Die sogenannte „Mannheimer Schule“ gehört zu den Meilensteinen der Musikgeschichte. Begründet wurde sie durch den Geiger Johann Stamitz (1717 bis 1757), der 1742 als Konzertmeister in die Dienste des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz trat. Von 1750 bis zu seinem Tod leitete er dann als Musikdirektor die Instrumentalmusik der renommierten Mannheimer Hofkapelle.
Der Kurfürst war ein Kunstfreund; er scheute keine Kosten, und engagierte hervorragende Musiker. Stamitz wiederum führte dieses Orchester zu europäischem Ruhm. Die Brillanz und Präzision, mit der die Mannheimer aufspielten, waren einzigartig.
Insbesondere Stamitz' Sinfonien waren ein Ereignis. Denn in diesen Kompositionen machte er quasi das ganze Orchester zum Solisten. Im Orchestersatz sorgten vor allem die Bläser für Farbe, was zuvor so nicht üblich war. Außerdem etablierte Stamitz eine Reihe von Klangeffekten, die das zeitgenössische Publikum verblüfften und begeisterten, und die später als „Mannheimer Manieren“ klassifiziert wurden.
Auf dieser CD stellt das Musica Viva Moscow Chamber Orchestra unter Leitung von Alexander Rudin fünf der sechs Sinfonien op. 3 vor. Die Aufnahme ist aber weit weniger spektakulär als die Werke selbst. Wer will, der kann hier die Mannheimer Orchestereffekte studieren, von der Rakete über die Mannheimer Seufzer bis hin zur Walze. Das auskomponierte Orchestercrescendo beeindruckt noch heute. Und beim Anhören dieser CD wird zudem recht deutlich erkennbar, wieviel Mannheim tatsächlich in Mozarts Musik steckt.
Mit diesen Sinfonien gab Stamitz der Weiterentwicklung der Gattung einen Schub, der bis weit in die Romantik hinein wirkte. Leider sind Einspielungen Raritäten; man wünscht sich mehr davon.
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Sonntag, 22. Dezember 2019
Mittwoch, 9. Januar 2019
Stamitz: 10 Symphonies (Auris Subtilis)
Als Weltersteinspielung sind jüngst bei dem Chemnitzer Label Auris Subtilis zehn Sinfonien von Carl Philipp Stamitz (1745 bis 1801) veröffentlicht worden. Auch das Notenmaterial dieser Werke ist ab sofort verfügbar. Damit können diese Kompositionen wieder aufgeführt werden.
Dass sie sich zu Stamitz' Lebzeiten großer Beliebtheit erfreuten (und von Verlegern ersten Ranges gedruckt wurden), verwundert nicht, wenn man diese Aufnahme angehört hat. „Was für eine Fülle an Melodien, feurigem Esprit in den schnellen Sätzen und empfindsame, das Herz anrührende Gedanken in den langsamen Sätzen!“, begeistert sich Normann Kästner für das Schaffen des Komponisten, über dessen Lebensweg in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet wurde.
„Über 50 Sinfonien hat er geschrieben“, resümiert Kästner, „dazu kommen weitere 30 konzertante Sinfonien mit verschiedenen Solo-Instrumenten.“ Allerdings ist auf CD nur sehr wenig davon zu finden. Dies zu ändern, tritt Kästner mit dem Ensemble Amadeus an, und spielte zehn Sinfonien ein, die allesamt durch die Mannheimer Schule geprägt sind.
Das Notenmaterial wurde eigens für dieses Projekt neu erstellt. Die Mühe hat sich gelohnt, denn Stamitz' Werke sind wirklich sehr attraktiv: „Es ist Unterhaltungsmusik im besten Sinne“, so Kästner, „geschrieben für ein Publikum, das sich an den Melodien und musikalischen Effekten ergötzte und berauschte.“
Die Einspielung war ein kühnes Unterfangen. Denn das Ensemble Amadeus besteht überwiegend aus Amateuren; sein Gründer und Leiter Normann Kästner verdient seine Brötchen als Mitarbeiter eines regionalen Kreditinstitutes. In Anbetracht dieser Voraussetzungen aber sind die zwei CD erstaunlich gut gelungen – und Stamitz' Musik ist in der Tat aller Mühe wert. Bravi!
Dass sie sich zu Stamitz' Lebzeiten großer Beliebtheit erfreuten (und von Verlegern ersten Ranges gedruckt wurden), verwundert nicht, wenn man diese Aufnahme angehört hat. „Was für eine Fülle an Melodien, feurigem Esprit in den schnellen Sätzen und empfindsame, das Herz anrührende Gedanken in den langsamen Sätzen!“, begeistert sich Normann Kästner für das Schaffen des Komponisten, über dessen Lebensweg in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet wurde.
„Über 50 Sinfonien hat er geschrieben“, resümiert Kästner, „dazu kommen weitere 30 konzertante Sinfonien mit verschiedenen Solo-Instrumenten.“ Allerdings ist auf CD nur sehr wenig davon zu finden. Dies zu ändern, tritt Kästner mit dem Ensemble Amadeus an, und spielte zehn Sinfonien ein, die allesamt durch die Mannheimer Schule geprägt sind.
Das Notenmaterial wurde eigens für dieses Projekt neu erstellt. Die Mühe hat sich gelohnt, denn Stamitz' Werke sind wirklich sehr attraktiv: „Es ist Unterhaltungsmusik im besten Sinne“, so Kästner, „geschrieben für ein Publikum, das sich an den Melodien und musikalischen Effekten ergötzte und berauschte.“
Die Einspielung war ein kühnes Unterfangen. Denn das Ensemble Amadeus besteht überwiegend aus Amateuren; sein Gründer und Leiter Normann Kästner verdient seine Brötchen als Mitarbeiter eines regionalen Kreditinstitutes. In Anbetracht dieser Voraussetzungen aber sind die zwei CD erstaunlich gut gelungen – und Stamitz' Musik ist in der Tat aller Mühe wert. Bravi!
