Wenn sich Osten und Westen begegnen, dann geschehen mitunter erstaunliche Dinge. Wer hätte, beispielsweise, vermutet, dass zwei Geiger aus Shanghai und aus der Tschechischen Republik gemeinsam Zigeunerklänge erkunden?
Yuan-Qing Yu und Pavel Šporcl kennen sich schon seit vielen Jahren; sie haben beide an der Southern Methodist University studiert, und sich damals ein Studio geteilt. Die Chinesin musiziert heute als Zweite Konzertmeisterin des Chicago Symphonie Orchestra sowie im Civitas Ensemble; ihr tschechischer Kollege ist in die Heimat zurückgekehrt, und hat dort das Gipsy Way Ensemble gegründet. Die Zigeunermusik schätzen beide – und mit dieser Doppel-CD gehen sie auf die Suche nach Spuren, die das reiche musikalische Erbe des über die halbe Welt verstreut lebenden Volkes in der klassischen Musik hinterlassen hat.
In attraktiven Arrangements spielen die beiden Ensembles gemeinsam. Die Besetzung ist unkonventionell: Civitas besteht aus Yuan-Qing Yu, Violine, Kenneth Olsen, Violoncello, J. Lawrie Bloom, Klarinette und Bassklarinette sowie Winston Choi, Klavier. Das Gipsy Way Ensemble bilden Pavel Šporcl, Geige, Zoltán Sándor, Viola, Ján Rigó, Kontrabass und Tomáš Vontszemü, Cimbalom. Sie alle sind an ihren Instrumenten Virtuosen, und so begeistert diese CD nicht zuletzt durch Spontanität und Farbenreichtum. Brahms – warum nicht einmal ganz anders?
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Sonntag, 3. Februar 2019
Dienstag, 30. Mai 2017
Short Stories (Genuin)
Den sogenannten Encores widmete Mark Schumann seine Debüt-CD bei Genuin. Gemeinsam mit dem Pianisten Martin Klett hat der Cellist eine Auswahl jener kurzen Stücke eingespielt, die heute typischerweise als Zugaben nach einem Konzert erklingen.
Mit dieser Aufnahme zeigen die beiden Musiker, dass die kleinen Musikstücke deutlich mehr Potential haben: „In vielen kurzen Werken findet sich jedoch weit mehr, wenn man sich nur die Zeit nimmt, genauer hinzusehen, respektive zu hören. Manch schlicht Melodie entpuppt sich so in ihrer zwingenden Einfachheit als Brennglas, das den Blick für die Wahrheit und Schönheit des Seins schärft“, meint Mark Schumann. „In gleichem Maße erzählt auch manch virtuoser Cellospielertrick weit mehr, als es der Grad an sportlicher Betätigung auf dem Instrument vermuten lässt.“
Und so zeigen die beiden Musiker auf dieser CD, dass Ausdruck und Virtuosität durchaus kein Widerspruch sein müssen. Von Niccolò Paganini bis zu Carl Davidoff, von Joseph Haydn bis zu Gabriel Fauré und von Fritz Kreisler bis zu David Popper reicht das Programm, und vom elegischen Chopin-Nocturne bis zum rasanten spanischen Tanz.
Die Wahl des Titels ist keineswegs Zufall. Mark Schumann erzählt mit seinem Cellospiel in der Tat Kurzgeschichten. Dazu haben die beiden Musizierpartner jedes dieser kleinen Stücke mit großer Sorgfalt gearbeitet. So sind feinste Nuancen möglich. Nicht umsonst heißt es, das Violoncello sei das Instrument, das der menschlichen Stimme am nächsten komme. Entstanden ist ein Album für Genießer, mit schön geführten Linien, faszinierenden Klangfarben, sehr viel Abwechslung, und gelegentlich auch einem charmanten Augenzwinkern. Meine Empfehlung!
