Mit dem zweiten Teil der Motetten sowie dem Stabat mater in f-Moll und zwei kleineren Kompositionen, Eja mater in F-Dur und Ave maris stella in G-Dur, setzt das Label Naxos sich erneut für die Wiederentdeckung des Schaffens von Johann Simon Mayr (1763 bis 1845). Über den Lebensweg dieses Komponisten wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet.
Mayr stammte aus Bayern, doch in die Musikgeschichte ging er schließlich nach seiner Auswanderung nach Italien als einer der produktivsten Komponisten der Belcanto-Ära ein. Er schrieb aber nicht nur enorm viele Opern, sondern auch eine Vielzahl geistlicher Werke – und diese beiden CD machen einmal mehr deutlich, dass Giovanni Simone Mayr sehr zu Unrecht so wenig bekannt ist.
Franz Hauk setzt sich seit Jahren mit großem Engagement für die Wiederentdeckung seines Werkes ein. Hauk ist es beispielsweise gelungen, aus zwei unvollständigen Manuskriptfassungen Mayrs Stabat Mater zu rekonstruieren. Es wurde 2014 in Ingolstadt erstmals wieder aufgeführt, und wird hier als Weltersteinspielung veröffentlicht. Das ist großartige Kirchenmusik, hinreißend, effektvoll. Und auch die Motetten sind von enormem melodischen Reichtum. Man staunt immer wieder über neue Ideen, die der Komponist auch beim vierten Salve Regina noch zu Papier brachte. Ganz erstaunlich!
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Samstag, 16. November 2019
Dienstag, 28. August 2018
Mayr: Venetian Solo Motets (Naxos)
Johann Simon Mayr (1763 bis 1845) gilt als einer der bedeutenden Komponisten der italienischen Oper im 19. Jahrhundert. Über den Lebensweg des Musikers, der aus Mendorf im oberbayerischen Landkreis Eichstätt stammt, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlicher berichtet.
Was nicht mit erwähnt wurde: Mayr scheint auch recht fromm gewesen zu sein. Schon während seines Studiums in Ingolstadt wirkte er als Organist. Auch während seiner Ausbildung in Venedig sowie in den letzten 20 Jahren seines Lebens komponierte er Kirchenmusik. So schrieb er, neben vielen Opern, auch etliche Oratorien, Motetten und Messen. 1802 erhielt er eine Anstellung als Kapellmeister an der Basilika Santa Maria Maggiore in Bergamo, die er bis an sein Lebensende inne hatte.
Nachdem bei Naxos inzwischen zahlreiche Opern des Komponisten in Aufnahmen dokumentiert sind, wendet sich das Label nun verstärkt dem geistlichen Schaffen Mayrs zu. In Weltersteinspielungen sind dort beispielsweise das Miserere in g-Moll und die Litaniae Lauretanae in g-Moll für Soli, Chor und Orchester sowie hinreißend schöne venezianische Solo-Motetten zu finden. Jede dieser Pretiosen ist in der Tat der Wiederentdeckung wert.
Franz Hauk, der sich unermüdlich dafür engagiert, das Werk von Johann Simon Mayr aus dem Archiv zurück auf Bühne und Podium zu bringen, dirigiert das Ensemble, dem neben ausgewählten Solisten auch das Orchester I Virtuosi Italiani sowie, bei den groß besetzten Werken, die Instrumentalisten von Concerto de Bassus, der Simon Mayr Chor und Mitglieder des Chores der Bayerischen Staatsoper angehören.
Was nicht mit erwähnt wurde: Mayr scheint auch recht fromm gewesen zu sein. Schon während seines Studiums in Ingolstadt wirkte er als Organist. Auch während seiner Ausbildung in Venedig sowie in den letzten 20 Jahren seines Lebens komponierte er Kirchenmusik. So schrieb er, neben vielen Opern, auch etliche Oratorien, Motetten und Messen. 1802 erhielt er eine Anstellung als Kapellmeister an der Basilika Santa Maria Maggiore in Bergamo, die er bis an sein Lebensende inne hatte.
