Harfe und Klavier? Diese Kombina- tion, die uns heutzutage eher exotisch erscheint, gehörte in den musikali- schen Salons des frühen 19. Jahrhun- derts offenbar zu den Standards. Sowohl die Harfe als auch das Klavier erfreuten sich seinerzeit beim Adel und beim vermögenden Bürgertum großer Beliebtheit. Das Duo Praxedis erweckt diese Praxis zu neuem Leben.
Praxedis Hug-Rütti, Harfe, und Praxedis Geneviève Hug am Klavier präsentieren auf gleich zwei CD Originalkompositionen aus jener Zeit für die beiden Instrumente. Und man reibt sich erstaunt die Augen, welches spieltechnische Können diese Werke voraussetzen. Die meisten der ausgewählten Stücke sind keineswegs Musik für Dilettanten. Das Mutter-Tochter-Duo überzeugt mit einem abwechslungsreichen Programm und brillantem Spiel. Auch klanglich ist diese Duoformation durchaus attraktiv.
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Freitag, 28. Juli 2017
Mittwoch, 10. Februar 2016
Nami plays Diabelli Variations (Genuin)
Antonio Diabelli war nicht nur als Komponist, sondern vor allem auch als Musikverleger sehr erfolgreich. 1819 bat er 50 Komponisten, sich an einem Sammelwerk zu beteiligen. Dazu schickte er ihnen einen kleinen Walzer, den er selbst komponiert hatte – und auf dem Blatt befanden sich dann weiter leere Notenzeilen, auf denen die lieben Kollegen eine Variation notieren sollten – nicht zu umfangreich bitte, denn in der Edition, die Diabelli plante, sollten alle Beteiligten angemessen vertreten sein.
Wie die Geschichte ausgegangen ist, das weiß jeder Musikfreund: Ludwig van Beethoven nutzte das harmlose Walzerchen, um eines jener späten Werke zu schreiben, die umfangreich geraten sind und als sperrig und komplex gelten.
Die japanische Pianistin Nami Ejiri hat sich mit Diabelli und seinen Variationen sorgsam auseinandergesetzt. Auf ihrer CD erklingen sowohl ausgewählte Beiträge aus den 50 Variationen über eine Walzer von Anton Diabelli als auch Beethovens Beitrag – die 33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli, op. 120. Sie sind 1824, kurioserweise ein Jahr vor Diabellis Kollektion, im Druck erschienen.
Aus den 50 Variationen hat Nami Ejiri acht ausgewählt, die sie nebst dem Thema und der Coda von Carl Czerny vorträgt. Den Reigen eröffnet auch die Variation von Carl Czerny; es folgen zwei berühmte Pianisten, Johann Nepomuk Hummel und Friedrich Wilhelm Kalkbrenner, mit ihren Beiträgen. Franz Liszt, der ebenfalls eine Variation geschrieben hat, war 1819 acht Jahre alt, als Wunderkind bereits aufgefallen, und was er zu Papier gebracht hat, das lässt staunen. Danach sind noch Variationen von Ignaz Moscheles, Joseph Kerzkowsky, Mozarts Sohn Franz Xaver und Franz Schubert zu hören.
Dieser Einstimmung folgt dann Beethovens monumentales Opus. Nami Ejiri spielt sie ebenso feinfühlig wie virtuos. Allerdings macht sie daraus kein pianistisches Glaubensbekenntnis; sie scheint eher Brendels Diktum zu folgen, der in den 33 Veränderungen in erster Linie ein „Kompendium musikalischer Komik“ sah. Wer dieser Sichtweise folgt, der wird entdecken, dass Beethoven durchaus Humor hatte, und dazu Sinn für musikalische Knalleffekte. Lustvoll zelebriert Nami Ejiri dieses Vexierspiel mit seinen Zitaten, Parodien und brillanten Effekten – ein Wirbel an Spielfreude, der mir großes Vergnügen bereitet hat. Sehr gelungen!
Wie die Geschichte ausgegangen ist, das weiß jeder Musikfreund: Ludwig van Beethoven nutzte das harmlose Walzerchen, um eines jener späten Werke zu schreiben, die umfangreich geraten sind und als sperrig und komplex gelten.
