Antonio Diabelli war nicht nur als Komponist, sondern vor allem auch als Musikverleger sehr erfolgreich. 1819 bat er 50 Komponisten, sich an einem Sammelwerk zu beteiligen. Dazu schickte er ihnen einen kleinen Walzer, den er selbst komponiert hatte – und auf dem Blatt befanden sich dann weiter leere Notenzeilen, auf denen die lieben Kollegen eine Variation notieren sollten – nicht zu umfangreich bitte, denn in der Edition, die Diabelli plante, sollten alle Beteiligten angemessen vertreten sein.
Wie die Geschichte ausgegangen ist, das weiß jeder Musikfreund: Ludwig van Beethoven nutzte das harmlose Walzerchen, um eines jener späten Werke zu schreiben, die umfangreich geraten sind und als sperrig und komplex gelten.
Die japanische Pianistin Nami Ejiri hat sich mit Diabelli und seinen Variationen sorgsam auseinandergesetzt. Auf ihrer CD erklingen sowohl ausgewählte Beiträge aus den 50 Variationen über eine Walzer von Anton Diabelli als auch Beethovens Beitrag – die 33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli, op. 120. Sie sind 1824, kurioserweise ein Jahr vor Diabellis Kollektion, im Druck erschienen.
Aus den 50 Variationen hat Nami Ejiri acht ausgewählt, die sie nebst dem Thema und der Coda von Carl Czerny vorträgt. Den Reigen eröffnet auch die Variation von Carl Czerny; es folgen zwei berühmte Pianisten, Johann Nepomuk Hummel und Friedrich Wilhelm Kalkbrenner, mit ihren Beiträgen. Franz Liszt, der ebenfalls eine Variation geschrieben hat, war 1819 acht Jahre alt, als Wunderkind bereits aufgefallen, und was er zu Papier gebracht hat, das lässt staunen. Danach sind noch Variationen von Ignaz Moscheles, Joseph Kerzkowsky, Mozarts Sohn Franz Xaver und Franz Schubert zu hören.
Dieser Einstimmung folgt dann Beethovens monumentales Opus. Nami Ejiri spielt sie ebenso feinfühlig wie virtuos. Allerdings macht sie daraus kein pianistisches Glaubensbekenntnis; sie scheint eher Brendels Diktum zu folgen, der in den 33 Veränderungen in erster Linie ein „Kompendium musikalischer Komik“ sah. Wer dieser Sichtweise folgt, der wird entdecken, dass Beethoven durchaus Humor hatte, und dazu Sinn für musikalische Knalleffekte. Lustvoll zelebriert Nami Ejiri dieses Vexierspiel mit seinen Zitaten, Parodien und brillanten Effekten – ein Wirbel an Spielfreude, der mir großes Vergnügen bereitet hat. Sehr gelungen!
Posts mit dem Label Franz Xaver Mozart werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Franz Xaver Mozart werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Mittwoch, 10. Februar 2016
Donnerstag, 5. April 2012
W.A. Mozart: Klavierkonzert Nr. 22 F.X. Mozart: Klavierkonzert Nr. 2 (Berlin Classics)
Über Mozarts Klavierkonzerte heißt es, sie seien eigentlich Sinfo- nien mit obligatem Flügel. So ist der erste Satz des Konzertes für Klavier und Orchester Nr. 22 Es-Dur KV 482, das Sebastian Knauer hier mit dem Niederländischen Kammerorchester unter Philippe Entremont eingespielt hat, durch eine ausdrucksstarke Orchester- exposition geprägt, der sich dann später das Klavier hinzugesellt.
Man erwartet einen Dialog zwischen dem Klavier und dem Orchester - doch der Solist macht daraus ein Bravourstück mit gelegentlichem Orchesterkommentar. Ich schätze Sebastian Knauer ja sehr, aber diese seine Mozart-Interpretation behagt mir gar nicht. Sie ist mir zu sehr virtuose Zirkusnummer, und zu wenig Musik. Es ist schade, dass der Dirigent, der ja selbst ein erfolgreicher Pianist ist, dieser Auf- fassung nicht entgegentritt, denn sie wird Mozart meiner Ansicht nach nicht gerecht.
Dass Knauer durchaus in der Lage ist, im Einklang mit einem Orche- ster zu musizieren und sich dabei in den Gesamtklang einzufügen, beweist das zweite Werk auf dieser CD, das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 Es-Dur op. 25 von Mozarts Sohn Franz Xaver Wolf- gang Mozart (1791 bis 1844). Auch wenn es gemeinhin als ein schwaches Werk im Schatten eines großen Vorbildes gilt, so empfinde ich diesen Teil der CD als den besseren, weitaus stärkeren. Das Konzert des Mozarts-Sohnes hat in der Tat seine spröde Schönheit, die allerdings entdeckt werden will. Und das ist Knauer und dem Niederländischen Kammerorchester geradezu exemplarisch gelungen. Insofern sei diese CD dem Publikum empfohlen - denn Werke von Franz Xaver Mozart finden sich nur sehr selten im Repertoire.
Man erwartet einen Dialog zwischen dem Klavier und dem Orchester - doch der Solist macht daraus ein Bravourstück mit gelegentlichem Orchesterkommentar. Ich schätze Sebastian Knauer ja sehr, aber diese seine Mozart-Interpretation behagt mir gar nicht. Sie ist mir zu sehr virtuose Zirkusnummer, und zu wenig Musik. Es ist schade, dass der Dirigent, der ja selbst ein erfolgreicher Pianist ist, dieser Auf- fassung nicht entgegentritt, denn sie wird Mozart meiner Ansicht nach nicht gerecht.
Dass Knauer durchaus in der Lage ist, im Einklang mit einem Orche- ster zu musizieren und sich dabei in den Gesamtklang einzufügen, beweist das zweite Werk auf dieser CD, das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 Es-Dur op. 25 von Mozarts Sohn Franz Xaver Wolf- gang Mozart (1791 bis 1844). Auch wenn es gemeinhin als ein schwaches Werk im Schatten eines großen Vorbildes gilt, so empfinde ich diesen Teil der CD als den besseren, weitaus stärkeren. Das Konzert des Mozarts-Sohnes hat in der Tat seine spröde Schönheit, die allerdings entdeckt werden will. Und das ist Knauer und dem Niederländischen Kammerorchester geradezu exemplarisch gelungen. Insofern sei diese CD dem Publikum empfohlen - denn Werke von Franz Xaver Mozart finden sich nur sehr selten im Repertoire.
Abonnieren
Kommentare (Atom)