Mit dieser Aufnahme zeigen die beiden Musiker, dass die kleinen Musikstücke deutlich mehr Potential haben: „In vielen kurzen Werken findet sich jedoch weit mehr, wenn man sich nur die Zeit nimmt, genauer hinzusehen, respektive zu hören. Manch schlicht Melodie entpuppt sich so in ihrer zwingenden Einfachheit als Brennglas, das den Blick für die Wahrheit und Schönheit des Seins schärft“, meint Mark Schumann. „In gleichem Maße erzählt auch manch virtuoser Cellospielertrick weit mehr, als es der Grad an sportlicher Betätigung auf dem Instrument vermuten lässt.“
Und so zeigen die beiden Musiker auf dieser CD, dass Ausdruck und Virtuosität durchaus kein Widerspruch sein müssen. Von Niccolò Paganini bis zu Carl Davidoff, von Joseph Haydn bis zu Gabriel Fauré und von Fritz Kreisler bis zu David Popper reicht das Programm, und vom elegischen Chopin-Nocturne bis zum rasanten spanischen Tanz.
Die Wahl des Titels ist keineswegs Zufall. Mark Schumann erzählt mit seinem Cellospiel in der Tat Kurzgeschichten. Dazu haben die beiden Musizierpartner jedes dieser kleinen Stücke mit großer Sorgfalt gearbeitet. So sind feinste Nuancen möglich. Nicht umsonst heißt es, das Violoncello sei das Instrument, das der menschlichen Stimme am nächsten komme. Entstanden ist ein Album für Genießer, mit schön geführten Linien, faszinierenden Klangfarben, sehr viel Abwechslung, und gelegentlich auch einem charmanten Augenzwinkern. Meine Empfehlung!
Montag, 17. Oktober 2016
Fantasies Rhapsodies & Daydreams by Arabella Steinbacher (Pentatone)
Fantasien, Rhapsodien und Tag- träume hat Arabella Steinbacher auf dieser CD zusammengefasst – in einer sehr persönlichen Auswahl, die virtuose Bravourstücke mit lyrischen, ausdrucksvollen Werken kombiniert. Das Programm beginnt mit der Carmen-Fantasie von Franz Waxmann (1906 bis 1967) in der Version von Jascha Heifetz. Es folgen Sarasates Zigeunerweisen, The Lark Ascending von Ralph Vaughan Williams (1872 bis 1958), Havanaise op. 83 sowie Introduction et Rondo capriccioso op. 28 von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), die Méditation aus Thaïs von Jules Massenet (1842 bis 1912), und zum Abschluss erklingt die Tzigane von Maurice Ravel (1875 bis 1937).
Im Beiheft berichtet die Geigerin, dass sie große Lust darauf hatte, all diese Raritäten einzuspielen, die heutzutage im Konzert nur selten zu hören sind. Üblicherweise, so Steinbacher, studieren Geiger dieses Repertoire in jungen Jahren, um ihre technischen Fertigkeiten daran zu schulen. Die großen Geiger der Vergangenheit, wie Kreisler, Menuhin oder Heifetz, spielten solche Stücke ganz selbstverständlich in ihren Konzertprogram- men, oftmals in eigenen Bearbeitungen. Derzeit gilt das als unangemessen, als unseriös; die meisten Musiker bevorzugen daher Konzerte und Sonaten.
Das ist ziemlich schade, wie diese CD beweist. Denn geigerische Zirkus- kunststückchen, brillant und mit Geschmack vorgetragen, können durchaus vergnüglich sein. Arabella Steinbacher musiziert klangschön auf ihrer Booth-Stradivari aus dem Jahr 1716, unterstützt vom Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo unter Lawrence Foster. Ihr Ton ist hell, klar und beseelt; mitunter freilich auch ein wenig zu brav und harmlos. Zigeunerklänge und tosende Leidenschaften sind ihre Sache eher nicht, aber wenn es um lyrischen Ausdruck geht, dann ist sie in ihrem Element. Wie sie die Lerche zum Himmel hinaufschweben lässt, das ist großes Kino.
Im Beiheft berichtet die Geigerin, dass sie große Lust darauf hatte, all diese Raritäten einzuspielen, die heutzutage im Konzert nur selten zu hören sind. Üblicherweise, so Steinbacher, studieren Geiger dieses Repertoire in jungen Jahren, um ihre technischen Fertigkeiten daran zu schulen. Die großen Geiger der Vergangenheit, wie Kreisler, Menuhin oder Heifetz, spielten solche Stücke ganz selbstverständlich in ihren Konzertprogram- men, oftmals in eigenen Bearbeitungen. Derzeit gilt das als unangemessen, als unseriös; die meisten Musiker bevorzugen daher Konzerte und Sonaten.
