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Mittwoch, 8. September 2021

Leclair: Trio Sonatas Op. 4 (Audax)

 

Auf dieser CD wagt sich das Ensemble Diderot an ein Spitzenwerk der französischen Kammermusik des 18. Jahrhunderts: Johannes Pramsohler und Roldán Bernabé, Violine, Gulrim Choï, Violoncello, und Philippe Grisvard, Cembalo, spielen die Triosonaten op. 4 von Jean-Marie Leclair (1697 bis 1764). 

Hört man sich die ersten Aufnahmen des Ensembles an, und vergleicht sie mit dieser, so wird deutlich, welch enorme Entwicklung die Musiker genommen haben. 

Die Beschäftigung mit der Geschichte der Triosonate, und mit wichtigen Kompositionen dieses Genres, trägt hier nun wunderbare Früchte. Das Ensemble Diderot gestaltet Leclairs Sonaten als perfekte Mixtur aus italienischen und französischen Stilelementen – mitunter vermeint man fast, Corelli zu hören; doch dann sind da diese Verzierungen, zu hundert Prozent französisch, und diese alles überstrahlende Eleganz. Hinreißend! 


Sonntag, 3. Januar 2021

The Berlin Album (Audax)

 


Nach Dresden, London und Paris wendet sich das Ensemble Diderot nunmehr mit Berlin einer weiteren Musikmetropole des Spätbarock zu. Erkenntnis nach einem Blick auf die Titelliste: Preußen hat auch ohne den Flöte spielenden König, seinen Cembalisten und seinen Flötenlehrer erstaunlich viel zu bieten. 

Nein, es geht diesmal wirklich nicht um Potsdam; es geht eher um die Anfänge eines genuin bürgerlichen Musiklebens – und in diesem Zusammenhang haben die Violinisten Johannes Pramsohler und Roldán Bernabé, die Cellistin Gulrim Choï und Philippe Grisvard an Cembalo und Fortepiano eine Fülle interessanter Werke entdeckt. Mit Ausnahme einer Triosonate von Johann Philipp Kirnberger (1721 bis 1783) erklingen alle Stücke auf diesem Album in Weltersteinspielungen. 

Musiziert wird mit Eleganz und Temperament. Das Ensemble Diderot lädt uns zum Hörvergnügen ein – wie die Musiker um Johann Gottlieb Janitsch (1708 bis 1763) das Publikum einst in Berlin, bei den ersten öffentlich zugänglichen Konzerten. 


Sonntag, 5. April 2020

The Paris Album (Audax)

Ebenso spannend ist auch das Paris Album, mit dem sich die Musiker der Triosonate in Frankreich vor 1700 zuwenden. Johannes Pramsoler und das Ensemble Diderot haben dafür Kompositionen ausgewählt, die nach dem Tod von Jean Baptiste Lully entstanden sind. Neben bekannten Werken, wie dem Tombeau de Monsieur de Lully von Jean-Féry Rebel (1666 bis 1747), bietet auch diese CD wieder zahlreiche Welt- ersteinspielungen. 
Das Album feiert die die neu gewonnene Freiheit jener Zeit, als die Komponisten begannen, den traditionellen französischen Stil mit Innovationen aus Italien zu verbinden. Das Violoncello spielte dabei übrigens noch keine Rolle; Johannes Pramsohler und Roldán Bernabé musizieren auf dieser CD gemeinsam mit Eric Tinkerhess, Viola da gamba, und mit Philippe Grisvard, Cembalo. 
Nicht nur Lullys pompöser Stil, auch die Monarchie als solche war seinerzeit in die Jahre gekommen. Doch während sich in der Oper das Repräsentative noch längere Zeit behaupten konnte, zeigte sich die Kammermusik deutlich flexibler: „Tous les compositeurs de Paris avoient en ce temps-là la fureur de composer des Sonates à la manière Italienne“, vermeldete Sébastian de Brossard, ein Musiker aus Strasbourg, der nach Lullys Tod eine ganz enorme Musikaliensammlung zusammentrug. Er ist auf dieser CD mit zwei Triosonaten vertreten, ebenso André Campra, außerdem erklingt Musik von Louis-Nicolas Clérambault, Elisabeth Jacquet de la Guerre und François Couperin, Nachfolger Lullys im Amte des Hofkomponisten. Johannes Pramsohler und seine Mitstreiter machen mit ihrem Spiel hörbar, wie italienische Einflüsse und französische Eleganz in einer „réunion des gôuts“, so Couperin, ein neues europäisches Klangideal geprägt haben – das übrigens bis nach Sachsen ausstrahlte: Couperins La Convalescente fand sich im Notenbestand des Dresdner Konzertmeisters Johann Georg Pisendel. 

