Die Oboe war zur Zeit der Wiener Klassik als Musikinstrument allgegenwärtig. Sie erklang sowohl im Freien, wenn beispielsweise eine Serenade gespielt wurde, als auch in der Kirche und im Konzertsaal. Entsprechend viele Musiker spielten Oboe, und natürlich schrieben sie ebenso viele Konzerte für „ihr“ Instrument. Das befand sich seiner- zeit noch in der Entwicklung, und so dokumentieren diese Musikstücke nicht zuletzt auch die jeweiligen technischen Möglichkeiten der Oboenvirtuosen. Um so verblüffender erscheint allerdings die Tatsache, dass davon heute kaum noch etwas im Konzert zu hören ist.
Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, hat sich darüber ebenfalls gewundert. Und so ging der Musiker auf die Suche nach Alterna- tiven zu Mozarts berühmtem Oboenkonzert. Dabei durchstöberte er zunächst das Internet und anschließend jene Archive und Bibliotheken, die aufgrund der digitalen Fundstellen Erfolg versprachen. Bei der Recherche unterstützte ihn tatkräftig Adelheid Schloemann, beim Sichten der Manu- skripte Albert Breier. Das Projekt war von Erfolg gekrönt: Mayer hat mit seinem kleinen Team sagenhafte 120 Konzerte aufgespürt. Einige davon sind mittlerweile bereits als Notenedition verfügbar.
Die vier schönsten präsentiert der Oboist nun, begleitet von der Kammer- akademie Potsdam, auf seinem neuen Album Lost and Found. Es sind drei Oboenkonzerte von Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812), Jan Antonín Koželuch (1738 bis 1814)– dem älteren Vetter des Klaviervirtuosen Leopold Anton Koželuch, mit dem er oftmals verwechselt wird (das ist kurioser- weise auch im Beiheft zu dieser CD passiert) – und Ludwig August Lebrun (1752 bis 1790), der allerdings nicht in Wien, sondern in Mannheim wirkte. Sein g-Moll-Oboenkonzert ist wirklich sehr schön, und auch wenn es keineswegs „verloren“ war, so ist doch nachvollziehbar, dass Mayer dieses Werk seines berühmten Kollegen hier mit einspielen wollte.
Aus Böhmen stammte Joseph Fiala (1748 bis 1816). Nach seiner Flucht aus der Leibeigenschaft musizierte er zunächst am Hof von Oettingen-Wallerstein, dann in München, und schließlich in Salzburg, wo er allerdings entlassen wurde, als er aufgrund eines Lungenleidens nicht mehr Oboe spielen konnte. Und so war Fiala dann den Rest seiner Tage als Cellist sehr erfolgreich. „Trotz aller Recherche wissen wir leider immer noch nicht, ob es sich bei dem Konzert von Joseph Fiala auf diesem Album tatsächlich um das Konzert für Englischhorn handelt, von dem Wolfgang Amadeus Mozart seinem Vater in einem Brief vorschwärmte; auch kennen wir das Instrument nicht, für das dieses Konzert in extrem hoher Lage geschrieben wurde“, teilt Mayer im Beiheft mit. „Durch die Transponierung nach C-Dur liegt es aber nun perfekt für das heutige Englischhorn und wird sicher spätestens jetzt seinen wohlverdienten Stammplatz im Repertoire erobern.“
Die von Mayer ausgewählten Konzerte begeistern nicht nur durch ihre zauberhaften Oboen-Soli, sondern auch durch einen zumeist wohlausge- wogenen Dialog zwischen dem Solisten und dem Orchester. So liefert die Kammerakademie Potsdam dem Oboisten, der auch selbst dirigiert, nicht nur die Klangkulisse, vor der sich die Solostimme präsentiert. Man höre nur die Hörner im Hoffmeister-Konzert – wirklich exzellent! Diese CD ist wirklich rundum erfreulich und sehr hörenswert.
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Freitag, 6. März 2015
Donnerstag, 17. November 2011
Horn Quintets - Nury Guarnaschwili, Signum Quartett (Capriccio)
"So spiel doch wenigstens eine Note sauber, Zipfel", schrieb Wolfgang Amadeus Mozart dem Hornisten Joseph Leutgeb in eine Hornstimme - und noch etliche andere derbe Scherze. Sie scheinen das Verhältnis zwischen den Musi- kern nicht getrübt zu haben. Denn Mozart komponierte für den Vir- tuosen, der zu den besten Horni- sten seiner Zeit gehört haben muss, vier Hornkonzerte - und das "Leitgebsche" Quintett für Horn, Violine, zwei Violen und Violon- cello Es-Dur KV 407. In diesem Werk verzichtet Mozart gänzlich auf die beliebten Jagdmotive; er präsentiert das Horn als Melodie- instrument, das mit den Streichern im Dialog und um die Wette singen muss. Wenn man bedenkt, dass damals gerade erst die Stopftechnik entwickelt worden war, mit der das Horn erstmals nicht mehr nur Na- turtöne fabrizieren, sondern chromatisch (und intonatorisch sauber!) gespielt werden konnte, dann muss das eine irrsinnig schwierige Par- tie gewesen sein.