Nachdem bei Naxos inzwischen zahlreiche Opern des Komponisten in Aufnahmen dokumentiert sind, wendet sich das Label nun verstärkt dem geistlichen Schaffen Mayrs zu. In Weltersteinspielungen sind dort beispielsweise das Miserere in g-Moll und die Litaniae Lauretanae in g-Moll für Soli, Chor und Orchester sowie hinreißend schöne venezianische Solo-Motetten zu finden. Jede dieser Pretiosen ist in der Tat der Wiederentdeckung wert.
Franz Hauk, der sich unermüdlich dafür engagiert, das Werk von Johann Simon Mayr aus dem Archiv zurück auf Bühne und Podium zu bringen, dirigiert das Ensemble, dem neben ausgewählten Solisten auch das Orchester I Virtuosi Italiani sowie, bei den groß besetzten Werken, die Instrumentalisten von Concerto de Bassus, der Simon Mayr Chor und Mitglieder des Chores der Bayerischen Staatsoper angehören.
Montag, 22. Mai 2017
Mayr: Telemaco (Naxos)
Fast 70 Opern schrieb Johann Simon Mayr (1763 bis 1845). Eine seiner frühen Opern galt der Figur des Telemaco. Telemach, wie er hierzulande genannt wird, ist in Homers Odysee nur eine Nebenfigur. Allerdings hat François Fénelon, Erzbischof von Cambray, für seinen Schüler, den siebenjährigen Louis, Dauphin von Frankreich und Herzog von Burgund, Les aventures de Télémaque zu Papier gebracht – einen Roman, in dessen Mittelpunkt er den Sohn des Odysseus stellte.
Dieses Buch, 1699 veröffentlicht, brachte seinem Autor eine Menge Ärger ein, denn es wurde bei Hofe als Kritik am Absolutismus gelesen. Zugleich wurde es europaweit ein Best- seller, und inspirierte sowohl bildende Künstler als auch Opernlibrettisten. Eines dieser Textbücher, das erzählt, dass Telemach wie einst sein Vater Odysseus auf der Insel der Nymphe Calypso strandet, vertonte Simon Mayr. Seine Oper erklang in Venedig 1797 zum Karneval fast einen Monat lang beinahe täglich, was deutlich macht, dass sie ein großer Erfolg war.
Die Kombination aus einer guten Story – immerhin lebte Odysseus sieben Jahre bei Calypso; die Nymphe musste ihn schließlich ziehen lassen, weil es die Götter befahlen – und erstklassiger Musik, die italienische Traditionen und Wiener Klassik in sich vereint, macht diese Oper auch heute noch interessant. Es ist Mayr-Spezialist Franz Hauk sehr zu danken, dass man Telemaco nell’isola di Calipso nunmehr auf CD anhören kann.
Die Weltersteinspielung ist nun in seiner fortlaufend erweiterten Edition der Opern des bayerisch-italienischen Komponisten erschienen. Die Sänger und Musiker hat Franz Hauk bei der Aufnahme vom Cembalo aus dirigiert. Ein exzellentes Solistenensemble, der versierte Simon Mayr Chor, verstärkt durch Mitglieder des Chores der Bayerischen Staatsoper, und das Ensemble Concerto de Bassus unter seiner Konzertmeisterin Theona Gubba-Chkeidze machen diese Oper, in der der junge Held durch seinen Mentor auf den rechten Weg geführt wird, zu einem Hörvergnügen.
Dieses Buch, 1699 veröffentlicht, brachte seinem Autor eine Menge Ärger ein, denn es wurde bei Hofe als Kritik am Absolutismus gelesen. Zugleich wurde es europaweit ein Best- seller, und inspirierte sowohl bildende Künstler als auch Opernlibrettisten. Eines dieser Textbücher, das erzählt, dass Telemach wie einst sein Vater Odysseus auf der Insel der Nymphe Calypso strandet, vertonte Simon Mayr. Seine Oper erklang in Venedig 1797 zum Karneval fast einen Monat lang beinahe täglich, was deutlich macht, dass sie ein großer Erfolg war.