Dienstag, 1. November 2016
Stamitz: 10 Klarinettenkonzerte (Tudor)
Es ist kein Wunder, dass Wolfgang Amadeus Mozart von diesen Klängen schwärmte. „Ach, wenn wir auch nur clarinetti hätten! Sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten für einen herrlichen Effect macht!“, schrieb der junge Mozart 1778 nach Salzburg an seinen Vater.
Die Verwendung der Holzbläser als Gruppe im Orchester war eine jener Neuerungen, die die Mannheimer Hofkapelle zur musikgeschichtlichen Entwicklung beigetragen hat. Wäh- rend der Regierungszeit des Kurfür- sten Karl Theodor wurde das Orchester, besetzt mit sagenhaften 90 Musi- kern, zu einem der besten Ensembles der Welt. Und diese Instrumentali- sten spielten nicht nur virtuos; viele von ihnen komponierten auch, und setzten dabei gezielt auf die einzigartigen Möglichkeiten der Hofkapelle. Bei Tudor sind nun in einer drei-CD-Box zehn Klarinettenkonzerte von Carl Stamitz (1745 bis 1801) erschienen. Es sind mit die ersten Konzerte für Klarinette überhaupt, und sie sind Meisterwerke. Wer sie angehört hat, der ahnt zudem, wieviel Mannheim in der sogenannten Wiener Klassik steckt.
Eduard Brunner spielt diese Konzerte mit Engagement und enormer Spielfreude. Ihm zur Seite musiziert das Münchner Kammmerorchester unter Hans Stadlmair, das dem Solisten ein exzellenter Partner ist.
Die Verwendung der Holzbläser als Gruppe im Orchester war eine jener Neuerungen, die die Mannheimer Hofkapelle zur musikgeschichtlichen Entwicklung beigetragen hat. Wäh- rend der Regierungszeit des Kurfür- sten Karl Theodor wurde das Orchester, besetzt mit sagenhaften 90 Musi- kern, zu einem der besten Ensembles der Welt. Und diese Instrumentali- sten spielten nicht nur virtuos; viele von ihnen komponierten auch, und setzten dabei gezielt auf die einzigartigen Möglichkeiten der Hofkapelle. Bei Tudor sind nun in einer drei-CD-Box zehn Klarinettenkonzerte von Carl Stamitz (1745 bis 1801) erschienen. Es sind mit die ersten Konzerte für Klarinette überhaupt, und sie sind Meisterwerke. Wer sie angehört hat, der ahnt zudem, wieviel Mannheim in der sogenannten Wiener Klassik steckt.
Eduard Brunner spielt diese Konzerte mit Engagement und enormer Spielfreude. Ihm zur Seite musiziert das Münchner Kammmerorchester unter Hans Stadlmair, das dem Solisten ein exzellenter Partner ist.
Samstag, 9. Juli 2016
Flautissimo! (K&K)
Einen weiteren Live-Mitschnitt aus dem Kloster Maulbronn mit seiner einzigartigen Atmosphäre haben Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler bei ihrem Label K & K veröffentlicht. Im August 2014 konzertierte dort der Flötist Michael Martin Kofler. Es war bereits wäh- rend seines Studiums Soloflötist im Gustav-Mahler-Jugendorchester unter Claudio Abbado; 1987 berief ihn Sergiu Celibidache in gleicher Posi- tion zu den Münchner Philharmoni- kern. Kofler spielt Konzerte weltweit. Seit 1989 ist der Musiker Professor am Mozarteum in Salzburg; er unterrichtet Meisterklassen und ist als Jury- mitglied bei bedeutenden Wettbewerben tätig.
In Maulbronn musizierte er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Es wurde 1950 von dem Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant gegründet, und ist noch heute eines der wenigen Full-time-Kammerorchester mit einer Stammbesetzung von 14 Musikern, die bei Bedarf um weitere Streicher und Bläser aufgestockt werden kann. In der Saison 2013/14 übernahm Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm, die Position des künstlerischen Leiters und Chefdirigenten.
Hier präsentiert er ein Programm, das mit der Symphonie Es-Dur von Carl Philipp Stamitz beginnt. Es folgen das bekannte Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo in G-Dur von Johann Joachim Quantz, und die Sinfonia in C-Dur von Giovanni Battista Sammartini. Der Solist bringt sich noch einmal ein mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur KV 313; abschließend erklingt die Symphonie Nr. 21 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Musiziert wird solide, aber nicht überragend; Über- raschungen gibt es keine – eine CD, die man nicht unbedingt haben muss.
In Maulbronn musizierte er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Es wurde 1950 von dem Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant gegründet, und ist noch heute eines der wenigen Full-time-Kammerorchester mit einer Stammbesetzung von 14 Musikern, die bei Bedarf um weitere Streicher und Bläser aufgestockt werden kann. In der Saison 2013/14 übernahm Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm, die Position des künstlerischen Leiters und Chefdirigenten.
Hier präsentiert er ein Programm, das mit der Symphonie Es-Dur von Carl Philipp Stamitz beginnt. Es folgen das bekannte Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo in G-Dur von Johann Joachim Quantz, und die Sinfonia in C-Dur von Giovanni Battista Sammartini. Der Solist bringt sich noch einmal ein mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur KV 313; abschließend erklingt die Symphonie Nr. 21 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Musiziert wird solide, aber nicht überragend; Über- raschungen gibt es keine – eine CD, die man nicht unbedingt haben muss.
