverständlichkeit, mehr Struktur und Durchhörbarkeit wünschen. So kommen die prachtvollen Chorwerke nicht wirklich zur Geltung. Schade.
Der Chor der Sixtinischen Kapelle singt unter Leitung von Maestro Massimo Palombella Kompositionen von Giovanni Pierluigi da Palestrina (um 1525 bis 1594), Orlando di Lasso (?1532 bis 1594), Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611) und anderen. Leider zeigt sich hier exemplarisch, dass eine Kollektion schöner Stimmen (die Soli sind prachtvoll!) lang noch keinen guten Chor ergibt. Beim chorischen Singen würde man sich doch mehr Ausdruck, eine gewisse Textverständlichkeit, mehr Struktur und Durchhörbarkeit wünschen. So kommen die prachtvollen Chorwerke nicht wirklich zur Geltung. Schade.
Donnerstag, 14. September 2017
John Potter: Secret History - Sacred Music by Josquin and Victoria (ECM)
Josquin Desprez (um 1450 bis 1521) wird jeder Musikwissenschaftler in der Renaissance verorten, Tomas Luis de Victoria (um 1548 bis 1611) wohl eher im Frühbarock. Der eine wirkte in Frankreich, der andere in Spanien; beide waren zeitweise auch in Rom tätig.
Ob der Spanier die Werke seines berühmten französischen Kollegen kannte – viele davon waren im Druck erschienen, und sie waren in ganz Europa verbreitet –, lässt sich heute nicht mehr feststellen. John Potter aber meint, dass man Musikgeschich- te nicht als nur Abfolge von Kompositionen und unter dem Aspekt der Suche nach der originalen Gestalt eines Werkes schreiben sollte.
Mindestens ebenso interessant findet der Sänger den Blick auf die Rezeptionsgeschichte von Musikstücken – und mit dieser CD bietet er dafür gleich ein Beispiel. Es ist eine spannende Erkenntnis, dass Kompositionen, die man heutzutage als reine Vokalmusik anzusehen geneigt ist, seinerzeit durchaus auch auf Instrumenten gespielt wurden. In diesem Zusammenhang hat sich John Potter den sogenannten „Sekundär- quellen“ zugewandt – „which actually represent the music as it was known and loved by musicians who felt the composers to be kindred spirits long after their deaths“, schreibt der Sänger im Beiheft.
So finden sich Kompositionen von Desprez und de Victoria erstaunlicher- weise in den Tabulaturen vieler europäischer Lautenisten, und auch Musiker, die Vihuela spielten – eine Art Gitarre, die aber wie eine Laute gestimmt war –, besaßen Abschriften dieser Messen und Motetten.
Die Klänge jener Zeit rekonstruiert Potter auf dieser CD gemeinsam mit Trio Mediaeval-Sängerin Anna Maria Friman und den exzellenten Vihuela-Virtuosen Ariel Abramovich, Jacob Heringman und Lee Santana. In einigen Stücken ist zudem Hille Perl mit ihrer Viola da gamba zu hören.
Das klangschöne Album, produziert von Manfred Eicher, wurde im Kloster St. Gerold in den österreichischen Bergen aufgezeichnet, wo Potter bereits zuvor Stücke für Officium und andere Alben mit dem Hilliard Ensemble und mit dem Dowland Project eingespielt hat.
Ob der Spanier die Werke seines berühmten französischen Kollegen kannte – viele davon waren im Druck erschienen, und sie waren in ganz Europa verbreitet –, lässt sich heute nicht mehr feststellen. John Potter aber meint, dass man Musikgeschich- te nicht als nur Abfolge von Kompositionen und unter dem Aspekt der Suche nach der originalen Gestalt eines Werkes schreiben sollte.