Die Kombination aus einer guten Story – immerhin lebte Odysseus sieben Jahre bei Calypso; die Nymphe musste ihn schließlich ziehen lassen, weil es die Götter befahlen – und erstklassiger Musik, die italienische Traditionen und Wiener Klassik in sich vereint, macht diese Oper auch heute noch interessant. Es ist Mayr-Spezialist Franz Hauk sehr zu danken, dass man Telemaco nell’isola di Calipso nunmehr auf CD anhören kann.
Die Weltersteinspielung ist nun in seiner fortlaufend erweiterten Edition der Opern des bayerisch-italienischen Komponisten erschienen. Die Sänger und Musiker hat Franz Hauk bei der Aufnahme vom Cembalo aus dirigiert. Ein exzellentes Solistenensemble, der versierte Simon Mayr Chor, verstärkt durch Mitglieder des Chores der Bayerischen Staatsoper, und das Ensemble Concerto de Bassus unter seiner Konzertmeisterin Theona Gubba-Chkeidze machen diese Oper, in der der junge Held durch seinen Mentor auf den rechten Weg geführt wird, zu einem Hörvergnügen.
Freitag, 13. März 2015
Mayr: Il sogno di Partenope (Naxos)
Das Label Naxos engagiert sich seit Jahren für die
Wiederentdeckung des Werkes von Johann Simon Mayr (1763 bis 1845).
Mit dem Simon-Mayr-Chor & Ensemble Ingolstadt, gegründet und
geleitet von Franz Hauk, und wechselnden Solisten hat Naxos
mittlerweile eine Vielzahl der Opern des Komponisten sowie einige
seiner Kantaten und Oratorien veröffentlicht. So ist jüngst Il
sogno di Partenope erschienen.
Mayr komponierte dieses melodram- ma allegorico nach einem Libretto, das ein renommierter Altphilologe und Autor eigens erstellt hatte, für die Einweihung des nach einem Brand wieder aufgebauten Teatro San Carlo in Neapel. Gewidmet ist es König Ferdinand I. zum Geburtstag, und wie bei einer derartigen Huldigungs- kantate üblich, wird ein beträchtlicher mythologischer wie musikalischer Aufwand betrieben, um den Herrscher angemessen zu feiern. Dummer- weise ist nur der zweite Akt überliefert – doch was da zu hören ist, das lässt den Verlust des ersten Teiles erst recht sehr bedauerlich erscheinen.
Mayr komponierte dieses melodram- ma allegorico nach einem Libretto, das ein renommierter Altphilologe und Autor eigens erstellt hatte, für die Einweihung des nach einem Brand wieder aufgebauten Teatro San Carlo in Neapel. Gewidmet ist es König Ferdinand I. zum Geburtstag, und wie bei einer derartigen Huldigungs- kantate üblich, wird ein beträchtlicher mythologischer wie musikalischer Aufwand betrieben, um den Herrscher angemessen zu feiern. Dummer- weise ist nur der zweite Akt überliefert – doch was da zu hören ist, das lässt den Verlust des ersten Teiles erst recht sehr bedauerlich erscheinen.
Donnerstag, 16. Januar 2014
Scheidemann: Organ Works, Vol. 6; Brown (Naxos)
Heinrich Scheidemann (um 1595 bis 1663) gilt als Mitbegründer der Norddeutschen Orgelschule. Der Musiker war ein Schüler von Jan Pieterszoon Sweelinck. 1629 wurde er der Nachfolger seines Vaters David Scheidemann als Organist an der Hamburger St.-Katharinen-Kirche. Dieses Amt behielt er bis zu seinem Tode. Sein bedeutendster Schüler, Johann Adam Reincken, wurde sein Nachfolger.
Diese Biographie klingt unspekta- kulär – doch der Organist hat ein bedeutendes Werk geschaffen, und die Orgelmusik in Norddeutsch- land entscheidend mit geprägt. Diese Entwicklung vollzieht Organistin Julia Brown auf der vorliegenden CD teilweise nach. Sie spielt Werke, die für den Gottesdienst bestimmt waren (und teilweise den Einfluss Sweelincks noch verraten), Transkriptionen und Variationen, aber auch kleine Tanzsätze, die Scheidemann möglicherweise für seine Schüler verfasst hat. Zugleich präsentiert sie eine bedeutende Orgel, die der Orgelbauer John Brombaugh & Associates aus Eugene, Oregon/USA, 2004 in der First Prebyterian Church in Springfield, Illinois/USA, errichtet hat. Beeindruckend!
