Als Box mit immerhin 20 CD veröffentlichte Brilliant Classics die erste umfassende Kollektion der Werke von Johann Nepomuk Hummel (1778 bis 1837). Über den Lebensweg des Musiker, der in Pressburg, dem heutigen Bratislava, zur Welt kam, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet. Der musikalisch hochbegabte Junge lebte in Wien zwei Jahre lang im Haushalt von Wolfgang Amadeus Mozart, der ihn kostenlos unterrichtete. Hummel nutzte seine Chance, und wurde zu einem berühmten Klaviervirtuosen, Komponisten und Hofkapellmeister. So wurde er Nachfolger Haydns beim Fürsten Esterházy; später wirkte er in Stuttgart und in Weimar, wo er letztendlich auch starb.
Die Sammlung enthält neben Hummels Oper Mathilde von Guise auch das Oratorium Der Durchzug durchs rote Meer, in einer schönen Aufnahme mit einem exzellenten Solistenensemble sowie der Rheinischen Kantorei und Das kleine Konzert unter Leitung von Hermann Max, eine weitere CD mit geistlichen Werken, zwei CD mit diversen Instrumentalkonzerten, etliche Aufnahmen von Kammermusik und natürlich Klavierkonzerte, die 24 Etüden op. 125, eine Auswahl an anderen Klavierstücken und sämtliche Klaviersonaten. Zu hören sind diverse Solisten und Ensembles, oftmals auf historischen Instrumenten.
So spielt beispielsweise Hammerflügelspezialist Costantino Mastroprimiano Hummels Klaviersonaten auf einem Instrument von Urbano Petroselli nach einem Vorbild von Anton Walter, um 1790, und auf einem Tafelklavier von Érard aus dem Jahre 1838. Und das Konzert für Klavier, Violine und Orchester in G-Dur op. 17 interpretieren Alessandro Commelato an einem Böhm-Hammerklavier aus dem Jahre 1823, Stefano Barneschi und das Kammerorchester Milano Classica ebenfalls auf zeitgenössischen Instrumenten unter Leitung des Hummel-Spezialisten Didier Talpain.
Insgesamt gibt es in dieser Box viel zu entdecken, und das lohnt sich auch. Hummel gehört zu jenen Beethoven-Zeitgenossen, die zu Unrecht, sozusagen im Schatten des Genies, aus der allgemeinen Wahrnehmung verschwunden sind. Die Musik jener Komponisten aufmerksam anzuschauen und gegebenenfalls auch wieder ans Licht zu bringen, das bleibt eine dankbare Aufgabe.
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Freitag, 20. Dezember 2019
Freitag, 1. Februar 2019
Reflections (Genuin)
Wenn Yukyeong Ji ihre CD „Reflections“ nennt, dann hat sie offenbar weniger das Phänomen des Spiegels im Sinn als vielmehr den Vorgang der Reflektion in seiner ganzen Vielfalt: „visuell (wie bei Debussy in Reflets dans l'eau), formal (wie Messiaens in Par Lui tout a été fait) oder als Hommage, wie beispielsweise Beethoven von zahllosen Komponisten lebenslang als Vorbild gesehen wurde. Kunst reflektiert die gesellschaftlichen Umstände und generell lassen alle Werke die Persönlichkeit der sie Erschaffenden widerscheinen.“
Auf ihrer Debüt-CD bei dem Leipziger Label Genuin präsentiert die koreanische Pianistin, die in Seoul und in Hannover studiert hat, ein höchst anspruchsvolles Programm, das viele Facetten aufzeigt. Zu hören ist Musik von Uzong Choe, der eigens für diese CD ein Prélude neu komponierte, Toru Takemitsu, Bertold Hummel, Maurice Ravel und Olivier Messiaen. Yukyeong Ji begeistert mit einer exzellenten Technik und außergewöhnlichem Gestaltungsvermögen. Sehr beeindruckend!
Auf ihrer Debüt-CD bei dem Leipziger Label Genuin präsentiert die koreanische Pianistin, die in Seoul und in Hannover studiert hat, ein höchst anspruchsvolles Programm, das viele Facetten aufzeigt. Zu hören ist Musik von Uzong Choe, der eigens für diese CD ein Prélude neu komponierte, Toru Takemitsu, Bertold Hummel, Maurice Ravel und Olivier Messiaen. Yukyeong Ji begeistert mit einer exzellenten Technik und außergewöhnlichem Gestaltungsvermögen. Sehr beeindruckend!
Sonntag, 14. Oktober 2018
The Clarinotts (Gramola)
Ein einzigartiges Familientrio waren The Clarinotts: Ernst Ottensamer, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, musizierte in diesem Ensemble gemeinsam mit seinen Söhnen Daniel, ebenfalls Soloklari- nettist der Wiener Philharmoniker, und Andreas, Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker. Doch im Juli 2017 erlag Ernst Ottensamer, der seit dem Jahre 2000 in Wien auch als Professor lehrte, einem Herzinfarkt.
So wird dies wohl die letzte CD des Klarinettentrios bleiben – und wer sich die Aufnahmen anhört, wird schnell feststellen, was dies für ein Verlust ist. Denn die Musiker schätzten nicht nur die Wiener Klarinette, sondern auch andere Mitglieder der Instrumentenfamilie, wie das Bassetthorn. Und nicht nur bei den Klang- farben, sondern auch beim Repertoire bevorzugten sie Abwechslung; so erklingen neben Originalkompositionen für Klarinettentrio durchaus auch Arrangements populärer Melodien – in diesem konkreten Falle stammen sie von Rainer Schottstädt, der sie für das Trio di Clarone geschrieben hat.
Es steht also sein Divertimento zu Mozarts Don Giovanni neben Stücken von Edison Denisov, die Miniatur Die Floristin von Henry Ploy neben dem Scherzo fantastique von Alfred Prinz und den Acht Trios von Georg Druschetzky oder das Klarinettentrio von Joseph Friedrich Hummel neben Schottstädts Fledermaus-Bearbeitung. Einzigartig wird dieses bunte Programm durch die Clarinotts, die durchweg betörend musizieren. So harmonisch, so pointiert und so farbenreich sind Klarinetten wirklich selten zu hören.
So wird dies wohl die letzte CD des Klarinettentrios bleiben – und wer sich die Aufnahmen anhört, wird schnell feststellen, was dies für ein Verlust ist. Denn die Musiker schätzten nicht nur die Wiener Klarinette, sondern auch andere Mitglieder der Instrumentenfamilie, wie das Bassetthorn. Und nicht nur bei den Klang- farben, sondern auch beim Repertoire bevorzugten sie Abwechslung; so erklingen neben Originalkompositionen für Klarinettentrio durchaus auch Arrangements populärer Melodien – in diesem konkreten Falle stammen sie von Rainer Schottstädt, der sie für das Trio di Clarone geschrieben hat.