Das ist ziemlich schade, wie diese CD beweist. Denn geigerische Zirkus- kunststückchen, brillant und mit Geschmack vorgetragen, können durchaus vergnüglich sein. Arabella Steinbacher musiziert klangschön auf ihrer Booth-Stradivari aus dem Jahr 1716, unterstützt vom Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo unter Lawrence Foster. Ihr Ton ist hell, klar und beseelt; mitunter freilich auch ein wenig zu brav und harmlos. Zigeunerklänge und tosende Leidenschaften sind ihre Sache eher nicht, aber wenn es um lyrischen Ausdruck geht, dann ist sie in ihrem Element. Wie sie die Lerche zum Himmel hinaufschweben lässt, das ist großes Kino.
Montag, 23. Mai 2016
Sarasate: Opera Phantasies (MDG)
„Seit 37 Jahren übe ich 14 Stunden am Tag und nun nennt man mich ein Genie“, kommentierte Pablo de Sarasate, der Wundergeiger aus dem spanischen Pamplona, einst seinen Erfolg. Der Violinvirtuose wurde in den Pariser Salons gefeiert. Ein Zufall war auch dies allerdings nicht, wie die vorliegende CD beweist: Um das Publikum zu entzücken, spielte der Musiker gern Melodien aus bekann- ten Opern jener Zeit, die er zu diesem Zweck gekonnt bearbeitete. Nicht immer rücken diese Arrangements die Geige übermäßig in den Vordergrund – Volker Reinhold, Konzertmeister der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin, und sein langjähriger Klavierpartner Ralph Zedler präsentieren Opernphantasien, bei denen Melodieinstrument und Klavier erstaunlich gleichberechtigt musizieren.
Samstag, 13. September 2014
Sarasate: Transcriptions and arrangements (Naxos)
Pablo de Sarasate (1844 bis 1908) ge- hörte zu den großen Violinvirtuosen seiner Zeit. Bedeutende Komponisten schufen Werke für ihn; Camille Saint-Saëns beispielsweise widmete Sarasa- te Introduction et rondo capriccioso, und Édouard Lalo inspirierte der Geiger zur Symphonie espagnole. Doch auf seinen Konzertreisen spielte Sarasate gern auch eigene Stücke, oftmals entstanden aus Tänzen seiner spanischen Heimat.
Die aus China stammende und in Deutschland lebende Violinistin Tianwa Yang hat für Naxos sämtliche Werke des großen Geigers eingespielt. Die jüngste Veröffentlichung in dieser Serie gilt den Transkriptionen und Bearbeitungen, mit denen Sarasate für sich selbst bekannte Melodien von Bach bis Chopin arrangiert hat. Wie versiert er auch darin war, zeigt exemplarisch das Arrangement des legendären Klavierstücks Guitarra von Moritz Moszkowski, der für sein virtuoses Klavierspiel berüchigt ist. Wer Sarasates Version hört, der wird keine Sekunde vermuten, dieses Werk könnte für ein anderes Instrument entstanden sein als für die Violine.
Das Geigenspiel von Tianwa Yang ist auch hier wieder beeindruckend. Sie musiziert wunderbar im Einklang mit Markus Hadulla, ihrem versierten Partner am Klavier. Technisch scheint es für die junge Solistin keinerlei Limits zu geben, und zugleich überzeugt sie durch Esprit, Ausdrucksstärke und ihren schönen, runden Ton. Es ist wirklich angemessen, wenn Tianwa Yang nun für ihre Einspielung der Violinkonzerte von Felix Mendelssohn-Bartholdy, ebenfalls bei Naxos, mit dem Echo Klassik in der Kategorie „Nachwuchskünstler/in des Jahres 2014“ für das Instrument Violine aus- gezeichnet wird. Wir gratulieren!
Die aus China stammende und in Deutschland lebende Violinistin Tianwa Yang hat für Naxos sämtliche Werke des großen Geigers eingespielt. Die jüngste Veröffentlichung in dieser Serie gilt den Transkriptionen und Bearbeitungen, mit denen Sarasate für sich selbst bekannte Melodien von Bach bis Chopin arrangiert hat. Wie versiert er auch darin war, zeigt exemplarisch das Arrangement des legendären Klavierstücks Guitarra von Moritz Moszkowski, der für sein virtuoses Klavierspiel berüchigt ist. Wer Sarasates Version hört, der wird keine Sekunde vermuten, dieses Werk könnte für ein anderes Instrument entstanden sein als für die Violine.