Diese Biographie klingt unspekta- kulär – doch der Organist hat ein bedeutendes Werk geschaffen, und die Orgelmusik in Norddeutsch- land entscheidend mit geprägt. Diese Entwicklung vollzieht Organistin Julia Brown auf der vorliegenden CD teilweise nach. Sie spielt Werke, die für den Gottesdienst bestimmt waren (und teilweise den Einfluss Sweelincks noch verraten), Transkriptionen und Variationen, aber auch kleine Tanzsätze, die Scheidemann möglicherweise für seine Schüler verfasst hat. Zugleich präsentiert sie eine bedeutende Orgel, die der Orgelbauer John Brombaugh & Associates aus Eugene, Oregon/USA, 2004 in der First Prebyterian Church in Springfield, Illinois/USA, errichtet hat. Beeindruckend!
Montag, 5. August 2013
Wilhelm Friedemann Bach: Keyboard Works 4 (Naxos)
Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784) war der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs. Er kam in Weimar zur Welt, und wurde durch seinen Vater mit Sorgfalt in der Musik unterwiesen. Zeugnis davon gibt unter anderem das berühmte Clavierbüchlein vor Wilhelm Friedemann Bach, das auch kon- trapunktische Arbeiten enthält, die der Zehnjährige gemeinsam mit seinem Vater entwickelt hat.
Wilhelm Friedemann Bach hat in Leipzig studiert, und trat 1733 seine erste Stelle als Organist der Sophienkirche in Dresden an. 1746 wechselte er an die Liebfrauenkirche nach Halle/Saale. Er galt als der beste Organist weithin, und auch wenn er seine besten Werke wohl niemals aufgezeichnet hat, lässt diese CD erahnen, welches Format dieser Musiker gehabt haben muss.
Julia Brown setzt hier mit den Sonaten in C-, F- und D-Dur sowie der Sonate für zwei Cembali ihre Gesamteinspielung der Musik fort, die der Komponist für Tasteninstrumente geschrieben hat. Das ist ein anspruchsvolles Projekt, denn zum einen wurden nur zwei seiner Sonaten gedruckt, die anderen sind lediglich in Abschriften über- liefert. Zum anderen steckt seine Musik voll Überraschungen – und ist niemals langweilig, was aber auch gewisse Herausforderungen für die Interpreten mit sich bringt.
Julia Brown, in der Sonate für zwei Cembali gemeinsam mit Barbara Baird, gelingt es bestens, diese Werke, die alles andere sind als „ga- lant“ und gefällig, vorzustellen. Man erahnt, warum Musikhistoriker die Claviersonaten Wilhelm Friedemann Bachs als die bedeutendsten derartigen Werke vor Beethoven ansehen. Denn sie vereinen das „alte“ Handwerk, die virtuose Beherrschung von Polyphonie und Kontrapunkt, was hier mitunter geradezu spielerisch demonstriert wird, und teilweise moderne Formen. Ein Hörvergnügen ist dies allemal – und in dieser Einspielung sehr zu empfehlen.
Wilhelm Friedemann Bach hat in Leipzig studiert, und trat 1733 seine erste Stelle als Organist der Sophienkirche in Dresden an. 1746 wechselte er an die Liebfrauenkirche nach Halle/Saale. Er galt als der beste Organist weithin, und auch wenn er seine besten Werke wohl niemals aufgezeichnet hat, lässt diese CD erahnen, welches Format dieser Musiker gehabt haben muss.
