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Samstag, 13. Februar 2016

Moscheles: Music for Flute and Piano (Naxos)

Ignaz Moscheles (1794 bis 1870) begann seine Ausbildung bei Friedrich Dyonis Weber am Prager Konservatorium, und studierte dann ab 1808 in Wien bei Antonio Salieri und Johann Georg Albrechtsberger. Als reisender Klaviervirtuose wurde er wenig später in allen europäischen Musikmetropolen gefeiert. In Berlin begegnete er 1824 dem 15jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy. Auf Bitten der Mutter erteilte Moscheles ihm und seiner Schwester Fanny Klavierunterricht; trotz des Alters- unterschiedes waren die beiden Musiker bald eng befreundet. 1825 ging Moscheles dann nach London, wo er als Pianist und Dirigent sehr gefragt war, und von Schülern schier überrannt wurde. Felix Mendelssohn Bartholdy allerdings konnte ihn davon überzeugen, nach Deutschland zurückzukehren und im beschau- lichen Sachsen zu wirken: 1846 übernahm Moscheles die Klavierklasse am Leipziger Konservatorium. 
Wie damals üblich, hat Moscheles einen Gutteil der Musik, die er in Konzerten spielte, auch selbst komponiert. Dazu entstanden zahlreiche Werke auf Drängen der Verleger, und für seine Schüler schrieb er Etüden, die noch heute sehr geschätzt sind, weil sie nicht nur simple „technische“ Übungsstücke sind, sondern obendrein sehr gut klingen. 
Kammermusik für Flöte und Klavier von Ignaz Moscheles erklingt auf einer CD, die bei Naxos erschienen ist. Kazunori Seo, Flöte, und Makoto Ueno, Klavier, spielen das Divertimento à la savoyarde op. 78, die Sonate concertante in G-Dur op. 79, die Quatre Divertissements op. 82b mit allerlei musikalischen Anspielungen, die Six Variations concertantes op. 21 und die Grande Sonate concertante in A-Dur op. 44. Die beiden Musi- ker sind exzellent aufeinander eingestellt, ihr Zusammenspiel begeistert. Makoto Ueno bewältigt den oftmals sehr anspruchsvollen Klavierpart locker und hörenswert. Mit dem Flötenspiel von Kazunori Seo hingegen werde ich nicht glücklich; insbesondere in schnellen Passagen gelingt es ihm nicht wirklich, seinen Ton zu formen und zu färben. So klingen die rasanten Läufe oftmals flach und in der Höhe spitz und blechern. Schade!

Mittwoch, 10. Februar 2016

Nami plays Diabelli Variations (Genuin)

Antonio Diabelli war nicht nur als Komponist, sondern vor allem auch als Musikverleger sehr erfolgreich. 1819 bat er 50 Komponisten, sich an einem Sammelwerk zu beteiligen. Dazu schickte er ihnen einen kleinen Walzer, den er selbst komponiert hatte – und auf dem Blatt befanden sich dann weiter leere Notenzeilen, auf denen die lieben Kollegen eine Variation notieren sollten – nicht zu umfangreich bitte, denn in der Edition, die Diabelli plante, sollten alle Beteiligten angemessen vertreten sein. 
Wie die Geschichte ausgegangen ist, das weiß jeder Musikfreund: Ludwig van Beethoven nutzte das harmlose Walzerchen, um eines jener späten Werke zu schreiben, die umfangreich geraten sind und als sperrig und komplex gelten. 
Die japanische Pianistin Nami Ejiri hat sich mit Diabelli und seinen Variationen sorgsam auseinandergesetzt. Auf ihrer CD erklingen sowohl ausgewählte Beiträge aus den 50 Variationen über eine Walzer von Anton Diabelli als auch Beethovens Beitrag – die 33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli, op. 120. Sie sind 1824, kurioserweise ein Jahr vor Diabellis Kollektion, im Druck erschienen. 
Aus den 50 Variationen hat Nami Ejiri acht ausgewählt, die sie nebst dem Thema und der Coda von Carl Czerny vorträgt. Den Reigen eröffnet auch die Variation von Carl Czerny; es folgen zwei berühmte Pianisten, Johann Nepomuk Hummel und Friedrich Wilhelm Kalkbrenner, mit ihren Beiträgen. Franz Liszt, der ebenfalls eine Variation geschrieben hat, war 1819 acht Jahre alt, als Wunderkind bereits aufgefallen, und was er zu Papier gebracht hat, das lässt staunen. Danach sind noch Variationen von Ignaz Moscheles, Joseph Kerzkowsky, Mozarts Sohn Franz Xaver und Franz Schubert zu hören. 
Dieser Einstimmung folgt dann Beethovens monumentales Opus. Nami Ejiri spielt sie ebenso feinfühlig wie virtuos. Allerdings macht sie daraus kein pianistisches Glaubensbekenntnis; sie scheint eher Brendels Diktum zu folgen, der in den 33 Veränderungen in erster Linie ein „Kompendium musikalischer Komik“ sah. Wer dieser Sichtweise folgt, der wird entdecken, dass Beethoven durchaus Humor hatte, und dazu Sinn für musikalische Knalleffekte. Lustvoll zelebriert Nami Ejiri dieses Vexierspiel mit seinen Zitaten, Parodien und brillanten Effekten – ein Wirbel an Spielfreude, der mir großes Vergnügen bereitet hat. Sehr gelungen!