Ein Cellist und ein Pianist spielen zusammen Tango – und wie! Wenn Friedrich Kleinhapl und Andreas Woyke diese Musik gestalten, dann hat man mitunter den Eindruck, jeder könnte Gedanken und Gefühle des anderen lesen. Doch bis zu dieser CD war es ein langer Weg: „2003 traten Andreas Woyke und ich mit Astor Piazzollas Grand Tango zum ersten Mal gemeinsam auf“, berichtet Kleinhapl. „Das war meine erste intensivere Auseinandersetzung mit Tangos und Astor Piazzolla. Dieses so unglaublich energiegeladene Stück ließ uns nie mehr los, löste eine Sehnsucht nach mehr aus. Die große Frage war aber immer: wie sollten wir zu Arrangements anderer Tangos für unsere Besetzung kommen, die so stark sind, dass sie neben dem Grand Tango bestehen können?“
Die Antwort verblüfft: Es ergab sich. In Caracas lernte Kleinhapl beim Musizieren mit dem Simón Bolívar Orchester den venezolanischen Kompo- nisten Federico Ruíz kennen. Er schrieb ein hinreißendes Arrangement von Piazzollas Adiós Nonino, die Österreicherin Dorothee Badent arrangierte Milonga del ángel. Auch der in Hollywood arbeitende Gerrit Wunder schuf Bearbeitungen speziell für die beiden Musiker. „Die Ideen flogen wie in einem Ping-Pong-Spiel zwischen uns hin und her“, so der Cellist. „Aus den Arrangements unserer Komponistenfreunde wurden sehr rasch unsere eigenen. (..) Entstanden ist dabei wahrscheinlich so etwas wie eine Mischung aus südamerikanischer Inspiration mit bewusst nicht verleug- neten europäischen Wurzeln – jedenfalls aber zumindest für uns selbst ein Rausch der Energien, Klangfarben und Stimmungen.“ Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass Woyke und Kleinhapl ganz phantastisch mit- einander musizieren. Unbedingt anhören!
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Samstag, 6. August 2016
Donnerstag, 2. Juni 2016
Hora Cero (Sony)
„Aus meiner Sicht passt der Tango am allerbesten zu unserem Ensemble“, sagt David Riniker. „Bei dem Genre braucht man einerseits Biss. Andererseits ist da diese Melancholie, der wir Cellisten uns sehr nahe fühlen.“ Und wenn die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker Tango spielen, dann ist das in der Tat ein Gänsehaut-Erlebnis.
Dennoch benötigte Riniker für dieses Projekt einen langen Atem: 2001 präsentierte der Musiker den Kollegen seine erste Tango-Bearbeitung. Sie wurde prompt abgelehnt – „zu schwer“. Doch Rinikers Enthusiamus und die Klassiker von Astor Piazzolla überzeugten letztendlich. Auf dieser CD erklingen etliche Kompositionen des Schöpfers des Tango nuevo, wie Libertango, Soledad, Tres minutos con la realidad, Caliente oder Buenos Aires hora cero. Dieser Tango gab dem Album auch den Namen.
Ergänzt wird das Programm durch Werke von José Carli (*1931) und Pasquale Stafano (*1972); der Tango alter Schule ist vertreten mit A Don Agustín Bardi von Horacio Salgan (*1916). Die Arrangements stammen zumeist von David Rinicker. „Da ich von der Mehrheit der Stücke keine Noten habe und sie von Aufnahmen durch unzähliges Wiederanhören abgeschrieben habe, dauert es bisweilen Monate, bis eine Bearbeitung fertiggestellt ist“, berichtet der Cellist. „Sie schwirrt in der intensivsten Zeit dann Tag und Nacht durch meinen Kopf. Manchmal träume ich davon. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich am Morgen die Lösung einer Stelle ganz klar wusste.“ Nichts ist hier Zufall; jeder Part ist für einen bestimmten Musiker geschrieben. „Wenn ich die Musik dieses Albums durchhöre, erscheint es mir fast wie ein Wunder, dass wir alles ohne Dirigenten aufgenommen haben“, resümiert Riniker, „so komplex und vielfältig ist diese Musik.“ Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker spielen Tango mit Leidenschaft, mit Drive und mit Ausdruck – faszinierend, unbedingt anhören!
Dennoch benötigte Riniker für dieses Projekt einen langen Atem: 2001 präsentierte der Musiker den Kollegen seine erste Tango-Bearbeitung. Sie wurde prompt abgelehnt – „zu schwer“. Doch Rinikers Enthusiamus und die Klassiker von Astor Piazzolla überzeugten letztendlich. Auf dieser CD erklingen etliche Kompositionen des Schöpfers des Tango nuevo, wie Libertango, Soledad, Tres minutos con la realidad, Caliente oder Buenos Aires hora cero. Dieser Tango gab dem Album auch den Namen.