Julia Brown setzt hier mit den Sonaten in C-, F- und D-Dur sowie der Sonate für zwei Cembali ihre Gesamteinspielung der Musik fort, die der Komponist für Tasteninstrumente geschrieben hat. Das ist ein anspruchsvolles Projekt, denn zum einen wurden nur zwei seiner Sonaten gedruckt, die anderen sind lediglich in Abschriften über- liefert. Zum anderen steckt seine Musik voll Überraschungen – und ist niemals langweilig, was aber auch gewisse Herausforderungen für die Interpreten mit sich bringt.
Julia Brown, in der Sonate für zwei Cembali gemeinsam mit Barbara Baird, gelingt es bestens, diese Werke, die alles andere sind als „ga- lant“ und gefällig, vorzustellen. Man erahnt, warum Musikhistoriker die Claviersonaten Wilhelm Friedemann Bachs als die bedeutendsten derartigen Werke vor Beethoven ansehen. Denn sie vereinen das „alte“ Handwerk, die virtuose Beherrschung von Polyphonie und Kontrapunkt, was hier mitunter geradezu spielerisch demonstriert wird, und teilweise moderne Formen. Ein Hörvergnügen ist dies allemal – und in dieser Einspielung sehr zu empfehlen.
Sonntag, 18. November 2012
Wilhelm Friedemann Bach: Sonatas and Suite (Naxos)
Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784), der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs und seiner ersten Frau Maria Barbara, gehört ohne Zweifel zu den großen Clavier- virtuosen seiner Zeit. Anders aber als sein Bruder Carl Philipp Ema- nuel Bach, der als Cembalist bei Friedrich dem Großen diente, und in seinen Werken für Tasteninstru- mente teilweise eine sehr moderne musikalische Sprache entwickelte, setzte Wilhelm Friedemann Bach auf eine höchst eigenwillige Kom- bination aus dem traditionellen Kontrapunkt und dem Experimen- tierdrang seiner Generation. Da gibt es einiges zu entdecken. So beeindruckt beispielsweise sein kühner Einsatz von Chromatik und Kontrasten.
Julia Brown, Musikdirektorin und Organistin an der First United Methodist Church in Eugene, Oregon/USA, wagt sich an eine erste Gesamtaufnahme der Clavierwerke des Komponisten, die insbe- sondere aus einer Reihe von Sonaten und etlichen einzelnen Tanzsätzen bestehen. Diese CD enthält auch die einzige überlieferte Suite von Wilhelm Friedemann Bach. Wie schon sein Vater in den Partiten, überschreitet hier auch der Sohn die Grenzen des Genres. Er nutzt zwar die Tanzsätze weiter, aber obgleich eine gewisse formale Strenge hier ebenfalls nicht zu verleugnen ist, so ähneln diese Werke doch bereits stärker Charakterstücken.
Julia Brown, Musikdirektorin und Organistin an der First United Methodist Church in Eugene, Oregon/USA, wagt sich an eine erste Gesamtaufnahme der Clavierwerke des Komponisten, die insbe- sondere aus einer Reihe von Sonaten und etlichen einzelnen Tanzsätzen bestehen. Diese CD enthält auch die einzige überlieferte Suite von Wilhelm Friedemann Bach. Wie schon sein Vater in den Partiten, überschreitet hier auch der Sohn die Grenzen des Genres. Er nutzt zwar die Tanzsätze weiter, aber obgleich eine gewisse formale Strenge hier ebenfalls nicht zu verleugnen ist, so ähneln diese Werke doch bereits stärker Charakterstücken.
Donnerstag, 7. Juni 2012
Mayr: Samuele (Naxos)
Für die Feierlichkeiten zur Einset- zung eines neuen Bischofs 1821 in Bergamo schuf Giovanni Simone Mayr (1763 bis 1845) sein Orato- rium Samuele. Das Libretto stammt von Bartolomeo Merelli; die Handlung schildert die Beru- fung Samuels zum Propheten - ein nettes Thema für ein Huldigungs- oratorium.
