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Samstag, 15. Juni 2019

Czerny: Piano Concerto in D minor (Naxos)

Auch mit dieser CD setzt sich Rosemary Tuck für die Wiederentdeckung des Schaffens von Carl Czerny (1791 bis 1857) ein. In Wien, wo Czerny zur Welt kam, gab es seinerzeit – so berichtet die australische Pianistin im Geleitwort zu dieser Aufnahme – dreimal mehr Klavierlehrer als Ärzte.  
In dieser musikalischen Atmosphäre wuchs Carl Czerny auf, und schon als Zehnjähriger beeindruckte er Ludwig van Beethoven mit seinem Klavierspiel derart, dass ihn dieser als Schüler annahm. Die beiden Musiker blieben lebenslang befreundet. Czerny wirkte als Solist bei den Uraufführungen von zwei Klavierkonzerten seines Lehrers, und er fertigte auch die Klavierfassungen zu Orchesterwerken Beethovens an. 
In späteren Jahren zog Czerny das Komponieren und Unterrichten der Virtuosenlaufbahn vor. Zu seinen Schülern gehören unter anderem Beethovens Neffe, sowie der junge Franz Liszt und Sigismund Thalberg. Bekannt ist Czerny heute in erster Linie als Autor von Unterrichtswerken und gefälligen Stücken für die Hausmusik. 
Im Fun-Zeitalter freilich hat kaum noch ein Klavierschüler Lust, sich durch die Schule der Geläufigkeit hindurchzuackern. Dabei waren die Lehrwerke Czernys einst hoch geschätzt, wie uns ein Brief verrät, den Johannes Brahms 1878 an Clara Schumann schrieb: „Die große Pianoforteschule von Czerny ist wohl der Mühe wert, durchgelesen zu werden.  (..) Der Fingersatz bei Czerny ist höchst sehr zu beachten, überhaupt meine ich, man dürfe heute mehr Respekt vor dem tüchtigen Mann haben.“ 
Czerny schrieb aber nicht nur unkomplizierte Musik, die gut klingt und gut in der Hand liegt. Er hat auch eine ganze Reihe von „seriösen“ Werken komponiert – die aber technisch ziemlich hohe Anforderungen an den Pianisten stellen. Und deshalb sind Czernys Klavierkonzerte musikalische Raritäten, die man live fast nie zu hören bekommt. 
Rosemary Tuck hat für Naxos schon etliche dieser Werke eingespielt. Auf dieser CD erklingen Czernys Erstes Klavierkonzert in d-moll und das stimmungsvolle Introduktion, Variationen und Finale über den Jägerchor aus Webers Oper Euryanthe op. 60 – beides in Weltersteinspielung – und das temperamentvolle Introduzione e Rondo Brillant op. 233, ein geistreiches Bravourstück. 
Die Pianistin musiziert gemeinsam mit dem English Chamber Orchestra unter Leitung von Richard Bonynge; sie spielt virtuos, mit einer atemberaubenden Technik. Ihr Anschlag ist unglaublich differenziert. Eine beeindruckende Aufnahme, die unser Bild von der Wiener Klassik höchst schätzenswert ergänzt. 

Montag, 17. Oktober 2016

Czerny: Grand Concerto in A minor (Naxos)

„Hr. Czerny gehört ohne allen Zweifel unter die Componisten, die einem grossen Theile des musikali- schen Publicums ausnehmend gefallen“, so urteilte Wilhelm Fink 1828 in der Allgemeinen Musikali- schen Zeitung. „Aehnliches haben wir an Rossini erlebt, und in der That, beyde gleichen sich nicht we- nig; man könnte behaupten: Czerny ist unter den Clavier-Componisten eben das, was Rossini unter den Opern-Componisten ist.“ 
Über den Lebensweg und das Werk des Beethoven-Schülers Carl Czerny (1791 bis 1857) wurde in diesem Blog schon ausführlich berichtet. Er zog es vor, zu unterrichten, statt sich als Virtuose zu präsentieren. Nicht nur seine Etüden, sondern vor allem auch seine Konzertstücke verschafften ihm und seinen Verlegern ein Vermögen. Die Pianistin Rosemary Tuck stellt auf dieser CD, mit dem English Chamber Orchestra unter Richard Bonynge, drei seiner komplexeren Werke vor. 
Als Überraschung erweist sich das Grand Notturno Brillant op. 95 – hinter vordergründiger Virtuosität wird, gänzlich unerwartet, mitunter eine gehörige Portion Melancholie hörbar. Das Grand Concerto a-Moll op. 214 gilt als eines der ersten romantischen Konzerte überhaupt. Auch dieses Werk verlangt dem Solisten allerhand ab; Tuck musiziert es kraftvoll und mit großer Geste. Zum Finale erklingen die Variations de Concert sur la Marche des Grecs de l'Opéra Le Siège de Corinthe de Rossini op. 138 – handwerklich solide gearbeitet, und so originell wie eine Wand aus schicken roten Klinkern; ein Virtuosenstück, wie es damals viele gegeben hat. Aber eindrucksvoll ist die erforderliche Fingerfertigkeit in jedem Falle. 