Das Geigenspiel von Tianwa Yang ist auch hier wieder beeindruckend. Sie musiziert wunderbar im Einklang mit Markus Hadulla, ihrem versierten Partner am Klavier. Technisch scheint es für die junge Solistin keinerlei Limits zu geben, und zugleich überzeugt sie durch Esprit, Ausdrucksstärke und ihren schönen, runden Ton. Es ist wirklich angemessen, wenn Tianwa Yang nun für ihre Einspielung der Violinkonzerte von Felix Mendelssohn-Bartholdy, ebenfalls bei Naxos, mit dem Echo Klassik in der Kategorie „Nachwuchskünstler/in des Jahres 2014“ für das Instrument Violine aus- gezeichnet wird. Wir gratulieren!
Sonntag, 13. April 2014
Julia Fischer - Sarasate (Decca)
Spielt heute ein Geiger im Konzert Musik der sogenannten Virtuosen, so scheint das bei den Anhängern der „großen“ Kunst noch immer ein gewisses Naserümpfen hervor- zurufen. Julia Fischer jedenfalls, mittlerweile eine gestandene Soli- stin, sieht Rechtfertigungsbedarf. Und so schreibt sie im Beiheft ihrer CD einen langen Text, mit dem sie begründet, warum sie sich daran wagt, einige Werke des legendären spanischen Geigers Pablo de Sarasate (1844 bis 1906) vorzu- tragen. Schließlich habe sie selbst gesagt: „Der Sinn eines Konzerts ist nicht, dass die Leute sich amüsieren oder unterhalten. Der Sinn eines Konzerts und der klassischen Musik an sich ist, dass man einen Menschen zum Nachdenken in irgendeiner Form anregt.“
Eigentlich ist das doch alles ganz einfach. Denn noch vor hundert Jahren hätte die Unterscheidung in (gute) „E-Musik“ und (pfui!!) „U-Musik“ kein Mensch verstanden. Erinnert sei beispielsweise an den grandiosen Fritz Kreisler, der buchstäblich alles spielte, was dem Publikum gefiel – und notfalls seine Tartinis und Pugnanis selbst schrieb. Julia Fischer spielt natürlich viel präziser und sauberer als Kreisler; aber Sarasate sollte man nicht nur mit brillanter Technik, sondern auch mit Ausdruck, mit ein bisschen Sinn für Theatralik vortragen. Tut mir leid, aber mir ist diese Aufnahme viel zu brav, da fehlt ganz entschieden das Herzblut.
Eigentlich ist das doch alles ganz einfach. Denn noch vor hundert Jahren hätte die Unterscheidung in (gute) „E-Musik“ und (pfui!!) „U-Musik“ kein Mensch verstanden. Erinnert sei beispielsweise an den grandiosen Fritz Kreisler, der buchstäblich alles spielte, was dem Publikum gefiel – und notfalls seine Tartinis und Pugnanis selbst schrieb. Julia Fischer spielt natürlich viel präziser und sauberer als Kreisler; aber Sarasate sollte man nicht nur mit brillanter Technik, sondern auch mit Ausdruck, mit ein bisschen Sinn für Theatralik vortragen. Tut mir leid, aber mir ist diese Aufnahme viel zu brav, da fehlt ganz entschieden das Herzblut.
Samstag, 4. Mai 2013
Virtuoso Violin Works (Genuin)
Elina Rubio Pentcheva, die Solistin dieser CD, Jahrgang 1996, erhielt schon als Kleinkind ersten Violin- unterricht bei ihrer Mutter Tania Pentcheva Boneva. Später war Roberto Valdés ihr Lehrer.
Bereits mit neun Jahren gewann sie den Violinwettbewerb San Andreu de la Barca in Barcelona. Viele weitere Siege und Platzierungen folgten. Seit 2010 studiert Elina Rubio als jüngste Studentin Sachsens an der Musikhochschule in Dresden bei Professor Igor Mali- nowsky. Mittlerweile hat sie zudem in vielen Konzerten Erfahrung erworben.
