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Freitag, 22. September 2017

Schubert - Busoni: Complete Transcriptions for Piano Solo (Dynamic)

Feruccio Busoni (1866 bis 1924) ist nicht nur als Pianist und Komponist eine Legende. Auch als Musik- pädagoge hat er vielfältige Spuren hinterlassen. So unterrichtete er in seinen letzten Lebensjahren eine Meisterklasse im Fach Komposition an der Berliner Akademie der Künste. 
Auf dieser CD erkundet der italienische Pianist Marco Vincenzi eine interessante Facette im Werk seines berühmten Kollegen: Busoni hat, für Breitkopf & Härtel, Klaviertranskriptionen von fast allen Ouvertüren Franz Schuberts angefertigt. Dabei hat er sich an der originalen musikalischen Substanz zwar orientiert, aber letzten Endes doch oftmals ziemlich freie Bearbeitungen erstellt, die die Möglichkeiten des Klaviers genial ausnutzen. Ergänzt wird das Programm durch einige kleine Tänze, sehr hübsch und mitunter auch sehr virtuos durch Busoni arrangiert. 
Hört man diese Transkriptionen, so will man kaum glauben, dass Busoni mit Schubert eigentlich nicht viel anfangen konnte – im Konzert hat er dessen Musik jedenfalls selten gespielt, und wenn, dann fast immer in Bearbeitungen von Franz Liszt. 
Marco Vincenzi hat diese Einspielung mit großem Aufwand vorbereitet; das hat sich gelohnt, denn die CD ist wirklich interessant. Und auch klanglich bietet die Aufnahme, bei der übrigens nicht der Standard-Steinway, sondern ein Konzertflügel aus dem Hause Steingraeber & Söhne zu hören ist, reichlich Abwechslung. Meine Empfehlung! 

Donnerstag, 7. März 2013

Wagner: Complete piano music (Brilliant Classics)

Originelles zum Wagner-Jahr: Bei dem niederländischen Label Brilliant Classics erscheint jetzt auf zwei CD die Klaviermusik des Kom- ponisten, der eigentlich eher durch seine Opern berühmt wurde. 
Diese Werke ermöglichen einen Blick auf die Lehrjahre von Richard Wagner (1813 bis 1883). So erschien 1831 bei Breitkopf und Härtel die Klaviersonate in B-Dur, Wagners Opus 1, das er seinem Kompositionslehrer, dem Thomas- kantor Christian Theodor Weinlig, widmete.  Die 1832 entstandene Große Sonate in A-Dur, WWV 26, erweist sich als ambitioniertes, aber zugleich auch wenig originelles Werk - ursprünglich hatte Wagner eine Fuge als vierten Satz kompo- niert, diesen aber später gestrichen. Und für den letzten Satz existiert eine alternative Fassung, die bei dieser Einspielung ganz zum Schluss erklingt. 
Die dritte Klaviersonate WWV 85 schrieb Wagner "für das Album von Frau M.W.", was ohne Zweifel für Mathilde Wesendonck steht. Sie war die Muse, die Wagner zu seiner Oper Tristan und Isolde inspirierte, zu den Wesendonck-Liedern - und auch zu einigen Gelegenheitskompo- sitionen, die sich gleichfalls auf dieser CD finden. Das spannendste Stück erscheint mir noch die Elegie in As-Dur zu sein, ein kurzes Notat, im Wagner-Werkverzeichnis aufgeführt unter WWV 93. 
Der Pianist Pier Paolo Vincenzi hat sich nun zum Wagner-Jubiläum an das Klavierwerk herangewagt, und die überlieferten Werke vollstän- dig eingespielt. Ein ähnliches Projekt bewältigte übrigens in den 60er Jahren bereits der deutsche Pianist Martin Galling. Sein Kommentar danach, der über die Qualitäten dieser Klaviermusik wohl genug aus- sagt, findet sich im Magazin "Spiegel": "Nie im Leben rühre ich wieder einen Ton Wagner an!"