Mittwoch, 25. November 2015

Czerny: Bel Canto Concertante (Naxos)

Und da wir gerade bei Carl Czerny (1791 bis 1857) waren – auch einige Klaviervariationen des Beethoven-Schülers sind jüngst erschienen, in Weltersteinspielungen bei Naxos. Dass diese Werke bislang in Aufnahmen nicht erhältlich waren, wird nicht verwundern, denn Czerny gilt als Vielschreiber, der sein Genie dem schnöden Mammon verkauft hat: „Hrn. Czerny kann man nicht einholen, mit aller kritischen Schnelligkeit“, giftete einst Robert Schumann in seiner Neuen Zeitschrift für Musik. „Hätte ich Feinde, nichts als solche Musik gäbʼ ich ihnen zu hören, sie zu vernichten.“ 
Schumann, der eigentlich selbst Pianist werden wollte, aber dann diese Pläne aufgeben musste, weil er die notwendige Fingerfertigkeit eben nicht erlangen konnte, warf Czerny vor, dass es seiner Musik an Poesie mangele. Dieses Urteil schrieben spätere Generationen ungeprüft fort – und so erfolgt derzeit, durch die Initiative einiger Musikwissenschaftler, erstmals eine Sichtung und Neubewertung seines umfangreichen Werkes. 
Selbst dort, wo Czerny für seine Verleger populäre Melodien in gefällige Arrangements gebracht hat – die er selbst nicht als ernstzunehmende Werke ansah – muss man aber seine Brillanz bewundern. Vier Beispiele dafür, wie der Komponist Themen aus aktuellen Opern in Virtuosenmusik umgesetzt hat, stellt die australische Pianistin Rosemary Tuck auf dieser CD gemeinsam mit dem English Chamber Orchestra vor. Es dirigiert Richard Bonynge, ein ausgewiesener Opernfachmann. 
Zu hören sind Variationen auf der Grundlage von Melodien aus den Opern Norma und Il Pirata von Vincenco Bellini, aus Aubers Fra Diavolo und aus Gli Arabi nelle Gallie von Giovanni Pacini. Czerny nutzt die Themen, die damals dem Publikum vertraut waren, eher als Vorwand, um ein aberwitziges Feuerwerk an Figurationen zu zünden. Tuck macht deutlich, dass man an diesen Stücken, die eher zur Demonstration von Virtuosität als  zum ausdrucksstarken Zusammenspiel entstanden sind, durchaus sein Vergnügen haben kann. Natürlich sind es Zirkusnummern – aber es ist Artistik auf höchstem Niveau, der man den Respekt nicht versagen kann. Bravi! 

Montag, 9. September 2013

Wallace: Celtic Fantasies (Naxos)

William Vincent Wallace (1812 bis 1865) war der Sohn eines schotti- schen Militärkapellmeisters; er wuchs in Irland auf, und erhielt eine fundierte musikalische Aus- bildung. 1835 wanderte Wallace nach Australien aus, wo er ge- meinsam mit Familienangehörigen die erste Musikschule auf dem Kontinent gründete. Doch der Musiker wurde in Sydney nicht sesshaft. 1838 ging Wallace nach Südamerika, 1842/43 war er in New Orleans und New York zu finden, wo er sowohl im Konzert als auch als Komponist erfolgreich war. Auch nach Europa kehrte er mehrfach zurück. So gab Wallace im Mai 1845 sein Debüt in London. Er war ein erfolgreicher Opernkom- ponist, und schrieb zudem vor allem Klavier- und Kammermusik. 
Auf dieser CD erklingen einige seiner Werke für Klavier zu vier Hän- den. In ihnen hat er Musik verarbeitet, wie er sie in seiner Kindheit gehört hat. Aus den beliebten irischen und schottischen Melodien hat er mit seinen Arrangements effektvolle Konzertpieces geformt. Die renommierten Pianisten Rosemary Tuck und Richard Bonynge haben an dieser mitreißenden Musik hörbar Vergnügen. Der Zuhörer an dieser Einspielung auch.