Die japanische Pianistin Nami Ejiri hat sich mit Diabelli und seinen Variationen sorgsam auseinandergesetzt. Auf ihrer CD erklingen sowohl ausgewählte Beiträge aus den 50 Variationen über eine Walzer von Anton Diabelli als auch Beethovens Beitrag – die 33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli, op. 120. Sie sind 1824, kurioserweise ein Jahr vor Diabellis Kollektion, im Druck erschienen.
Aus den 50 Variationen hat Nami Ejiri acht ausgewählt, die sie nebst dem Thema und der Coda von Carl Czerny vorträgt. Den Reigen eröffnet auch die Variation von Carl Czerny; es folgen zwei berühmte Pianisten, Johann Nepomuk Hummel und Friedrich Wilhelm Kalkbrenner, mit ihren Beiträgen. Franz Liszt, der ebenfalls eine Variation geschrieben hat, war 1819 acht Jahre alt, als Wunderkind bereits aufgefallen, und was er zu Papier gebracht hat, das lässt staunen. Danach sind noch Variationen von Ignaz Moscheles, Joseph Kerzkowsky, Mozarts Sohn Franz Xaver und Franz Schubert zu hören.
Dieser Einstimmung folgt dann Beethovens monumentales Opus. Nami Ejiri spielt sie ebenso feinfühlig wie virtuos. Allerdings macht sie daraus kein pianistisches Glaubensbekenntnis; sie scheint eher Brendels Diktum zu folgen, der in den 33 Veränderungen in erster Linie ein „Kompendium musikalischer Komik“ sah. Wer dieser Sichtweise folgt, der wird entdecken, dass Beethoven durchaus Humor hatte, und dazu Sinn für musikalische Knalleffekte. Lustvoll zelebriert Nami Ejiri dieses Vexierspiel mit seinen Zitaten, Parodien und brillanten Effekten – ein Wirbel an Spielfreude, der mir großes Vergnügen bereitet hat. Sehr gelungen!
Freitag, 31. Juli 2015
Kalkbrenner; 3 Piano Sonatas Op. 4 (Dynamic)
Luigi Gerosa, ein auf die Musik der Wiener Klassik des 18. Jahrhunderts spezialisierter Pianist, hat nun bei Dynamic seiner zweite CD mit Werken von Friedrich Kalkbrenner (1785 bis 1849) vorgelegt. Damit macht er die drei Klaviersonaten op. 4 in Weltersteinspielung zugänglich. Musikhistorisch ist dies durchaus interessant, denn Kalkbrenner, Sohn von Christian Kalkbrenner (1755 bis 1806), Kapellmeister der preußischen Königin, war einer der ersten Klaviervirtuosen. Seine Ausbildung begann er bei seinem Vater. 1798 schrieb er sich am Pariser Konservatorium ein, wo er bei Louis Adam studierte. 1802 ging er nach Wien, wo er seine Ausbildung komplettierte. Ab 1805 begann er, zu konzertieren – und er hatte rasch großen Erfolg. Von 1814 bis 1823 lebte Kalkbrenner in England, wo er sehr geschätzt wurde. Er spielte Konzerte, gab Unterricht und veröffentlichte seine ersten Werke. Nach Konzertreisen durch Deutschland und Österreich ließ sich der Pianist schießlich 1824 in Paris nieder, und zog sich weitgehend ins Privatleben zurück. Kalkbrenner war sehr vermögend, und er hatte zudem eine Tochter aus bestem Hause geheiratet. 1849 starb er in Enghien-les-Bains an der Cholera.
Kalkbrenner sah sich in einer Reihe mit Haydn, Mozart und Beethoven. Diese Aufnahme allerdings zeigt, dass er offenbar zwar grandios Klavier gespielt hat, aber zumindest in seinen frühen Sonaten außer einer Aneinanderreihung von pianistischen Turnübungen wenig zustande brachte. Was jedoch nützen Höchstschwierigkeiten, wenn es an musikalischer Substanz mangelt. Und so plagt sich der Zuhörer mit einer Wiederholung und noch einer Wiederholung. Gegen dieses Geklimper ist jede Beethoven-Sonate vom ersten bis zum letzten Ton eine Offenbarung. Dass man Kalkbrenners Musik heute nicht mehr spielt, das hat, denke ich, schon seinen Grund.