Samstag, 4. April 2020

The London Album (Audax)

Johannes Pramsohler und seine Kollegen vom Ensemble Diderot – Roldán Bernabé, Barockvioline, Gulrim Choi, Violoncello und Philippe Grisvard, Cembalo – setzen mit dieser CD ihre Entdeckungsreise auf den Spuren der barocken Triosonate quer durch Europa fort. Gestartet waren sie mit dem Dresden Album – und nun, fünf Jahre später, präsentieren die Musiker, was sie in England und in Frankreich entdeckt haben. 
The London Album enthält Triosonaten aus der Zeit vor 1680. Zur Zeit Henry Purcells schätzten englische Komponisten das neue italienische Genre. Doch auch wenn beispielsweise Robert King (um 1660 bis 1726) eine Sonetta after the Italion way schrieb, die hier in Weltersteinspielung erklingt, bleibt der charakteristische britische Sound doch erstaunlich deutlich erhalten. Die drei Triosonaten von Henry Purcell beispielsweise würde man niemals einem Komponisten vom Festland zuordnen. Und auch Kollegen, die von dort nach England kamen, übernahmen erfolgreich dieses musikalische Idiom, wie Werke von Johann Gottfried Keller und Gerhard Diessener zeigen. Beide waren Cembalisten, und kamen aus Deutschland nach London. 
Die Musiker haben für diese CD nicht nur beeindruckende Musikbeispiele aus alten Manuskriptbänden zutage gefördert. Sie haben sich auch mit Lehrwerken der damaligen Zeit auseinandergesetzt, um diese attraktiven Werke obendrein zeitgemäß vortragen zu können. Hochinteressant! 

Dienstag, 4. Dezember 2018

German Cantatas (Audax)

Die alten deutschen Kantaten sind derzeit offenbar groß in Mode. Nun hat auch Johannes Pramsohler mit seinem Ensemble Diderot eine Auswahl dieser beeindruckenden Werke eingespielt, wobei der Geiger natürlich vor allem auch Kantaten mit virtuoser Solovioline herausgesucht hat. 
Und mit der Tenorkantate Ich will in aller Not auf meinen Jesum schauen von Daniel Eberlin (1647 bis nach 1692) enthält diese CD sogar eine Weltersteinspielung – was erstaunt, denn dieses Opus bietet, urteilte Hans Joachim Moser, Herausgeber der Neuedition in der Reihe Das Erbe deutscher Musik, das anspruchsvollste Violinsolo jener Zeit überhaupt. Eberlin wirkte einige Jahre als Kapell- meister in Eisenach und in Kassel. 
In Eisenach musizierten seinerzeit auch der Geiger Johann Ambrosius Bach, der Vater von Johann Sebastian, sowie Johann Pachelbel (1653 bis 1706), auf dieser CD vertreten mit den Kantaten Christ ist erstanden und Ach Herr, wie ist meiner Feinde soviel. Johann Ambrosius' Schwager Johann Christoph Bach (1642 bis 1703) war Organist in Eisenach, und spielte zudem als Cembalist in der Hofkapelle. Von ihm sind einige Kompositionen überliefert; auf dieser CD erklingen Wie bist du denn, o Gott, in Zorn auf mich entbrannt und Ach dass ich Wassers gnug hätte, zwei effektvolle Lamenti. 
Komplettiert wird diese Kollektion protestantischer Kantaten durch das höchst anspruchsvolle Concerto Mein Hertz ist bereit von Nicolaus Bruhns (1665 bis 1697). Er stammte aus einer schleswig-holsteinischen Musiker- dynastie, war ein Schüler Buxtehudes und wirkte in Husum; leider starb er sehr jung. Bruhns muss ein exzellenter Organist ebenso wie ein heraus- ragender Geiger gewesen sein. Und der Bassist, für den er komponierte, war ebenfalls ein erstklassiger Sänger; wer Bruhns' Werke singen will, dem jedenfalls wird einiges abverlangt. 
Nahuel Di Pierro singt mit einem wohlklingenden, samtigen und vor allem auch tiefen Bass. Zu hören sind außerdem die kanadische Mezzosoprani- stin Andrea Hill, der spanische Tenor Jorge Navarro Purves und der britische Bariton Christopher Purves. Bei dieser Einspielung zeigt sich allerdings wieder einmal, dass die alten Musikstücke mit ihrem rhetorischen Gestus durch Nicht-Muttersprachler nur schwer vorzutragen sind. Eindringlichkeit und starken Ausdruck, wie sie für diese klingenden Predigten notwendig sind, vermisst man bei dieser CD ein wenig. Aber dafür kann sich der Hörer auch bei den beiden Kantaten von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 bis 1704), der für die süddeutsch-katholische Kirchenmusik dieser Zeit steht, am hinreißend schönen Geigenspiel von Johannes Pramsohler erfreuen. 