Für ihre Debüt-CD bei Genuin hat die junge Musikerin Virtuosen- literatur ausgewählt und gemeinsam mit dem Pianisten Graham Jackson eingespielt. Die Aufnahmen erweisen sich als eine Galerie der Höchstschwierigkeiten, von Paganini bis Sarasate, von Pancho Vladi- guerov bis zu Nikolai Rimski-Korsakow und von Fritz Kreisler über Eugène Ysaye bis zu Heinrich Wilhelm Ernst. Allerdings vermisst der Hörer über all den technischen Finessen eine Prise Raffinesse, Aus- druck und Charakter. Fingerfertigkeit allein bereitet wenig Hörver- gnügen.
Bereits mit neun Jahren gewann sie den Violinwettbewerb San Andreu de la Barca in Barcelona. Viele weitere Siege und Platzierungen folgten. Seit 2010 studiert Elina Rubio als jüngste Studentin Sachsens an der Musikhochschule in Dresden bei Professor Igor Mali- nowsky. Mittlerweile hat sie zudem in vielen Konzerten Erfahrung erworben.
Für ihre Debüt-CD bei Genuin hat die junge Musikerin Virtuosen- literatur ausgewählt und gemeinsam mit dem Pianisten Graham Jackson eingespielt. Die Aufnahmen erweisen sich als eine Galerie der Höchstschwierigkeiten, von Paganini bis Sarasate, von Pancho Vladi- guerov bis zu Nikolai Rimski-Korsakow und von Fritz Kreisler über Eugène Ysaye bis zu Heinrich Wilhelm Ernst. Allerdings vermisst der Hörer über all den technischen Finessen eine Prise Raffinesse, Aus- druck und Charakter. Fingerfertigkeit allein bereitet wenig Hörver- gnügen.
Donnerstag, 24. Januar 2013
Sarasate: Boléro - Music for Violin and Piano 3 (Naxos)
Das Label Naxos führt seine Sarasate-Edition weiter - auf die Gesamteinspielung der Werke des großen spanischen Violinvirtuosen für Violine und Orchester folgen nun offenbar seine Kompositionen für Violine und Klavier. Zu hören ist erneut die junge chinesische Violinistin Tianwa Yang, sie musi- ziert gemeinsam mit dem Pianisten Markus Hadulla.
Das erweist sich als eine exzellente Kombination. Yang begeistert ein- mal mehr durch eine phänomenale Technik, Temperament und Charme. Sie setzt die Werke Pablo de Sarasates (1844 bis 1908) gekonnt in Szene, macht aber dennoch keine Zirkusnummern daraus - man könnte fast vergessen, dass es überwiegend virtuose Showstücke sind, so mühelos wirkt Yangs Interpretation. Und Hadulla begleitet die junge Geigerin mit einer Eleganz, die begeistert. Phantastisch!
Das erweist sich als eine exzellente Kombination. Yang begeistert ein- mal mehr durch eine phänomenale Technik, Temperament und Charme. Sie setzt die Werke Pablo de Sarasates (1844 bis 1908) gekonnt in Szene, macht aber dennoch keine Zirkusnummern daraus - man könnte fast vergessen, dass es überwiegend virtuose Showstücke sind, so mühelos wirkt Yangs Interpretation. Und Hadulla begleitet die junge Geigerin mit einer Eleganz, die begeistert. Phantastisch!