Es steht also sein Divertimento zu Mozarts Don Giovanni neben Stücken von Edison Denisov, die Miniatur Die Floristin von Henry Ploy neben dem Scherzo fantastique von Alfred Prinz und den Acht Trios von Georg Druschetzky oder das Klarinettentrio von Joseph Friedrich Hummel neben Schottstädts Fledermaus-Bearbeitung. Einzigartig wird dieses bunte Programm durch die Clarinotts, die durchweg betörend musizieren. So harmonisch, so pointiert und so farbenreich sind Klarinetten wirklich selten zu hören.
Mittwoch, 21. März 2018
Bach meets Vivaldi - Lautten Compagney Berlin ( K&K)
Wenn man diese Aufnahme aus der Edition Kloster Maulbronn angehört hat, weiß man, warum das Sprich- wort sagt, der Himmel hänge voller Geigen. Die Lautten Compagney Berlin war am 26. Mai 2017 zu Gast in der Klosterkirche – und spielte gemeinsam mit Julia Schröder unter dem Titel „Bach meets Vivaldi“ einige der schönsten Violinkonzerte überhaupt.
Das Programm beginnt mit dem berühmten Doppelkonzert in d-Moll BWV 1043 von Johann Sebastian Bach, als Solisten sind Birgit Schnurpfeil, die Konzertmeisterin der Lautten Compagney, und Julia Schröder zu hören. Die Freiburger Violinprofessorin spielt auch die Soloparts der beiden anderen Bach-Konzerte BWV 1041 und 1042. Im Programm wechseln sie sich ab mit Violinkonzerten von Antonio Vivaldi. Und hier sind zunächst alle Streicher Solisten, denn das Concerto in h-Moll RV 580 für vier (!) Violinen, zwei Violen, Violoncello und Basso Continuo aus der Sammlung L'Estro Armonico hält für alle Beteiligten höchst anspruchsvolle Aufgaben bereit.
Das Concerto in d-Moll RV 565 für zwei Violinen, Violoncello, Streicher und Basso continuo gestalten Birgit Schnurpfeil und Matthias Hummel. Es ist sehr interesssant, diese Werke neben Bachs Konzerten zu hören, denn dieser hat sich mit Vivaldis Musik sehr eingehend beschäftigt – das Konzert RV 565 hat Bach sogar für die Orgel bearbeitet (BWV 596).
Das g-Moll-Konzert RV 157 folgt noch der ursprünglichen Idee der damals neuen Gattung, ein Streicherorchester mit Basso continuo musizieren zu lassen. Das gelingt traumhaft. Und daher sollen an dieser Stelle auch die weiteren Mitwirkenden benannt werden: Daniela Gubatz, Violine, Bettina Ihrig, Viola, Magdalena Schenk-Bader, Violine/Viola, Ulrike Becker, Violoncello, Alf Brauner, Kontrabass, Johannes Gontarski, Laute und Elina Albach, Cembalo.
Musiziert wird durchweg kammermusikalisch und in historischer Aufführungspraxis – engagiert, sehr präzise, aber auch ausgesprochen lustvoll, lebendig und abwechslungsreich. Kurzum: Es war ein rundum gelungenes Konzert. Und es wurde in gewohnt exzellenter Qualität mitgeschnitten. Unbedingt anhören, diese Aufnahme ist wirklich hinreißend!
Das Programm beginnt mit dem berühmten Doppelkonzert in d-Moll BWV 1043 von Johann Sebastian Bach, als Solisten sind Birgit Schnurpfeil, die Konzertmeisterin der Lautten Compagney, und Julia Schröder zu hören. Die Freiburger Violinprofessorin spielt auch die Soloparts der beiden anderen Bach-Konzerte BWV 1041 und 1042. Im Programm wechseln sie sich ab mit Violinkonzerten von Antonio Vivaldi. Und hier sind zunächst alle Streicher Solisten, denn das Concerto in h-Moll RV 580 für vier (!) Violinen, zwei Violen, Violoncello und Basso Continuo aus der Sammlung L'Estro Armonico hält für alle Beteiligten höchst anspruchsvolle Aufgaben bereit.
Das Concerto in d-Moll RV 565 für zwei Violinen, Violoncello, Streicher und Basso continuo gestalten Birgit Schnurpfeil und Matthias Hummel. Es ist sehr interesssant, diese Werke neben Bachs Konzerten zu hören, denn dieser hat sich mit Vivaldis Musik sehr eingehend beschäftigt – das Konzert RV 565 hat Bach sogar für die Orgel bearbeitet (BWV 596).
Das g-Moll-Konzert RV 157 folgt noch der ursprünglichen Idee der damals neuen Gattung, ein Streicherorchester mit Basso continuo musizieren zu lassen. Das gelingt traumhaft. Und daher sollen an dieser Stelle auch die weiteren Mitwirkenden benannt werden: Daniela Gubatz, Violine, Bettina Ihrig, Viola, Magdalena Schenk-Bader, Violine/Viola, Ulrike Becker, Violoncello, Alf Brauner, Kontrabass, Johannes Gontarski, Laute und Elina Albach, Cembalo.
Musiziert wird durchweg kammermusikalisch und in historischer Aufführungspraxis – engagiert, sehr präzise, aber auch ausgesprochen lustvoll, lebendig und abwechslungsreich. Kurzum: Es war ein rundum gelungenes Konzert. Und es wurde in gewohnt exzellenter Qualität mitgeschnitten. Unbedingt anhören, diese Aufnahme ist wirklich hinreißend!
Freitag, 28. Juli 2017
Duo Praxedis (Ars Produktion)
Harfe und Klavier? Diese Kombina- tion, die uns heutzutage eher exotisch erscheint, gehörte in den musikali- schen Salons des frühen 19. Jahrhun- derts offenbar zu den Standards. Sowohl die Harfe als auch das Klavier erfreuten sich seinerzeit beim Adel und beim vermögenden Bürgertum großer Beliebtheit. Das Duo Praxedis erweckt diese Praxis zu neuem Leben.
Praxedis Hug-Rütti, Harfe, und Praxedis Geneviève Hug am Klavier präsentieren auf gleich zwei CD Originalkompositionen aus jener Zeit für die beiden Instrumente. Und man reibt sich erstaunt die Augen, welches spieltechnische Können diese Werke voraussetzen. Die meisten der ausgewählten Stücke sind keineswegs Musik für Dilettanten. Das Mutter-Tochter-Duo überzeugt mit einem abwechslungsreichen Programm und brillantem Spiel. Auch klanglich ist diese Duoformation durchaus attraktiv.
