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Montag, 7. Februar 2022

Berühmte Opernchöre (BR Klassik)

 

Der Chor des Bayerischen Rundfunks fügt dem schon vorhandenen umfangreichen Bestand erstklassiger Aufnahmen eine weitere hinzu: Auf dieser CD demonstrieren die Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Ivan Repušić eindrucksvoll, dass sie auch berühmte Opernchöre hinreißend vortragen können. Auch das Münchner Rundfunkorchester hat an diesem Repertoire hörbar Vergnügen. Das abwechslungsreiche Programm reicht von Verdi bis Tschaikowski und von Puccini bis Wagner. 

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Joy to the World (BR Klassik)

Einen ganz besonderen Weihnachtszauber verbreitet diese CD, die der Chor des Bayerischen Rundfunks eingespielt hat. Das Programm kombiniert traditionelle Weihnachtslieder, auch aus Polen, Griechenland oder Frankreich, ebenso liebevoll wie aufwendig mit klassischem Repertoire. 
Die meisten Arrangements hat Chorleiter Howard Arman selbst geschrieben. Dabei hat er die bekannten Melodien oftmals kunstvoll bearbeitet und in eine ebenso üppige wie effektvolle Begleitung eingebettet. Das Münchner Rundfunkorchester sorgt für vorweihnachtlichen Glanz, und ist den Chorsängern sowie der Solistin, Sopranistin Chen Reiss, ein zuverlässiger Partner. So wird auf dieser CD hinreißend schön gesungen und musiziert – eine Aufnahme, die man Klassikfreunden mit gutem Gewissen unter den Weihnachtsbaum legen kann. 

Sonntag, 4. Februar 2018

Mendelssohn Bartholdy: Psalmen (BR Klassik)

Fünf breit angelegte und groß besetzte Psalmvertonungen schuf Felix Mendelssohns Bartholdy (1809 bis 1847). Drei davon sind auf dieser CD zu hören, vorgetragen vom Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Howard Arman. Es handelt sich dabei um einen Live-Mitschnitt vom Dezember 2016 aus dem Münchner Prinzregententhea- ter. Solisten des Abends waren Julia Winkel, Sopran, Hanne Weber, Alt, Julian Prégardien, Tenor und Krešimir Stražanac, Bassbariton. 
Howard Arman verzichtet auf allzu üppige Emotionswogen. Er setzt mit dem zu Recht hochgelobten Ensemble in erster Linie auf Ausdruck, und dann erst auf Schönklang, und wird damit dem Anliegen des Komponisten ganz sicher gerecht. Denn hinter dem Schaffen Felix Mendelssohn Bartholdys sind die musikalischen Traditionen immer präsent. Das macht Arman auch deutlich. 
Non nobis Domine für Soli, Chor und Orchester op. 31 basiert auf Versen aus dem 115. Psalm. Es wird vermutet, dass Mendelssohn an diesem Werk während seines ersten Englandaufenthalts 1829 arbeitete; bei dieser Gelegenheit studierte er in London Handschriften Händels, was ihn hörbar inspiriert hat. 
Die Vertonung des 42. Psalms, Wie der Hirsch schreit op. 42, ein umfang- reiches, kantatenartiges Werk für Sopran, Chor und Orchester, schrieb Mendelssohn 1837 auf seiner Hochzeitsreise. Sie gehört bis heute zu den bekanntesten Chorwerken des Komponisten. 
In seiner Position als Generalmusikdirektor des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. – der die Kirchenmusik reformieren wollte und dabei die Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts als Ideal betrachtete – schuf Mendelssohn Singet dem Herrn ein neues Lied op. 91, eine Vertonung des 98. Psalms. Sie wurde 1844 am Neujahrstage durch den neu zusammengestellten Berliner Domchor aufgeführt, und erinnert zunächst an historische Vorbilder: Ein achtstimmiger A-cappella-Gesang, doppelchörig, den Text deklamierend wie weiland Heinrich Schütz. Allerdings wagte es Mendelssohn dann, den Herrn auch tatsächlich mit Harfen, Trompeten und Posaunen zu loben – was bei der Geistlichkeit damals wohl wenig Begeisterung auslöste. Bei allen nachfolgenden Werken für den Domchor jedenfalls ließ der Komponist die Sänger ohne Instrumentalisten antreten. 
Wie sehr Felix Mendelssohn Bartholdy die deutsche Chortradition geprägt hat, demonstriert noch ein anderes Werk auf dieser CD: Verleih uns Frieden gnädiglich, ein kurzes Gebet nach Worten Martin Luthers für Chor und Orchester, gehört zu einer Folge von acht Choralkantaten, die Zeugnis geben von der intensiven Beschäftigung des jungen Musikers mit dem Werk Bachs. 
In der Familie Mendelssohns war die Erinnerung an den großen Meister stets präsent. So war seine Großtante Sara Levy eine Schülerin Carl Philipp Emanuel Bachs, und seine Großmutter Bella Salomon eine Schülerin Kirn- bergers. 1823 hatte sie ihrem Enkel eine Abschrift der Matthäuspassion geschenkt; 1829 leitete Mendelssohn die erste Aufführung dieses Werkes nach dem Tode Bachs – mit der Sing-Akademie zu Berlin, und gegen alle Bedenken ihres Gründers und seines Lehrers Carl Friedrich Zelter. Doch das ist eine andere Geschichte. 
Diese CD endet mit Hear my Prayer, einem Wechselgesang zwischen Sopran und Chor nach dem 55. Psalm, den Felix Mendelssohn Bartholdy für eine Aufführung in London geschaffen hat. Das Werk wurde zunächst durch eine Orgel begleitet; hier ist allerdings die Orchesterfassung zu hören, die der Komponist 1847 anfertigte. 