Mindestens ebenso interessant findet der Sänger den Blick auf die Rezeptionsgeschichte von Musikstücken – und mit dieser CD bietet er dafür gleich ein Beispiel. Es ist eine spannende Erkenntnis, dass Kompositionen, die man heutzutage als reine Vokalmusik anzusehen geneigt ist, seinerzeit durchaus auch auf Instrumenten gespielt wurden. In diesem Zusammenhang hat sich John Potter den sogenannten „Sekundär- quellen“ zugewandt – „which actually represent the music as it was known and loved by musicians who felt the composers to be kindred spirits long after their deaths“, schreibt der Sänger im Beiheft.
So finden sich Kompositionen von Desprez und de Victoria erstaunlicher- weise in den Tabulaturen vieler europäischer Lautenisten, und auch Musiker, die Vihuela spielten – eine Art Gitarre, die aber wie eine Laute gestimmt war –, besaßen Abschriften dieser Messen und Motetten.
Die Klänge jener Zeit rekonstruiert Potter auf dieser CD gemeinsam mit Trio Mediaeval-Sängerin Anna Maria Friman und den exzellenten Vihuela-Virtuosen Ariel Abramovich, Jacob Heringman und Lee Santana. In einigen Stücken ist zudem Hille Perl mit ihrer Viola da gamba zu hören.
Das klangschöne Album, produziert von Manfred Eicher, wurde im Kloster St. Gerold in den österreichischen Bergen aufgezeichnet, wo Potter bereits zuvor Stücke für Officium und andere Alben mit dem Hilliard Ensemble und mit dem Dowland Project eingespielt hat.
Montag, 25. Juli 2016
Music for Brass Septet 4 (Naxos)
„No series of brass recordigs would be complete without reference to the original golden age of brass ensem- ble music“, stellt Posaunist Matthew Knight fest. Die Bläser von Septura widmen also diese CD Italien, speziell Venedig, im 16. Jahrhundert.
Und da ist, neben Canzonen und Mo- tetten von Giovanni Gabrieli, auch noch einiges mehr zu entdecken, was in Bearbeitungen für sieben virtuose Blechbläser ganz ausgezeichnet klingt: Motetten des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria, der Werke in Venedig drucken ließ, die berühmte Missa Papae Marcelli von Giovanni Pierluigi da Palestrina, der allerdings in Rom wirkte, und Lagrime di San Pietro von Orlando di Lasso, der als Sängerknabe aus den Niederlanden nach Italien kam, und dann etliche Jahre als Hofkapellmeister in München tätig war. Dass all diese Werke eigentlich nicht für Bläser geschrieben sind, ist nicht zu hören – die Arrangements von Trompeter Simon Fox und Matthew Knight sind exzellent. Zu Lebzeiten der Komponisten war es ohnehin üblich, die Singstimmen durch Instrumente mitspielen zu lassen. Mit dieser CD beweist Septura einmal mehr, dass das Ensemble zu den besten der Welt gehört.
Und da ist, neben Canzonen und Mo- tetten von Giovanni Gabrieli, auch noch einiges mehr zu entdecken, was in Bearbeitungen für sieben virtuose Blechbläser ganz ausgezeichnet klingt: Motetten des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria, der Werke in Venedig drucken ließ, die berühmte Missa Papae Marcelli von Giovanni Pierluigi da Palestrina, der allerdings in Rom wirkte, und Lagrime di San Pietro von Orlando di Lasso, der als Sängerknabe aus den Niederlanden nach Italien kam, und dann etliche Jahre als Hofkapellmeister in München tätig war. Dass all diese Werke eigentlich nicht für Bläser geschrieben sind, ist nicht zu hören – die Arrangements von Trompeter Simon Fox und Matthew Knight sind exzellent. Zu Lebzeiten der Komponisten war es ohnehin üblich, die Singstimmen durch Instrumente mitspielen zu lassen. Mit dieser CD beweist Septura einmal mehr, dass das Ensemble zu den besten der Welt gehört.