Samstag, 25. August 2012
Caroline Adomeit – Bach to Jazz (Oehms Classics)
Von Bachs berühmter E-Dur-Parti- ta BWV 1006 bis hin zu dem nicht weniger bekannten Take Five von Paul Desmond reicht die Auswahl der Werke, die die junge Geigerin Caroline Adomeit für ihre Debüt-CD getroffen hat. „Dieses Album ist eine Liebeserklärung an die Violi- ne, mit der man praktisch alles ausdrücken und spielen kann: von Bachs Partita mit barocken Tän- zen über ungarische Tänze, Ma- zurka, Tarantella, Tango und Folksongs bis zum Jazz-Arrange- ment“, begründet die Musikerin diese etwas ungewöhnliche Kollek- tion. Gemeinsam mit Julian Riem, Klavier, und bei einigen Stücken auch mit Thomas Hastreiter, Percussion, wagt Adomeit von Brahms bis Duke Ellington so manchen Grenzgang. Dabei überzeugt sie mit Fingerfertigkeit, Gestaltungsvermögen – ein bisschen mehr Klang- farbe könnten die Werke allerdings gelegentlich vertragen – und mit einer gehörigen Portion Temperament. Mit musikalischen Reinheits- geboten kann die junge Musikerin, die bei Hermann Krebbers, Kolja Blacher und Ingolf Turban studiert hat, offenbar wenig anfangen. Ihr Kommentar dazu im Beiheft: „Gute Musik kennt keine Grenzen!“
Freitag, 1. Juni 2012
The Art of Luigi Alberto Bianchi - Violin and Viola (Dynamic)
Luigi Alberto Bianchi, 1945 gebo- ren in Rimini und aufgewachsen in einer Musikerfamilie, begann schon als Kind mit dem Geigenspiel. Dennoch wurde die Bratsche sein Hauptinstrument. Als 19jähriger spielte er zu seinem Examen in Rom Bartóks berühmtes Konzert.
1970 gewann Bianchi den renom- mierten Carl-Flesch-Wettbewerb. Er wurde Erster Bratschist im Sinfonieorchester der RAI, und unterrichtete am Mailänder Kon- servatorium. 1980 wurde ihm sein Instrument gestohlen, eine Amati-Bratsche mit dem Beinamen del crocifisso aus dem Jahre 1595 mit einem sehr individuellen, unver- kennbaren Klang. Dieser Verlust traf den Musiker schwer. So ist es vielleicht auch zu erklären, dass er zur Violine wechselte.
Bianchi kaufte eine Stradivari von 1692, und konzertierte mit nam- haften Dirigenten und Orchestern. 1987 hatte Bianchi bei einer Versteigerung in London eine weitere Geige erworben, die von Antonio Stradivari 1716 angefertigt worden war, und aufgrund ihrer außergewöhnlichen Größe auch Colossus genannt wurde. Sie wurde ihm 1998 gestohlen; im Gegensatz zu Bianchis Amati, die 2006 von den Carabinieri aufgespürt wurde, blieb sie verschwunden.
Die vorliegende Box mit zehn CD enthält viele der Aufnahmen, die der Musiker bei seinem Hauslabel Dynamic eingespielt hat. Da gibt es viele interessante Werke zu entdecken, beispielsweise die Stücke von Antonio Bazzini (1818 bis 1897) für Violine und Klavier. Dieser war ebenfalls ein großer Geiger, und hatte einst als allererster Solist das
e-Moll-Konzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt, vom Komponisten selbst auf dem Klavier begleitet. Bianchi stellt zudem gemeinsam mit dem Gitarristen Maurizio Preda die Sonate di Lucca von Niccolo Paganini vor, die in den 80er Jahren wieder aufgefunden worden waren. Auch die effektvolle Sonata per la Grand' Viola von Paganini hat Bianchi 1973 mit dem Rias-Orchester Berlin eingespielt - und zwar so, wie dies der Virtuose einst vorgegeben hatte, ohne seine Stimme zu vereinfachen oder eine fünfte Saite zu Hilfe zu nehmen. Darauf ist Bianchi zu recht stolz, denn das war zuvor noch bei keiner Aufnahme gelungen. Die vierte CD präsentiert die Amati darüber hinaus noch in einigen typischen Encores. Auf der fünften CD sind Werke für Geige und Bratsche solo von Max Reger zu hören - hier spielt Bianchi die beiden kostbaren Instrumente, die ihm später ent- wendet worden sind.
Die Duetti Concertanti op. 15 von Alessandro Rolla (17757 bis 1814), Paganinis Lehrer, musiziert Bianchi gemeinsam mit Salvatore Accar- do - ohne Zweifel einer der Höhepunkte der Box. CD 7 ist Zoltán Kodály und Maurice Ravel gewidmet. CD 8 bringt etliche "Hits" von Fritz Kreisler, ebenfalls wundervoll vorgetragen. CD 9 enthält Stücke von Edouard Lalo, CD 10 Werke Carl Maria von Webers.