Samstag, 14. November 2015
Der musikalische Garten - Zu Gast im Blauen Haus (Ars)
Der Basler Lucas Sarrasin (1730 bis 1802) kam als Seidenbandfabrikant gemeinsam mit seinem Bruder Jakob zu Wohlstand und Ansehen. Die Geschwister ließen sich in bester Lage zwei Patrizierhäuser bauen: Das Weiße und das Blaue Haus gehören noch heute zu den prächtigsten Barockgebäuden der Stadt. Lucas Sarrasin war zudem sehr interessiert an Kuriositäten, die er seinen Gästen gern vorführte – aber seine eigentli- che Leidenschaft war die Musik. So richtete er in seinem Hause einen Musiksaal ein, in dem er nicht nur eine Orgel aufstellen ließ, sondern auch sämtliche Orchesterinstrumente vorhielt – könnte ja sein, dass sie zur Hausmusik benötigt werden! Auch eine umfangreiche Notensammlung besaß der Fabrikant.
Sarrasin spielte selbst Geige und Kontrabass. Er gehörte dem Basler Collegium Musicum an. Dort lernte er Jacob Christoph Kachel (1728 bis 1795) kennen, einen hochbegabten Geiger, der im Gefolge eines Prinzen bereits bis nach Italien gereist war. Der junge Virtuose wurde Sarrasins Hausmusiker.
Welche Musik im Hause Sarrasin erklang, das lässt sich anhand des Kataloges der Musikbibliothek feststellen. Auffällig ist, dass nur etwa ein Viertel der darin aufgelisteten Werke der Vokalmusik zuzurechnen sind. Die Instrumentalmusik stammte aus ganz Europa, allerdings sind Werke aus Frankreich und England nur spärlich vertreten – und es fällt auf, dass Sarrasin überwiegend Kompositionen von Zeitgenossen sammelte. Insge- samt befanden sich mehr als 1.300 Musikalien in Sarrasins Kollektion; ein Drittel davon ist erhalten geblieben.
Besonders schätzte Sarrasin offenbar Triosonaten; viele von ihnen kommen aus der Mannheimer Schule oder aus Norditalien. Eine Auswahl dieser Werke präsentiert auf dieser CD das Ensemble Der musikalische Garten. Die vier jungen Musiker – Karoline Echeverri Klemm, Germán Echeverri Chamorro, Violine, Annekatrin Beller, Violoncello, und Daniela Niedhammer, Cembalo und Hammerklavier – haben sämtlich an der Schola Cantorum Basiliensis studiert. Und ihr Interesse für die Sammlung Sarrasin beschert dem Zuhörer einen Ausflug in eine blühende musika- lische Landschaft, eine Hör-Kur sozusagen, mit Werken beispielsweise von Johann und Carl Stamitz, Johann Christian Bach – der vor seinem Umzug nach London bekanntlich etliche Jahre in Mailand lebte –, Giovanni Battista Sammartini oder Gaetano Pugnani. Sehr gelungen, und ausgesprochen vielversprechend!
Sarrasin spielte selbst Geige und Kontrabass. Er gehörte dem Basler Collegium Musicum an. Dort lernte er Jacob Christoph Kachel (1728 bis 1795) kennen, einen hochbegabten Geiger, der im Gefolge eines Prinzen bereits bis nach Italien gereist war. Der junge Virtuose wurde Sarrasins Hausmusiker.
Welche Musik im Hause Sarrasin erklang, das lässt sich anhand des Kataloges der Musikbibliothek feststellen. Auffällig ist, dass nur etwa ein Viertel der darin aufgelisteten Werke der Vokalmusik zuzurechnen sind. Die Instrumentalmusik stammte aus ganz Europa, allerdings sind Werke aus Frankreich und England nur spärlich vertreten – und es fällt auf, dass Sarrasin überwiegend Kompositionen von Zeitgenossen sammelte. Insge- samt befanden sich mehr als 1.300 Musikalien in Sarrasins Kollektion; ein Drittel davon ist erhalten geblieben.
Besonders schätzte Sarrasin offenbar Triosonaten; viele von ihnen kommen aus der Mannheimer Schule oder aus Norditalien. Eine Auswahl dieser Werke präsentiert auf dieser CD das Ensemble Der musikalische Garten. Die vier jungen Musiker – Karoline Echeverri Klemm, Germán Echeverri Chamorro, Violine, Annekatrin Beller, Violoncello, und Daniela Niedhammer, Cembalo und Hammerklavier – haben sämtlich an der Schola Cantorum Basiliensis studiert. Und ihr Interesse für die Sammlung Sarrasin beschert dem Zuhörer einen Ausflug in eine blühende musika- lische Landschaft, eine Hör-Kur sozusagen, mit Werken beispielsweise von Johann und Carl Stamitz, Johann Christian Bach – der vor seinem Umzug nach London bekanntlich etliche Jahre in Mailand lebte –, Giovanni Battista Sammartini oder Gaetano Pugnani. Sehr gelungen, und ausgesprochen vielversprechend!
Freitag, 15. August 2014
Stamitz: Quartets for Clarinet (Audite)
Ach, was waren das für Zeiten, als der Zuhörer bei dem Wort „Quar- tett“ noch nicht automatisch an zwei Geigen, eine Bratsche und ein Violoncello dachte. Vor Beethoven waren die Besetzungen wesentlich bunter, und die Komponisten offensichtlich auch experimen- tierfreudiger. Ein gutes Beispiel dafür gibt das Label Audite mit den Klarinettenquartetten op. 8 und op. 19 von Carl Stamitz (1745 bis 1801).