Montag, 7. August 2017

Ristori: Cantatas for Soprano, Oboe Concerto (Audax)

Compositeur de la musique italienne, Kammerorganist, Opernlieferant und geheimer Korrespondent, Kirchen- komponist und schließlich Vize- kapellmeister – Giovanni Alberto Ristori (1692/93 bis 1753) fand am Dresdner Hof seine Lebensstellung. Der Musiker war in Venedig bereits für seine Oper Orlando gefeiert worden, als er 1715 mit der italieni- schen Schauspieltruppe seines Vaters nach Sachsen ging. 
Auch in Dresden war er als Komponist mit seinen Opern hochwillkommen. Besonders wichtig aber wurde er für den Hof als Musiklehrer der sächsischen Prinzessinnen. Nachdem Maria Amalia 1738, gerade einmal 13 Jahre alt, mit Karl, dem König von Neapel und beider Sizilien, verheiratet wurde, wurde auch Ristori nach Italien gesandt. Er glänzte dort mit seinen Opern, erteilte gelegentlich Unterricht – und berichtete dem Dresdner Hof, wie seine Schülerin ihre neue Rolle als Königin und Ehefrau bewältigte. 
Als Ristori 1740 nach Dresden zurückgerufen wurde, brachte er aus Neapel auch die neueste Musik mit. Sie erklang nun im Gottesdienst an der katholischen Hofkirche. Sein üppiges Gehalt und die Ernennung zum Vizekapellmeister unter Johann Adolf Hasse im Jahre 1750 konnte Ristori aber nicht mehr lange genießen. 
Nach dem Tode des Musikers erwarb der Hof seine Notenmanuskripte. Im Druck erschienen ist kein einziges seiner Stücke; neue Komponisten schrieben für den Hof neue Werke, und bald war Ristori vergessen. Um die Jahrhundertwende würdigten einige Musikhistoriker sein Wirken, doch viele der Archivalien, die ihnen noch zur Verfügung standen, gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. 
Das Ensemble Diderot hat sich dennoch auf die Spurensuche eingelassen – und aus den verbliebenen Dresdner Notenbeständen drei Solo-Kantaten und ein brillantes Oboenkonzert herausgesucht. Die Libretti der Kantaten schrieb Maria Antonia, eine Tochter Kaiser Karls VII., die 1747 den sächsischen Kurprinzen Friedrich Christian geheiratet hatte. Diese junge Dame aber war nicht nur in der Dichtkunst höchst versiert; sie scheint auch eine exzellente Sängerin, Lautenistin und Cembalistin gewesen zu sein. 
Ihre Kantaten sind Monologe berühmter Heldinnen: Lavinia muss ihrem Geliebten erklären, warum sie gleich einen anderen heiraten wird. Dido, von Aeneas verlassen, geht in den Tod. Und Nice beklagt sich bitter den wankelmütigen Amor – und über die Trennung von ihrem Tirsis. Ristori hat die Leidenschaft dieser Frauen in entsprechend dramatische Musik umgesetzt. Es ist belegt, dass die Kurprinzessin selbst diese Kantaten gesungen hat – in dieser Aufnahme übernimmt die argentinische Sopranistin María Savastano den durchaus anspruchsvollen Part. Die mehrfach preisgekrönte Sängerin wird begleitet vom Ensemble Diderot unter Leitung seines Konzertmeisters Johannes Pramsohler. 
Komplettiert wird diese CD durch die Weltersteinspielung eines Oboenkonzertes, das Ristori für den Oboenvirtuosen Antonio Besozzi geschrieben hat. Dieses grazile Solo, voll Anmut und Charme, spielt Jon Olaberria; und sobald eine Notenedition verfügbar ist, werden dieses hinreißende Konzert wohl auch andere Ensembles nachspielen. 