Praxedis Hug-Rütti, Harfe, und Praxedis Geneviève Hug am Klavier präsentieren auf gleich zwei CD Originalkompositionen aus jener Zeit für die beiden Instrumente. Und man reibt sich erstaunt die Augen, welches spieltechnische Können diese Werke voraussetzen. Die meisten der ausgewählten Stücke sind keineswegs Musik für Dilettanten. Das Mutter-Tochter-Duo überzeugt mit einem abwechslungsreichen Programm und brillantem Spiel. Auch klanglich ist diese Duoformation durchaus attraktiv.
Mittwoch, 10. August 2016
Hummel: Piano Trios (Naxos)
Über den Lebensweg von Johann Nepomuk Hummel (1778 bis 1837) wurde in diesem Blog bereits mehr- fach berichtet. Der Klaviervirtuose und Komponist war Schüler von Mozart, Albrechtsberger und Salieri und mit Beethoven befreundet; er wurde, durch Joseph Haydn empfohlen, dessen Amtsnachfolger als Kapellmeister am Hofe der Esterházys. 1816 ging er als Hof- kapellmeister nach Stuttgart, 1819 nach Weimar, wo er bis an sein Lebensende wirkte.
Neben Werken für Kirche und Theater spielte in seinem Oeuvre auch die Kammermusik eine wichtige Rolle. Bei Naxos sind nun Hummels Klaviertrios erschienen – handwerklich brillant und ausgesprochen unterhaltsam. Eingespielt hat diese charmanten Musikstücke das Gould Piano Trio.
Neben Werken für Kirche und Theater spielte in seinem Oeuvre auch die Kammermusik eine wichtige Rolle. Bei Naxos sind nun Hummels Klaviertrios erschienen – handwerklich brillant und ausgesprochen unterhaltsam. Eingespielt hat diese charmanten Musikstücke das Gould Piano Trio.
Samstag, 9. Juli 2016
Wald. Horn. Lied (Genuin)
Hörnerklang und Männergesang – wer denkt da nicht sofort an Wald und Weidwerk? Das Leipziger Vokalquintett Amarcord und das Hornquartett German Hornsound beschwören auf ihrer neuen CD in der Tat raunende Wipfel und die Freuden der Jagd. Bei der Zusammenstellung des Programms sind sie selbst auf die Pirsch gegangen - und haben einige Raritäten aufzubieten. So beginnt die CD mit einem herrlichen Waldlied von August Horn (1825 bis 1893), einem Leipziger Kapellmeister, der insbesondere als Arrangeur seinerzeit weithin geschätzt und gerühmt wurde. Von Robert Schumann erklingen die Fünf Gesänge aus Heinrich Laubes Jagdbrevier op. 137. Sie zeigen den Komponisten als einen Mann von Humor; so warnt eines der Lieder „Habet acht auf der Jagd! Mancher ist zu Grund gegangen, weil der Nachbar sich verfangen und ein Lauf ist losgegangen! Habet acht auf der Jagd!“
Abwechslung bringt das Quartett für vier Jagdhörner op. 38 von Constan- tin Fjodorowitsch Homilius (1840 bis möglicherweise 1918). Sein Vater war 1838 von Dresden nach St. Petersburg gegangen, wo er zunächst als Erster Waldhornist im Orchester der Kaiserlichen Theater musizierte, später dann als Professor am Konservatorium unterrichtete, und der St. Petersburger Philharmonischen Gesellschaft als Direktor und Schatz- meister vorstand. Sein erstgeborener Sohn Constantin wurde erst Geiger an der Kaiserlichen Oper, und war dann von 1866 bis 1910 Organist der deutschen reformierten Kirche. Danach verliert sich seine Spur. Das Horn- quartett könnte für die Hornklasse seines Vaters entstanden sein. Es ist großartige Musik, wirklich eine Entdeckung.
Das gilt auch für Meeresstille und Glückliche Fahrt für Männerchor und Hörnerbegleitung op. 16 von Carl Goldmark (1830 bis 1915). Damit verlassen wir den sächsischen Wald und machen einen Abstecher nach Wien. Dort lebte Goldmark, der Sohn eines jüdischen Kantors, geboren und aufgewachsen in Ungarn, und fristete sein Dasein als Theatergeiger und indem er Klavierunterricht gab. Von 1862 bis 1865 leitete er zudem sehr erfolgreich einen Männerchor. Als Komponist aber wurde er dann berühmt – auch wenn Hanslick ihn „Dissonanzenkönig“ nannte, feierten ihn sowohl die Kritiker als auch das Publikum. Mit dem Anschluss ans Dritte Reich verschwanden allerdings die Werke Carl Goldmarks von der Bühne; auch nach 1945 interessierte sich niemand mehr für das Schaffen des einst so populären Komponisten. Hört man die farbenreichen Gesänge, wünscht man sich unbedingt die Re-Integration dieses Gesamtwerkes in den Konzert- und Spielbetrieb – das lohnt sich garantiert.
Ins Grüne kehrt die CD anschließend zurück, mit der Waldwanderung von Ferdinand Hummel (1855 bis 1928), sechs Gesängen für Männerchor und Hörner in wechselnder Besetzung. Er war Musikdirektor am Königlichen Schauspielhaus zu Berlin und einer der ersten Filmkomponisten überhaupt. Ohne Hörner erklingen dann die Vier Gesänge op. 17 D 983 von Franz Schubert. Sein Nachtgesang im Walde D 913, nun wieder mit Hornquartett, ist ein bezauberndes Stück, mit sehr viel Atmosphäre. Ähnlich viel Waldes- rauschen findet sich in Waldeinsamkeit op. 38 von Carl Steinhauer (1852 bis 1934). Er hatte in Leipzig studiert und prägte dann über Jahrzehnte den Chorgesang in seiner Heimatstadt Düsseldorf sowie in Oberhausen. Als städtischer Musikdirektor, hochgeachtet und geehrt, ging er 1921 in Rente.
Die beiden Ensembles, die diese Werke abseits des üblichen Repertoires herausgesucht haben, haben bis zum Ruhestand glücklicherweise noch viele Jahre vor sich – wir gratulieren zu einer gelungenen CD, und hoffen auf weitere gemeinsame Projekte. Bravi!
