Es sind keine Nichtigkeiten, keine Tändeleien, die Johannes Brahms (1833 bis 1897) zu seinen Werken für Chor und Orchester inspirierten. Das zeigt eine Gesamteinspielung, die Chor und Orchester der polnischen Nationalphilharmonie Warschau unter Antoni Wit bei Naxos vorgelegt haben. Das Programm wurde chronologisch gestaltet. Es beginnt mit dem innigen Ave Maria op. 12, das Brahms im September 1858 in Göttingen geschrieben und im darauffolgenden Jahr mit seinem Hamburger Frauenchor nebst Orgelbegleitung in der Michaeliskirche aufgeführt hat. Hier erklingt dieses ebenso schlichte wie berückende Werk in einer Version für gemischten Chor und Orchester.
In demselben Jahr komponierte Brahms den Begräbnisgesang op. 13 nach einem Text („Nun laßt uns den Leib begraben“) von Michael Weiße (um 1488 bis 1534). Er war zunächst Franziskanermönch in Breslau, später wurde er Priester der Böhmischen Brüder, für die er auch Kirchenlieder schrieb.
1869, nachdem er das Deutsche Requiem vollendet hatte, schuf Brahms die Rhapsodie für Alt, Männerchor und Orchester op. 53. Der Text dazu stammt aus Goethes Harzreise im Winter – es sind düstere Zeilen, einen Wanderer schildernd, der „sich Menschenhass aus der Fülle der Liebe trank“. Entsprechend dramatisch ist auch die Musik, die erst im dritten Teil, wo auch der Männerchor hinzutritt, versöhnlich ausklingt. Das Solo singt Ewa Wolak – und das recht beeindruckend. Diese CD ist auch ansonsten sehr gelungen. Die Chöre haben Wucht, wo es erforderlich ist, aber die Sänger können auch sensibel gestalten, von Wit klug geführt und fein austariert im Zusammenspiel mit der Nationalphilharmonie.
Auch die drei letzten Stücke auf der CD befassen sich mit den großen Konflikten des Lebens, und sind als Vertonung bedeutender Texte großer Dichter entstanden – das Schicksalslied op. 54 nach einem Text aus Friedrich Hölderlins Hyperion, Nänie op. 82 vertont den gleichnamigen Klagegesang von Friedrich Schiller. Geschaffen hat Brahms dieses Werk 1880 im Gedenken an einen verstorbenen Freund, den Maler Anselm Feuerbach. Am Schluss steht, als letztes der großen Chorwerke des Komponisten, der Gesang der Parzen op. 89, vollendet 1882, nach Versen aus Goethes Schauspiel Iphigenia in Tauris.
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Donnerstag, 26. März 2015
Dienstag, 13. Januar 2015
Moniuszko: Overtures (Naxos)
Stanisław Moniuszko (1819 bis 1872) gilt als Vater der polnischen Nationaloper. Der Komponist entstammte dem Adel, was ihn aber nicht davor bewahrte, hart für den Unterhalt seiner Familie arbeiten zu müssen. Seine musikalische Ausbildung absolvierte er in Warschau, Minsk und Berlin, wo er mit eigenen Werken bereits erste Erfolge erzielen konnte. 1839 kehrte er nach Polen zurück und heiratete. Er wirkte in Vilnius als Organist und als Dirigent des Theaterorchesters, und verdiente zusätzlich Geld als Klavierlehrer. Denn die Ehe erwies sich als glücklich, und bald hatte Moniuszko zehn Kinder zu ernähren, plus das übliche Hauspersonal.
Man staunt, wie er bei diesem Arbeitspensum noch Zeit zum Komponieren fand. Insbesondere die Oper hatte es Moniuszko angetan. Er kombinierte romantische Klänge mit patriotischen Gedanken – und hatte schon mit seiner ersten Oper Halka enormen Erfolg. 1858 wurde Moniuszko Chefdirigent der Polnischen Nationaloper; später unterrichtete er zudem am Warschauer Konservatorium.
Diese CD stellt eine Auswahl seiner Ouvertüren vor. Es sind Werke in bester romantischer Tradition, gekonnt orchestriert und sehr abwechslungsreich – eine Fundgrube schöner Melodien. Und wer könnte diese Musik besser präsentieren als die Warschauer Philharmonie, das polnische Nationalorchester, unter ihrem Leiter Antoni Wit? Man wird so recht neugierig auf die dazugehörigen Opern – und man fragt sich, warum etwa Straszny Dwór, Paria oder Hrabina im Theater hierzulande so gar nicht zu erleben sind. Wenn die Musik so weitergeht wie die Ouvertüre, dann jedenfalls dürften diese Opern in eine Reihe gehören beispielsweise mit Smetanas Verkaufter Braut oder mit Webers Freischütz.
Man staunt, wie er bei diesem Arbeitspensum noch Zeit zum Komponieren fand. Insbesondere die Oper hatte es Moniuszko angetan. Er kombinierte romantische Klänge mit patriotischen Gedanken – und hatte schon mit seiner ersten Oper Halka enormen Erfolg. 1858 wurde Moniuszko Chefdirigent der Polnischen Nationaloper; später unterrichtete er zudem am Warschauer Konservatorium.