Mittwoch, 16. November 2016

Mondonville: Trio Sonatas Op. 2 (Audax)

Das Ensemble Diderot widmet seine jüngste CD den Triosonaten op. 2 von Jean-Joseph Cassanéa de Mondon- ville (1711 bis 1772). Er stammte aus Narbonne, und kam 1733 nach Paris, wo er als Violinvirtuose und Kompo- nist wirkte. 1734 musizierte er erstmals bei den Concerts spirituels; von 1755 bis 1762 stand er dieser Institution dann als directeur vor. 
1739 wurde Mondonville königlicher Konzertmeister und Kammerviolinist, 1744 in Nachfolge von André Campra Intendant der königlichen Hofkapelle. Er komponierte zahlreiche Konzer- te, Sonaten, Opern und Grands Motets; leider ist nur ein Teil seiner Werke überliefert. Dennoch sind in diesem Werk Entdeckungen möglich: Das Ensemble Diderot, mit seiner Leidenschaft für die Triosonate, hat nun die Triosonaten op. 2, im Druck erschienen 1734, in Ersteinspielung vorgelegt. „Mondonville hat hier ein höchst erfolgreiches Nebeneinander an franzö- sischen und italienischen Elementen geschaffen“, erläutert Johannes Pramsohler, Geiger und Gründer des Ensembles: „Flirrende Sechzehntel-Ketten, nach vor drängende Allegros, und eine Bassführung, die nicht nur einfachen harmonischen Halt gibt, sondern das Cello als ebenbürtigen Partner im kontrapunktischen Geflecht agieren lässt, sind dabei die italienischen Elemente. Das Französische findet sich in der Klarheit, die über den Stand der Dinge herrscht, und darin, dass anstelle abgründig-langsamer dritter Sätze gleichsam als Erfrischung charmante Airs im 6/8-Takt gereicht werden.“ 
Johannes Pramsohler erkundet gemeinsam mit Roldán Bernabé, ebenfalls Violine, Kristen Huebner, Traversflöte, Gulrim Choi, Barock-Violoncello und Philippe Grisvard, Cembalo, die eleganten Musikstücke, die sich durchaus als eine Bereicherung des Repertoires erweisen. Sehr hörens- wert! 

Mittwoch, 11. Mai 2016

Meister: Il giardino del piacere (Audax)

„Johann Friedrich Meister ist ein Original-Genie“, stellt Reinhard Goebel fest. Dass der Musiker, der sich im Repertoire und in der europäischen Musikgeschichte auskennt wie kaum jemand, den Komponisten und sein Werk im Beiheft zu dieser CD wohlwollend würdigt, wird nicht verblüffen: Goebels letztes Projekt mit seinem legendären Ensemble Musica Antiqua Köln galt der Musik Meisters. 
Nun vervollständigt das Ensemble Diderot diese Einspielung, die seiner- zeit nur sechs der zwölf 1695 in Hamburg unter dem Titel Il giardino del piacere publizierten Triosonaten umfasste, und stellt bei dem Label Audax die fehlenden sechs Stücke vor. Das lohnt sich, denn dieser Lustgarten bietet durchaus spektakuläre Musik. Meisters Sonaten in Suitenform verknüpfen auf höchst originelle Art norddeutsche und französische Traditionen. Und Johannes Pramsohler musiziert gemeinsam mit Roldán Bernabé, ebenfalls Violine, Gulrim Choi, Violoncello und Philippe Grisvard am Cembalo phänomenal – diese Weltersteinspielung ist ein Ereignis! 

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Montanari: Violin Concertos (Audax Records)

Mit seiner neuesten Einspielung beim eigenen Label Audax präsentiert Johannes Pramsohler gemeinsam mit dem Ensemble Diderot dem Publikum einen vergessenen italienischen Meister: Antonio Maria Montanari (1676 bis 1737). Über Ausbildung und Lehrer dieses Geigers wissen wir nichts. Er stammt wahrscheinlich aus Modena und hat möglicherweise in seiner Jugend einige Jahre in Bologna verbracht; nach Rom ging er Anfang der 1690er Jahre. Dort musizierte er für Kardinal Carlo Colonna, Kardinal Benedetto Pamphilj und Kardinal Pietro Ottoboni; auch bei Veranstaltungen der Adelsfamilien Borghese und Ruspoli wirkte er mit. 
Im Jahre 1713 wurde Montanari dann als Nachfolger des verstorbenen Arcangelo Corelli Vorsteher der Congregazione di Santa Cecilia, der römischen Musikergilde. Er war ein gefeierter Geiger, spielte viele Konzerte, und unterrichtete zudem talentierte Nachwuchsmusiker und große Solisten, wie beispielsweise Pisendel. Außerdem komponierte er – doch seine Werke sind bislang im Konzertleben wenig präsent, weil er wenig veröffentlichte, und so wurde auch nur weniges überliefert. 
Ein solcher Lebenslauf allerdings macht neugierig, denn hervorragende Geiger gab es in Rom damals etliche. Was also war der Grund dafür, dass Montanari von Zeitgenossen gerühmt wurde als „virtuosissimo suonatore di violino“? Johannes Pramsohler hat sich auf die Spurensuche begeben, und stellt auf dieser CD nun seine Entdeckungen vor – Violinkonzerte Montanaris, die in der Tat ausgesprochen originell sind. 
Der Komponist gibt der Sologeige Raum. So lässt er sie auch gern gänzlich unbegleitet erklingen – was er ebenso gern für polyphones Spiel in kunst- voller Mehrfachgrifftechnik nutzt; Pramsohler allerdings hat mit den technischen Herausforderungen, die der Kollege seinerzeit zu Papier gebracht hat, keine Probleme. Mit Engagement, jugendlichem Schwung, schönem Ton und Präzision musiziert er hier gemeinsam mit dem Ensemble Diderot. Eingebettet wurde die CD in ein aufwendiges Media- book. 