Freitag, 28. Juli 2017

Telemann. Reformations-Oratorium 1755 (Sony)

Abseits vom musikalischen Main- stream immer wieder vergessene Schätze zu heben, dafür ist Reinhard Goebel inzwischen bekannt. Im Laufe seines anspruchsvollen Musiker- lebens ist dem früheren Geiger, der mittlerweile ebenso verdienstvoll als Dirigent tätig ist, so manche Ent- deckung gelungen. 
Um es gleich zu sagen: Diese Welt- ersteinspielung gehört dazu, und sie gehört sowohl unter den Aufnahmen zum diesjährigen Reformations-Jubiläum als auch zum Telemann-Jubiläum zum Besten, was zu finden ist. Das Oratorium Holder Friede, heil'ger Glaube schrieb Georg Philipp Telemann im Jahre 1755 für die Feierlichkeiten zum Gedenken an den 200. Jahrestag der Unterzeichnung des Augsburger Religionsfriedens. 
Anders als Telemann seinerzeit in Hamburg, standen Goebel bei dieser Co-Produktion von Sony mit dem Bayerischen Rundfunk herausragende Kräfte zur Verfügung. Die vier allegorischen Figuren Der Friede, Die Andacht, Die Religion und Die Geschichte sind mit der jungen Sopranistin Regula Mühlemann, Tenor Daniel Johannsen, Bariton Benjamin Appl und Bass Stephan MacLeod erstklassig besetzt. Dazu gesellen sich der exzellen- te Chor des Bayerischen Rundfunk sowie die Bayerische Kammerphilhar- monie. 
Mit diesem überragenden Ensemble gelingt es Goebel ohne Schwierig- keiten, die Qualitäten des wiederentdeckten Oratoriums herauszuarbeiten. Telemann ist doch immer wieder für eine Überraschung gut – und diese hier ist ganz besonders gelungen. Unbedingt anhören! 