Abwechslung bringt das Quartett für vier Jagdhörner op. 38 von Constan- tin Fjodorowitsch Homilius (1840 bis möglicherweise 1918). Sein Vater war 1838 von Dresden nach St. Petersburg gegangen, wo er zunächst als Erster Waldhornist im Orchester der Kaiserlichen Theater musizierte, später dann als Professor am Konservatorium unterrichtete, und der St. Petersburger Philharmonischen Gesellschaft als Direktor und Schatz- meister vorstand. Sein erstgeborener Sohn Constantin wurde erst Geiger an der Kaiserlichen Oper, und war dann von 1866 bis 1910 Organist der deutschen reformierten Kirche. Danach verliert sich seine Spur. Das Horn- quartett könnte für die Hornklasse seines Vaters entstanden sein. Es ist großartige Musik, wirklich eine Entdeckung.
Das gilt auch für Meeresstille und Glückliche Fahrt für Männerchor und Hörnerbegleitung op. 16 von Carl Goldmark (1830 bis 1915). Damit verlassen wir den sächsischen Wald und machen einen Abstecher nach Wien. Dort lebte Goldmark, der Sohn eines jüdischen Kantors, geboren und aufgewachsen in Ungarn, und fristete sein Dasein als Theatergeiger und indem er Klavierunterricht gab. Von 1862 bis 1865 leitete er zudem sehr erfolgreich einen Männerchor. Als Komponist aber wurde er dann berühmt – auch wenn Hanslick ihn „Dissonanzenkönig“ nannte, feierten ihn sowohl die Kritiker als auch das Publikum. Mit dem Anschluss ans Dritte Reich verschwanden allerdings die Werke Carl Goldmarks von der Bühne; auch nach 1945 interessierte sich niemand mehr für das Schaffen des einst so populären Komponisten. Hört man die farbenreichen Gesänge, wünscht man sich unbedingt die Re-Integration dieses Gesamtwerkes in den Konzert- und Spielbetrieb – das lohnt sich garantiert.
Ins Grüne kehrt die CD anschließend zurück, mit der Waldwanderung von Ferdinand Hummel (1855 bis 1928), sechs Gesängen für Männerchor und Hörner in wechselnder Besetzung. Er war Musikdirektor am Königlichen Schauspielhaus zu Berlin und einer der ersten Filmkomponisten überhaupt. Ohne Hörner erklingen dann die Vier Gesänge op. 17 D 983 von Franz Schubert. Sein Nachtgesang im Walde D 913, nun wieder mit Hornquartett, ist ein bezauberndes Stück, mit sehr viel Atmosphäre. Ähnlich viel Waldes- rauschen findet sich in Waldeinsamkeit op. 38 von Carl Steinhauer (1852 bis 1934). Er hatte in Leipzig studiert und prägte dann über Jahrzehnte den Chorgesang in seiner Heimatstadt Düsseldorf sowie in Oberhausen. Als städtischer Musikdirektor, hochgeachtet und geehrt, ging er 1921 in Rente.
Die beiden Ensembles, die diese Werke abseits des üblichen Repertoires herausgesucht haben, haben bis zum Ruhestand glücklicherweise noch viele Jahre vor sich – wir gratulieren zu einer gelungenen CD, und hoffen auf weitere gemeinsame Projekte. Bravi!
Dienstag, 29. März 2016
Hummel: Mozart's Symphonies Nos. 36 Linz, 35 Haffner and 41 Jupiter - Arranged for Flute, Violin, Cello and Piano (Naxos)
Und weil es so schön ist, soll an dieser Stelle gleich noch eine weitere Aufnahme von Arrangements von Johann Nepomuk Hummel nach Werken seines Lehrers Wolfgang Amadeus Mozart vorgestellt werden – diesmal sind es Sinfonien, die Hummel elegant für ein kleines Ensemble bearbeitet hat. Uwe Grodd, Flöte, Friedemann Eichhorn, Violine, Martin Rummel, Violoncello, und Roland Krüger, Klavier, haben bei Naxos mittlerweile auf zwei CD die Sinfonien mit den Nummern 38 bis 40 sowie die Nummern 36, bekannt als Linzer Sinfonie, 35, Haffner-Sinfonie, und 41, Jupiter-Sinfonie, veröffentlicht.
Diese Bearbeitungen Hummels sind sehr gelungen. Dank der gekonnten Instrumentierung bewahren sie erstaunlich viel von den Klangfarben des jeweiligen Originals, und sie vermitteln trotz der kleinen Besetzung nicht den Eindruck, dass es sich um eine Notlösung oder ein Arrangement für den Hausgebrauch handelt. Die vier Musiker tragen mit einer exzellenten Interpretation das Ihre dazu bei, wieder ein Publikum für diese attraktiven Werke zu begeistern. Unbedingt anhören, es lohnt sich!
Diese Bearbeitungen Hummels sind sehr gelungen. Dank der gekonnten Instrumentierung bewahren sie erstaunlich viel von den Klangfarben des jeweiligen Originals, und sie vermitteln trotz der kleinen Besetzung nicht den Eindruck, dass es sich um eine Notlösung oder ein Arrangement für den Hausgebrauch handelt. Die vier Musiker tragen mit einer exzellenten Interpretation das Ihre dazu bei, wieder ein Publikum für diese attraktiven Werke zu begeistern. Unbedingt anhören, es lohnt sich!
Mozart after Mozart (Dynamic)
Mozarts Klavierkonzerte waren sehr beliebt – aber nicht jeder, der sie spielen oder anhören wollte, konnte sich ein Orchester leisten. Daher entstanden schon zu Lebzeiten des Komponisten Arrangements, die dem Solisten am Klavier ein kleineres Ensemble zur Seite stellten. Zwei solche Bearbeitungen von Mozarts Schüler Johann Nepomuk Hummel (1778 bis 1873) sind nun bei Dyna- mic erschienen – die Klavierkonzerte in B-Dur KV 456 und in d-Moll
KV 466. Diese Veröffentlichung scheint zugleich Nebenergebnis eines Forschungsprojektes an der Hochschule der Künste Bern (HKB) zu sein, das die damalige Aufführungspraxis untersucht. Es musizieren Leonardo Miucci, Fortepiano, Martin Skamletz, Traversflöte, Johannes Gebauer, Violine, sowie Bruno Hurtado Gosalvez, Violoncello.
KV 466. Diese Veröffentlichung scheint zugleich Nebenergebnis eines Forschungsprojektes an der Hochschule der Künste Bern (HKB) zu sein, das die damalige Aufführungspraxis untersucht. Es musizieren Leonardo Miucci, Fortepiano, Martin Skamletz, Traversflöte, Johannes Gebauer, Violine, sowie Bruno Hurtado Gosalvez, Violoncello.
