Posts mit dem Label Schwark werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schwark werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 22. Dezember 2020

Machet die Tore weit (Christophorus)


 Der Weihnachtsmusik an der Leipziger Thomaskirche widmet sich auch dieses Album aus dem Hause Christophorus. Das Johann Rosenmüller Ensemble, geleitet von Arno Paduch, und der Kammerchor der Erlöserkirche Bad Homburg, geleitet von Susanne Rohn, konzentrieren sich dabei auf die Werke von Bachs Amtsvorgängern. Als Solisten wirken mit Antonia Bourvé und Simone Schwark, Sopran, Johanna Krell, Alt, Florian Cramer und Hansjörg Mammel, Tenor sowie Markus Flaig, Bass. 

Und auch wenn die Namen von Thomaskantoren wie Tobias Michael, Sebastian Knüpfer, Johann Schelle oder Johann Kuhnau heute dem Publikum kaum noch bekannt sind, erweist sich doch die Beschäftigung mit ihren Festmusiken als überaus lohnend. Man höre nur Schelles prachtvolles Machet die Tore weit, oder Knüpfers Dies est laetitiae für 22 Stimmen, üppig besetzt mit einem fünfstimmigen Trompetenchor nebst Pauken, dazu Streicher, Fagott, drei Flöten sowie sechs Solisten und vierstimmigem Chor. Dieses Konzert sowie Machet die Tore weit von Tobias Michael erklingen in Weltersteinspielung. Was für eine Klangpracht! 


Samstag, 21. Januar 2017

Telemann: Ein' feste Burg ist unser Gott. Festliche Kantaten zur Reformation (Christophorus)

Seine ersten Kirchenkantaten komponierte Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) wohl spätestens in Leipzig, wo er ab 1701 Jura studierte. Auch in Eisenach, in Frankfurt/Main sowie in Hamburg, wo er dann als Cantor Johannei und Director Musices für die Kirchenmusik an den fünf Hauptkirchen verantwortlich war, gehörte das Schreiben von Kantaten zu seinen Dienstpflichten. 
Da dürfte so mancher Kantatenjahr- gang zusammengekommen sein – reichlich Material also für Entdeckungen im Telemann-Jubiläumsjahr. So hat jüngst der Kammerchor der Erlöserkirche Bad Homburg gemeinsam mit dem Johann Rosenmüller Ensemble eine Auswahl festlicher Kantaten des Komponisten zum Reformationstag und zum Michaelisfest veröffent- licht. An der Einspielung unter Gesamtleitung von Susanne Rohn haben zudem die Gesangssolisten Simone Schwark, Johanna Krell, Hans Jörg Mammel, Markus Flaig und Wolfgang Weiß mitgewirkt. 
Die Kantaten sind, dem Anlass entsprechend, zumeist aufwendig gestaltet und üppig besetzt. Eine Ausnahme ist die einzige Solo-Kantate auf dieser CD, Ein' feste Burg ist unser Gott, für Bass, Violine und Basso continuo, wobei in der zweiten Strophe auch ein obligates Violoncello zu hören ist. Sie ist zugleich, so erfährt man aus dem Beiheft, die früheste Komposition dieser Auswahl. 
Mit Ausnahme der ersten Kantate, Wertes Zion sei getrost, erklingen die fünf ausgewählten Werke sämtlich in Weltersteinspielungen. Mein persönlicher Favorit ist die letzte Kantate auf der CD, Welch' Getümmel erschüttert den Himmel, entstanden für das Michaelisfest im Jahre 1757. Sie bietet insbesondere den Musikern des Johann Rosenmüller Ensembles Gelegenheit, zu glänzen – seien es die Trompeter, die teilweise irrwitzige Partien bewältigen müssen, seien es die Violinen, die den Höllensturz des Satans und den Einzug des siegreichen Christus musikalisch rasant illustrieren. Auch der Bass hat in seinen drei Stücken, die Telemann an des Beginn der Kantate gesetzt hat, und die das Getümmel im Himmel mit drastischen Mitteln verdeutlichen, eine wahre Höllenpartie. Die Einspie- lung insgesamt ist geschickt konzipiert, ein würdiger Beitrag sowohl zum Reformationsjubiläum als auch zum 250. Todestag des bedeutenden deutschen Barockkomponisten. 

Montag, 12. Dezember 2016

Telemann: Advent Cantatas (cpo)

Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) war stets darauf bedacht, seine Werke drucken und breit vertreiben zu lassen. Den Kantatenjahrgang 1726/1727 hat der Komponist daher gleich so gestaltet, dass Arien aus den Kantaten herausgelöst und separat musiziert werden können. Diesen „Auszug“ publizierte er in einzelnen Lieferungen, die parallel nach Beginn des Kalenderjahres verfügbar waren. 
In seinem Vorwort schreibt Tele- mann, seine Sammlung sei für den Privatgebrauch vorgesehen – also in erster Linie für die häusliche Andacht in gutbetuchten Kreisen; und deshalb sind die Gesangpartien so geschrieben, dass sowohl für hohe als auch für tiefere Stimme jeweils passende Stücke zu finden sind. Und auch wenn die Arien im Original mit Instrumenten begleitet werden, sei das Continuo eigens mit dem Ziel verfasst worden, dass die ursprüngliche Begleitung, so Telemann, „verhoffentlich nicht vermisset werden wird“
Kantaten-Arien für die Advents- und Weihnachtszeit aus dieser Kollektion hat die Sopranistin Gudrun Sidonie Otto mit ihrem GSO Consort und dem Bariton Ingolf Seidel im Jahre 2013, jahreszeitlich passend, in einem Konzert im Rahmen der Magdeburger Sonntagsmusiken vorgetragen. Ein kurzes Gastspiel gibt zudem der Altus David Erler, begleitet von Caroline Kang, Violoncello, Karl Nyhlin, Gallichon, und Aleksandra Grychtolik, Cembalo/Orgel. Der Live-Mitschnitt ist nun bei cpo erschienen. 
Die Arien beziehen sich auf die Evangelien des jeweiligen Sonntages. Es wird vermutet, dass die Texte der Eisenacher Musiker und Sekretär Johann Friedrich Helbig geschrieben hat. Telemanns Vertonung setzt das Wort eindrucksvoll in Musik um. Allerdings lässt die Beschränkung auf eine Singstimme und Generalbass, bei aller Bemühung der Ausführenden, nach einer gewissen Zeit dann doch Abwechslung vermissen. Christine Schwark, Violoncello, Michael Freimuth, Laute und Theorbe, und Wolf- gang Brunner, Cembalo und Orgelpositiv, bringen die Klangfarben ihrer Instrumente gekonnt zum Einsatz – doch irgendwann kommt beim Zuhörer Sehnsucht nach den originalen Ritornellen und Melodie-Instru- menten auf.