Samstag, 16. April 2016

Bach: Johannes-Passion (BR Klassik)

Die Johannes-Passion schrieb Johann Sebastian Bach in Leipzig für die Karwoche 1724, unmittelbar nach seiner Anstellung als Thomaskantor. Er hat das Werk, uraufgeführt seinerzeit in der Nikolaikirche, immer wieder überarbeitet und abgeändert. Hier ist die sogenannte Fassung letzter Hand zu hören, die Bach 1739 begonnen, aber letztendlich wohl niemals selbst in dieser Form aufgeführt hat. Die Einspielung wird ergänzt durch eine ebenso ergiebige wie aufwendig produzierte Werkeinführung von Markus Vanhoefer. 
Die Passion beginnt und endet mit großen Chören – Herr, unser Herr- scher und Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine. In diesen Rahmen gefasst, erklingt die Passionserzählung, immer wieder unterbrochen durch reflektierende Choräle sowie durch Arien, die biblischen Texte eindringlich kommentieren. Neben Julian Prégardien, der die Partie des Evangelisten gekonnt vorträgt, hat der Chor des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Peter Dijkstra daher den umfangreichsten Part. Und der Chor singt hinreißend – beweglich wie ein Kammerchor, blitzsauber und stets durchhörbar, gestalterisch souverän und gänzlich ohne Manierismen. Sehr beeindruckend! Dieser Live-Mitschnitt einer konzertanten Aufführung am 7. März 2015 im Herkulessaal der Münchner Residenz ist ohne Zweifel mit Abstand die beste Einspielung der Johannes-Passion seit langem. Dazu tragen auch das renommierte Originalklang-Ensemble Concerto Köln und eine umfangreiche Riege junger Vokalsolisten mit bei. 

Dienstag, 22. März 2016

Bach: Magnificat; Händel: Dixit Dominus (BR Klassik)

Die fünfköpfige Solistenriege steht hier ausnahmsweise einmal nicht im Mittelpunkt; prächtige Chorklänge prägen diese CD, für die Peter Dijkstra, der vormalige Leiter des Chores des Bayerischen Rundfunks, zwei bekannte Werke von Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach ausgewählt hat. 
Händel schrieb seine Psalmver- tonung Dixit Dominus im April 1707 in Rom, zum Auftakt seiner Reise nach Italien. Es wird vermutet, dass er in einem besonders feierlichen Vesper-Gottesdienst erklungen sein soll. Besetzt ist das Werk mit fünf Solisten sowie jeweils fünf Chor- und Streicherstimmen; es wirkt wie eine Art monumentales Concerto grosso. Der junge Händel hat dabei allerdings auch die Singstimmen über weite Strecken kaum anders behandelt als die Violinen. Dem Chor des Bayerischen Rundfunks bereitet das keine Probleme; die Sänger sind exzellent. Aber der Chorklang ist mir im Dixit Dominus mitunter beinahe etwas zu massiv, meinem Empfinden nach könnte er schlanker sein, beweglicher und bewegter. 
Das Magnificat war einst das erste großformatige Werk, mit dem sich Johann Sebastian Bach nach seiner Bestellung zum Thomaskantor dem Leipziger Publikum präsentierte. Solisten und Chor ließ er dabei gemeinsam mit einem üppig besetzten Orchester musizieren, inklusive Oboen, Traversflöten, Pauken und Trompeten. Das Barockorchester Concerto Köln ist hier in seinem Element, und setzt Glanzpunkte.

Sonntag, 27. Dezember 2015

Händel: Der Messias (BR Klassik)

