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Samstag, 29. Februar 2020

Classic Hauser (Sony)

Auch Stjepan Hauser wendet sich mit seinem ersten Solo-Album der populären Klassik zu. Begleitet wird der Cellist vom renommierten London Symphony Orchestra. Die Arrangements stammen von Robin Smith, der bereits mit Cher, Andrea Bocelli und Lionel Richie gearbeitet hat. Denn Hauser greift auf dieser CD, für die er schlicht den Titel „Classic“ wählte, weit über Repertoiregrenzen hinaus. „Das Album präsentiert eine Auswahl der schönsten und romantischsten Klassikmelodien“, unterstreicht Hauser, „geschrieben von den größten Komponisten, auf dem Cello gespielt, dem schönsten und romantischsten Instrument von allen.“
Im Mittelpunkt steht dabei das Werk Wolfgang Amadeus Mozarts. „Er hat so viele unglaublich schöne zweite Sätze geschrieben, dass mir die Auswahl schwer fiel“, so Hauser. „Letztlich haben wir uns für die langsamen Sätze seines Klarinettenkonzerts und des Klavierkonzerts Nr. 21 entschieden - beide sind sehr schlicht und anrührend. Außerdem ist das ›Lacrimosa‹ aus Mozarts Requiem zu hören, eine der traurigsten Melodien, die je geschrieben wurden, und eine der letzten, die er zu Papier brachte. Der Celloklang ist hier ungemein ergreifend.“
Eröffnet wird das Album allerdings mit einer berühmten Melodie aus Tschaikowskis Ballett Schwanensee. Und auch im weiteren Verlauf wird der Zuhörer so manches bekannte Stück wiederfinden, gefühlvoll arrangiert für Solo-Cello und Begleitorchester. Wie wunderbar das Cello singen kann, das demonstriert Hauser beispielsweise mit der Arie Lascia ch'io pianga aus Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo. „Ich liebe dieses Stück heiß und innig“, bekennt Hauser. „Diese Arie ist wie gemacht für das Cello. Ich kann kaum glauben, dass sie in all den Jahrhunderten, seit es sie gibt, nie zuvor auf dem Cello gespielt wurde.“ Nun also, ganz ehrlich – das glauben wir auch nicht. Denn sie gehört von jeher zu den Favoriten im Hauskonzert-Repertoire. Selbst unser Geigenkind, eigentlich gar nicht dazu bereit, über das normale Pensum hinaus zu üben, hat dieses Stück einst selbst ausgesucht und mit Feuereifer einstudiert, um es in der Schule gemeinsam mit Klassenkameraden zu spielen. Egal – Musik begeistert! Und wer den Klang eines Violoncellos liebt, der wird diese klassische Blütenlese mögen, zumal nicht alle Stücke auf dem Album gleichermaßen populär sind. Nur schade, dass es so düster endet. Denn wenn nach Mozarts Lacrimosa noch Barbers Adagio for Strings erklingt, dann kann das einem final schon die Stimmung eintrüben.


Donnerstag, 3. Mai 2018

John Williams - A Life in Music (Decca)

Lang ist die Liste der Filmmusiken, die John Williams (*1932) komponiert hat. Und beinahe ebenso lang ist die Liste der Auszeichnungen, die er dafür erhalten hat, darunter mehrere Oscars und Grammys. So hat Williams die Musik zu nahezu allen Filmen des Regisseurs Steven Spielberg geschrieben. 
Diese CD fasst wichtige Meilensteine zusammen. Sie enthält Melodien aus Der weiße Hai, Jurassic Park, E.T. – Der Außerirdische, Hook, Der Soldat James Ryan, Schindlers Liste und Jäger des verlorenen Schatzes. Zu hören sind zudem Hedwigs Thema aus Harry Potter und der Stein der Weisen, der Superman-Marsch und natürlich die Titelmelodie aus Star Wars
Neu eingespielt hat all diese Filmhits das London Symphony Orchestra unter Leitung von Gavin Greenway, einem Dirigenten, der mit Filmmusik sehr viel Erfahrung hat. Das Album ist insgesamt mit großer Sorgfalt erarbeitet worden. So kann man in dem schön gestalteten Beiheft nachlesen, wie sehr die beteiligten Musiker John William und seine Werke schätzen. „John William's music will be as long-lasting as Beethoven's and I feel truly privileged to have worked with him“, sagt beispielsweise Tim Hugh, Solocellist des LSO, „as well as having now performed his newly-arranged version of the Schindler's List theme.“ Rundum gelungen! 