Carl Stamitz war ein Sohn von Johann Stamitz, und war somit der Mannheimer Schule quasi von Geburt an verbunden. Ersten Unterricht erhielt er bei seinem Vater; nach dessen Tod 1757 übernahmen Christian Cannabich, Ignaz Holzbauer und Franz Xaver Richter die musikalische Ausbildung des Jungen. Als er 16 Jahre alt war, erhielt er seine erste Anstellung als Violinist in der Mannheimer Hofkapelle. 1770 entschied sich Carl Stamitz für ein Leben als reisender Virtuose und Komponist; so trat er gemeinsam mit seinem Bruder Anton in Paris auf, und ging mehrfach auf Konzertreisen quer durch Europa. Obwohl er sich dabei hohes Ansehen erwarb, gelang es ihm aber nicht mehr, sich durch eine lukrative Anstellung abzusichern. Letzten Endes beschäftigte die Universität Jena Stamitz ab 1795 als akademischen Musiklehrer; in der Saalestadt starb der Virtuose dann auch, hoch verschuldet. Sein Nachlass gilt als verschollen.
Auch wenn Stamitz seinen Ruhm vor allem durch Orchesterwerke erworben hat, zeigen seine Klarinettenquartette doch ebenfalls die hohe Kunstfertigkeit des Komponisten. Sie sind ein wichtiges Zeugnis für die zunehmende Bedeutung der Klarinette in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Denn Stamitz hat für das seinerzeit noch ziem- lich neue, in Spieltechnik wie Klangfarbe offenbar in steter Entwick- lung befindliche Instrument herrliche Partien geschaffen, die dem Solisten einiges abfordern, aber ihm auch wunderbar Gelegenheit bieten, die Klarinette zu präsentieren.
Arthur Campbell hat hörbar Freude an diesen Werken. Mit seinem sanglichen Spiel und seinem schmeichelnden Ton fügt er sich ein zwischen die Streicher Gregory Maytan, Violine, Paul Swantek, Viola und Pablo Mahave-Veglia, Violoncello. Er setzt auch Kontraste und Glanzpunkte, und der Zuhörer freut sich über die Eleganz dieser charmanten Musik. Unbedingt anhören – das ist Kammermusik, die rundum gute Laune bringt, in einer hinreißend gelungenen Einspie- lung.
Carl Stamitz war ein Sohn von Johann Stamitz, und war somit der Mannheimer Schule quasi von Geburt an verbunden. Ersten Unterricht erhielt er bei seinem Vater; nach dessen Tod 1757 übernahmen Christian Cannabich, Ignaz Holzbauer und Franz Xaver Richter die musikalische Ausbildung des Jungen. Als er 16 Jahre alt war, erhielt er seine erste Anstellung als Violinist in der Mannheimer Hofkapelle. 1770 entschied sich Carl Stamitz für ein Leben als reisender Virtuose und Komponist; so trat er gemeinsam mit seinem Bruder Anton in Paris auf, und ging mehrfach auf Konzertreisen quer durch Europa. Obwohl er sich dabei hohes Ansehen erwarb, gelang es ihm aber nicht mehr, sich durch eine lukrative Anstellung abzusichern. Letzten Endes beschäftigte die Universität Jena Stamitz ab 1795 als akademischen Musiklehrer; in der Saalestadt starb der Virtuose dann auch, hoch verschuldet. Sein Nachlass gilt als verschollen.
Auch wenn Stamitz seinen Ruhm vor allem durch Orchesterwerke erworben hat, zeigen seine Klarinettenquartette doch ebenfalls die hohe Kunstfertigkeit des Komponisten. Sie sind ein wichtiges Zeugnis für die zunehmende Bedeutung der Klarinette in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Denn Stamitz hat für das seinerzeit noch ziem- lich neue, in Spieltechnik wie Klangfarbe offenbar in steter Entwick- lung befindliche Instrument herrliche Partien geschaffen, die dem Solisten einiges abfordern, aber ihm auch wunderbar Gelegenheit bieten, die Klarinette zu präsentieren.
Arthur Campbell hat hörbar Freude an diesen Werken. Mit seinem sanglichen Spiel und seinem schmeichelnden Ton fügt er sich ein zwischen die Streicher Gregory Maytan, Violine, Paul Swantek, Viola und Pablo Mahave-Veglia, Violoncello. Er setzt auch Kontraste und Glanzpunkte, und der Zuhörer freut sich über die Eleganz dieser charmanten Musik. Unbedingt anhören – das ist Kammermusik, die rundum gute Laune bringt, in einer hinreißend gelungenen Einspie- lung.
Sonntag, 4. November 2012
Kraft - Vranický - Stamitz: Cello Concertos (Supraphon)
Michal Kanka stellt auf dieser CD drei Cello-Konzerte vor, die nicht eben oft zu hören sind. Die drei Werke überraschen durch wunder- volle Melodien, Kanka lässt sein Violoncello dementsprechend singen. Das Prager Kammer- orchester musiziert gemeinsam mit dem Solisten, und die kammer- musikalisch orientierte, feinsinnige Gestaltung passt zu den Konzerten ausgesprochen gut.
Anton Kraft (1749 bis 1820) und Anton Wranitzky (1761 bis 1820) waren Schüler Haydns. Kraft spielte als Cellist in der Hofkapelle Fürst Esterházys. Und Wranitzky stand im Dienst des Fürsten Lobkowitz. Er war ein exzellenter Geiger und ein überragender Violinpädagoge; das Konzert für Violoncello d-Moll ist sein einziges Werk, das nicht für die Violine entstanden ist.