Schon eine öffentliche Probe bewog seinerzeit die Kritiker zu Lobes- hymnen – und zur Uraufführung am 13. April 1742 in Dublin wurde darum gebeten, dass die Damen doch auf das Tragen von Reifröcken verzichten mögen, damit ausreichend Platz im Saal ist für die herbeiströmenden Zu- hörer. Bis heute gehört Der Messias zu den Publikumsfavoriten. Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) hat für dieses Oratorium ein Libretto von Charles Jennens (1700 bis 1773) vertont, das ausschließlich Texte aus der Bibel und dem Book of Common Prayer verwendet – eine weise Strategie, um Auseinandersetzungen mit der ziemlich konservativen Geistlichkeit aus dem Wege zu gehen; auch aus der Marketingperspektive war das clever, schließlich kannte diese Verse seinerzeit jedermann. Dank der Textpassagen, die überwiegend aus dem Alten Testament stammen, erlebt das Publikum das Leben Jesu als erfüllte Vorhersagen der Propheten. 
Wie das Publikum, so lieben auch Musiker dieses Oratorium. Peter Dijkstra hat Händels Werk nun mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem B'Rock Belgischen Kammerorchester Gent eingespielt. Er verabschiedet sich möglicherweise bereits mit dieser Aufnahme von dem Ensemble, das er seit 2005 geleitet hat, denn Dijkstra wechselt zum Nederlands Kamer- koor. Ab der Saison 2016/17 wird daher Howard Arman Künstlerischer Leiter des erfolgreichen Münchner Profi-Chores. 
Für jeden Chor ist Händels Messias eine dankbare Aufgabe. Denn das Oratorium enthält eine Vielzahl großartiger Chöre. Sie haben große Bedeutung für die Struktur des Werkes, und sind auch sehr populär – von And he shall purify the sons of Levi über For unto us a child is born über das berühmte Hallelujah! bis hin zum abschließenden Amen, einer gran- diosen Fuge. Natürlich sind auch unter den Arien etliche barocke „Super- hits“. Die Soli werden gesungen von Julia Doyle, Sopran, Lawrence Zazzo, Countertenor, Steve Davislim, Tenor, und Neal Davies, Bassbariton. 
Um es kurz zu machen: Der Chor des Bayerischen Rundfunks singt wirk- lich gut. Aber von den Solisten wird leider keiner ein Star werden, und auch das Orchester spielt nicht in der Champions League. Wer damit leben kann, der findet hier eine solide Aufnahme. Neben den beiden Musik-CD enthält die Box eine dritte Silberscheibe mit einer sehr gelungenen Werk- einführung von Markus Vanhoefer. Dieser umfassende Hör-Essay mit vielen Musikbeispielen macht diese Edition wertvoll, und empfehlenswert. Wer sich für Händels Arbeitsweise und für die Entstehung seiner Oratorien interessiert, der kann hier sehr viel lernen. 

Dienstag, 20. Mai 2014

Bach: Matthäus-Passion; Dijkstra (BR Classic)

Diese Aufnahme ist ein gutes Bei- spiel dafür, dass namhafte Sänger und Musiker nicht in jedem Falle ein Garant für eine hervorragende Aufnahme sind. Und was wird für diese Matthäus-Passion nicht alles aufgeboten! Eine lange Solisten- riege, die aber nicht wirklich überragendes leistet, dazu der Chor des Bayerischen Rundfunks nebst Regensburger Domspatzen sowie das renommierte Orchester Concerto Köln steht Peter Dijkstra hier zur Verfügung. Was er daraus macht? Enttäuschend wenig. Wir hören den Live-Mitschnitt mehrerer Konzerte im Münchner Herkulessaal, in historisch informierter Aufführungspraxis, nun ja, das würde heute kaum ein Kantor noch anders machen. Einzig Julian Prégardien gestaltet seine Partie als Evangelist mit atemberaubender Intensität (und phantastischer Technik). Leider steht er damit allein auf weiter Flur. Schade. 

Freitag, 30. Dezember 2011

Humperdinck: Dornröschen (cpo)

