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Donnerstag, 5. Juni 2014

Hoffmann: Missa / Miserere (cpo)

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776 bis 1822) ist ohne Zweifel einer der ganz großen Schriftsteller der deutschen Romantik. Der Jurist und spätere preußische Kammergerichtsrat liebäugelte allerdings zeitlebens mit einer ganz anderen Muse. Nicht nur seine Figuren wie der Kapellmeister Johannes Kreisler bezeugen seine Leidenschaft für die Musik. Auch seine Namenswahl – eigentlich hatte Hoffmann die Vornamen Ernst Theodor Wilhelm – sowie viele eigene Kompositionen geben Auskunft darüber, wo er seine Vorbilder sah. 
Hoffmann, obwohl selbst evangelisch, hat seine Kirchenmusik kurioserweise für den Gebrauch im katholischen Gottesdienst geschrieben. Entsprechend prächtig klingt sie auch, mitunter wie eine Kombination aus Mozart und Palestrina – doch es ist keine Kopie der großen Meister, es bleibt immer Hoffmann. Der Romantiker war ein versierter Komponist; man staunt, dass er mit seinen Werken zu Lebzeiten nicht mehr Erfolg hatte. Dass er musikalisch durchaus eigene Wege ging, zeigt nun eine CD aus dem Hause cpo. Sie enthält die Messe in d-Moll sowie das Miserere, in einer sehr schönen Einspielung mit einer handverlesenen Sängerriege sowie dem WDR Rundfunkchor und dem WDR Sinfonieorchester Köln unter Rupert Huber. 

Mittwoch, 23. März 2011

Brahms: Ein deutsches Requiem; Klemperer (Ica Classics)

Majestätisch. Mir fällt kein anderes Wort ein, das diese Aufnahme ähnlich angemessen beschreiben könnte. Wenn das Ohr den ersten Schock überwunden und man sich an die Misstöne gewöhnt hat, die aus dem Stand der Aufnahmetech- nik Mitte der 50er Jahre herrühren, dann beginnt das Staunen. 
Denn Otto Klemperer lässt Brahms' Werk wuchtig daherkommen, irdisch, ja erdverbunden - und konterkariert so den Hinweis auf die Wohnungen des Herrn Zebaoth, bei denen ja doch eher eine himmlisch-ideelle Bauart zu vermuten sein dürfte. Hier wird niemand vertröstet; diese Musik kommt über den Hörer mit enormer Energie, und plötzlich ist das Leid fort. Und man hört Brahms berühmtes Stück, als wäre es zum ersten Male; man hört plötzlich Instrumente mit Melodien, die einem nie zuvor aufgefallen sind. Und man freut sich an den exzellenten Sängern - Elisabeth Grümmer und der jugendliche Hermann Prey, die die Werkauffassung Klemperers kongenial aufnehmen und mittragen. Der Chorklang hingegen, so engagiert der Kölner Rundfunkchor sich auch in dieses Projekt hineinbegibt, ist nicht mehr das, was man sich heutzutage anhören möchte. 
Einen Kontrast bietet Mozarts Serenata notturna in D-Dur, KV 239, die Semesterabschlussmusik für die Salzburger Studentenschaft aus dem Jahre 1776, in der, bei aller Grazie der Streicher, doch recht deutlich auch die Streiche der Paukanten zu vernehmen sind. Und weil noch ein bisschen Spielzeit übrig war, ergänzt das Label dieses Programm noch um gut zweieinhalb Minuten Brahms-Probenmit- schnitt. Auch das muss man einmal gehört haben. 

Samstag, 25. September 2010

Sibelius: Violin Concerto, Humoresques; Prokofiev: Violin Concerto No. 1 (EMI Classics)

Das Label inszeniert Vilde Frang, Jahrgang 1986, wie eine Fee - hinterm Baum hervortretend, im weißen Gewand, das Haar lang herabwallend. Doch Vorsicht: Diese junge Dame hat eine Geige in der Hand, und sie kann deutlich mehr als nur bis drei zählen.
Für ihr Debütalbum hat die Norwe- gerin zwei Violinkonzerte ausge- wählt, die man nicht eben über- mäßig häufig zu hören bekommt. Das Violinkonzert in d-Moll op. 47 von Jean Sibelius gilt als sperrig und technisch außerordentlich anspruchsvoll. Auch das Violinkon- zert Nr. 1 in D-Dur op. 19 von Sergej Prokofjew steht nicht eben in dem Ruf, zu den Publikumsfavoriten zu gehören. 
Warum also tut sich Frang solche Klassiker an, die doch noch fast als "modern" gelten? Die Antwort ist einfach: Weil sie es kann. Das feinste Pianissimo und das süffigste Vibrato, die dramatisch-pathetische große Linie und  verschmitztes Pizzicato nebst einer umfangreichen Palette an Klangfarben und Nuancen - Frang beherrscht ihr Instru- ment virtuos, und gestaltet zudem pfiffig. Das macht diese CD zu einem absoluten Hörvergnügen. Brava!