Carl Stamitz (1745 bis 1801) wuchs in Mannheim auf, wo er ganz im Geist der Mannheimer Schule ausgebildet wurde. Er komponierte seine Cellokonzerte für den preußischen König Friedrich Wilhelm II., der das Instrument offenbar selbst gut spielte. Kanka wählte für diese CD das Cello-Konzert Nr. 2 in A-Dur aus.
Anton Kraft (1749 bis 1820) und Anton Wranitzky (1761 bis 1820) waren Schüler Haydns. Kraft spielte als Cellist in der Hofkapelle Fürst Esterházys. Und Wranitzky stand im Dienst des Fürsten Lobkowitz. Er war ein exzellenter Geiger und ein überragender Violinpädagoge; das Konzert für Violoncello d-Moll ist sein einziges Werk, das nicht für die Violine entstanden ist.
Carl Stamitz (1745 bis 1801) wuchs in Mannheim auf, wo er ganz im Geist der Mannheimer Schule ausgebildet wurde. Er komponierte seine Cellokonzerte für den preußischen König Friedrich Wilhelm II., der das Instrument offenbar selbst gut spielte. Kanka wählte für diese CD das Cello-Konzert Nr. 2 in A-Dur aus.
Mittwoch, 30. November 2011
The Concerto Köln Christmas Album (Berlin Classics)
Nun ist es da, das lang erwartete Weihnachtsalbum des Ensembles Concerto Köln. Und es enthält nahezu komplett die barocken Werke, die seit einigen Jahren regelmäßig auf den diversen CD zum Fest erscheinen: Das berühm- te Concerto grosso g-Moll, von Arcangelo Corelli Fatto per la notte di Natale, sowie die Weih- nachtskonzerte von Antonio Vivaldi und Giuseppe Torelli, und natürlich die Sinfonia aus Bachs Weihnachtsoratorium. "Bei diesen Standards haben wir einfach nur versucht, unseren höchst eigenen klanglichen Zugriff zu entwickeln und mit Temperament etwas bei- zusteuern, ohne uns dabei auf den Sockel zu stellen", erläutert Martin Sandhoff, Soloflötist und künstlerischer Leiter des Ensembles.
So gänzlich entsagen freilich können die Kölner der Suche nach ver- gessenen Schätzen nicht; und deshalb ergänzen sie dieses Programm um einige der selten gespielten Noels pour les instruments von Marc-Antoine Charpentier, die Sinfonia pastorale D-Dur von Johann Stamitz, die Sonata natalis C-Dur von Pavel Josef Vejvanovský und das entzückende Konzert für Mandoline, zwei Violinen, Streicher und Basso continuo von Antonio Vivaldi.
Musiziert wird frisch und munter, aber nicht hastig und hektisch. Concerto Köln spielt die bekannten Stücke mit der gleichen Sorgfalt wie die Entdeckungen - beseelt, leichtfüßig und dynamisch differen- ziert. So kommt auch beim Hörer Weihnachtsstimmung auf. Bravi!
So gänzlich entsagen freilich können die Kölner der Suche nach ver- gessenen Schätzen nicht; und deshalb ergänzen sie dieses Programm um einige der selten gespielten Noels pour les instruments von Marc-Antoine Charpentier, die Sinfonia pastorale D-Dur von Johann Stamitz, die Sonata natalis C-Dur von Pavel Josef Vejvanovský und das entzückende Konzert für Mandoline, zwei Violinen, Streicher und Basso continuo von Antonio Vivaldi.
Musiziert wird frisch und munter, aber nicht hastig und hektisch. Concerto Köln spielt die bekannten Stücke mit der gleichen Sorgfalt wie die Entdeckungen - beseelt, leichtfüßig und dynamisch differen- ziert. So kommt auch beim Hörer Weihnachtsstimmung auf. Bravi!
Mittwoch, 24. August 2011
Stamitz: Four Symphonies (cpo)
"Von die 2 Stamitz ist nur der jüngere hier – der ältere (...) ist in London – das sind 2 Elende No- tenschmierer – und spieller – Säuffer – und hurrer – das sind keine Leute für mich – der hier ist hat kaum ein gutes Kleid auf dem Leib", vermeldet Wolfgang Ama- deus Mozart am 9. Juli 1778 aus Paris nach Salzburg. Dieser Brief hat das Bild, das sich die Nachwelt von den Brüdern Stamitz gemacht hat, ganz erstaunlich geprägt.
Dabei verrät er mehr über das gar nicht mehr herzige Wolferl, das auch in Paris nicht recht zu landen wusste, als über Carl und Anton Stamitz – die nämlich waren in Frankreich zu diesem Zeitpunkt längst etabliert. Und Vater Leopold hatte seinem Sohne geraten, die Bekanntschaft der beiden erfolgrei- chen Musiker zu suchen.
Das hätte sich ohne Zweifel gelohnt, wie diese CD deutlich macht. Sie ist ein ganz entschiedenes Plädoyer für Carl Stamitz (1745 bis 1801), den älteren der beiden Söhne von Johann Stamitz, dem Begründer der Mannheimer Schule. Das Ensemble "l’arte del mondo" unter Werner Ehrhardt hat hier vier Sinfonien des Komponisten eingespielt, die sämtlich in den berühmten Pariser Concerts spirituel erklungen sind.
