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Dienstag, 31. Juli 2018

Rosetti: Symphonies & Concertos (MDG)

Zeitgenossen rühmten sein Talent für lyrische Melodik, seine phantasie- volle Instrumentation und seinen Sinn für dynamische Nuancen. Hört man die Musik Antonio Rosettis (um 1750 bis 1792), so erscheint es unbegreiflich, wie dieser vortreffliche Komponist in Vergessenheit geraten konnte. 
Über seinen Werdegang wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. Vorzustellen ist heute eine Sonderedition, in der MDG zwei Einspielungen von Orchesterwerken des Meisters, der aus Böhmen stammt und eigentlich Anton Rösler oder Rössler hieß, zusammengefasst und neu veröffentlicht hat. 
Aufgezeichnet wurden sie bereits 2001 und 2002; es musizieren die Hamburger Symphoniker, dirigiert vom Rosetti-Spezialisten Johannes Moesus. Neben fünf Sinfonien, darunter die bekannte „La Chasse“ mit deutlich erkennbaren Jagdszenen, erklingen auch je ein Konzert für Flöte und Oboe und Orchester, und eine faszinierende „Simphonie Concertan- te“, in der zwei Soloviolinen wetteifern, bevor dann im abschließenden Rondo Oboen und Hörner mit jagdlichen Klängen aufwarten. Die Solisten sind Susanne Barner, Flöte, Christian Specht, Oboe, sowie Stefan Czermak und Akiko Tanaka, Violine. 

Samstag, 18. Oktober 2014

Hertel: Jauchzet dem Herrn alle Welt (cpo)

Erneut hat cpo Werke von Johann Wilhelm Hertel (1727 bis 1789) veröffentlicht. Nach dem Weih- nachtsoratorium und der Passions- kantate Der sterbende Heiland ist dies bereits die dritte CD mit Musik des Schweriner Hofkapellmeisters. Hertel stammte aus Eisenach. Sein Vater, Johann Christian Hertel, Konzertmeister der dortigen Hofka- pelle, legte größten Wert auf seine exzellente Ausbildung. Deshalb erhielt der Knabe nicht nur Unterricht bei seinem Vater sowie Lektionen auf dem Cembalo bei dem Bach-Schüler Johann Heinrich Heil; er besuchte auch das Gymnasium und lernte dort eifrig Latein, Griechisch und den damals üblichen Schulstoff von der Mathematik bis hin zur Geschichte. Als Hertel 14 Jahre alt war, starb der Herzog, und die Kapelle wurde aufgelöst. Hertel senior ging als Konzert- meister nach Neustrelitz; der Sohn blieb in Zerbst bei Carl Höckh und erlernte dort das Geigenspiel. Hertels nächster Lehrer wurde Franz Benda, ein berühmter Geiger und ein ebenso guter Sänger. Mit ihm spielte Hertel wohl auch in der Hofkapelle Friedrichs II. von Preußen. 
Was er in Zerbst und in Berlin gelernt hatte, konnte Hertel bald brauchen, denn er durfte seinen Vater vertreten, als dieser erkrankte. So wurde der junge Musiker Leiter der Neustrelitzer Hofkapelle; als sein Dienstherr starb, wechselte er dann 1754 nach Schwerin. Dort hatte er ein anregendes Umfeld und anspruchsvolle Aufgaben. So komponierte er eine Vielzahl von Kantaten. Sie beruhen oftmals auf Chorälen, wie es Herzog Friedrich zur Unterweisung seiner Untertanen im pietistischen Geiste wünschte. Die vorliegende CD enthält eine Auswahl von Kantaten und Motetten, die für den Gottesdienst am Hofe von Mecklenburg-Schwerin entstanden sind. Neben der Sinfonia aus der Kantate auf das Geburtstagsfest des Herzogs, die mit Trompeten und Pauken glänzt, ist zudem die fünfteilige Friedens- musik zu hören, mit der in der Schweriner Schlosskirche das Ende des Siebenjährigen Krieges gefeiert wurde. Die ausdrucksstarke Musik, die mitunter ziemlich modern klingt, wird vorgetragen von Katrin Hübner, Sopran, Andreas Weller, Tenor, dem NDR-Chor und dem Mecklenbur- gischen Barockorchester „Herzogliche Hofkapelle“ unter Johannes Moesus. 

Samstag, 21. August 2010

Goepfert: 3 Clarinet Concerts (cpo)

Andreas Goepfert, geboren 1768 in Rimpur bei Würzburg, gehört zur großen Schar jener Musiker, die fleißig und auch tüchtig waren, aber dennoch nicht die Aufmerk- samkeit des breiten Publikums auf sich und ihr Werk lenken konnten.
Goepfert erhielt in Würzburg eine solide musikalische Ausbildung, insbesondere auf der Klarinette - und anschließend, wohl auf Empfehlung seines Lehrers Philipp Meissner, eine Anstellung als Hof- musiker und Erster Klarinettist in Meiningen. 1793 wurde er zum Cammermusicus ernannt.
Glücklich ist er dort nicht geworden. Denn die kleine Residenz erwies sich als Gefängnis. Goepfert muss sich regelmäßig um Urlaub bemüht haben, um sich musikalisch weiterzubilden. Er wäre gern Schüler Mozarts geworden; doch selbst nach Mozarts Tod durfte er einem Ruf aus Wien nicht folgen - die Dienstherrschaft ließ ihn nicht, Punktum. 
Goepferts Gesundheitszustand verschlechterte sich. Bald wird er nicht mehr als Bläser benannt, sondern nur noch als Komponist. Als er 1818 starb, waren seine Vermögensverhältnisse so miserabel, dass seine Witwe sich selbst und zwei Kinder durch den Verkauf von Trockenfisch und Tabakwaren durchbringen musste.
Diese CD stellt seine Klarinettenkonzerte op. 35 in Es-Dur, op. 20 in B-Dur und op. 14 in Es-Dur vor. Es sind typische Werke des Virtuosenzeitalters - ganz auf den Solisten zugeschnitten, dessen Part in den schnellen Sätzen möglichst effektvoll und in den langsamen Sätzen klangschön sanglich-beseelt gestaltet wurde, flankiert von einer mal mehr, mal weniger gelungenen Orchesterbegleitung. Das hat schöne Stellen, aber auch einige Ecken und Kanten, die dem Hörer weniger gelungen erscheinen. 
Ähnliches lässt sich auch von dieser Aufnahme sagen. Klöcker, Professor für Klarinette und Bläserkammermusik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg/Br., spielt sehr solide, aber nicht überragend. Das gilt ebenso für die Jenaer Philharmonie, Thüringens größtes Konzertorchester, das hier von Johannes Moesus geleitet wird.