Dienstag, 11. August 2015
Water Music - Tales of Nymphs and Sirens (Deutsche Harmonia Mundi)
Den Spuren antiker Wasserwesen folgt Katharina Bäuml mit ihrem Ensemble Cappella de la Torre, quer durch die Musik des des 16. und
17. Jahrhunderts. Die Musiker haben eine Menge interessanter Werke herausgesucht – beispielsweise von Luca Marenzio (1553 bis 1599), Adrian Willaert (1490 bis 1562), Thomas Morley (1557 bis 1602), Orlando di Lasso (1532 bis 1594), Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611) oder Lorenzo Allegri (1567 bis 1648). Von imaginären menschen- ähnlichen Wesen wie den Fluss- göttern und den Quellnymphen bis hin zum vor seinem Tode singenden Schwan tummeln sich darin die verschiedensten mythischen Gestalten. Denn in der Renaissance wurde die antike Literatur wiederentdeckt – und mit ihr ein Paralleluniversum, dessen literarische Bewohner mit dem Christentum zumeist nicht ohne weiteres in Übereinstimmung zu bringen waren.
Die Künstler und ihre Auftraggeber hat das offenbar nicht gestört. Die beiden Welten treten auch in der Musik in spannungsvolle Wechsel- beziehungen, wie diese CD zeigt: Maria wird zum maris stella, der den Gläubigen den Weg auf ihrer Lebensreise weist. In einem Gesang von Josquin Desprez ruft ein Teil der Sänger die Nymphen herbei, auf dass sie trauern helfen – während andere Stimmen einen Psalmtext vortragen, der auf die Vorpassionszeit verweist. Und Baccio Moschini lässt den Flussgott Tiber höchstpersönlich auftreten, um einem Brautpaar von höchstem Stande zu huldigen.
So wird deutlich, dass das Wasser Komponisten fasziniert hat, lang bevor Barockmusiker das Eintauchen der Ruder oder das stürmisch bewegte Meer effektvoll in Musik verwandelt haben. Die Musiker um Katharina Bäuml lassen die Frösche quaken, und die Sirenen singen; die acht Instrumen- talisten, die auf historischen Musikinstrumenten brillieren, werden dabei unterstützt durch die Sopranistin Cécile Kempenaers und Altus Benno Schachtner. Ein farben- und abwechslungsreiches, klug zusammenge- stelltes Programm – sehr erfreulich!
17. Jahrhunderts. Die Musiker haben eine Menge interessanter Werke herausgesucht – beispielsweise von Luca Marenzio (1553 bis 1599), Adrian Willaert (1490 bis 1562), Thomas Morley (1557 bis 1602), Orlando di Lasso (1532 bis 1594), Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611) oder Lorenzo Allegri (1567 bis 1648). Von imaginären menschen- ähnlichen Wesen wie den Fluss- göttern und den Quellnymphen bis hin zum vor seinem Tode singenden Schwan tummeln sich darin die verschiedensten mythischen Gestalten. Denn in der Renaissance wurde die antike Literatur wiederentdeckt – und mit ihr ein Paralleluniversum, dessen literarische Bewohner mit dem Christentum zumeist nicht ohne weiteres in Übereinstimmung zu bringen waren.
Die Künstler und ihre Auftraggeber hat das offenbar nicht gestört. Die beiden Welten treten auch in der Musik in spannungsvolle Wechsel- beziehungen, wie diese CD zeigt: Maria wird zum maris stella, der den Gläubigen den Weg auf ihrer Lebensreise weist. In einem Gesang von Josquin Desprez ruft ein Teil der Sänger die Nymphen herbei, auf dass sie trauern helfen – während andere Stimmen einen Psalmtext vortragen, der auf die Vorpassionszeit verweist. Und Baccio Moschini lässt den Flussgott Tiber höchstpersönlich auftreten, um einem Brautpaar von höchstem Stande zu huldigen.
So wird deutlich, dass das Wasser Komponisten fasziniert hat, lang bevor Barockmusiker das Eintauchen der Ruder oder das stürmisch bewegte Meer effektvoll in Musik verwandelt haben. Die Musiker um Katharina Bäuml lassen die Frösche quaken, und die Sirenen singen; die acht Instrumen- talisten, die auf historischen Musikinstrumenten brillieren, werden dabei unterstützt durch die Sopranistin Cécile Kempenaers und Altus Benno Schachtner. Ein farben- und abwechslungsreiches, klug zusammenge- stelltes Programm – sehr erfreulich!
