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Dienstag, 28. Januar 2020

Louis Spohr - The Clarinet Concertos (Orfeo)

Louis Spohr (1784 bis 1859) war als Violinvirtuose einst ein europäischer Superstar; er war ebenso populär wie Paganini. Doch anders als sein italienischer Kollege war Spohr stets darauf bedacht, seine Kenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben. Und so unterrichtete er auch enorm viele Schüler – es sollen mehr als 200 gewesen sein. Außerdem war Spohr auch als Komponist eine Instanz. 
Seine vier Klarinettenkonzerte konnten sich bis heute im Repertoire halten. Geschrieben hat Spohr sie seinerzeit für Johann Simon Hermstedt. Dieser musizierte im thüringischen Sondershausen als Mitglied der Hofkapelle, und er muss ein exzellenter Klarinettist gewesen sein. Denn Spohrs Konzerte gelten bis heute als Herausforderung; wichtig waren ihm „schöner Ton“, „reine Intonation“ und „immense Fertigkeit“. Und gleich im ersten Konzert überschritt Spohr den damals verfügbaren Tonumfang der Klarinette – was Hermstedt dazu veranlasste, sich ein neues Instrument bauen zu lassen, mit dem das Konzert dann spielbar war. 
Diese Doppel-CD präsentiert Spohrs Klarinettenkonzerte komplett, in einer sehr gelungenen Studio-Einspielung aus dem Jahre mit dem Solisten Karl Leister und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart unter Leitung von Rafael Frühbeck de Burgos. 

Dienstag, 1. November 2016

Stamitz: 10 Klarinettenkonzerte (Tudor)

Es ist kein Wunder, dass Wolfgang Amadeus Mozart von diesen Klängen schwärmte. „Ach, wenn wir auch nur clarinetti hätten! Sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten für einen herrlichen Effect macht!“, schrieb der junge Mozart 1778 nach Salzburg an seinen Vater. 
Die Verwendung der Holzbläser als Gruppe im Orchester war eine jener Neuerungen, die die Mannheimer Hofkapelle zur musikgeschichtlichen Entwicklung beigetragen hat. Wäh- rend der Regierungszeit des Kurfür- sten Karl Theodor wurde das Orchester, besetzt mit sagenhaften 90 Musi- kern, zu einem der besten Ensembles der Welt. Und diese Instrumentali- sten spielten nicht nur virtuos; viele von ihnen komponierten auch, und setzten dabei gezielt auf die einzigartigen Möglichkeiten der Hofkapelle. Bei Tudor sind nun in einer drei-CD-Box zehn Klarinettenkonzerte von Carl Stamitz (1745 bis 1801) erschienen. Es sind mit die ersten Konzerte für Klarinette überhaupt, und sie sind Meisterwerke. Wer sie angehört hat, der ahnt zudem, wieviel Mannheim in der sogenannten Wiener Klassik steckt. 
Eduard Brunner spielt diese Konzerte mit Engagement und enormer Spielfreude. Ihm zur Seite musiziert das Münchner Kammmerorchester unter Hans Stadlmair, das dem Solisten ein exzellenter Partner ist. 

Mittwoch, 11. Februar 2015

Müller: Concertos for clarinet and orchestra / Duo concertante (MDG)

