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Freitag, 23. Februar 2018

Inner Chambres (Naxos)

Welche Musik hörte Ludwig XIV., der Sonnenkönig, in seinen privaten Räumen? Einen Eindruck davon gibt das Ensemble Les Ordinaires auf dieser CD. Les Ordinaires du Roi wurden einst die Musiker genannt, die in kleinstem Kreise für den Herrscher spielten. Besonders geschätzt wurde die Kombination aus Traversflöte, Viola da gamba und Theorbe, daher auch als „königliches Trio“ bezeichnet. 
Leela Breithaupt, Erica Rubis und David Walker haben Werke herausgesucht, wie sie einst in Versailles erklungen sind. Ihr Programm beginnt mit einem Prelude aus L'Art de préluder sur la flûte traversière von Jacques-Martin Hotteterre. Mit Suiten vertreten sind François Couperin, Jean Marais und Michel Pignolet de Montéclair. Auch zwei populäre Lieder tragen die Musiker vor, bevor schließlich eine betörende Chaconne aus den Trios de la Chambre 'pour le Choucher du Roi' von Jean-Baptiste Lully den Schlusspunkt setzt. Hier übernimmt Allison Nyquist, Barockvioline, die zweite Melodiestimme. 

Donnerstag, 27. Juni 2013

La Carte de Tendre (Musicaphon)

„Wenn man sich an dem Ort, an dem man weilt, gut unterhält, braucht man das Vergnügen nicht anderswo zu suchen“, schrieb Madeleine de Scudéry (1607 bis 1701) in ihrem galanten Roman Clélie. Sie notierte dies natürlich auf Französisch, und sie hatte zudem die geniale Idee, ihre Heldin eine Carte de Tendre zeichnen zu lassen – eine Karte der Zärtlichkeit. Das machte ihr Buch zum Best- seller, wie man heute wohl sagen würde. 
Diese Karte zeigt den Weg in ein Reich der kultivierten Liebe, frei von niedrigen Trieben und vor allem frei von Leidenschaft, die durch einen Gleichklang der Seelen abgelöst wird. „La carte de Tendre als Abbild der Bedeutung, die der detaillierten Beschäftigung mit den Gefühlen und der Liebe im besonderen zugemessen wurde, findet ihr Pendant in den unzähligen und höchst differenzierten Satzbezeich- nungen der Musik am Hofe von Versailles“, berichtet Ulrike Volk- hardt im Beiheft zu dieser CD. Die Blockflötistin hat gemeinsam mit Ann Morgan, Cembalo, Musik aus der Zeit Ludwigs XIV. eingespielt. Dafür stellte Professor Andreas Beurmann ein ausgesprochen klangschönes, originales Ruckers-Cembalo aus seiner Sammlung zur Verfügung. Wer gern Blockflötenmusik hört, der wird sich durch dieses anspruchsvolle bis virtuose Programm gut unterhalten fühlen. 

Mittwoch, 9. Januar 2013

Montéclair: Cantatas à voix seule (BIS)

Über den Lebensweg von Michel Pignolet de Montéclair (1667 bis 1737) wurde in diesem Blog bereits ausführlich geschrieben. Seine Kammerkantaten führen in die Welt der Nymphen und Schäfer, in die Antike, wie sie im Rokoko gesehen wurde - als Kulisse für höfische Grazie, Leichtigkeit und Amüsement. Nicht die Tragödie, sondern das Idyll war gefragt. Es ist doch erstaunlich, wie die bekannten Geschichten aus Vergils Aeneis auch das hergeben, wenn man sie etwas bearbeitet.  Im Mittelpunkt dieser Werke steht die Stimme des Sängers, eingebettet in ein kleines Ensemble, das dennoch erstaunliche Klangeffekte erzielen kann. 
Insbesondere die Violinen werden hier sehr vielseitig eingesetzt - sie imitieren ebenso die Jagdhörner Dianas wie Friedenstrompeten, Dudelsäcke oder die Pfeife Pans. Mit einer erstaunlichen Palette an Klangfarben glänzen Musiker des Ensembles London Baroque: Ingrid Seifert und Richard Gwilt, Violine, Charles Medlam und William Hunt, Viola da gamba, und Steven Devine am Cembalo. 
Es ist dies allerdings die erste CD, auf der mich Emma Kirkby, eigent- lich eine großartige Sopranistin, nicht vollends überzeugt. Ihre Stimme lässt Leichtigkeit und Eleganz vermissen, sie klingt ange- strengt und hat diese ätherische Aura verloren, die ich bislang an ihr so bewundert habe. Schade. 