Sonntag, 14. April 2013
Gesualdo / Victoria: Responsories and Lamentations für Holy Saturday (Deutsche Grammophon)
Gegensätze ziehen sich an - mit diesen Worten könnte man das Konzept dieser CD umschreiben. Das Ensemble Tenebrae unter Nigel Short kombiniert ein Miserere sowie Vertonungen der Tenebrae-Responsorien für die Karwoche, die der italienische Komponist Carlo Gesualdo 1611 veröffentlicht hat, mit Lamenta- tiones für den Karsamstag, die Tomas Luis de Victoria 1585 ge- schrieben hat.
Während Gesualdo sich um Kon- ventionen wenig kümmert, und die liturgischen Texte konsequent mit musikalischen Mitteln ausdeutet - bis an die Grenzen der damals gülti- gen Regeln, das klingt selbst für uns heute mitunter noch kühn und wild -, glänzen die Klagegesänge seines Zeitgenossen in Schönheit und Ausgewogenheit: Makellose Melodien, ausgewogene Proportionen, perfekter Kontrapunkt. Das Ensemble Tenebrae singt ebenfalls makel- los, perfekt und ausgewogen. Das macht diese Aufnahme zu einem Hörgenuss, vom ersten bis zum letzten Ton.
Während Gesualdo sich um Kon- ventionen wenig kümmert, und die liturgischen Texte konsequent mit musikalischen Mitteln ausdeutet - bis an die Grenzen der damals gülti- gen Regeln, das klingt selbst für uns heute mitunter noch kühn und wild -, glänzen die Klagegesänge seines Zeitgenossen in Schönheit und Ausgewogenheit: Makellose Melodien, ausgewogene Proportionen, perfekter Kontrapunkt. Das Ensemble Tenebrae singt ebenfalls makel- los, perfekt und ausgewogen. Das macht diese Aufnahme zu einem Hörgenuss, vom ersten bis zum letzten Ton.
Donnerstag, 18. Oktober 2012
de Victoria: La fiesta de Pascua en Piazza Navona (Lauda)
Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611) stammte aus Avila. Der Knabe, der im Domchor sang, zeigte schon bald musikalisches Talent und Neigung zur Religion. Seine Lehrer schickten ihn daher 1565 zum Studium nach Rom an das Collegium Germanicum, ein Priesterseminar der Jesuiten.
Als der 17jährige in der Heiligen Stadt eintraf, dürfte er dort ganze Scharen seiner Landsleute vorge- funden haben. Sie trafen sich vorzugsweise in der Kirche S. Giacomo degli Spagnoli, mitten in Rom an der Piazza Navona. 1569 wurde de Victoria Organist an der Kirche S. Maria di Monserrato. Bekannt ist zudem, dass de Victoria Mitglied der Confraternitate della SS. Resurrezione war, die am Ostermorgen eine prachtvolle Prozession auf der Piazza Navona zur Feier der Auf- erstehung Christi organisierte. Zeitgenössische Berichte schwärmen von den aufwendigen Dekorationen, mit denen die Häuser rings um den Platz festlich geschmückt wurden, von der Illumination und dem Feuerwerk. An der Ausgestaltung der Prozession wirkten zudem zahlreiche Musiker mit.
Wie man sich die Klangkulisse vorstellen muss, die sie zu diesem prächtigen Festakt gestaltet haben, das vollzieht nun La Grande Chapelle unter Leitung von Albert Recasens in einer aufwendigen Produktion auf zwei CD nach. Eigens dafür wurden etliche Werke aus dem Archivschlaf erweckt; es handelt sich durchweg um Welterst- einspielungen.