Über Leben und Werk von Iwan Müller (1786 bis 1845) wurde in diesem Blog bereits ausführlich berichtet. Der Klarinettenvirtuose war bereits vor seinem 20. Geburtstag Mitglied der Hofkapelle des russischen Zaren in St. Petersburg. Müller engagierte sich sehr für die Weiterentwicklung der Klarinette. So warb er auf Tourneen quer durch Europa für seine Clarinette omni- tonique; seine Aktivitäten scheiterten allerdings, als eine hochkarätig besetzte Kommission des Pariser Conservatoire 1812 die Innovation ablehnte. Die Experten wollten die Klangfarben der herkömmlichen Instrumente erhalten – und Müllers Klarinettenfabrik war damit bankrott. Der Musiker ging wieder auf Konzertreisen; seine letzten Lebensjahre verbrachte Müller als Kammermusikus im Dienst der Fürsten von Schaumburg-Lippe in Bückeburg. 
Friederike Roth, die Klarinettistin des Berolina Ensembles, stellt auf dieser CD einige der Werke vor, mit denen Müller einst dem Publikum und den Kollegen die Möglichkeiten seines Instrumentes exemplarisch aufgezeigt hat. Dem Zuhörer wird dies einiges Vergnügen bereiten. Denn die Klarinettenkonzerte von Iwan Müller erweisen sich als Bravourstücke, die sich eher am Vorbild des Belcanto als am sinfonischen Konzert des 19. Jahrhunderts orientieren. Der Virtuose demonstrierte, dass er mit seiner Klarinette ebenso flexibel agieren konnte wie ein Sänger. Besonders deutlich wird dies im Duo concertante Es-Dur op. 23, einem brillanten Zwiegesang, der klingt, als entstammte er der Feder von Rossini. Auf ein Cantabile folgt eine Cabaletta voll Witz und Esprit. Friederike Roth musiziert hier gemeinsam mit Johannes M. Gmeinder. Begleitet werden die Solisten vom Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus unter Evan Christ. 

Samstag, 20. Juli 2013

Portraits - The Clarinet Album; Ottensamer (Deutsche Grammophon)

Kann es sein, dass viele Menschen heutzutage besser sehen als hören können? Im Februar 2013 nahm die Deutsche Grammophon Andreas Ottensamer exklusiv unter Vertrag – als ersten Solo-Klarinettisten überhaupt. Natürlich beherrscht der Österreicher sein Instrument exzellent, er ist schließlich Solo-Klarinettist bei den Berliner Phil- harmonikern.
Doch um zu einem Debütalbum bei einem Major zu kommen, sollte man offenbar zusätzlich jung und attraktiv sein – und nichts dagegen haben, auch so beworben zu werden. Hervorragende Klarinettisten gibt es etliche. Was also zeichnet den Musiker Ottensamer aus?
Da wäre ganz sicher seine Experimentierlust zu nennen. Ottensamer spielt nicht nur Klarinettenkonzerte – neben Klassikern von Spohr und Cimarosa ist hier auch ein interessantes Stück von Aaron Copland zu hören –, er präsentiert auch Musikstücke, die ursprünglich für ganz andere Instrumente entstanden sind. Drei Arrangements dafür hat ihm sein Jugendfreund Stephan Koncz geschrieben, der als Cellist bei den Berliner Philharmonikern musiziert.
Das hat Konsequenzen: „Dieses Album stellt den Interpreten vor die Herausforderung, zwischen verschiedenen Stilen und Spieltechniken zu wechseln“, erläutert Ottensamer; „gleichzeitig habe ich aber großen Wert darauf gelegt, immer meine persönliche Interpretation und meinen Klang zu bewahren.“ Der ist in der Tat ziemlich eigen, denn Ottensamer spielt eine Wiener Klarinette, die eine weitere Bohrung hat als deutsche Instru- mente – und das macht ihren Klang wärmer, dunkler und voluminöser. The Rotterdam Philharmonic Orchestra begleitet ihn unter der Leitung von Yannik Nézet-Séguin.