1970 gewann Bianchi den renom- mierten Carl-Flesch-Wettbewerb. Er wurde Erster Bratschist im Sinfonieorchester der RAI, und unterrichtete am Mailänder Kon- servatorium. 1980 wurde ihm sein Instrument gestohlen, eine Amati-Bratsche mit dem Beinamen del crocifisso aus dem Jahre 1595 mit einem sehr individuellen, unver- kennbaren Klang. Dieser Verlust traf den Musiker schwer. So ist es vielleicht auch zu erklären, dass er zur Violine wechselte.
Bianchi kaufte eine Stradivari von 1692, und konzertierte mit nam- haften Dirigenten und Orchestern. 1987 hatte Bianchi bei einer Versteigerung in London eine weitere Geige erworben, die von Antonio Stradivari 1716 angefertigt worden war, und aufgrund ihrer außergewöhnlichen Größe auch Colossus genannt wurde. Sie wurde ihm 1998 gestohlen; im Gegensatz zu Bianchis Amati, die 2006 von den Carabinieri aufgespürt wurde, blieb sie verschwunden.
Die vorliegende Box mit zehn CD enthält viele der Aufnahmen, die der Musiker bei seinem Hauslabel Dynamic eingespielt hat. Da gibt es viele interessante Werke zu entdecken, beispielsweise die Stücke von Antonio Bazzini (1818 bis 1897) für Violine und Klavier. Dieser war ebenfalls ein großer Geiger, und hatte einst als allererster Solist das
e-Moll-Konzert von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt, vom Komponisten selbst auf dem Klavier begleitet. Bianchi stellt zudem gemeinsam mit dem Gitarristen Maurizio Preda die Sonate di Lucca von Niccolo Paganini vor, die in den 80er Jahren wieder aufgefunden worden waren. Auch die effektvolle Sonata per la Grand' Viola von Paganini hat Bianchi 1973 mit dem Rias-Orchester Berlin eingespielt - und zwar so, wie dies der Virtuose einst vorgegeben hatte, ohne seine Stimme zu vereinfachen oder eine fünfte Saite zu Hilfe zu nehmen. Darauf ist Bianchi zu recht stolz, denn das war zuvor noch bei keiner Aufnahme gelungen. Die vierte CD präsentiert die Amati darüber hinaus noch in einigen typischen Encores. Auf der fünften CD sind Werke für Geige und Bratsche solo von Max Reger zu hören - hier spielt Bianchi die beiden kostbaren Instrumente, die ihm später ent- wendet worden sind.
Die Duetti Concertanti op. 15 von Alessandro Rolla (17757 bis 1814), Paganinis Lehrer, musiziert Bianchi gemeinsam mit Salvatore Accar- do - ohne Zweifel einer der Höhepunkte der Box. CD 7 ist Zoltán Kodály und Maurice Ravel gewidmet. CD 8 bringt etliche "Hits" von Fritz Kreisler, ebenfalls wundervoll vorgetragen. CD 9 enthält Stücke von Edouard Lalo, CD 10 Werke Carl Maria von Webers.
Dienstag, 3. Mai 2011
Sarasate: Music for Violin and Orchestra 3 (Naxos)
Die junge chinesische Violinistin Tianwa Yang - Jahrgang 1987 - legte kürzlich bei Naxos den drit- ten Teil ihrer Gesamteinspielung der Werke des großen spanischen Violinvirtuosen Pablo de Sarasate (1844 bis 1908) für Violine und Orchester vor. Ihre Technik ist erneut exzellent, und ihre Gestal- tung zeugt von einem ausgepräg- ten Sinn für den musikalischen Effekt, ohne aber gar zu zirzensisch zu werden.
Yang spielt die Konzertfantasie über Mozarts Zauberflöte op. 54 sowie den ersten Solopart von Navarra op. 33 auf einem Instrument Sarasates, einer Violine von Jean Baptiste Vuillaume aus dem Jahre 1842. Den zweiten Solopart dieses Stückes sowie das charmante Muineiras op. 32, die Nouvelle fantaisie sur Faust de Gounod op. 13, die Barcarolle vénitienne op. 46 sowie Introduction et Caprice-Jota op. 41 spielt sie auf der von ihr normalerweise genutzten Violine, die aus derselben Werkstatt stammt. Begleitet wird sie vom Orquesta Sinfónico de Navarra, gegründet 1879 von Sarasate, und bei dieser Aufnahme dirigiert von Ernesto Martínez Izquierdo, der das Orchester seit 1997 leitet.
