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Freitag, 23. Februar 2018

Inner Chambres (Naxos)

Welche Musik hörte Ludwig XIV., der Sonnenkönig, in seinen privaten Räumen? Einen Eindruck davon gibt das Ensemble Les Ordinaires auf dieser CD. Les Ordinaires du Roi wurden einst die Musiker genannt, die in kleinstem Kreise für den Herrscher spielten. Besonders geschätzt wurde die Kombination aus Traversflöte, Viola da gamba und Theorbe, daher auch als „königliches Trio“ bezeichnet. 
Leela Breithaupt, Erica Rubis und David Walker haben Werke herausgesucht, wie sie einst in Versailles erklungen sind. Ihr Programm beginnt mit einem Prelude aus L'Art de préluder sur la flûte traversière von Jacques-Martin Hotteterre. Mit Suiten vertreten sind François Couperin, Jean Marais und Michel Pignolet de Montéclair. Auch zwei populäre Lieder tragen die Musiker vor, bevor schließlich eine betörende Chaconne aus den Trios de la Chambre 'pour le Choucher du Roi' von Jean-Baptiste Lully den Schlusspunkt setzt. Hier übernimmt Allison Nyquist, Barockvioline, die zweite Melodiestimme. 

Montag, 27. Juli 2015

Hotteterre: Complete Chamber Music Vol. 2 (cpo)

Jacques-Martin Hotteterre (1674 bis 1763) entstammte einer etablierten Musiker- und Instrumentenbauer- dynastie, die im Umfeld des französi- schen Hofes tätig war. In den Jahren 1698 bis 1700 war er in Rom, wo er als maestro di flauto bei Marchese Francesco Maria Ruspoli musizierte – und die italienische Musiktradition gründlich kennenlernte. Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde Hotteterre Oboist im Orchester der Grande Ècurie und flûte de la chambre du roi. Und er integrierte das Wissen, das er aus Italien mitgebracht hatte, behutsam in die ziemlich konservative französische Musik. 1707 veröffentlichte er in Paris das Lehrbuch „Principes de la flûte“, den Holzbläsern zur Unterweisung, insbesondere jenen, die die Traversflöte spielen wollten, die damals sehr in Mode war. Da es aber nur wenig Repertoire für dieses neue Instrument gab, schrieb Hotteterre auch gleich sein Opus 2, das Premier Livre de pièces mit Suiten für die Flöte und andere Instrumente mit Basso continuo. 
Das Label cpo eröffnete mit einer Einspielung dieses Bandes eine neue Reihe, in der die komplette Kammermusik des Komponisten erscheinen soll. Das ist eine dankbare Aufgabe, denn das Werk dieses Musikers ist zum einen umfangreich – und zum anderen wirklich hörenswert und viel zu wenig bekannt. Die Camerata Köln haben inzwischen auch die zweite Folge dieser Edition mit Triosonaten Hotteterres vorgestellt – und die Musiker um die beiden großartigen Flötisten Michael Schneider und Karl Kaiser beweisen einmal mehr ihre Klasse. Auf die nächsten Folgen darf man sich schon freuen. 

Donnerstag, 27. Juni 2013

La Carte de Tendre (Musicaphon)

„Wenn man sich an dem Ort, an dem man weilt, gut unterhält, braucht man das Vergnügen nicht anderswo zu suchen“, schrieb Madeleine de Scudéry (1607 bis 1701) in ihrem galanten Roman Clélie. Sie notierte dies natürlich auf Französisch, und sie hatte zudem die geniale Idee, ihre Heldin eine Carte de Tendre zeichnen zu lassen – eine Karte der Zärtlichkeit. Das machte ihr Buch zum Best- seller, wie man heute wohl sagen würde. 
Diese Karte zeigt den Weg in ein Reich der kultivierten Liebe, frei von niedrigen Trieben und vor allem frei von Leidenschaft, die durch einen Gleichklang der Seelen abgelöst wird. „La carte de Tendre als Abbild der Bedeutung, die der detaillierten Beschäftigung mit den Gefühlen und der Liebe im besonderen zugemessen wurde, findet ihr Pendant in den unzähligen und höchst differenzierten Satzbezeich- nungen der Musik am Hofe von Versailles“, berichtet Ulrike Volk- hardt im Beiheft zu dieser CD. Die Blockflötistin hat gemeinsam mit Ann Morgan, Cembalo, Musik aus der Zeit Ludwigs XIV. eingespielt. Dafür stellte Professor Andreas Beurmann ein ausgesprochen klangschönes, originales Ruckers-Cembalo aus seiner Sammlung zur Verfügung. Wer gern Blockflötenmusik hört, der wird sich durch dieses anspruchsvolle bis virtuose Programm gut unterhalten fühlen.