Sie sind kühn und dramatisch, und es erscheint daher erst recht be- dauerlich, dass nach Stamitz’ frühem Tod in Jena niemand den Wert seines Nachlasses erkannt und ihn für die Nachwelt bewahrt hat. So ist davon auszugehen, dass mit dem Ableben des Musikers, der sich nach vielen Virtuosenreisen als akademischer Musiklehrer an der dortigen Alma Mater niedergelassen hatte, der allergrößte Teil seines Werkes verlorengegangen ist. Umso mehr ist das Engagement von l'arte del mondo zu begrüßen - und dass die Musiker seine Sinfonien aus der Tradition der Historischen Aufführungspraxis heraus inter- pretieren, kommt dem Klangbild hörbar zugute.
Dabei verrät er mehr über das gar nicht mehr herzige Wolferl, das auch in Paris nicht recht zu landen wusste, als über Carl und Anton Stamitz – die nämlich waren in Frankreich zu diesem Zeitpunkt längst etabliert. Und Vater Leopold hatte seinem Sohne geraten, die Bekanntschaft der beiden erfolgrei- chen Musiker zu suchen.
Das hätte sich ohne Zweifel gelohnt, wie diese CD deutlich macht. Sie ist ein ganz entschiedenes Plädoyer für Carl Stamitz (1745 bis 1801), den älteren der beiden Söhne von Johann Stamitz, dem Begründer der Mannheimer Schule. Das Ensemble "l’arte del mondo" unter Werner Ehrhardt hat hier vier Sinfonien des Komponisten eingespielt, die sämtlich in den berühmten Pariser Concerts spirituel erklungen sind.
Sie sind kühn und dramatisch, und es erscheint daher erst recht be- dauerlich, dass nach Stamitz’ frühem Tod in Jena niemand den Wert seines Nachlasses erkannt und ihn für die Nachwelt bewahrt hat. So ist davon auszugehen, dass mit dem Ableben des Musikers, der sich nach vielen Virtuosenreisen als akademischer Musiklehrer an der dortigen Alma Mater niedergelassen hatte, der allergrößte Teil seines Werkes verlorengegangen ist. Umso mehr ist das Engagement von l'arte del mondo zu begrüßen - und dass die Musiker seine Sinfonien aus der Tradition der Historischen Aufführungspraxis heraus inter- pretieren, kommt dem Klangbild hörbar zugute.
Sonntag, 31. Juli 2011
Hoffmeister / Stamitz: Viola Concertos (Naxos)
"In musikalischen Gesellschaften, in welchen Quartette oder voll- stimmigere Instrumentalstücke aufgeführt werden, und er sonst nicht dabey beschäftigt war, machte es ihm Vergnügen, die Bratsche mit zu spielen. Er befand sich mit diesem Instrument gleich- sam in der Mitte der Harmonie, aus welcher er sie von beyden Sei- ten am besten hören und genießen konnte", berichtet Biograph Jo- hann Nikolaus Forkel über Johann Sebastian Bach. Auch von Mozart ist bekannt, dass er sehr gern die Bratsche spielte.
Dennoch sind Konzerte für dieses Instrument Raritäten; sie sind am ehesten noch aus der Wiener Klassik sowie aus dem Umfeld der Mannheimer Schule überliefert. Drei eindrucksvolle Beispiele dafür finden sich auf dieser CD. Carl Philipp Stamitz (1745 bis 1801) war ein Sohn von Johann Wenzel Stamitz, dem Begründer der Mannheimer Schule. Er wurde erst durch seinen Vater, und nach dessen Tod weiter durch seine Kollegen und Schüler unterrichtet, und spielte dann einige Jahre lang als 2. Violinist in der Mannheimer Hofkapelle. Berühmt wurde er als Bratschist und als Komponist; sein Konzert für Viola op. 1 in D-Dur ist relativ bekannt. Es gehört bis heute zu den Standards.
Auch das D-Dur-Konzert von Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812) ist bis heute ein Pflichtstück für alle Bratscher, die sich auf ein Vorspiel vorbereiten. Seltener ist hingegen das Konzert in B-Dur zu hören, obwohl es mindestens ebenso schön ist wie sein prominenter Bruder. Victoria Chiang jedenfalls hat hörbar Vergnügen an den eleganten melodischen Einfällen Hoffmeisters. Die Solistin musiziert gemeinsam mit dem Baltimore Chamber Orchestra unter Markand Thakar.
Dennoch sind Konzerte für dieses Instrument Raritäten; sie sind am ehesten noch aus der Wiener Klassik sowie aus dem Umfeld der Mannheimer Schule überliefert. Drei eindrucksvolle Beispiele dafür finden sich auf dieser CD. Carl Philipp Stamitz (1745 bis 1801) war ein Sohn von Johann Wenzel Stamitz, dem Begründer der Mannheimer Schule. Er wurde erst durch seinen Vater, und nach dessen Tod weiter durch seine Kollegen und Schüler unterrichtet, und spielte dann einige Jahre lang als 2. Violinist in der Mannheimer Hofkapelle. Berühmt wurde er als Bratschist und als Komponist; sein Konzert für Viola op. 1 in D-Dur ist relativ bekannt. Es gehört bis heute zu den Standards.
Auch das D-Dur-Konzert von Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812) ist bis heute ein Pflichtstück für alle Bratscher, die sich auf ein Vorspiel vorbereiten. Seltener ist hingegen das Konzert in B-Dur zu hören, obwohl es mindestens ebenso schön ist wie sein prominenter Bruder. Victoria Chiang jedenfalls hat hörbar Vergnügen an den eleganten melodischen Einfällen Hoffmeisters. Die Solistin musiziert gemeinsam mit dem Baltimore Chamber Orchestra unter Markand Thakar.