Mittwoch, 10. Februar 2016
Nami plays Diabelli Variations (Genuin)
Antonio Diabelli war nicht nur als Komponist, sondern vor allem auch als Musikverleger sehr erfolgreich. 1819 bat er 50 Komponisten, sich an einem Sammelwerk zu beteiligen. Dazu schickte er ihnen einen kleinen Walzer, den er selbst komponiert hatte – und auf dem Blatt befanden sich dann weiter leere Notenzeilen, auf denen die lieben Kollegen eine Variation notieren sollten – nicht zu umfangreich bitte, denn in der Edition, die Diabelli plante, sollten alle Beteiligten angemessen vertreten sein.
Wie die Geschichte ausgegangen ist, das weiß jeder Musikfreund: Ludwig van Beethoven nutzte das harmlose Walzerchen, um eines jener späten Werke zu schreiben, die umfangreich geraten sind und als sperrig und komplex gelten.
Die japanische Pianistin Nami Ejiri hat sich mit Diabelli und seinen Variationen sorgsam auseinandergesetzt. Auf ihrer CD erklingen sowohl ausgewählte Beiträge aus den 50 Variationen über eine Walzer von Anton Diabelli als auch Beethovens Beitrag – die 33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli, op. 120. Sie sind 1824, kurioserweise ein Jahr vor Diabellis Kollektion, im Druck erschienen.
Aus den 50 Variationen hat Nami Ejiri acht ausgewählt, die sie nebst dem Thema und der Coda von Carl Czerny vorträgt. Den Reigen eröffnet auch die Variation von Carl Czerny; es folgen zwei berühmte Pianisten, Johann Nepomuk Hummel und Friedrich Wilhelm Kalkbrenner, mit ihren Beiträgen. Franz Liszt, der ebenfalls eine Variation geschrieben hat, war 1819 acht Jahre alt, als Wunderkind bereits aufgefallen, und was er zu Papier gebracht hat, das lässt staunen. Danach sind noch Variationen von Ignaz Moscheles, Joseph Kerzkowsky, Mozarts Sohn Franz Xaver und Franz Schubert zu hören.
Dieser Einstimmung folgt dann Beethovens monumentales Opus. Nami Ejiri spielt sie ebenso feinfühlig wie virtuos. Allerdings macht sie daraus kein pianistisches Glaubensbekenntnis; sie scheint eher Brendels Diktum zu folgen, der in den 33 Veränderungen in erster Linie ein „Kompendium musikalischer Komik“ sah. Wer dieser Sichtweise folgt, der wird entdecken, dass Beethoven durchaus Humor hatte, und dazu Sinn für musikalische Knalleffekte. Lustvoll zelebriert Nami Ejiri dieses Vexierspiel mit seinen Zitaten, Parodien und brillanten Effekten – ein Wirbel an Spielfreude, der mir großes Vergnügen bereitet hat. Sehr gelungen!
Wie die Geschichte ausgegangen ist, das weiß jeder Musikfreund: Ludwig van Beethoven nutzte das harmlose Walzerchen, um eines jener späten Werke zu schreiben, die umfangreich geraten sind und als sperrig und komplex gelten.
Die japanische Pianistin Nami Ejiri hat sich mit Diabelli und seinen Variationen sorgsam auseinandergesetzt. Auf ihrer CD erklingen sowohl ausgewählte Beiträge aus den 50 Variationen über eine Walzer von Anton Diabelli als auch Beethovens Beitrag – die 33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli, op. 120. Sie sind 1824, kurioserweise ein Jahr vor Diabellis Kollektion, im Druck erschienen.
Aus den 50 Variationen hat Nami Ejiri acht ausgewählt, die sie nebst dem Thema und der Coda von Carl Czerny vorträgt. Den Reigen eröffnet auch die Variation von Carl Czerny; es folgen zwei berühmte Pianisten, Johann Nepomuk Hummel und Friedrich Wilhelm Kalkbrenner, mit ihren Beiträgen. Franz Liszt, der ebenfalls eine Variation geschrieben hat, war 1819 acht Jahre alt, als Wunderkind bereits aufgefallen, und was er zu Papier gebracht hat, das lässt staunen. Danach sind noch Variationen von Ignaz Moscheles, Joseph Kerzkowsky, Mozarts Sohn Franz Xaver und Franz Schubert zu hören.
Dieser Einstimmung folgt dann Beethovens monumentales Opus. Nami Ejiri spielt sie ebenso feinfühlig wie virtuos. Allerdings macht sie daraus kein pianistisches Glaubensbekenntnis; sie scheint eher Brendels Diktum zu folgen, der in den 33 Veränderungen in erster Linie ein „Kompendium musikalischer Komik“ sah. Wer dieser Sichtweise folgt, der wird entdecken, dass Beethoven durchaus Humor hatte, und dazu Sinn für musikalische Knalleffekte. Lustvoll zelebriert Nami Ejiri dieses Vexierspiel mit seinen Zitaten, Parodien und brillanten Effekten – ein Wirbel an Spielfreude, der mir großes Vergnügen bereitet hat. Sehr gelungen!
Sonntag, 31. Januar 2016
Hummel: Piano Sonatas, Volume 1 (Centaur)
Johann Nepomuk Hummel (1778 bis 1837), geboren in Bratislava, war der berühmteste Pianist seiner Zeit und außerdem ein überaus erfolgreicher Klavierlehrer. Zu seinen Schülern gehören Felix Mendelssohn Bartholdy, Ferdinand Hiller, Adolf Henselt, Friedrich Silcher und Sigismund Thalberg. Außerdem beeinflusste er den jungen Chopin, dessen Freund und Mentor er war.
Hummel kam als Kind nach Wien, weil sein Vater Kapellmeister an Emanuel Schikaneders Theater auf der Wieden wurde. Wolfgang Amadeus Mozart unterrichtete den Knaben kostenlos, und nahm ihn sogar für zwei Jahre in seinen Haushalt auf. Bereits als Teenager, von 1788 bis 1793, ging Johann Nepomuk Hummel mit seinem Vater auf Konzertreisen, die ihn bis nach Dänemark und England führten.
Wieder in Wien, erhielt Hummel Unterricht im Fach Komposition bei Johann Georg Albrechtsberger und Antonio Salieri. Auch Joseph Haydn schätzte und förderte Hummel; als Fürst Nikolaus II., ein großer Mäzen, nach 1803 in Esterházy Theater und Oper wieder etablierte, waren Haydn und Hummel dort für die Musik zuständig. Allerdings hatte sich der Fürst finanziell übernommen; er musste seine Hofhaltung drastisch verkleinern, und ging 1813 nach Italien.