Kalkbrenner sah sich in einer Reihe mit Haydn, Mozart und Beethoven. Diese Aufnahme allerdings zeigt, dass er offenbar zwar grandios Klavier gespielt hat, aber zumindest in seinen frühen Sonaten außer einer Aneinanderreihung von pianistischen Turnübungen wenig zustande brachte. Was jedoch nützen Höchstschwierigkeiten, wenn es an musikalischer Substanz mangelt. Und so plagt sich der Zuhörer mit einer Wiederholung und noch einer Wiederholung. Gegen dieses Geklimper ist jede Beethoven-Sonate vom ersten bis zum letzten Ton eine Offenbarung. Dass man Kalkbrenners Musik heute nicht mehr spielt, das hat, denke ich, schon seinen Grund.
Dienstag, 3. März 2015
Kalkbrenner: 3 Piano Sonatas op. 1 (Dynamic)
Friedrich Kalkbrenner (1785 bis 1849) war ein gefeierter Klavier- virtuose. Sein Vater, selbst ein renommierter Kapellmeister, sorgte dafür, dass der junge Musiker eine sorgfältige Ausbildung erhielt. So lernte Kalkbrenner ab 1798 am Pariser Konservatorium bei Louis Adam, 1802 zog er nach Wien um, wo er unter anderem ein Schüler von Johann Georg Albrechtsberger war. Drei Jahre später begann er mit solistischen Auftritten; er ging nach Paris und war dort als Klavierlehrer und Pianist erfolgreich. Von 1814 bis 1823 lebte Kalkbrenner in England; nach Konzerten in Deutschland und Österreich kehrte er dann 1825 nach Paris zurück. Auch in den 1830er Jahren ging er mehrfach auf Konzertreisen durch Europa. Er galt als größter Pianist seiner Zeit; allerdings hatte er offenbar wenig Lust, mit Nachwuchsmusikern wie Franz Liszt oder Sigismund Thalberg um die Wette zu spielen. Und so verabschiedete sich Kalkbrenner, der reich geheiratet hatte, beizeiten sehr weitgehend aus dem Konzertleben. 1849 fiel er dann einer Cholera-Epidemie zum Opfer.
Kalkbrenner war auch als Komponist produktiv, sein Werkverzeichnis umfasst knapp 200 Opusnummmern. Dabei handelt es sich zumeist um Stücke für das Klavier. Auf dieser CD ist sein Opus 1 zu hören – drei Klaviersonaten, entstanden wohl um 1807. Es sind Jugendwerke des Musikers, die etliche schöne Momente haben, aber auch Längen. Mitunter sind sie von unglaublicher Bravheit, wirken fast wie Etüden. Luigi Gerosa spielt sie leider auch so. Musikhistorisch mag das ja interessant sein. Aber wer diese Sonaten nicht kennt, der hat nichts verpasst; es hat in diesem Falle schon seinen Grund, dass diese Musik bisher noch niemand auf CD eingespielt hatte.
Kalkbrenner war auch als Komponist produktiv, sein Werkverzeichnis umfasst knapp 200 Opusnummmern. Dabei handelt es sich zumeist um Stücke für das Klavier. Auf dieser CD ist sein Opus 1 zu hören – drei Klaviersonaten, entstanden wohl um 1807. Es sind Jugendwerke des Musikers, die etliche schöne Momente haben, aber auch Längen. Mitunter sind sie von unglaublicher Bravheit, wirken fast wie Etüden. Luigi Gerosa spielt sie leider auch so. Musikhistorisch mag das ja interessant sein. Aber wer diese Sonaten nicht kennt, der hat nichts verpasst; es hat in diesem Falle schon seinen Grund, dass diese Musik bisher noch niemand auf CD eingespielt hatte.
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