Mit der Oper Hänsel und Gretel sicherte sich Engelbert Humper- dinck (1854 bis 1921) seinen Platz im Spielplan bis zum heutigen Ta- ge. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit erfreut nahezu jedes Opernensem- ble in Deutschland sein kleines Publikum mit der Geschichte der beiden tapferen Kinder, die die tückische Hexe überwinden, und aus dem finsteren Wald zurück in ein Elternhaus finden, dass einem gleich sehr viel weniger trostlos erscheint.
Es ist wenig bekannt, dass der Komponist neben diesem Erfolgsstück auch noch weitere Märchenopern geschaffen hat. Eine davon er- schien nun bei dem Label cpo: Dornröschen basiert auf einem Libretto der Berliner Jugendbuchautorin Elisabeth Ebeling, das sie mit Unterstützung ihrer Freundin Bertha Lehmann-Filhés verfasst und 1895 an den Komponisten gesandt hatte.
Doch der verspürte offenbar wenig Lust, die betulichen Verse zu vertonen. Erst nachdem Humperdinck 1900 einen Ruf an die preußische Akademie der Künste erhalten und Ebeling der gesamten Familie Quartier in ihrer Villa gewährt hatte, sah er sich genötigt, das Werk in Musik zu setzen. 1902 wurde das "Ausstattungsstück mit allerhand Musik", wie es Humperdinck selbst ironisch nannte, schließlich in Frankfurt/Main uraufgeführt. 
Die Frankfurter Zeitung urteilte damals, das Werk sei ein "Virtuosen- stück für den Dekorationsmaler und Theatertechniker". Denn die Dichterin hat das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm erheblich ergänzt. Da gibt es einen Prinzen Reinhold, mit dem die Prinzessin verlobt werden soll - bevor sie in den Schlaf sinkt, wohlgemerkt - und nach den hundert Jahren wird sie sein Enkel, der ebenfalls Reinhold heißt, erlösen. Allerdings muss dieser dazu nicht nur die Dornenhecke überwinden, sondern auch die verlorengegangenen Verlobungsringe wieder auftreiben, und den Verführungskünsten der bösen Fee Dämonia widerstehen. Schafft er das nicht pünktlich bis zum Ende der Frist, stirbt Prinzessin Röschen - und mit ihr der ganze schlummernde Hofstaat. Natürlich hat das Märchen ein Happy End, doch zuvor muss der Held bis zu den Sternen reisen, um dann im Reich der Zwerge - Nibelheim lässt grüßen - die Ringe aufzuspüren. 
Durch diese Erweiterung der eigentlichen Dornröschen-Geschichte erhält das Märchen eine philosophische Dimension: Prinz Reinhold wird sein eigentlicher Held, und er muss Treue, Mut und Einsatz zeigen, um die Prinzessin zu retten. In zahlreichen Details dieser Handlung wird das Vorbild Wagner sichtbar, in Humperdincks Musik allerdings eher ironisch gebrochen. Und in den eher melodramati- schen Abschnitten, wo gesprochene Dialoge durch Musik kontrastiert werden, meint man gelegentlich sogar, die gute alte Operette kichern zu hören. 
Die Dimension eines Singspiels für Kinder jedenfalls sprengt die Handlung dieses "Märchens in einem Vorspiel und drei Akten". Und die umfangreiche Besetzungsliste hat sicherlich auch mit dazu bei- getragen, dass das Werk sich im Repertoire nicht halten konnte. Es ist dennoch schön, dass das Münchner Rundfunkorchester sowie der Chor des Bayerischen Rundfunks mit einer ausgewogenen Solisten- riege unter der musikalischen Leitung von Ulf Schirmer das Werk nun auf CD zugänglich gemacht hat. Auf die Bühne zurück wird es wohl eher nicht finden. 

Donnerstag, 16. September 2010

Franz Lehár: Der Zarewitsch (cpo)

Zarewitsch Aljoscha soll heiraten. Doch von "Weibern" hält der russi- sche Thronfolger gar nichts. Damit er seine Meinung ändert, schiebt ihm der Hof eine Tänzerin unter, die ihn in gewissen Dingen unter- weisen soll. 
Dummerweise verlieben sich die beiden ineinander, und statt brav und standesgemäß zum Altar zu schreiten, flüchtet der Erbe mit der Freundin nach Italien. Erst der Verweis auf die Staatsraison bringt ihn zur Vernunft - und auch die Tänzerin Sonja zum Verzicht auf eine sangestrunkene Liebe. 
Franz Lehár, unter den Komponisten unangefochten der König im Reich der Operette, hat die Partie des Zarewitsch seinerzeit dem Tenor Richard Tauber auf den Leib geschneidert. Wer sich also an dieses farbenreiche, musikalisch sehr anspruchsvolle, aber ansonsten nicht übermäßig spannende Stück heranwagt, der weiß, worauf er sich einlässt. 
In dieser Einspielung sind die vier wesentlichen Partien durchweg mit jungen Sängern besetzt, die sämtlich durch ein angenehmes Timbre und sichere Intonation gefallen. Alexandra Reinprecht singt die Sonja, Matthias Klink den Zarewitsch, Christina Landshamer die Mascha und Andreas Winkler den Leibdiener Iwan. Alle anderen Partien sind Sprechrollen. Es singt zudem der Chor des Bayerischen Rundfunks, und es spielt das Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer. Eine solide Einspielung, die man gut anhören kann.