Freitag, 18. Februar 2011
Contemporaries of Mozart Collection (Chandos)
Sinfonien von Mozart-Zeitgenos- sen fasst diese Box auf fünf CD zusammen. Sie ist schön gestaltet, und wird durch ein sehr informati- ves Beiheft ergänzt - allerdings durchweg in englischer Sprache. Das wird nicht jeden Musikfreund erfreuen, doch das Label Chandos stammt nun einmal aus Groß- britannien.
Die London Mozart Players, eines der führenden Kammerorchester des Landes, musizieren unter Matthias Bamert. Der Dirigent, der aus der Schweiz stammt, ist ein ausgewiesener Experte, wenn es um die Musik des 18. Jahrhunderts geht. Er hat viele vergessene Werke wieder erschlossen. Bamert engagiert sich aber auch stark für die sogenannte Neue Musik, er hat viele Uraufführungen dirigiert. Die London Mozart Players hat er von 1993 bis 2000 geleitet - was diesen Aufnahmen ganz klar seine Handschrift gibt.
Die fünf CD ermöglichen eine ganze Reihe Entdeckungen. Da wären beispielsweise zwei Sinfonien von Franz Krommer, geboren 1759 in Südmähren als František Vincenc Kramář. Er lebte viele Jahre in Wien, und wurde 1818 zum Hofkomponisten und Hofkapellmeister des Kaisers Franz I. berufen. Mehr als 300 Werke des tschechischen Komponisten sind überliefert, darunter zahlreiche Streichquartette, Konzerte für verschiedene Instrumente, und sieben Sinfonien.
Carl Philipp Stamitz (1745 bis 1801) wuchs in Mannheim auf, und spielte dort zunächst 2. Violine in der berühmten Mannheimer Hofkapelle. Später ging er nach Paris und Versaille. Doch auch dort hielt es ihn nicht lange; Stamitz reiste durch ganz Europa, bis er schließlich 1794 die Leitung der akademischen Konzerte in Jena übernahm. Als er 1801 kurz nach seiner Frau starb, wurde von seinen Gläubigern fast sein gesamter Besitz versteigert. Leider sind dabei offenbar auch viele seiner Werke verschwunden.
Ignaz Josef Pleyl (1757 bis 1831) finanzierte ein Gönner die Ausbil- dung bei Joseph Haydn. Er lernte auch bei Vanhal und in Italien, bevor er dann nach Frankreich ging, die französische Staatsbürger- schaft annahm und zu Ignace Joseph Pleyel wurde. Berühmt war er vor allem für seine Kammermusik. Mozart lobte Pleyels Streich- quartette 1784 in einem Brief an seinen Vater: "Sie sind sehr gut geschrieben, und sehr angenehm; Sie werden auch gleich seinen Meister herauskennen. Gut - und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit im Stande ist, uns Haydn zu replacieren!" Pleyel schrieb aber auch mehr als 40 Sinfonien - drei davon sind auf CD drei zu hören.
Leopold Kozeluch (1747 bis 1818) hätte der Nachfolger Mozarts als Hoforganist in Salzburg werden können. Dieses Amt wurde ihm angeboten, doch der Musiker, der in Wien sehr erfolgreich als Pianist und Musikpädagoge tätig war, lehnte ab. Er zog es vor, weiterhin Erzherzogin Elisabeth von Württemberg und Marie-Louise, die Tochter des Kaisers, zu unterrichten - und wurde 1792 zum Kammer- kapellmeister und Hofkomponisten ernannt. Seine Werke - es sind etwa 400 Kompositionen überliefert, davon wohl um die 30 Sinfonien - wurden zu Lebzeiten des Künstlers ebenso heftig gefeiert wie abge- lehnt. Sie klingen allerdings mitunter schon eher nach Beethoven als nach Haydn.
Pavel Vranitzký (1756 bis 1808) stammt aus einem kleinen mähri- schen Städtchen, und hat eigentlich Theologie studiert. Doch statt in den Dienst der Kirche trat Paul Wranitzky, wie er sich im Zuge seiner Übersiedlung nach Wien nannte, 1784 in die Dienste von Graf Johann Baptist Esterházy, und 1785 wurde er Leiter des neu gegründeten Orchesters der Hofoper am Kärntertortheater in Wien. Er war ein angesehener Dirigent; so leitete Wranitzky auf Wunsch des Musiker- kollegen unter anderem die Uraufführung von Beethovens erster Sinfonie. Doch er komponierte auch selbst. CD fünf enthält zwei seiner mehr als 50 Sinfonien, sowie die Grande sinfonie caractéristique pour la paix avec la République française op. 31 - eigentlich ein Werk für "großes" Orchester, das die Ereignisse der Französischen Revolu- tion schildert. Ihre Uraufführung 1797 in Wien wurde übrigens vom Kaiser untersagt; nicht nur der Titel erschien dem Hof gefährlich.
Die London Mozart Players, eines der führenden Kammerorchester des Landes, musizieren unter Matthias Bamert. Der Dirigent, der aus der Schweiz stammt, ist ein ausgewiesener Experte, wenn es um die Musik des 18. Jahrhunderts geht. Er hat viele vergessene Werke wieder erschlossen. Bamert engagiert sich aber auch stark für die sogenannte Neue Musik, er hat viele Uraufführungen dirigiert. Die London Mozart Players hat er von 1993 bis 2000 geleitet - was diesen Aufnahmen ganz klar seine Handschrift gibt.
