Die norwegische Geigerin Vilde Frang spielt gemeinsam mit dem DR Symfoni Orkestret, dem Sinfonieorchester des dänischen Rundfunks, unter Eivind Gullberg Jensen zwei Violinkonzerte der Spätromantik. Pjotr Iljitsch Tschaikowski hat nur ein einziges Violinkonzert geschrieben; es ist wunderschön, sehr bekannt und in sehr vielen Aufnahmen erhältlich - und es ist ein prominentes Beispiel dafür, wie sich Geschmack ver- ändert.
Denn es galt zunächst als "unviolinistisch" und unspielbar; der renom- mierte Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick meinte gar, das Werk "bringe uns auf die schauerliche Idee, ob es nicht auch Musikstücke geben könnte, die man stinken hört". Heute haben es wohl die mei- sten Solo-Violinisten in ihrem Repertoire, und man staunt, wie un- terschiedlich dieses Konzert interpretiert werden kann. Da erscheint es schwierig, zu einer eigenen Lesart zu finden. Vilde Frang sucht offenbar nach den Spuren des Russischen in diesem Werk - und sie hat einiges gefunden, was sie temperamentvoll in den Orchesterpart ein- flicht.
Gänzlich anders ist das Violinkonzert von Carl Nielsen (1865 bis 1931). Dieser Komponist war selbst Geiger; das Instrument domi- niert, und das Orchester bringt eher Klangfarben ein, quasi als Klangteppich, als in einen Dialog mit dem Solopart zu treten. Nielsens Konzert verlangt vom Solisten schier pausenlosen Einsatz und eine enorme Gestaltungskraft. Und da lässt Frang aufhorchen. Denn mit welcher Sorgfalt sie jede einzelne Phrase aufbaut, wie sie den Klang formt, und zugleich dabei den großen Zusammenhang nicht aus dem Blick verliert, das beeindruckt schwer. Diese junge Geigerin ist technisch absolut sattelfest, und zugleich mit einer Ausdrucksstärke gesegnet, die man nur bei den ganz großen Solisten antrifft. Eine Jahrhundertsolistin, ohne Frage, von der wir noch viel erwarten dürfen - man höre nur das pianissimo am Ende des Largo; solche Details überzeugen. Brava!
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Donnerstag, 12. Juli 2012
Freitag, 18. März 2011
Bartók, Grieg, Strauss: Violin Sonatas; Frang (EMI Classics)
Um es gleich vorweg zu schreiben: Vilde Frang gehört nicht zu jenen Geigenmädchen, die, durch die Marketingspezialisten der Platten- firmen hochgelobt, wie die Kome- ten im Feuilleton auftauchen - und ebenso schnell daraus wieder verschwinden. Schon ihre Debüt-CD mit Violinkonzerten von Sibe- lius und Prokofjew zeigte eine sehr eigenständige Künstlerin, die trotz ihrer Jugend durch ihre überwälti- gende musikalische Ausdrucks- fähigkeit begeisterte.
Die Geigerin, die aus Oslo stammt, erhielt dafür inzwischen zahlreiche Preise. Ähnliche Beachtung dürfte auch ihre zweite CD finden, die nun bei EMI Classics erschienen ist. Hier spielt sie zusammen mit dem Pianisten Michail Lifits die Violinsonate Nr. 1 in F-Dur op. 8 von Edvard Grieg sowie die Violinsonate in Es-Dur op. 18 von Richard Strauss. Diese beiden selten zu hörenden Jugendwerke ergänzt sie durch die Sonate für Solovioline BB 124, Sz. 117 von Béla Bartók - ein Stück, das seine Nähe zu Bach nicht verleugnen kann, aber das große Vorbild modern weiterführt, und wesentlich emotionaler.
Alle drei Stücke fordern vom Interpreten ausgeprägte Virtuosität, doch sie belohnen ihn auch durch mitreißende Lebensfreude und eine große Portion Dramatik, was der temperamentvollen Solistin offen- kundig sehr liegt. Das Zusammenspiel mit Lifits wird stellenweise zum musikalischen Wettbewerb, in dem sich die beiden Solisten mit großem Vergnügen zu überbieten trachten. Doch spätromantisches Pathos wird man vergebens suchen. Frang gestaltet ausgesprochen intelligent, und sie verfügt über eine enorme Palette an insbesondere auch dunklen Klangfarben, die sie sehr geschickt einsetzt. Von dieser jungen Solistin werden wir ohne Zweifel in der Zukunft noch sehr viel hören - man darf gespannt bleiben.
Die Geigerin, die aus Oslo stammt, erhielt dafür inzwischen zahlreiche Preise. Ähnliche Beachtung dürfte auch ihre zweite CD finden, die nun bei EMI Classics erschienen ist. Hier spielt sie zusammen mit dem Pianisten Michail Lifits die Violinsonate Nr. 1 in F-Dur op. 8 von Edvard Grieg sowie die Violinsonate in Es-Dur op. 18 von Richard Strauss. Diese beiden selten zu hörenden Jugendwerke ergänzt sie durch die Sonate für Solovioline BB 124, Sz. 117 von Béla Bartók - ein Stück, das seine Nähe zu Bach nicht verleugnen kann, aber das große Vorbild modern weiterführt, und wesentlich emotionaler.