Auch wenn der Komponist aus Niederbayern stammt und seine Ausbildung am Jesuitenkolleg in Ingolstadt startete, so trägt diese Musik doch unverkennbar italienischen Charakter. Nach etlichen Jahren, die Mayr überwiegend damit beschäftigt war, Opern zu komponieren, entschied er sich 1802, die Nachfolge seines einstigen Lehrers Carlo Lenzi als maestro di capella an der Kathedrale von Bergamo anzutreten. Drei Jahre später wurde er Direktor der Chor- schule an dieser Kathedrale, und in dieser Position verblieb er bis an sein Lebensende.
Mayr hat 70 Opern und gut 600 Werke geschaffen, die der geistlichen Musik zuzurechnen sind. Es ist sehr erfreulich, dass der lang vergesse- ne Komponist nun zunehmend wieder entdeckt wird. Dazu trägt auch diese CD bei. Franz Hauk hat Samuele mit dem von ihm 2003 gegrün- deten Simon Mayr Chor und dem georgischen Kammerorchester Ingolstadt eingespielt. Zu hören sind zudem als Solisten Andrea Lauren Brown und Susanne Bernhard, Sopran, Rainer Trost, Tenor und Jens Hamann, Bass. Die Aufnahme ist gelungen, die Soli singen sehr ordentlich, und der Chor agiert kraftvoll. Eine Entdeckung!
Auch wenn der Komponist aus Niederbayern stammt und seine Ausbildung am Jesuitenkolleg in Ingolstadt startete, so trägt diese Musik doch unverkennbar italienischen Charakter. Nach etlichen Jahren, die Mayr überwiegend damit beschäftigt war, Opern zu komponieren, entschied er sich 1802, die Nachfolge seines einstigen Lehrers Carlo Lenzi als maestro di capella an der Kathedrale von Bergamo anzutreten. Drei Jahre später wurde er Direktor der Chor- schule an dieser Kathedrale, und in dieser Position verblieb er bis an sein Lebensende.
Mayr hat 70 Opern und gut 600 Werke geschaffen, die der geistlichen Musik zuzurechnen sind. Es ist sehr erfreulich, dass der lang vergesse- ne Komponist nun zunehmend wieder entdeckt wird. Dazu trägt auch diese CD bei. Franz Hauk hat Samuele mit dem von ihm 2003 gegrün- deten Simon Mayr Chor und dem georgischen Kammerorchester Ingolstadt eingespielt. Zu hören sind zudem als Solisten Andrea Lauren Brown und Susanne Bernhard, Sopran, Rainer Trost, Tenor und Jens Hamann, Bass. Die Aufnahme ist gelungen, die Soli singen sehr ordentlich, und der Chor agiert kraftvoll. Eine Entdeckung!
Freitag, 30. Dezember 2011
Bach: The Complete Flute Sonatas (Hyperion)
Diese Doppel-CD aus dem Hause Hyperion enthält sämtliche Flö- tensonaten von Johann Sebastian Bach sowie jene, die ihm zwar zugeschrieben werden, bei denen Experten aber Zweifel daran haben, dass sie tatsächlich von dem Komponisten stammen. Lisa Beznosiuk, ausgewiesene Expertin für "Alte" Musik, spielt eine Eben- holz-Traversflöte aus der Werk- statt von Alain Weemaels nach einem Original des Brüsseler Holz- blasinstrumentenbauers Johannes Hyacinthus Rottenburgh (1672 bis 1765).
Dieses Instrument verfügt über eine faszinierend dunkel klingende Tiefe, und wird auch in der Höhe niemals spitz oder schrill. Beznosiuk entwickelt einen unglaublich wandlungsfähigen Ton, sie färbt den Klang nahezu nach Belieben - das ist phantastisch, und es wäre mit einer modernen Böhmflöte wohl kaum in ähnlicher Weise möglich. Insofern ist diese Aufnahme spannend. Bei der Triosonate in G-Dur BWV 1039 übernimmt Rachel Brown die zweite Flöte; sie spielt ebenfalls brillant.