Hummel heiratete 1813 in Wien die Sängerin Elisabeth Röckel, eine enge Vertraute Beethovens, die dieser auch gern zur Frau genommen hätte. Mit Beethoven war Hummel, bei allem Wettbewerb, offenbar befreundet; in späteren Jahren ließ er ihm immer wieder finanzielle Unterstützung zukommen. Zeitgenossen berichteten, dass Hummel generell sozial sehr engagiert und dabei sehr bescheiden war.
1816 ging Hummel als Hofkapellmeister nach Stuttgart, 1819 wurde er Hofkapellmeister in Weimar, wo er auch Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach unterrichtete, die spätere Königin von Preußen und deutsche Kaiserin. Er ging weiterhin auf Konzertreisen und komponierte. Hummel hat unter anderem sechs Klavierkonzerte, acht Klaviersonaten, diverse Klavier- und Kammermusik sowie Opern, Ballette und Singspiele und etliche geistliche Werke geschaffen. 1828 veröffentlichte Hummel eine Klavierschule, die dreibändige Ausführliche theoretisch-practische Anweisung zum Piano-Forte-Spiel.
Seine Musik ist heutzutage allerdings wenig zu hören. Die Auffassung, dass neben Mozart und Beethoven noch weitere Komponisten gearbeitet haben, die ebenfalls Interesse verdienen, setzt sich erst allmählich durch. Diese CD, auf der Antonio Pompa-Baldi drei der Klaviersonaten Hummels vorstellt, wird ganz sicher dazu beitragen. Denn die Musik des Komponi- sten ist elegant, abwechslungsreich und anspruchsvoll. Mittlerweile ist Teil 2 dieser Einspielung erschienen. Leider musiziert Pompa-Baldi auf einem Steinway D; ich bin fest davon überzeugt, dass Hummels Klavier- musik auf einem Hammerflügel noch wesentlich besser zur Wirkung kommt.
Hummel kam als Kind nach Wien, weil sein Vater Kapellmeister an Emanuel Schikaneders Theater auf der Wieden wurde. Wolfgang Amadeus Mozart unterrichtete den Knaben kostenlos, und nahm ihn sogar für zwei Jahre in seinen Haushalt auf. Bereits als Teenager, von 1788 bis 1793, ging Johann Nepomuk Hummel mit seinem Vater auf Konzertreisen, die ihn bis nach Dänemark und England führten.
Wieder in Wien, erhielt Hummel Unterricht im Fach Komposition bei Johann Georg Albrechtsberger und Antonio Salieri. Auch Joseph Haydn schätzte und förderte Hummel; als Fürst Nikolaus II., ein großer Mäzen, nach 1803 in Esterházy Theater und Oper wieder etablierte, waren Haydn und Hummel dort für die Musik zuständig. Allerdings hatte sich der Fürst finanziell übernommen; er musste seine Hofhaltung drastisch verkleinern, und ging 1813 nach Italien.
Hummel heiratete 1813 in Wien die Sängerin Elisabeth Röckel, eine enge Vertraute Beethovens, die dieser auch gern zur Frau genommen hätte. Mit Beethoven war Hummel, bei allem Wettbewerb, offenbar befreundet; in späteren Jahren ließ er ihm immer wieder finanzielle Unterstützung zukommen. Zeitgenossen berichteten, dass Hummel generell sozial sehr engagiert und dabei sehr bescheiden war.
1816 ging Hummel als Hofkapellmeister nach Stuttgart, 1819 wurde er Hofkapellmeister in Weimar, wo er auch Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach unterrichtete, die spätere Königin von Preußen und deutsche Kaiserin. Er ging weiterhin auf Konzertreisen und komponierte. Hummel hat unter anderem sechs Klavierkonzerte, acht Klaviersonaten, diverse Klavier- und Kammermusik sowie Opern, Ballette und Singspiele und etliche geistliche Werke geschaffen. 1828 veröffentlichte Hummel eine Klavierschule, die dreibändige Ausführliche theoretisch-practische Anweisung zum Piano-Forte-Spiel.
Seine Musik ist heutzutage allerdings wenig zu hören. Die Auffassung, dass neben Mozart und Beethoven noch weitere Komponisten gearbeitet haben, die ebenfalls Interesse verdienen, setzt sich erst allmählich durch. Diese CD, auf der Antonio Pompa-Baldi drei der Klaviersonaten Hummels vorstellt, wird ganz sicher dazu beitragen. Denn die Musik des Komponi- sten ist elegant, abwechslungsreich und anspruchsvoll. Mittlerweile ist Teil 2 dieser Einspielung erschienen. Leider musiziert Pompa-Baldi auf einem Steinway D; ich bin fest davon überzeugt, dass Hummels Klavier- musik auf einem Hammerflügel noch wesentlich besser zur Wirkung kommt.
Donnerstag, 27. März 2014
Inspired by the Freemasons (Genuin)
Spuren, die Freimaurer in der Musik hinterlassen haben, sind das Thema einer interessanten CD mit Cellistin Katja Zakotnik und Piani- stin Naila Alvarenga-Lahmann. Bekannt ist, dass Joseph Haydn sowie Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart Mitglieder in Wiener Freimaurerlogen waren. Als Ludwig van Beethoven nach Wien kam, hatte der Kaiser die Freimaurerei bereits verboten. Die beiden Musikerinnen lassen Melodien aus Mozarts Freimaurer-Oper Die Zauberflöte erklingen – in Variationen, die Beethoven komponiert hat.
Johann Nepomuk Hummel war ein Schüler Mozarts. Er heiratete Elisabeth Röckel, eine enge Freundin Beethovens; Trauzeuge war Antonio Salieri. Auch Hummel hat hörenswerte Variationen für Violoncello und Klavier geschrieben; es ist nicht nachvollziehbar, warum seine Werke im Konzertleben heute kaum noch eine Rolle spielen.
Francesco Gemiani kam zu einer Zeit nach England, als die Freimau- rerei dort gerade Fuß fasste. Er war Gründungsmitglied einer kleinen, kulturell engagierten Loge, und ist auf dieser CD mit einer Sonate vertreten. Ein Freimaurer war auch Jean Sibelius. Die beiden Musikerinnen stellen die Vier Stücke op. 78 vor, ursprünglich für Violine und Klavier entstanden – und gar nicht düster.
Johann Nepomuk Hummel war ein Schüler Mozarts. Er heiratete Elisabeth Röckel, eine enge Freundin Beethovens; Trauzeuge war Antonio Salieri. Auch Hummel hat hörenswerte Variationen für Violoncello und Klavier geschrieben; es ist nicht nachvollziehbar, warum seine Werke im Konzertleben heute kaum noch eine Rolle spielen.