Montag, 14. Januar 2013

Louis Spohr - The forgotten master (Alpha)

Die vier Klarinettenkonzerte von Louis Spohr (1784 bis 1859) hat Paul Meyer gemeinsam mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne eingespielt. Man fragt sich, warum man diese wunder- volle Musik noch nie gehört hat - weder im Konzertsaal, noch vollständig auf CD. Sabine Meyer hat, wenn ich mich recht erinnere, zwei davon eingespielt - andere Aufnahmen sind mir jedenfalls nicht bekannt.
Auch die anderen Werke Spohrs haben im Musikleben heutzutage kaum eine Bedeutung. Dabei galt der Kasseler Hofkapellmeister nach Mendelssohns und Beethovens Tod unangefochten als der führende deutsche Komponist, und zudem teilte er sich mit Paganini in den Ruhm des größten Violinvirtuosen seiner Zeit.
Spohrs Klarinettenkonzerte erweisen sich als überaus gelungene Kompositionen, die an Mozarts einziges Konzert anknüpfen. Sie sind ausgesprochen feinsinnig, und bis in die Orchesterbegleitung hinein mit Sorgfalt ausgearbeitet. Meyer begeistert mit seinem traumhaft schönen Ton und der Noblesse seiner Interpretation. Er spielt großartig, und wer ihn spielen hört, der denkt keine Sekunde daran, dass der Solopart sämtlicher Spohr-Konzerte als überaus schwierig gilt. Noch heute gehören seine Werke zu den technisch anspruchs- vollsten der Konzertliteratur. 
Das liegt daran, dass Spohr sie für einen Klarinettisten komponierte, der selbst ein Ausnahmevirtuose war: Johann Simon Hermstedt (1778 bis 1846) stammte aus dem thüringischen Langensalza, und war zunächst Premier-Hautboist und schließlich Hofkapellmeister in Sondershausen. Mit Spohr war er befreundet; die beiden Musiker hatten einander kennengelernt, als Spohr Konzertmeister im nahe- gelegenen Gotha war. Das erste Klarinettenkonzert bestellte 1808 Hermstedts Dienstherr, Günther Friedrich Karl I. von Schwarzburg-Sondershausen, der das Instrument auch selbst spielte - allerdings auf Liebhaber-Niveau. 
Spohrs Werk freilich war selbst für den Profi unspielbar. Hermstedt aber veränderte lieber seine Klarinette, als Änderungen einzufordern. Diese Anstrengungen zahlten sich aus, denn im Winterhalbjahr ging der Virtuose regelmäßig auf Konzertreisen. Die Kritik stand Kopf; selbst im musikbesessenen Dresden schwärmte die Zeitung: "In solcher Vollkommenheit hörten wir dieses Instrument noch nicht." Wer Meyer zuhört, der möchte die Musikalität dieses Klarinettisten und seine extrem gute Technik mit ähnlichen Superlativen bedenken. Das Kammerorchester sekundiert einmal mehr ganz phantastisch. Bravi! 


Samstag, 25. August 2012

von Weber: Clarinet Concertos No. 1 & 2 (MDG)