Den Cembalo-Part hat Paul Nicholson übernommen. Ob allerdings Bach im Continuo ein Violoncello eingesetzt hat - es wird hier gespielt von Richard Tunnicliffe -, das ist umstritten; der Einsatz eines Violones würde den Klang noch einmal verändern. In einem Stück, der E-Dur-Sonate BWV 1035, kommt anstelle des Cembalos die Erzlaute zum Einsatz, gespielt von Elizabeth Kenny. Dies erscheint durchaus als eine attraktive Variante, auch wenn ich nicht glaube, dass diese Sonate zu Bachs Zeiten tatsächlich so erklungen ist. Variatio delectat - und diese beiden CD sind musikalisch wirklich sehr interessant.
Dieses Instrument verfügt über eine faszinierend dunkel klingende Tiefe, und wird auch in der Höhe niemals spitz oder schrill. Beznosiuk entwickelt einen unglaublich wandlungsfähigen Ton, sie färbt den Klang nahezu nach Belieben - das ist phantastisch, und es wäre mit einer modernen Böhmflöte wohl kaum in ähnlicher Weise möglich. Insofern ist diese Aufnahme spannend. Bei der Triosonate in G-Dur BWV 1039 übernimmt Rachel Brown die zweite Flöte; sie spielt ebenfalls brillant.
Den Cembalo-Part hat Paul Nicholson übernommen. Ob allerdings Bach im Continuo ein Violoncello eingesetzt hat - es wird hier gespielt von Richard Tunnicliffe -, das ist umstritten; der Einsatz eines Violones würde den Klang noch einmal verändern. In einem Stück, der E-Dur-Sonate BWV 1035, kommt anstelle des Cembalos die Erzlaute zum Einsatz, gespielt von Elizabeth Kenny. Dies erscheint durchaus als eine attraktive Variante, auch wenn ich nicht glaube, dass diese Sonate zu Bachs Zeiten tatsächlich so erklungen ist. Variatio delectat - und diese beiden CD sind musikalisch wirklich sehr interessant.
Donnerstag, 11. August 2011
Zumsteeg: Die Geisterinsel (Carus)
Johann Rudoph Zumsteeg (1760 bis 1802) war der Sohn eines Kammerdieners des Herzogs von Württemberg. Im Alter von zehn Jahren wurde er in die Pflanzschu- le Carl Eugens aufgenommen, der diese Eliteschule gegründet hatte, um Künstler, Beamte und Militärs heranzuziehen, die dem Hof ver- pflichtet waren. Zumsteeg sollte zunächst Bildhauer werden, dann aber wurde seine musikalische Begabung erkannt und gefördert. Als er im September 1781 die Karlsschule verließ, fand er sofort Anstellung als Cellist und Kompo- nist bei Hofe.
Anders als sein Schulfreund Schiller, wusste sich der junge Musiker in Württemberg zu arrangieren. Und als sein einstiger Lehrer Augustin Maria Benedict Poli 1793 seinen Abschied nahm, wurde Zumsteeg sein Nachfolger im Amt des Hofkapellmeisters - mit einem Gehalt von immerhin 2300 Gulden.
Frieder Bernius hat nun mit seinem Kammerchor und der Hofkapelle Stuttgart ein Werk Zumsteegs wiederentdeckt, das zu den großen Erfolgen des Komponisten gehört: Das Singspiel Die Geisterinsel, 1798 in Stuttgart uraufgeführt und seinerzeit ungemein populär. So erbat die französische Kaiserin Josephine Beauharnais 1806 von Zumsteegs Witwe die Partitur, um das Stück übersetzen und in Paris aufführen zu lassen.
Das Libretto von Friedrich Hildebrand Freiherr von Einsiedel und Friedrich Wilhelm Gotters basiert auf Shakespeares Sturm, bearbeite- te diese Vorlage allerdings sehr frei, um sie operntauglich zu machen. Und Zumsteeg hat nicht nur Mozarts Opern in Stuttgart aufgeführt, sondern von seinem Wiener Kollegen offenbar auch allerhand gelernt. Es ist gewiss kein Zufall, dass Die Geisterinsel mitunter stark an Mo- zarts Zauberflöte erinnert.