Sonntag, 13. November 2011

Pignolet de Montéclair: Six Concerts à deux Flutes Traversières sans Basses (Ramée)

Michel Pignolet de Montéclair (1667 bis 1737) stammt aus der Stadt Andelot, die von der gewaltigen Festung Montéclair beherrscht wurde, bis beide im Dreißigjährigen Krieg verwüstet wurden. Als der kleine Michel dort als Sohn eines Webers aufwuchs, waren davon allenfalls einige Mauerreste übrig.
Als Achtjähriger wurde Michel Pignolet Chorknabe an der Kathe- drale von Langres. 1686 beendete er seine Ausbildung an dieser Domschule. Mit seinem Zeugnis, neuen Kleidern und 60 Livres ging er ein Jahr später nach Paris, wo er 1695 unter dem Namen Montéclair als "Tanz- und Musikmeister dritter Klasse" im Steuerregister eine Spur hinterlassen hat. Auch in den Katalogen der Musikverleger ist sein Name nun zu finden. 
Im Dienst Karl-Heinrichs von Lothringen-Vaudémont, Fürst von Commercy und Gouverneur von Mailand, verbrachte der Musiker offenbar einige Zeit in Italien. 1699 wurde er als Bassviolinist in das Orchester der Académie Royale de Musique aufgenommen. Er setzte sich erfolgreich dafür ein, dass der Kontrabass in dieses Orchester integriert wurde, und spielte das Instrument dann wohl auch selbst. In seiner freien Zeit unterrichtete Montéclair, und schrieb vier Lehrbücher. Zu seinen Schülern gehörte unter anderem eine Tochter von Francois Couperin.
Leider sind nur sehr wenige Werke von Montéclair überliefert. Dazu gehören auch die Sechs Konzerte für zwei Traversflöten ohne Generalbass, die Marie-Céline Labbé und Marion Treufel-Franck auf der vorliegenden Doppel-CD erstmals eingespielt haben. Damit ist Rainer Arndt mit seinem Label Ramée einmal mehr eine Entdeckung gelungen, die er dem Publikum wie gewohnt mit großer Sorgfalt präsentiert. Das beginnt bei der exquisiten Aufnahme, und endet mit dem umfangreichen, wie immer hervorragend gestalteten und aus- gesprochen informativen Beiheft. 
Die Konzerte für zwei Traversflöten bestehen jeweils aus einer Folge kurzer Stücke, meist Tanzsätze, die den beiden Solisten in erster Linie Gelegenheit zum spielerischen musikalischen Dialog bietet. Die bei- den Flötistinnen sind seit vielen Jahren eng befreundet, und haben sich mit Montéclairs Konzerten lange und gründlich beschäftigt. "Die Liebe, die wir beide für dieses Werk empfinden, ist in gleichem Maße gewachsen wie unsere musikalische Verbundenheit, und so war die Wahl des Repertoires für diese erste Einspielung als Duett die selbst- verständlichste Sache der Welt", schreiben die Musikerinnen im Beiheft. Der Zuhörer darf sich darüber freuen, denn die beiden Damen harmonieren wunderbar miteinander, und spielen wie aus einem Gedanken.
Es erklingen Traversflöten aus der Werkstatt von Rudolf Tutz, Inns- bruck, nach einem Vorbild, das der Flötenbauer Jean Hyacinthe Rottenburgh um 1730 in Brüssel geschaffen hat. Der herrliche Klang dieser Instrumente macht das Hörvergnügen vollkommen - und diese CD zu einer meiner Lieblingsaufnahmen. Unbedingt anhören, es lohnt sich!