Die Rekonstruktion beginnt mit der Matutin in S. Giacomo degli Spagnoli. Dann kündigen Bläserklänge den Beginn der Prozession an - die von Motetten, Lobgesängen und Hymnen begleitet wird. Noch heute beeindruckt, was um 1580 die Zuhörer überwältigt haben dürfte - auch wenn die Kirchenmusik in Rom generell sicherlich auf einem sehr hohen Niveau stand. Dann kündigt die Fanfarra die Ankunft des Prozessionszuges vor der Kirche an. Die zweite CD enthält Musik, wie sie Messa, Versper und Complet umrahmt haben könnte. 40 Stunden dauerte damals die Osterfeier. Wir hören nur eine kleine Auswahl aus dem umfangreichen Repertoire, wie es beispiels- weise ein Inventar der in S. Giacomo aufbewahrten Notendrucke aufzählt.
Darunter sind etliche Werke von Tomás Luis de Victoria, der damals schon ein angesehener Komponist war, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Jacobus de Kerle, Fernando de las Infantas, Giovanni Luca Conforti und vielen anderen bedeutenden Musikern der damaligen Zeit. Es ist belegt, dass auch Giovanni Battista Jacomelli, Francisco Soto de Langa oder aber Ruggiero Giovanelli Sänger und Instrumen- talisten für die Feierlichkeiten am Ostermorgen auf der Piazza Navona organisierten.
Als der 17jährige in der Heiligen Stadt eintraf, dürfte er dort ganze Scharen seiner Landsleute vorge- funden haben. Sie trafen sich vorzugsweise in der Kirche S. Giacomo degli Spagnoli, mitten in Rom an der Piazza Navona. 1569 wurde de Victoria Organist an der Kirche S. Maria di Monserrato. Bekannt ist zudem, dass de Victoria Mitglied der Confraternitate della SS. Resurrezione war, die am Ostermorgen eine prachtvolle Prozession auf der Piazza Navona zur Feier der Auf- erstehung Christi organisierte. Zeitgenössische Berichte schwärmen von den aufwendigen Dekorationen, mit denen die Häuser rings um den Platz festlich geschmückt wurden, von der Illumination und dem Feuerwerk. An der Ausgestaltung der Prozession wirkten zudem zahlreiche Musiker mit.
Wie man sich die Klangkulisse vorstellen muss, die sie zu diesem prächtigen Festakt gestaltet haben, das vollzieht nun La Grande Chapelle unter Leitung von Albert Recasens in einer aufwendigen Produktion auf zwei CD nach. Eigens dafür wurden etliche Werke aus dem Archivschlaf erweckt; es handelt sich durchweg um Welterst- einspielungen.
Die Rekonstruktion beginnt mit der Matutin in S. Giacomo degli Spagnoli. Dann kündigen Bläserklänge den Beginn der Prozession an - die von Motetten, Lobgesängen und Hymnen begleitet wird. Noch heute beeindruckt, was um 1580 die Zuhörer überwältigt haben dürfte - auch wenn die Kirchenmusik in Rom generell sicherlich auf einem sehr hohen Niveau stand. Dann kündigt die Fanfarra die Ankunft des Prozessionszuges vor der Kirche an. Die zweite CD enthält Musik, wie sie Messa, Versper und Complet umrahmt haben könnte. 40 Stunden dauerte damals die Osterfeier. Wir hören nur eine kleine Auswahl aus dem umfangreichen Repertoire, wie es beispiels- weise ein Inventar der in S. Giacomo aufbewahrten Notendrucke aufzählt.
Darunter sind etliche Werke von Tomás Luis de Victoria, der damals schon ein angesehener Komponist war, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Jacobus de Kerle, Fernando de las Infantas, Giovanni Luca Conforti und vielen anderen bedeutenden Musikern der damaligen Zeit. Es ist belegt, dass auch Giovanni Battista Jacomelli, Francisco Soto de Langa oder aber Ruggiero Giovanelli Sänger und Instrumen- talisten für die Feierlichkeiten am Ostermorgen auf der Piazza Navona organisierten.
de Victoria: Officium Defunctorum (Phi)
Als Maria von Österreich, die Witwe des Kaisers Maximilian II., 1603 im Monasterio de las Descalzas Reales in Madrid starb, wo sie seit Jahren lebte, wurde sie im Kreuzgang des Klosters mit den üblichen Zeremonien beigesetzt. Zusätzlich fand eine öffentliche Trauerfeier statt, deren Umfang und Ausgestaltung dem hohen Rang der Verstorbenen ange- messen waren.