Wer Sarasate sagt, der kommt an der jungen Solistin nicht mehr vor- bei, die sich zunehmend zu einer Expertin für sein ziemlich umfang- reiches Werk entwickelt. In dieser enzyklopädischen Vollständigkeit, wie sie Naxos hier offenbar anstrebt, ist seine Musik ohnehin nie zuvor auf Tonträger zugänglich gemacht worden.
Yang spielt die Konzertfantasie über Mozarts Zauberflöte op. 54 sowie den ersten Solopart von Navarra op. 33 auf einem Instrument Sarasates, einer Violine von Jean Baptiste Vuillaume aus dem Jahre 1842. Den zweiten Solopart dieses Stückes sowie das charmante Muineiras op. 32, die Nouvelle fantaisie sur Faust de Gounod op. 13, die Barcarolle vénitienne op. 46 sowie Introduction et Caprice-Jota op. 41 spielt sie auf der von ihr normalerweise genutzten Violine, die aus derselben Werkstatt stammt. Begleitet wird sie vom Orquesta Sinfónico de Navarra, gegründet 1879 von Sarasate, und bei dieser Aufnahme dirigiert von Ernesto Martínez Izquierdo, der das Orchester seit 1997 leitet.
Wer Sarasate sagt, der kommt an der jungen Solistin nicht mehr vor- bei, die sich zunehmend zu einer Expertin für sein ziemlich umfang- reiches Werk entwickelt. In dieser enzyklopädischen Vollständigkeit, wie sie Naxos hier offenbar anstrebt, ist seine Musik ohnehin nie zuvor auf Tonträger zugänglich gemacht worden.
Donnerstag, 30. Dezember 2010
Sarasate: Music for Violin and Orchestra 2 (Naxos)
Pablo de Sarasate (1844 bis 1908) begann seine Ausbildung auf der Geige als Fünfjähriger. Mit acht Jahren war er bereits so gut, dass sich ein Mäzen fand, der ihm das Studium in Madrid finanzierte. Mit Stipendien von Königin Isabella II. und der Provinz Navarra wechselte er anschließend im Alter von zwölf Jahren an das Pariser Konserva- torium, wo er ein Schüler von Jean-Delphin Alard wurde. Drei Jahre später startete er seine Solistenkarriere.
Sarasate war als Virtuose berühmt - und viele Zeitgenossen schrieben Werke für ihn, unter anderem Saint-Saens, Bruch, Wieniawski, Dvorák oder Lalo. Sarasate komponierte aber auch selbst eine Vielzahl von Stücken für sein Instrument. Auf dieser CD hat die junge chinesische Violinistin Tianwa Yang einige davon eingespielt - so die berühmten Fantasien über Carmen op. 25 und über Gounods Roméo et Juliette, op. 5. Solche Opernparaphrasen machten Sarasate bekannt, sie führten aber auch dazu, dass er zunächst als musikalisches Leicht- gewicht galt. Darunter litt insbesondere sein deutscher Kollege Joseph Joachim, der sich als sehr viel seriöser empfand, aber in der Gunst des Publikums ebenso wie bei den Gagen oftmals hinter seinem spanischen Kollegen zurückstehen musste.
Mit den Canciones rusas op. 49 bedankte sich Sarasate bei seinem russischen Publikum. El canto del ruisenor op. 29 imitiert kunstvoll den Gesang einer Nachtigall. Eduard Lalo war von diesem Stück so beeindruckt, dass er es orchestrierte. La Chasse op. 44 widmete Sarasate seinem brillanten belgischen Kollegen César Thomson - und Yang zeigt, dass dieses kühne Virtuosenstück noch heute durchaus in der Lage ist, Zuhörer zu verblüffen. Das gilt erst recht für das letzte Stück auf dieser CD, Jota de Pablo op. 52, mit seiner enormen tech- nischen Raffinesse. Yang spielt exzellent, virtuos und überzeugend. Begleitet wird sie vom Orquesta Sinfónico de Navarra, gegründet 1879 von Sarasate, und bei dieser Aufnahme dirigiert von Ernesto Martínez Izquierdo, der das Orchester seit 1997 leitet.
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