Alle drei Stücke fordern vom Interpreten ausgeprägte Virtuosität, doch sie belohnen ihn auch durch mitreißende Lebensfreude und eine große Portion Dramatik, was der temperamentvollen Solistin offen- kundig sehr liegt. Das Zusammenspiel mit Lifits wird stellenweise zum musikalischen Wettbewerb, in dem sich die beiden Solisten mit großem Vergnügen zu überbieten trachten. Doch spätromantisches Pathos wird man vergebens suchen. Frang gestaltet ausgesprochen intelligent, und sie verfügt über eine enorme Palette an insbesondere auch dunklen Klangfarben, die sie sehr geschickt einsetzt. Von dieser jungen Solistin werden wir ohne Zweifel in der Zukunft noch sehr viel hören - man darf gespannt bleiben.
Samstag, 25. September 2010
Sibelius: Violin Concerto, Humoresques; Prokofiev: Violin Concerto No. 1 (EMI Classics)
Das Label inszeniert Vilde Frang, Jahrgang 1986, wie eine Fee - hinterm Baum hervortretend, im weißen Gewand, das Haar lang herabwallend. Doch Vorsicht: Diese junge Dame hat eine Geige in der Hand, und sie kann deutlich mehr als nur bis drei zählen.
Für ihr Debütalbum hat die Norwe- gerin zwei Violinkonzerte ausge- wählt, die man nicht eben über- mäßig häufig zu hören bekommt. Das Violinkonzert in d-Moll op. 47 von Jean Sibelius gilt als sperrig und technisch außerordentlich anspruchsvoll. Auch das Violinkon- zert Nr. 1 in D-Dur op. 19 von Sergej Prokofjew steht nicht eben in dem Ruf, zu den Publikumsfavoriten zu gehören. Warum also tut sich Frang solche Klassiker an, die doch noch fast als "modern" gelten? Die Antwort ist einfach: Weil sie es kann. Das feinste Pianissimo und das süffigste Vibrato, die dramatisch-pathetische große Linie und verschmitztes Pizzicato nebst einer umfangreichen Palette an Klangfarben und Nuancen - Frang beherrscht ihr Instru- ment virtuos, und gestaltet zudem pfiffig. Das macht diese CD zu einem absoluten Hörvergnügen. Brava!
Freitag, 2. April 2010
Chopin: Cello Sonata, Piano Trio, Grand Duo (EMI Classics)
Zum Freundeskreis Chopins in Paris gehörte der Cellist und Komponist Auguste-Joseph Franchomme.
Das erste Stück auf dieser CD, die Cellosonate in g-Moll op. 65, ist ihm gewidmet. Franchomme war berühmt für seinen ausdrucks- starken, singenden Ton, für seine elegante Bogentechnik und seine akkurate linke Hand. Der junge dänische Cellist Andreas Brantelid tritt daher in große Fußstapfen - doch er bewältigt das schwierige Stück exzellent und mit schönem Ton.
Das erste Stück auf dieser CD, die Cellosonate in g-Moll op. 65, ist ihm gewidmet. Franchomme war berühmt für seinen ausdrucks- starken, singenden Ton, für seine elegante Bogentechnik und seine akkurate linke Hand. Der junge dänische Cellist Andreas Brantelid tritt daher in große Fußstapfen - doch er bewältigt das schwierige Stück exzellent und mit schönem Ton.
Das gilt auch für die Pianistin Marianna Shirinyan, die hier erstmals auf CD zu hören ist. Sie übernimmt einen wichtigen Part. Denn bei allen drei Werken Chopins, die für diese Einspielung ausgewählt wurden, dominiert und brilliert das Klavier weite Abschnitte - um dann wieder hinter die Streicher zurückzutreten, sie zu geleiten und ihre Melodien zu umspielen. Die armenische Pianistin erweist sich als eine versierte Kammermusik-Partnerin, die ihre solistischen Abschnitte differenziert und ausdrucksstark gestaltet, aber auch achtsam mit ihren Musikerkollegen zusammen spielt.
Das zweite Stück auf dieser CD, das Klaviertrio g-Moll op.8, gehört zu den Frühwerken Chopins. Hier gibt die junge norwegische Violinistin Vilde Frang ihr CD-Debüt. Sie wird demnächst im Hause EMI zudem auf einer weiteren CD mit Violinkonzerten von Sibelius und Prokofiev zu erleben sein. Dann kann man auch mehr über die hochgelobte junge Musikerin sagen; dieses Trio jedenfalls beherrscht in nahezu allen Sätzen das Klavier. Und die beiden Streicher haben eine zwar melodisch durchaus schöne, aber eingentlich auch ziemlich blasse Nebenrolle.
Ähnlich beginnt das dritte Werk. Das Grand Duo concertant in E über Themen aus Meyerbeers "Robert le Diable" schrieb Chopin 1831 im Auftrag des Verlegers Schlesinger. Das erste Wort bekommt auch in diesem Falle das Tasteninstrument. Doch bald setzt das Cello ein - und zeigt dann mit raffinierten und auch technisch anspruchsvollen Variationen der seinerzeit populären Opernmelodien, dass dieses Werk seinen Titel zu recht trägt. Brantelid lässt sich auch hier souverän und klangschön hören. Der junge Däne begann übrigens breits vor seinem vierten Geburtstag, Violoncello zu üben. Er startete seine Solokarriere im Alter von 14 Jahren mit Elgars Cellokonzert - und spielt ein Giovanni-Grancino- Cello aus dem Jahre 1690.
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