Zauberopern - wenn möglich, mit aufwendiger Bühnentechnik - waren damals groß in Mode. Zumsteegs Singspiel ist aber nicht deshalb attraktiv. Interessant ist das Stück deshalb, weil es nicht in Sprech- texte, die die Handlung vorantreiben, und Arien, die der Reflexion dienen, zerfällt. Wenn es hier Dialoge gab, dann hat Bernius sie ge- strichen - und man vermisst sie nicht. Zumsteeg hat kühn durchkom- poniert, und schuf ausdrucksstarke Arien und Ensembles, die mit- unter noch die italienische Schule erkennen lassen, originelle Chöre sowie ausgedehnte Finalszenen. An ihnen wird freilich auch spürbar, dass Zumsteeg doch nicht Mozart war.
Gut gelungen sind ihm jedoch die Charakterisierung seiner Figuren mit musikalischen Mitteln sowie die Instrumentierung, die vor allem den Holzbläsern dankbare solistische Aufgaben beschert. Die Musiker der Hofkapelle Stuttgart spielen engagiert, und der Chor sowie die meisten Solisten können sich ebenfalls hören lassen. So ergänzt diese Weltersteinspielung bei Carus nicht nur unser Bild von der Oper der Frühromantik. Sie rückt auch das Schaffen eines Komponisten wieder in unseren Blick, der nicht umsonst von seinen Zeitgenossen als "Mozart Württembergs" gefeiert wurde.
Anders als sein Schulfreund Schiller, wusste sich der junge Musiker in Württemberg zu arrangieren. Und als sein einstiger Lehrer Augustin Maria Benedict Poli 1793 seinen Abschied nahm, wurde Zumsteeg sein Nachfolger im Amt des Hofkapellmeisters - mit einem Gehalt von immerhin 2300 Gulden.
Frieder Bernius hat nun mit seinem Kammerchor und der Hofkapelle Stuttgart ein Werk Zumsteegs wiederentdeckt, das zu den großen Erfolgen des Komponisten gehört: Das Singspiel Die Geisterinsel, 1798 in Stuttgart uraufgeführt und seinerzeit ungemein populär. So erbat die französische Kaiserin Josephine Beauharnais 1806 von Zumsteegs Witwe die Partitur, um das Stück übersetzen und in Paris aufführen zu lassen.
Das Libretto von Friedrich Hildebrand Freiherr von Einsiedel und Friedrich Wilhelm Gotters basiert auf Shakespeares Sturm, bearbeite- te diese Vorlage allerdings sehr frei, um sie operntauglich zu machen. Und Zumsteeg hat nicht nur Mozarts Opern in Stuttgart aufgeführt, sondern von seinem Wiener Kollegen offenbar auch allerhand gelernt. Es ist gewiss kein Zufall, dass Die Geisterinsel mitunter stark an Mo- zarts Zauberflöte erinnert.
Zauberopern - wenn möglich, mit aufwendiger Bühnentechnik - waren damals groß in Mode. Zumsteegs Singspiel ist aber nicht deshalb attraktiv. Interessant ist das Stück deshalb, weil es nicht in Sprech- texte, die die Handlung vorantreiben, und Arien, die der Reflexion dienen, zerfällt. Wenn es hier Dialoge gab, dann hat Bernius sie ge- strichen - und man vermisst sie nicht. Zumsteeg hat kühn durchkom- poniert, und schuf ausdrucksstarke Arien und Ensembles, die mit- unter noch die italienische Schule erkennen lassen, originelle Chöre sowie ausgedehnte Finalszenen. An ihnen wird freilich auch spürbar, dass Zumsteeg doch nicht Mozart war.
Gut gelungen sind ihm jedoch die Charakterisierung seiner Figuren mit musikalischen Mitteln sowie die Instrumentierung, die vor allem den Holzbläsern dankbare solistische Aufgaben beschert. Die Musiker der Hofkapelle Stuttgart spielen engagiert, und der Chor sowie die meisten Solisten können sich ebenfalls hören lassen. So ergänzt diese Weltersteinspielung bei Carus nicht nur unser Bild von der Oper der Frühromantik. Sie rückt auch das Schaffen eines Komponisten wieder in unseren Blick, der nicht umsonst von seinen Zeitgenossen als "Mozart Württembergs" gefeiert wurde.
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