Montag, 17. November 2014

The Dresden Album (Audax)

Johann Georg Pisendel (1687 bis 1755) gehört zu den überragenden Musikerpersönlichkeiten seiner Zeit. Der Sohn eines Kantors kam 1697 als Kapellknabe an den Ansbacher Hof. Dort könnte er Geigenschüler von Giuseppe Torelli gewesen sein. Wie gut er sein Instrument beherrschte, darauf deutet jedenfalls die Tatsache hin, dass er bei Hofe als Geiger angestellt wurde, obwohl erst kurz vorher die Zahl der Musiker drastisch reduziert worden war. 1709 reiste Pisendel nach Leipzig, wo er studierte, und nebenher zeitweise das Collegium musicum leitete. Die Studienjahre boten dem Musiker zudem Gelegenheit, renommierte Kollegen wie Telemann, Graupner, Heinichen, Fasch und etliche andere kennenzulernen. Im Januar 1712 wurde er erster Geiger in der Hofkapelle Augusts des Starken, 1728 wurde er schließlich Konzertmeister in diesem Orchester. Pisendel trug wesentlich dazu bei, dass es zu den besten Europas gehörte. 
Sein Dienstherr erkannte die Stärken des jungen Mannes, und schickte ihn zunächst auf Reisen. So weilte er im Gefolge des Kurprinzen in Paris, in Rom und Venedig sowie in Wien – und brachte nicht nur musikalische Anregungen und eine Vielzahl von Notenabschriften, sondern auch freundschaftliche Kontakte zu den Musikerkollegen in den europäischen Metropolen mit. Wie weit das Beziehungsnetz Pisendels reichte, davon gibt die vorliegende CD einen Eindruck. 
Johannes Pramsohler hat für die zweite Veröffentlichung bei seinem Label Audax einige Raritäten eingespielt, die bislang offenbar in den Noten- beständen der Dresdner Hofkapelle schlummerten: Triosonaten von Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann, Johann Friedrich Fasch, Jo- hann Joseph Fux und Frantisek Ignác Tuma; die Werke der letztgenannten drei erklingen immerhin in Weltersteinspielungen. Es ist dies zugleich die Debüt-CD seines Ensembles Diderot; mit Prahmsohler musizieren Varoujan Doneyan, Barockvioline, Gulrim Choi, Barock-Violoncello, und Philippe Grisvard am Cembalo. 
Die Musiker beeindrucken durch ihr exzellentes Zusammenspiel. Insbe- sondere die Cellistin setzt immer wieder spannende Akzente. Die beiden Geiger hingegen musizieren zwar virtuos, aber für mein Empfinden zu grell; ihr Ton ist herausfordernd schrill und ihre Phrasierung oftmals schlicht zu ruppig. Damit werden sie dem galanten Charakter vieler Stücke nicht gerecht, vor allem auch die langsameren Sätze würden durch mehr Wärme und klangliche Abrundung gewinnen. Die Fußstapfen Reinhard Goebels, der seinen jungen Kollegen hier mit einem sehr informativen Text im Beiheft unterstützt, erscheinen momentan für Pramsohler noch etwas groß. Aber die Lust an Entdeckungen, die Neugier auf vergessenes Repertoire haben die Violinisten gemeinsam. Hörenswert sind die sechs Triosonaten auf dieser CD, und die Aufnahme ist zudem in technischer Hinsicht phänomenal. Man hat wirklich den Eindruck, inmitten der Musiker zu sitzen.