Samstag, 1. März 2014

Mozart: Concert Arias; Villazón (Deutsche Grammophon)

Nicht alle Arien von Wolfgang Amadeus Mozart sind so bekannt, dass man die Melodien mitpfeifen könnte. Das mag zum einen daran liegen, dass nicht alle Opern des Komponisten gleichermaßen populär sind. Einige hat er ohnehin niemals fertiggestellt. Zum anderen aber hat Mozart auch Einlage-Arien für Opern anderer Komponisten geschrieben. Es gab damals regelrechte „Koffer-Arien“, maßgeschneidert als Bravour- stücke für berühmte Solisten, damit sich die reisenden Sänger vor dem Publikum von ihrer besten Seite präsentieren konnten. Arien sind auch speziell für Konzerte entstanden. 
„Als ich in einem Münchner Musikgeschäft nach Partituren von Don Giovanni und Così fan tutte suchte, fiel mir eine Ausgabe von Mozarts Konzert-Arien für Tenor in die Hände“, berichtet Rolando Villazón. „Damals kam mir sofort die Idee, sie einzuspielen. Als ich dann einige Zeit später, im Mai 2011, die Titelrolle in Massenets Werther am Royal Opera House in London übernahm, fragte ich den Dirigenten Antonio Pappano, ob er Lust habe, diese Stücke mit mir aufzunehmen.“ 
Pappano hatte – und so entstand dann die vorliegende CD mit dem London Symphony Orchestra und zehn Arien, die so abwechslungs- reich sind wie das Leben selbst. Darunter findet sich Mozarts aller- erstes Vokalwerk überhaupt, das er 1765 während seines Aufenthal- tes in London geschrieben hat – damals war er neun Jahre alt – wie eine Huldigung an einen Erzbischof oder eine Arie, mit der Mozart einen Sänger für sich einnehmen wollte. Komische Stücke sind darunter, leidenschaftliche und erhabene. Es sind überwiegend Werke des jungen Mozart; doch sie sind durchweg ausdrucksstark und an- spruchsvoll. 
Villazón hat Vergnügen an den Einfällen Mozarts. Hörbar wird dies insbesondere bei Con ossequio, con rispetto, wo der Sänger lautstark mit Komplimenten um sich wirft – und beiseite halblaut das aus- spricht, was seine Figur wirklich denkt. Stimmlich gefällt er mir am besten dort, wo Villazón ganz schlicht singt, ohne Hochdruck und ohne Verdi-Pathos. Das London Symphony Orchestra begleitet inspiriert. 

Donnerstag, 2. Juni 2011

Mozart: Piano Concertos No. 24 & 25; Tryon (APR)

Eine unspektakuläre Aufnahme der Mozart-Klavierkonzerte Nr. 24 in c-Moll KV 491, und Nr. 25 in C-Dur KV 503, ergänzt um das Rondo in A-Dur KV 386 in einer rekonstru- ierten Version von Alan Tyson und Charles Mackerras - ein schönes Stück, das aber nach Mozarts Tod zerpflückt und, buchstäblich in Einzelteilen, in alle Winde zerstreut wurde. 
Der Zauber dieser Einspielung mit Valerie Tryon und dem London Symphony Orchestra unter Robert Trory erschließt sich erst bei mehrmaligem aufmerksamen Hören. Die britisch-kanadische Pianistin musiziert sehr dezent, gänzlich ohne Starallüren, und spielt sehr harmonisch mit dem Orchester zusam- men. So ergeben sich wunderschöne Passagen, insbesondere im Dialog zwischen den Bläsern und dem Klavier. 
Außerordentlich interessant aber ist die Kadenz, die Tryon im c-Moll-Konzert spielt. Sie stammt von Leopold Godowsky (1870 bis 1938), einem der führenden Klaviervirtuosen jener Tage, die heute gern als das "Goldene Zeitalter" des Klavierspiels bezeichnet werden. Dieser "Pianist der Pianisten", dessen Werke durch ihre Komplexität ebenso berücken wie durch ihre reiche, farbige Harmonik, schuf für Mozarts Konzert eine Kadenz, die wie ein postromantischer Kommentar zu diesem Lieblingskonzert der Romantiker wirkt. Man meint, neben der Bewunderung für Mozarts Werk hier und dort auch Ironie wahrzu- nehmen, die wohl der zeitgenössischen Rezeption galt. 
Die Pianisten können damit offenbar wenig anfangen; deshalb ist dies die Ersteinspielung von Godowskys Kadenz. Bei aller Modernität ist sie spannend genug, und kann mit der gern gespielten von Mozarts Schüler Johann Nepomuk Hummel mehr als nur mithalten. Wem sie zu kühn ist, der kann aber auch Hummels Kadenz wählen - sie ist als Anhang auf dieser CD ebenfalls zu finden.