Die argentinische Hornistin Nury Guarnaschelli spielt dieses verkapp- te Konzert mit geschmeidigem, butterweichen Ton. Ausdrucksstark erklingt auch die Romanze As-Dur KV 447, eigentlich der langsame Satz eines Hornkonzertes von Mozart. Johann Michael Haydn arran- gierte das Stück für die kleine Besetzung - und veröffentlichte es 1802 als sein eigenes Werk.
Sowohl vom Hornquintett Es-Dur von Wilhelm Gottlieb Hauff als auch von jenem von Franz Anton Hoffmeister sind nur zwei Sätze über- liefert. Während Hoffmeister stark auf den Dreiklang setzt, erweist sich Hauffs Werk als reinste Wiener Klassik - ein hübsches, heiteres Werk mit einem wundervollen, leichtfüßigen Rondo.
"6tett von mir. Gott weiss wo die andern Stimmen sind", schrieb Ludwig van Beethoven einst über eine einzelne Hornstimme, die im Manuskript überliefert ist. Glücklicherweise fanden sich später Ab- schriften, so dass das Sextett für zwei Hörner und Streichquartett Es-Dur op. 81 im Jahre 1810 doch noch veröffentlicht werden konnte. Guarnaschelli wetteifert hier mit Peter Erdei um die schönsten Horntöne; die beiden Hornisten musizieren hinreißend, und das Signum Quartett - Kerstin Dill und Annette Walther, Violine, Xandi van Dijk, Viola und Thomas Schmitz, Violoncello - ist ihnen ein temperamentvoller Partner. Eine der schönsten Horn-CD, die ich kenne! Wer sich für das Instrument begeistert, der wird an dieser Aufnahme nicht vorbeikommen.
Die argentinische Hornistin Nury Guarnaschelli spielt dieses verkapp- te Konzert mit geschmeidigem, butterweichen Ton. Ausdrucksstark erklingt auch die Romanze As-Dur KV 447, eigentlich der langsame Satz eines Hornkonzertes von Mozart. Johann Michael Haydn arran- gierte das Stück für die kleine Besetzung - und veröffentlichte es 1802 als sein eigenes Werk.
Sowohl vom Hornquintett Es-Dur von Wilhelm Gottlieb Hauff als auch von jenem von Franz Anton Hoffmeister sind nur zwei Sätze über- liefert. Während Hoffmeister stark auf den Dreiklang setzt, erweist sich Hauffs Werk als reinste Wiener Klassik - ein hübsches, heiteres Werk mit einem wundervollen, leichtfüßigen Rondo.
"6tett von mir. Gott weiss wo die andern Stimmen sind", schrieb Ludwig van Beethoven einst über eine einzelne Hornstimme, die im Manuskript überliefert ist. Glücklicherweise fanden sich später Ab- schriften, so dass das Sextett für zwei Hörner und Streichquartett Es-Dur op. 81 im Jahre 1810 doch noch veröffentlicht werden konnte. Guarnaschelli wetteifert hier mit Peter Erdei um die schönsten Horntöne; die beiden Hornisten musizieren hinreißend, und das Signum Quartett - Kerstin Dill und Annette Walther, Violine, Xandi van Dijk, Viola und Thomas Schmitz, Violoncello - ist ihnen ein temperamentvoller Partner. Eine der schönsten Horn-CD, die ich kenne! Wer sich für das Instrument begeistert, der wird an dieser Aufnahme nicht vorbeikommen.
Sonntag, 31. Juli 2011
Hoffmeister / Stamitz: Viola Concertos (Naxos)
"In musikalischen Gesellschaften, in welchen Quartette oder voll- stimmigere Instrumentalstücke aufgeführt werden, und er sonst nicht dabey beschäftigt war, machte es ihm Vergnügen, die Bratsche mit zu spielen. Er befand sich mit diesem Instrument gleich- sam in der Mitte der Harmonie, aus welcher er sie von beyden Sei- ten am besten hören und genießen konnte", berichtet Biograph Jo- hann Nikolaus Forkel über Johann Sebastian Bach. Auch von Mozart ist bekannt, dass er sehr gern die Bratsche spielte.
Dennoch sind Konzerte für dieses Instrument Raritäten; sie sind am ehesten noch aus der Wiener Klassik sowie aus dem Umfeld der Mannheimer Schule überliefert. Drei eindrucksvolle Beispiele dafür finden sich auf dieser CD. Carl Philipp Stamitz (1745 bis 1801) war ein Sohn von Johann Wenzel Stamitz, dem Begründer der Mannheimer Schule. Er wurde erst durch seinen Vater, und nach dessen Tod weiter durch seine Kollegen und Schüler unterrichtet, und spielte dann einige Jahre lang als 2. Violinist in der Mannheimer Hofkapelle. Berühmt wurde er als Bratschist und als Komponist; sein Konzert für Viola op. 1 in D-Dur ist relativ bekannt. Es gehört bis heute zu den Standards.