Ergänzt wird das Programm durch Werke von José Carli (*1931) und Pasquale Stafano (*1972); der Tango alter Schule ist vertreten mit A Don Agustín Bardi von Horacio Salgan (*1916). Die Arrangements stammen zumeist von David Rinicker. „Da ich von der Mehrheit der Stücke keine Noten habe und sie von Aufnahmen durch unzähliges Wiederanhören abgeschrieben habe, dauert es bisweilen Monate, bis eine Bearbeitung fertiggestellt ist“, berichtet der Cellist. „Sie schwirrt in der intensivsten Zeit dann Tag und Nacht durch meinen Kopf. Manchmal träume ich davon. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich am Morgen die Lösung einer Stelle ganz klar wusste.“ Nichts ist hier Zufall; jeder Part ist für einen bestimmten Musiker geschrieben. „Wenn ich die Musik dieses Albums durchhöre, erscheint es mir fast wie ein Wunder, dass wir alles ohne Dirigenten aufgenommen haben“, resümiert Riniker, „so komplex und vielfältig ist diese Musik.“ Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker spielen Tango mit Leidenschaft, mit Drive und mit Ausdruck – faszinierend, unbedingt anhören!
Freitag, 1. Januar 2016
Cristal - Cuarteto Soltango (Avi-Music)
„Wir lassen die Stücke als solche unberührt, denn die Stilistik ist ganz klar an den alten Orquestas orien- tiert, die wir als Tangotanzende auch an jedem zweiten Abend hören. Was wir daraus machen, ist, die Musik aus allen unterschiedlichen Stilen in Form von Kammermusik auf die Bühne zu bringen. Das macht es ganz intim und zu einer reinen Musik, die auch unabhängig vom Tanz existie- ren kann“, erläutert das Cuarteto Soltango im Beiheft zu Cristal. Auf dieser CD präsentieren Sophie Heinrich, Violine, Karel Bredenhorst, Violoncello, Rocco Heins, Bandoneon, und Martin Klett, Klavier, klassischen Tango in unterschiedlichsten Stilen bis hin zum Tango Nuevo von Astor Piazzolla und Osvaldo Pugliese.
Die Arrangements stammen von Martin Klett. Die Spannung zwischen Kantilene und Rhythmus macht diese Musik ausgesprochen interessant. „Da wir ja nur vier Leute sind“ – Tango-Standardbesetzung sind vier Geigen, vier Bandoneons, Klavier, Kontrabass und Sänger – „suchen wir immer einen orchestralen und vollen Klang, wodurch hohe Anforde- rungen an die einzelnen Spieler entstehen: Teilweise spielen die beiden Streicher vierstimmige Streichersätze, also jeweils lange Passagen nur Doppelgriffe, Rocco spielt die Stimmen von vier Bandoneons auf einem einzigen Instrument und das Klavier ergänzt alle weiteren Stimmen.“ Dennoch bleibt der kammermusikalische Ansatz erhalten, und die Musik, die das Cuarteto Soltango spielt, klingt hinreißend gut. Die vier Musiker konnten sich bereits über den verdienten Erfolg freuen: Schon kurz nach seiner Gründung 2008 wurde das Quartett zum Schleswig-Holstein Musikfestival und zum Oberstdorfer Musiksommer eingeladen. Zu hören sind die Musiker mittlerweile ebenso auf bedeutenden klassischen Konzertpodien wie bei Festivals und Tango-Shows.
Die Arrangements stammen von Martin Klett. Die Spannung zwischen Kantilene und Rhythmus macht diese Musik ausgesprochen interessant. „Da wir ja nur vier Leute sind“ – Tango-Standardbesetzung sind vier Geigen, vier Bandoneons, Klavier, Kontrabass und Sänger – „suchen wir immer einen orchestralen und vollen Klang, wodurch hohe Anforde- rungen an die einzelnen Spieler entstehen: Teilweise spielen die beiden Streicher vierstimmige Streichersätze, also jeweils lange Passagen nur Doppelgriffe, Rocco spielt die Stimmen von vier Bandoneons auf einem einzigen Instrument und das Klavier ergänzt alle weiteren Stimmen.“ Dennoch bleibt der kammermusikalische Ansatz erhalten, und die Musik, die das Cuarteto Soltango spielt, klingt hinreißend gut. Die vier Musiker konnten sich bereits über den verdienten Erfolg freuen: Schon kurz nach seiner Gründung 2008 wurde das Quartett zum Schleswig-Holstein Musikfestival und zum Oberstdorfer Musiksommer eingeladen. Zu hören sind die Musiker mittlerweile ebenso auf bedeutenden klassischen Konzertpodien wie bei Festivals und Tango-Shows.
Sonntag, 5. August 2012
Tango Royal - Carel Kraayenhof (Pentatone Classics)
Tango trivial, in seiner verkitschten Form. So also klingt das, wenn Musik, die einst in argentinischen Bordells gespielt wurde, bei Hofe angekommen ist. Dass dieser Tanz einmal als "sündhaft" galt, wird man nicht glauben, wenn man diese CD hört. Statt knisternder Spannung gibt's Geigengeschluchze und Gesang. Piazzolla würde staunen - denn soviel Weichspüler war nie. Und auch wenn die Musiker durch- weg ihr Handwerk verstehen, finde ich das Ergebnis schwer erträglich.
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