Überliefert ist uns das Officium Defunctorum von Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611), dem persönlichen Kaplan von Maria, der Tochter Karl V. und Schwester Philipps II. Wenn der Komponist in seiner Widmung schreibt, dieses Requiem sei für ihn Cygneam cantionem, dann darf man das durchaus wörtlich nehmen. Denn es war das letzte Werk de Victorias, das er publizierte. Nach dem Tode Marias blieb er als Organist im Kloster.
Philippe Herreweghe hat diese innige Trauermusik gemeinsam mit dem Collegium Vocale Gent auf CD vorgelegt. Die Aufnahme zeigt deutlich, dass die Musik de Victorias auskomponierte Andacht ist - und nur als liturgische Musik verständlich. Auch die Motetten O Domine Iesu Christe, Domino, non sum dignus, Salve Regina und Vadam et circuibo civitatem erweisen sich als musikalische Inter- pretationen liturgischer Texte, bei aller Klangpracht strikt am Wort ausgerichtet. Das Collegium Vocale Gent interpretiert diese Kombi- nation aus gregorianischen Gesängen und kunstvoller Polyphonie, dass selbst Atheisten andächtig lauschen. Die strenge Form bändigt letztendlich die Emotion; wahrlich faszinierend - immerhin ist diese Musik 400 Jahr alt.
Überliefert ist uns das Officium Defunctorum von Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611), dem persönlichen Kaplan von Maria, der Tochter Karl V. und Schwester Philipps II. Wenn der Komponist in seiner Widmung schreibt, dieses Requiem sei für ihn Cygneam cantionem, dann darf man das durchaus wörtlich nehmen. Denn es war das letzte Werk de Victorias, das er publizierte. Nach dem Tode Marias blieb er als Organist im Kloster.
Philippe Herreweghe hat diese innige Trauermusik gemeinsam mit dem Collegium Vocale Gent auf CD vorgelegt. Die Aufnahme zeigt deutlich, dass die Musik de Victorias auskomponierte Andacht ist - und nur als liturgische Musik verständlich. Auch die Motetten O Domine Iesu Christe, Domino, non sum dignus, Salve Regina und Vadam et circuibo civitatem erweisen sich als musikalische Inter- pretationen liturgischer Texte, bei aller Klangpracht strikt am Wort ausgerichtet. Das Collegium Vocale Gent interpretiert diese Kombi- nation aus gregorianischen Gesängen und kunstvoller Polyphonie, dass selbst Atheisten andächtig lauschen. Die strenge Form bändigt letztendlich die Emotion; wahrlich faszinierend - immerhin ist diese Musik 400 Jahr alt.
Mittwoch, 20. Juni 2012
de Victoria: Officium Hebdomadae Sanctae (Dies)
Das tausendste Notat in diesem Blog gilt einem der großen Werke der abendländischen Musik, das aber verblüffenderweise nur wenig bekannt ist. "Es como un impulso, una chispa que se imflama en el primer compás y perdura con el mismo destello, con el mismo fuego, como si de una corriente eléctrica se tratara, hasta el acor- de final", schrieb der Augustiner Samuel Rubio über die Einheit von Ausdruck und Technik in des Ge- sängen des Officium Hebdomadae Sanctae von Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611). Das ist Römische Schule pur, ganz im Sinne des Konzils von Trient.
Der Priester, Musiker und Musikwissenschaftler Rubio hat auch die kritische Edition der 37 Kompositionen erarbeitet, aus denen de Vic- torias Werk besteht, das 1685 in Rom erstmals veröffentlicht worden war. Dorthin hatte König Philipp II. den Komponisten geschickt, zum Studium am Collegium Germanicum, einem Priesterseminar der Je- suiten. Nach Spanien zurückgekehrt, wurde de Victoria persönlicher Kaplan der verwitweten Kaiserin Maria, der Schwester Philipps II., und Leiter der Kapelle des Klosters Monasterio de las Descalzas Reales in Madrid. Dort wirkte er auch nach dem Tode Marias als Konventorganist bis an sein Lebensende.