Francesco Gemiani kam zu einer Zeit nach England, als die Freimau- rerei dort gerade Fuß fasste. Er war Gründungsmitglied einer kleinen, kulturell engagierten Loge, und ist auf dieser CD mit einer Sonate vertreten. Ein Freimaurer war auch Jean Sibelius. Die beiden Musikerinnen stellen die Vier Stücke op. 78 vor, ursprünglich für Violine und Klavier entstanden – und gar nicht düster.
Freitag, 19. Oktober 2012
Serenade for Dieter Klöcker (MDG)
Eigentlich wollte Dieter Klöcker Archäologe werden. Doch dann zeigte ihm sein Klarinettenlehrer Karl Kroll, dass man auch als Musiker Entdeckungen machen kann. Denn Kroll war vor dem Ersten Weltkrieg Soloklarinettist des St. Petersburger Hoforchesters gewesen - und steckte mit seiner Begeisterung für die Pretiosen, die er dort in der Bibliothek vorge- funden hatte, auch seinen Schüler an.
Bereits bei seinem Musikstudium in Detmold bei Jost Michaels begann Klöcker, sich für die Kammermusik zu engagieren. Doch der Detmolder Bläserkreis, mit dem Klöcker seine ersten Konzertreisen und Rundfunkaufnahmen absolvierte, zerstreute sich nach dem Examen seiner Mitglieder. Aus den Augen verloren haben sich die Bläser aber nicht; gemeinsamen Auftritten als "Rheinisches Bläsersextett" folgte 1965 die Gründung des Ensembles Consortium Classicum. Das klang nicht nur eleganter - es ließ auch Raum für gemischte Besetzungen, beispielsweise mit Streichern und Klavier.
1968 beschloss Klöcker, die Anstellung im Orchester aufzugeben, um sich ganz der Kammermusik und seiner Solistenkarriere zu widmen. Er ging in Archiven und Musikbibliotheken auf die Suche - und fand dort Musik, die das Publikum entzückte. Wenn Namen wie Cannabich, Lachner oder Hummel heute dem Musikfreund wieder präsent sind, so ist das nicht zuletzt sein Verdienst. Schallplatteneditionen zu Themenkomplexen wie Bayerns Schlösser und Residenzen, Haydn - seine Freunde und Schüler oder Mozart - Original und Fälschung geben Zeugnis von seiner Entdeckerfreude. So ist Klöcker, obwohl er doch Musiker geworden ist, dennoch so manche Ausgrabung gelungen.
Seit 1986 erschienen die Aufnahmen von Dieter Klöcker und dem Consortium Classicum bei Dabringhaus und Grimm. Am 21. Mai 2011, kurz nach seinem 75. Geburtstag, ist der Musiker gestorben. MDG ehrt das Andenken dieses virtuosen Klarinettisten, hochgeschätzten Lehrers und akribischen Forschers nun mit einer Auswahl aus dem umfangreichen Fundus seiner Aufnahmen.
Die Edition beginnt mit den Bläserquartetten von Gioacchino Rossini, aberwitzig virtuosen Stücken, die wirken, als wären sie für das Con- sortium Classicum geschrieben. Noch immer hört man, wieviel Ver- gnügen Wolfgang Dünschede, Flöte, Dieter Klöcker an der Klarinette, Klaus Wallendorf, Horn und Karl-Otto Hartmann am Fagott mit diesen brillanten Werken hatten. Dieses Feuerwerk an Musizierlust und Esprit war die erste Gesamteinspielung dieser Werke überhaupt – und das Debüt des Ensembles bei MDG.
Klöcker verdanken wir die Wiederentdeckung von großartiger Musik lange vergessener Komponisten, aber auch den Zugang zu berühmten Meisterwerken in zeitgenössischen Arrangements. Ohne seine beharrliche Suche nach solchen Raritäten würden die zauberhaften Serenaden von Johann Nepomuk Hummel und Ignaz Pleyel sowie die Kammermusik von Carl Czerny wohl noch immer im Archivstaub vor sich hin schlummern. Die interessanten Bearbeitungen für Klarinette und Streichtrio von Vincent Gambaro nach Streichquartetten von Joseph Haydn wären ebenso unbekannt geblieben wie ihr Autor. Und natürlich stellte Klöcker auch neben Mozarts berühmte Sinfonia concertante KV 297b zwei Überraschungen.
Ergänzt wird die Sieben-CD-Box durch die Portrait-CD des Consor- tium Classicum aus dem Jahre 1993, die ebenfalls das außerordent- lich breite Repertoire dieses Ensembles präsentiert. Musiziert wird stets auf allerhöchstem Niveau. Jede dieser Aufnahmen ist gelungen, und die Angabe "Vol. 1" auf der Box lässt darauf hoffen, dass weitere folgen werden.
Bereits bei seinem Musikstudium in Detmold bei Jost Michaels begann Klöcker, sich für die Kammermusik zu engagieren. Doch der Detmolder Bläserkreis, mit dem Klöcker seine ersten Konzertreisen und Rundfunkaufnahmen absolvierte, zerstreute sich nach dem Examen seiner Mitglieder. Aus den Augen verloren haben sich die Bläser aber nicht; gemeinsamen Auftritten als "Rheinisches Bläsersextett" folgte 1965 die Gründung des Ensembles Consortium Classicum. Das klang nicht nur eleganter - es ließ auch Raum für gemischte Besetzungen, beispielsweise mit Streichern und Klavier.
1968 beschloss Klöcker, die Anstellung im Orchester aufzugeben, um sich ganz der Kammermusik und seiner Solistenkarriere zu widmen. Er ging in Archiven und Musikbibliotheken auf die Suche - und fand dort Musik, die das Publikum entzückte. Wenn Namen wie Cannabich, Lachner oder Hummel heute dem Musikfreund wieder präsent sind, so ist das nicht zuletzt sein Verdienst. Schallplatteneditionen zu Themenkomplexen wie Bayerns Schlösser und Residenzen, Haydn - seine Freunde und Schüler oder Mozart - Original und Fälschung geben Zeugnis von seiner Entdeckerfreude. So ist Klöcker, obwohl er doch Musiker geworden ist, dennoch so manche Ausgrabung gelungen.
Seit 1986 erschienen die Aufnahmen von Dieter Klöcker und dem Consortium Classicum bei Dabringhaus und Grimm. Am 21. Mai 2011, kurz nach seinem 75. Geburtstag, ist der Musiker gestorben. MDG ehrt das Andenken dieses virtuosen Klarinettisten, hochgeschätzten Lehrers und akribischen Forschers nun mit einer Auswahl aus dem umfangreichen Fundus seiner Aufnahmen.