Die fünf CD ermöglichen eine ganze Reihe Entdeckungen. Da wären beispielsweise zwei Sinfonien von Franz Krommer, geboren 1759 in Südmähren als František Vincenc Kramář. Er lebte viele Jahre in Wien, und wurde 1818 zum Hofkomponisten und Hofkapellmeister des Kaisers Franz I. berufen. Mehr als 300 Werke des tschechischen Komponisten sind überliefert, darunter zahlreiche Streichquartette, Konzerte für verschiedene Instrumente, und sieben Sinfonien.
Carl Philipp Stamitz (1745 bis 1801) wuchs in Mannheim auf, und spielte dort zunächst 2. Violine in der berühmten Mannheimer Hofkapelle. Später ging er nach Paris und Versaille. Doch auch dort hielt es ihn nicht lange; Stamitz reiste durch ganz Europa, bis er schließlich 1794 die Leitung der akademischen Konzerte in Jena übernahm. Als er 1801 kurz nach seiner Frau starb, wurde von seinen Gläubigern fast sein gesamter Besitz versteigert. Leider sind dabei offenbar auch viele seiner Werke verschwunden.
Ignaz Josef Pleyl (1757 bis 1831) finanzierte ein Gönner die Ausbil- dung bei Joseph Haydn. Er lernte auch bei Vanhal und in Italien, bevor er dann nach Frankreich ging, die französische Staatsbürger- schaft annahm und zu Ignace Joseph Pleyel wurde. Berühmt war er vor allem für seine Kammermusik. Mozart lobte Pleyels Streich- quartette 1784 in einem Brief an seinen Vater: "Sie sind sehr gut geschrieben, und sehr angenehm; Sie werden auch gleich seinen Meister herauskennen. Gut - und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit im Stande ist, uns Haydn zu replacieren!" Pleyel schrieb aber auch mehr als 40 Sinfonien - drei davon sind auf CD drei zu hören.
Leopold Kozeluch (1747 bis 1818) hätte der Nachfolger Mozarts als Hoforganist in Salzburg werden können. Dieses Amt wurde ihm angeboten, doch der Musiker, der in Wien sehr erfolgreich als Pianist und Musikpädagoge tätig war, lehnte ab. Er zog es vor, weiterhin Erzherzogin Elisabeth von Württemberg und Marie-Louise, die Tochter des Kaisers, zu unterrichten - und wurde 1792 zum Kammer- kapellmeister und Hofkomponisten ernannt. Seine Werke - es sind etwa 400 Kompositionen überliefert, davon wohl um die 30 Sinfonien - wurden zu Lebzeiten des Künstlers ebenso heftig gefeiert wie abge- lehnt. Sie klingen allerdings mitunter schon eher nach Beethoven als nach Haydn.
Pavel Vranitzký (1756 bis 1808) stammt aus einem kleinen mähri- schen Städtchen, und hat eigentlich Theologie studiert. Doch statt in den Dienst der Kirche trat Paul Wranitzky, wie er sich im Zuge seiner Übersiedlung nach Wien nannte, 1784 in die Dienste von Graf Johann Baptist Esterházy, und 1785 wurde er Leiter des neu gegründeten Orchesters der Hofoper am Kärntertortheater in Wien. Er war ein angesehener Dirigent; so leitete Wranitzky auf Wunsch des Musiker- kollegen unter anderem die Uraufführung von Beethovens erster Sinfonie. Doch er komponierte auch selbst. CD fünf enthält zwei seiner mehr als 50 Sinfonien, sowie die Grande sinfonie caractéristique pour la paix avec la République française op. 31 - eigentlich ein Werk für "großes" Orchester, das die Ereignisse der Französischen Revolu- tion schildert. Ihre Uraufführung 1797 in Wien wurde übrigens vom Kaiser untersagt; nicht nur der Titel erschien dem Hof gefährlich.
Samstag, 22. Januar 2011
Flute Friends (Acte Préalable)
Flötisten aus ganz Europa kamen zum Internationalen Flöten- festival im Februar 2010 an die Ignacy Jan Paderewski Academy of Music nach Poznan. In Kursen unterrichteten berühmte Flötisten den musikalischen Nachwuchs - und fanden auch selbst noch Zeit, eine CD einzuspielen: Flute Friends enthält etliche klangvolle Werke, die aus unerfindlichen Gründen aber selten gespielt werden. Da finden sich Konzerte von Vivaldi, Stamitz und Cimarosa neben der Rigoletto-Fantaisie von Franz und Karl Doppler, und zum Abschluss gibt's sogar noch ein Werk für fünf Flöten, Comme cinq flutes qui bourdinnent, in bester Virtuosentradition komponiert von Martial Nardeau. Es musizieren Ewa Murawska, Gro Sandvik, Gudrun Sigridur Birgisdottir, Ashildur Haraldsdottir, Martial Nardeau, Andrzej Le- gowski und das Kammerorchester Collegium F unter Marcin Sompo- linski.
Samstag, 18. Juli 2009
Destination London (Berlin Classics)

"Music for the Earl of Abingdon", lautet das Motto dieser CD. Ihre Lordschaft, weitgereist, hatte einen erlesenen Musikgeschmack - und spielte offenbar ziemlich ordentlich Flöte. Davon jedenfalls zeugen diese durchweg hübschen Stücke, die von ihm komponiert oder ihm gewidmet wurden - Trios und Quartette von Abel, Stamitz, Johann Christian Bach und Joseph Haydn. Wilbert Hazelzet und Marion Moonen, Traversflöte, Bernadette Verhagen, Viola und Barbara Kernig, Violoncello, interpretieren diese charmante Kammermusik mit hörbarer Spielfreude. Das fällt nicht schwer, denn die klangschönen Kabinettstückchen haben durchaus Anspruch. Umso mehr freut man sich über ihre Wiederentdeckung.
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