Philipp II. hatte in den Jahren 1563 bis 1584 in San Lorenzo de El Escorial, 45 Kilometer vor Madrid, eine Kombination aus Palast und Klosteranlage errichten lassen. Dort befindet sich nicht nur die Grablege der spanischen Könige, sondern auch eine Klosterschule, die durch Philipp II. gegründet worden ist - und in der noch heute Kapellknaben ausgebildet werden. Dieser Knabenchor, bestehend aus 45 Kindern, singt unter der Leitung von Javier M. Carmena und oft- mals gemeinsam mit der Real Capilla Escurialense, einem Ensemble, dem ehemalige Kapellknaben angehören, noch immer die liturgische Musik zu den Messen des Klosters.
Könnte es also eine Interpretation des Officiums geben, die näher an den Quellen ist, als diese, die in der Aula Magna des Klosters während der Karwoche der Jahre 2008, 2009 und 2010 aufgezeichnet wurde? Die insgesamt vier CD enthalten de Victorias Kompositionen für Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersamstag - und zwar komplett, das heißt mit allen Lesungen. So wird die Balance zwischen den traditionellen gregorianischen Gesängen und den polyphonen Werken des großen spanischen Komponisten deutlich. Diese Aufnahme transportiert aber viel mehr als nur Musik. Sie vermittelt vielmehr den Geist der Karwoche, und atmet tiefe Frömmigkeit. Das mag manchem altmodisch erscheinen - aber es ist der Kern dieser Werke aus der Zeit der Gegenreformation. Und es macht diese Aufnahme grandios.
Der Priester, Musiker und Musikwissenschaftler Rubio hat auch die kritische Edition der 37 Kompositionen erarbeitet, aus denen de Vic- torias Werk besteht, das 1685 in Rom erstmals veröffentlicht worden war. Dorthin hatte König Philipp II. den Komponisten geschickt, zum Studium am Collegium Germanicum, einem Priesterseminar der Je- suiten. Nach Spanien zurückgekehrt, wurde de Victoria persönlicher Kaplan der verwitweten Kaiserin Maria, der Schwester Philipps II., und Leiter der Kapelle des Klosters Monasterio de las Descalzas Reales in Madrid. Dort wirkte er auch nach dem Tode Marias als Konventorganist bis an sein Lebensende.
Philipp II. hatte in den Jahren 1563 bis 1584 in San Lorenzo de El Escorial, 45 Kilometer vor Madrid, eine Kombination aus Palast und Klosteranlage errichten lassen. Dort befindet sich nicht nur die Grablege der spanischen Könige, sondern auch eine Klosterschule, die durch Philipp II. gegründet worden ist - und in der noch heute Kapellknaben ausgebildet werden. Dieser Knabenchor, bestehend aus 45 Kindern, singt unter der Leitung von Javier M. Carmena und oft- mals gemeinsam mit der Real Capilla Escurialense, einem Ensemble, dem ehemalige Kapellknaben angehören, noch immer die liturgische Musik zu den Messen des Klosters.
Könnte es also eine Interpretation des Officiums geben, die näher an den Quellen ist, als diese, die in der Aula Magna des Klosters während der Karwoche der Jahre 2008, 2009 und 2010 aufgezeichnet wurde? Die insgesamt vier CD enthalten de Victorias Kompositionen für Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersamstag - und zwar komplett, das heißt mit allen Lesungen. So wird die Balance zwischen den traditionellen gregorianischen Gesängen und den polyphonen Werken des großen spanischen Komponisten deutlich. Diese Aufnahme transportiert aber viel mehr als nur Musik. Sie vermittelt vielmehr den Geist der Karwoche, und atmet tiefe Frömmigkeit. Das mag manchem altmodisch erscheinen - aber es ist der Kern dieser Werke aus der Zeit der Gegenreformation. Und es macht diese Aufnahme grandios.
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