Montag, 5. April 2010

Händel: Israel in Egypt (BR Klassik)

Es war ein kühnes Experiment, und es war beim Publikum offenbar nicht sehr erfolgreich - sonst hätte Händel, der Operndirektor, es sicher nicht bei diesem einen Ver- such belassen: "Israel in Ägypten" kennt keine Figuren, keine Hand- lung im klassischen Sinne und kei- ne Konflikte. Der Text entstammt der Bibel, und er wird einzig durch die Musik dramatisiert. Das Oratorium wird zum überwiegen- den Teil vom Chor getragen.
Es beginnt mit einer bewegenden Totenklage - ursprünglich 1737 von Händel für das Begräbnis von Königin Caroline geschrieben; ein bezauberndes Werk, das der Komponist dann mit nahezu identischem Text als Trauergesang der Israeliten in Ägypten auf ihren Stammvater Josef an den Beginn seines Oratoriums setzte. Der Mittelteil des Oratoriums schildert unüberhörbar die Plagen, vom Gestank des verpesteten Wassers über das Quaken der Frösche, das Flirren der Heuschreckenschwärme, das Prasseln der Hagelkörner bis hin zur Finsternis, die so dicht ist, dass sich auch das Ohr verirrt, von keiner Tonart geleitet. Nach dem gelungenen Auszug der Kinder Israels durch das Schilfmeer beginnt der dritte Teil, Moses' Song, in dem das Volk mit prächtigen Chören den Untergang den Verfolger feiert, die hinter den Israeliten im Meer versanken und von den Fluten verschlungen wurden. 
Es singt der Chor des Bayerischen Rundfunks - außerordentlich sauber geführt und stimmgewaltig. Er wird begleitet vom Concerto Köln, und in einigen Partien traut sich Peter Dijkstra sogar, die exzessive Klangrede umzusetzen, die das Werk förmlich aufdrängt. Dort ist die Aufnahme richtig stark.

Sonntag, 3. Januar 2010

Puccini: La Bohème (Deutsche Grammophon)

"La Bohème" dürfte wohl die populärste Oper Puccinis sein. Entsprechend oft wurde sie eingespielt. Es gehört mittlerweile Mut dazu, neben die vielen vorhandenen Interpretationen eine weitere zu stellen. Einen Grund dafür sollte es schon geben, und das sollte sinnvollerweise nicht ausschließlich der Name eines aktuellen Opernsternchens sein.
Auch reicht es - selbst im Multimedia-Zeitalter - nicht aus, wenn die Sänger rein optisch-schauspielerisch als Idealbesetzung ihrer Rollen durchgehen könnten. Was also könnte die Deutsche Grammophon bewogen haben, diese CD auf den Markt zu bringen? Das Vertrauen auf das schlechte Gedächtnis und das noch schlechtere Gehör der Leute?
Man höre und vergleiche: Mit der Intensität einer Mirella Freni oder einer Maria Callas (deren stärkste Partie die Mimi freilich nicht war) kann eine Anna Netrebko nicht annähernd mithalten, vom Gesang gleich ganz zu schweigen. Und was Netrebko unterm System fehlt, das lässt Rolando Villazón als Rodolfo überm System vermissen. Beide wirken angestrengt und etwas orientierungslos. Die comprimari sind ebenfalls wenig glücklich besetzt. Und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks musiziert unter Bertrand de Billy derart farb-, saft- und ideenlos - es ist ein Trauerspiel, man mag gar nicht hinhören.