Die Edition beginnt mit den Bläserquartetten von Gioacchino Rossini, aberwitzig virtuosen Stücken, die wirken, als wären sie für das Con- sortium Classicum geschrieben. Noch immer hört man, wieviel Ver- gnügen Wolfgang Dünschede, Flöte, Dieter Klöcker an der Klarinette, Klaus Wallendorf, Horn und Karl-Otto Hartmann am Fagott mit diesen brillanten Werken hatten. Dieses Feuerwerk an Musizierlust und Esprit war die erste Gesamteinspielung dieser Werke überhaupt – und das Debüt des Ensembles bei MDG.
Klöcker verdanken wir die Wiederentdeckung von großartiger Musik lange vergessener Komponisten, aber auch den Zugang zu berühmten Meisterwerken in zeitgenössischen Arrangements. Ohne seine beharrliche Suche nach solchen Raritäten würden die zauberhaften Serenaden von Johann Nepomuk Hummel und Ignaz Pleyel sowie die Kammermusik von Carl Czerny wohl noch immer im Archivstaub vor sich hin schlummern. Die interessanten Bearbeitungen für Klarinette und Streichtrio von Vincent Gambaro nach Streichquartetten von Joseph Haydn wären ebenso unbekannt geblieben wie ihr Autor. Und natürlich stellte Klöcker auch neben Mozarts berühmte Sinfonia concertante KV 297b zwei Überraschungen.
Ergänzt wird die Sieben-CD-Box durch die Portrait-CD des Consor- tium Classicum aus dem Jahre 1993, die ebenfalls das außerordent- lich breite Repertoire dieses Ensembles präsentiert. Musiziert wird stets auf allerhöchstem Niveau. Jede dieser Aufnahmen ist gelungen, und die Angabe "Vol. 1" auf der Box lässt darauf hoffen, dass weitere folgen werden.
Mittwoch, 19. Januar 2011
Trumpet Concertos; Tarkövi (Tudor)
Diese CD erlaubt einen Blick auf die Entwicklung der Trompete und der für sie komponierten Musik. Sie beginnt mit einem Konzert für Trompete und Orchester in D-Dur aus dem Jahre 1762, das Leopold Mozart (1719 bis 1787) für den Salzburger Hoftrompeter Johann Andreas Schachtner geschrieben hat - einen versierten Solisten, der zur ersten Liga der Trompeter seiner Zeit gehörte.
Denn nur die Hoftrompeter waren in der hohen Kunst des sogenann- ten Clarinblasens ausgebildet, und geübt darin, auf Naturtrompete und Corno da Caccia im hohen Register zu musizieren. Ähnliche Anforderungen stellt auch das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur von Johann Baptist Georg Neruda (1707 bis 1780), kompo- niert für den Dresdner Hof und für Corno da Caccia. Mit der Weiter- entwicklung der Trompete verschwand dieses Instrument so gründlich, dass erst sein Nachbau durch den Leipziger Instrumenten- bauer Friedbert Syhre in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Trom- peter Ludwig Güttler dazu führte, das Repertoire jener Zeit wieder spielbar zu machen. Allerdings waren etliche Bläser mit Güttlers Version des Corno da Caccia nicht ganz glücklich; es handelt sich dabei um ein modernes Instrument, das klanglich nicht hinreichend dem Original entspricht. Mittlerweile sind auch Nachbauten erhält- lich, die auf die Ventile verzichten.
Diese Innovation war seinerzeit eingeführt worden, um auf der Trompete nicht nur einige, sondern alle Töne blasen zu können - und um ein deutlich expressiveres Spiel zu ermöglichen. Zwischen der heute üblichen Ventiltrompete und ihren Vorfahren aber gab es einen Zwischenschritt - die Klappentrompeten des Wiener Hoftrompeters Anton Weidinger, an die diese CD mit zwei Werken erinnert, die spe- ziell dafür komponiert wurden. Joseph Haydn schrieb zur Demon- stration der damals unerhörten Möglichkeiten der Klappentrompete das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur (1796); Johann Nepomuk Hummel für das Neujahrskonzert 1804 auf Schloss Ester- hazy das Konzert für Trompete und Orchester E-Dur.
Gábor Tarkövi, Solo-Trompeter der Berliner Philharmoniker spielt diese musikhistorisch interessanten Werke auf modernen Instru- menten. Die eigentliche Entdeckung aber sind die Bamberger Symphoniker, die diese Konzerte begleiten. Sie spielen unter Karl-Heinz Steffens blitzsauber und kammermusikalisch inspiriert; diesem Orchester zu lauschen, ist wirklich eine Freude.
Denn nur die Hoftrompeter waren in der hohen Kunst des sogenann- ten Clarinblasens ausgebildet, und geübt darin, auf Naturtrompete und Corno da Caccia im hohen Register zu musizieren. Ähnliche Anforderungen stellt auch das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur von Johann Baptist Georg Neruda (1707 bis 1780), kompo- niert für den Dresdner Hof und für Corno da Caccia. Mit der Weiter- entwicklung der Trompete verschwand dieses Instrument so gründlich, dass erst sein Nachbau durch den Leipziger Instrumenten- bauer Friedbert Syhre in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Trom- peter Ludwig Güttler dazu führte, das Repertoire jener Zeit wieder spielbar zu machen. Allerdings waren etliche Bläser mit Güttlers Version des Corno da Caccia nicht ganz glücklich; es handelt sich dabei um ein modernes Instrument, das klanglich nicht hinreichend dem Original entspricht. Mittlerweile sind auch Nachbauten erhält- lich, die auf die Ventile verzichten.
Diese Innovation war seinerzeit eingeführt worden, um auf der Trompete nicht nur einige, sondern alle Töne blasen zu können - und um ein deutlich expressiveres Spiel zu ermöglichen. Zwischen der heute üblichen Ventiltrompete und ihren Vorfahren aber gab es einen Zwischenschritt - die Klappentrompeten des Wiener Hoftrompeters Anton Weidinger, an die diese CD mit zwei Werken erinnert, die spe- ziell dafür komponiert wurden. Joseph Haydn schrieb zur Demon- stration der damals unerhörten Möglichkeiten der Klappentrompete das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur (1796); Johann Nepomuk Hummel für das Neujahrskonzert 1804 auf Schloss Ester- hazy das Konzert für Trompete und Orchester E-Dur.
Gábor Tarkövi, Solo-Trompeter der Berliner Philharmoniker spielt diese musikhistorisch interessanten Werke auf modernen Instru- menten. Die eigentliche Entdeckung aber sind die Bamberger Symphoniker, die diese Konzerte begleiten. Sie spielen unter Karl-Heinz Steffens blitzsauber und kammermusikalisch inspiriert; diesem Orchester zu lauschen, ist wirklich eine Freude.
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