Als Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) es hörte, war das berühmte Mannheimer Orchester bereits nach München umgezogen. Dennoch hatte es offenbar seine Qualitäten bewahrt; der Komponist jedenfalls zeigte sich beeindruckt, und schuf für den Soloklarinetti- sten Heinrich Joseph Baermann ein Concertino.
Das hübsche Werk, das sich durch eine Vielzahl reizvoller Melodien und klug eingesetzte Klangfarben auszeichnet, wurde im April 1811 uraufgeführt. Es gefiel sowohl dem Publikum als auch den Musikern, und Weber berichtete in einem Brief: „Seit ich für Bärmann das Concertino componirt habe, ist das ganze Orchester des Teufels und will Concerte von mir haben. Sie überlaufen den König und die Intendance, und wirklich ist dermalen für ziemlichen Preiß bei mir bestellt, 2 Clarinett Concerte /: wovon eines aus F moll schon beynah ganz fertig ist :/ 2 große Arien. 1 Violoncell Concert für Legrand. 1 Fagott Concert. du siehst daß ich da nicht übel zu thun habe.“
Mit Baermann war Weber bald eng befreundet. Die beiden Musiker gingen gemeinsam auf Konzertreisen, und blieben zeitlebens in brieflichem Kontakt. Die beiden Klarinettenkonzerte in f-Moll und Es-Dur sowie das Concertino gehören bis heute zum Repertoire. Allerdings hatte sie Baermanns Sohn Carl, der ebenfalls Klarinette spielte, in einer etwas eigenwilligen Form ediert, die erst durch die Weber-Gesamtausgabe korrigiert wurde.
Hier erklingt die Version, die der Komponist seinerzeit tatsächlich zu Papier gebracht hat – mit zahlreichen verblüffenden Details, bei- spielsweise der Ausführung eines Hornsatzes mit Dämpfern, und in den ursprünglich vorgegebenen Tempi. Das sorgt für Kontraste und auch für Hörvergnügen, denn das Orchester M18 spürt solchen Feinheiten mit Leidenschaft nach. Das kommt nicht nur den drei Klarinetten-Werken zugute, die die jungen Musiker gemeinsam mit Martin Spangenberg, ehemals erster Soloklarinettist der Münchner Philharmoniker und seit 2004 Professor in Weimar, erkunden. Die CD enthält darüber hinaus Webers Ouvertüren zu Beherrscher der Gei- ster und zu seiner Oper Oberon, dem letzten Werk des Komponisten vor seinem frühen Tod 1826 in London. Hier zeigt das Orchester M18 Sinn für romantische Klangwelten – und Spaß am Übersinnlichen, denn ins Reich der Geister führen beide. 

Samstag, 21. August 2010

Goepfert: 3 Clarinet Concerts (cpo)

Andreas Goepfert, geboren 1768 in Rimpur bei Würzburg, gehört zur großen Schar jener Musiker, die fleißig und auch tüchtig waren, aber dennoch nicht die Aufmerk- samkeit des breiten Publikums auf sich und ihr Werk lenken konnten.
Goepfert erhielt in Würzburg eine solide musikalische Ausbildung, insbesondere auf der Klarinette - und anschließend, wohl auf Empfehlung seines Lehrers Philipp Meissner, eine Anstellung als Hof- musiker und Erster Klarinettist in Meiningen. 1793 wurde er zum Cammermusicus ernannt.
Glücklich ist er dort nicht geworden. Denn die kleine Residenz erwies sich als Gefängnis. Goepfert muss sich regelmäßig um Urlaub bemüht haben, um sich musikalisch weiterzubilden. Er wäre gern Schüler Mozarts geworden; doch selbst nach Mozarts Tod durfte er einem Ruf aus Wien nicht folgen - die Dienstherrschaft ließ ihn nicht, Punktum. 
Goepferts Gesundheitszustand verschlechterte sich. Bald wird er nicht mehr als Bläser benannt, sondern nur noch als Komponist. Als er 1818 starb, waren seine Vermögensverhältnisse so miserabel, dass seine Witwe sich selbst und zwei Kinder durch den Verkauf von Trockenfisch und Tabakwaren durchbringen musste.
Diese CD stellt seine Klarinettenkonzerte op. 35 in Es-Dur, op. 20 in B-Dur und op. 14 in Es-Dur vor. Es sind typische Werke des Virtuosenzeitalters - ganz auf den Solisten zugeschnitten, dessen Part in den schnellen Sätzen möglichst effektvoll und in den langsamen Sätzen klangschön sanglich-beseelt gestaltet wurde, flankiert von einer mal mehr, mal weniger gelungenen Orchesterbegleitung. Das hat schöne Stellen, aber auch einige Ecken und Kanten, die dem Hörer weniger gelungen erscheinen. 
Ähnliches lässt sich auch von dieser Aufnahme sagen. Klöcker, Professor für Klarinette und Bläserkammermusik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg/Br., spielt sehr solide, aber nicht überragend. Das gilt ebenso für die Jenaer Philharmonie, Thüringens größtes Konzertorchester, das hier von Johannes Moesus geleitet wird.