Auch das D-Dur-Konzert von Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812) ist bis heute ein Pflichtstück für alle Bratscher, die sich auf ein Vorspiel vorbereiten. Seltener ist hingegen das Konzert in B-Dur zu hören, obwohl es mindestens ebenso schön ist wie sein prominenter Bruder. Victoria Chiang jedenfalls hat hörbar Vergnügen an den eleganten melodischen Einfällen Hoffmeisters. Die Solistin musiziert gemeinsam mit dem Baltimore Chamber Orchestra unter Markand Thakar.
Dennoch sind Konzerte für dieses Instrument Raritäten; sie sind am ehesten noch aus der Wiener Klassik sowie aus dem Umfeld der Mannheimer Schule überliefert. Drei eindrucksvolle Beispiele dafür finden sich auf dieser CD. Carl Philipp Stamitz (1745 bis 1801) war ein Sohn von Johann Wenzel Stamitz, dem Begründer der Mannheimer Schule. Er wurde erst durch seinen Vater, und nach dessen Tod weiter durch seine Kollegen und Schüler unterrichtet, und spielte dann einige Jahre lang als 2. Violinist in der Mannheimer Hofkapelle. Berühmt wurde er als Bratschist und als Komponist; sein Konzert für Viola op. 1 in D-Dur ist relativ bekannt. Es gehört bis heute zu den Standards.
Auch das D-Dur-Konzert von Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812) ist bis heute ein Pflichtstück für alle Bratscher, die sich auf ein Vorspiel vorbereiten. Seltener ist hingegen das Konzert in B-Dur zu hören, obwohl es mindestens ebenso schön ist wie sein prominenter Bruder. Victoria Chiang jedenfalls hat hörbar Vergnügen an den eleganten melodischen Einfällen Hoffmeisters. Die Solistin musiziert gemeinsam mit dem Baltimore Chamber Orchestra unter Markand Thakar.
Samstag, 26. Februar 2011
Hoffmeister: Double Bass Quartets / Schubert: Arpeggione Sonata (Naxos)
Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812) hat sich in erster Linie als Verleger einen Namen gemacht. Beethoven, dessen Sonate Pathéti- que Hoffmeister als erster druckte, nannte ihn einen "Bruder in der Tonkunst", und Mozart widmete seinem Freund sogar das Hoff- meister-Quartett KV 499.
Weniger bekannt ist, dass Hoff- meister auch selbst enorm vieles komponierte. Sein Konzert für Viola und Orchester in D-Dur ge- hört noch heute zum Pflichtreper- toire eines jeden Bratschers. Er schrieb zudem eine Reihe von Opern, gut 50 Sinfonien, 60 Instrumentalkonzerte und eine Menge Kammer- musik - darunter auch Streichquartette. Einige davon ersetzen die erste Violine durch einen Kontrabass, der entsprechend heftig zu tun bekommt. Norbert Duka, Kontrabass, stellt auf der vorliegenden CD drei dieser Werke vor - im Quartett mit Ernö Sebestyén, Violine, Hel- mut Nicolai, Viola und Martin Ostertag, Violoncello. Die Einspielung ist solide, aber wenig inspiriert und deshalb ein bisschen langweilig.
Die Arpeggione, 1823 von dem Wiener Geigen- und Gitarrenbauer Johann Georg Stauffer erfunden, war eine Kreuzung aus Gitarre und Violoncello. Dieses Kuriosum verschwand umgehend wieder aus dem Musikleben, und wäre längst in Vergessenheit geraten, wenn nicht Franz Schubert eine Sonate für Arpeggione und Klavier komponiert hätte. Sie wird heute von Bratschern und Cellisten gespielt - und erklingt hier in einem Arrangement für Kontrabass von Norbert Duka, der am Klavier von Philipp Moll begleitet wird.
Weniger bekannt ist, dass Hoff- meister auch selbst enorm vieles komponierte. Sein Konzert für Viola und Orchester in D-Dur ge- hört noch heute zum Pflichtreper- toire eines jeden Bratschers. Er schrieb zudem eine Reihe von Opern, gut 50 Sinfonien, 60 Instrumentalkonzerte und eine Menge Kammer- musik - darunter auch Streichquartette. Einige davon ersetzen die erste Violine durch einen Kontrabass, der entsprechend heftig zu tun bekommt. Norbert Duka, Kontrabass, stellt auf der vorliegenden CD drei dieser Werke vor - im Quartett mit Ernö Sebestyén, Violine, Hel- mut Nicolai, Viola und Martin Ostertag, Violoncello. Die Einspielung ist solide, aber wenig inspiriert und deshalb ein bisschen langweilig.
Die Arpeggione, 1823 von dem Wiener Geigen- und Gitarrenbauer Johann Georg Stauffer erfunden, war eine Kreuzung aus Gitarre und Violoncello. Dieses Kuriosum verschwand umgehend wieder aus dem Musikleben, und wäre längst in Vergessenheit geraten, wenn nicht Franz Schubert eine Sonate für Arpeggione und Klavier komponiert hätte. Sie wird heute von Bratschern und Cellisten gespielt - und erklingt hier in einem Arrangement für Kontrabass von Norbert Duka, der am Klavier von Philipp Moll begleitet wird.
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