Diese CD stellt eine Auswahl seiner Ouvertüren vor. Es sind Werke in bester romantischer Tradition, gekonnt orchestriert und sehr abwechslungsreich – eine Fundgrube schöner Melodien. Und wer könnte diese Musik besser präsentieren als die Warschauer Philharmonie, das polnische Nationalorchester, unter ihrem Leiter Antoni Wit? Man wird so recht neugierig auf die dazugehörigen Opern – und man fragt sich, warum etwa Straszny Dwór, Paria oder Hrabina im Theater hierzulande so gar nicht zu erleben sind. Wenn die Musik so weitergeht wie die Ouvertüre, dann jedenfalls dürften diese Opern in eine Reihe gehören beispielsweise mit Smetanas Verkaufter Braut oder mit Webers Freischütz.
Sonntag, 26. Juni 2011
Karlowicz: Serenade - Violin Concerto (Naxos)
Mieczyslaw Karlowicz (1876 bis 1909) gehört zu den polnischen Patrioten, die sich um die Jahr- hundertwende unter dem Banner des "Jungen Polen" formierten. Dabei hatte er den größten Teil seiner Kindheit und Jugend mit- nichten in Polen verbracht. Als der Knabe sechs Jahre alt war, ver- kauften seine Eltern ihr Gut in Wiszniew - heute gehört die Region zu Litauen - und lebten zunächst in Heidelberg, Prag und Dresden, um dann nach Warschau zu ziehen.
Karlowicz erhielt bereits als Siebenjähriger in Dresden Violinstunden; später studierte er an der Musikakademie Warschau sowie in Berlin und Leipzig. Er komponierte seine ersten Werke, und wirkte als Vor- sitzender der Musikgesellschaft Warschau. Die Serenade in C, op. 2, war sein erstes Werk für Orchester. Sie entstand im Rahmen seines Studiums bei Hendryk Urban, und wurde 1897 bei einem Konzert speziell mit Werken von Studierenden in Berlin uraufgeführt. Sie zeigt einen Komponisten, der die Klangmöglichkeiten eines Streich- orchesters bereits routiniert einsetzt, und die Zuhörer immer wieder durch unerwartete harmonische Wendungen überrascht. Leider ist das Werk Karlowicz' im Umfang eher bescheiden; der Musiker begeisterte sich für das Leben in der Hohen Tatra, insbesondere auch für das Bergsteigen und Skifahren. 1909 kam er in einer Lawine ums Leben. Obendrein ging ein Teil seiner Manuskripte während des Zweiten Weltkrieges in Warschau verloren.
Desto verdienstvoller ist die Gesamtaufnahme seiner Werke, die Naxos derzeit schrittweise erarbeitet. Auf der vorliegenden CD musiziert die Filharmonia Narodowa, das Warschauer Philharmo- nische Orchester. Antoni Wit, der das Orchester seit 2002 leitet, zaubert mit seinen Musikern Klangfarben, und platziert die Serenade auf der Schwelle zwischen Romantik und Moderne. Ilja Kaler ist der Solist des Violinkonzertes. Der Geiger stammt aus einer russischen Musikerfamilie, und studierte am Moskauer Konservatorium bei Viktor Tretjakow, Leonid Kogan, Sinaida Gilels und Abram Stern. Er gewann Goldmedaillen beim Paganini-, Sibelius- und Tschaikowski-Wettbewerb, drei bedeutenden Violinwettbewerben, und musiziert weltweit mit führenden Orchestern. Kaler ist zudem ein gefragter Musikpädagoge; er unterrichtet als Professor an Musikhochschulen in den USA, wo er auch lebt. Kaler spielt brillant; da wird jede Phrase mit Sorgfalt gestaltet, und jeder Bogenstrich erfolgt wohlüberlegt.
Karlowicz' Violinkonzert in A-Dur, op. 8, entstand 1902 für den polnischen Geiger Stanislaw Bacewicz, einem Studienkameraden aus Warschauer Tagen. Man merkt es dem Konzert durchaus an, dass sein Komponist das Instrument exzellent beherrscht hat; es steht durch- aus in der Tradition der großen Virtuosenkonzerte des 19. Jahrhun- derts, aber es erschöpft sich darin nicht. Insofern ist es erstaunlich, dass dieses ausdrucksstarke Konzert so selten im Konzert erklingt. Auf dieser CD zeigt Ilja Kaler, dass es nicht nur ein anspruchsvolles, sondern auch ein attraktives Werk ist, dem man einen festen Platz im Repertoire wünscht.
Karlowicz erhielt bereits als Siebenjähriger in Dresden Violinstunden; später studierte er an der Musikakademie Warschau sowie in Berlin und Leipzig. Er komponierte seine ersten Werke, und wirkte als Vor- sitzender der Musikgesellschaft Warschau. Die Serenade in C, op. 2, war sein erstes Werk für Orchester. Sie entstand im Rahmen seines Studiums bei Hendryk Urban, und wurde 1897 bei einem Konzert speziell mit Werken von Studierenden in Berlin uraufgeführt. Sie zeigt einen Komponisten, der die Klangmöglichkeiten eines Streich- orchesters bereits routiniert einsetzt, und die Zuhörer immer wieder durch unerwartete harmonische Wendungen überrascht. Leider ist das Werk Karlowicz' im Umfang eher bescheiden; der Musiker begeisterte sich für das Leben in der Hohen Tatra, insbesondere auch für das Bergsteigen und Skifahren. 1909 kam er in einer Lawine ums Leben. Obendrein ging ein Teil seiner Manuskripte während des Zweiten Weltkrieges in Warschau verloren.
Desto verdienstvoller ist die Gesamtaufnahme seiner Werke, die Naxos derzeit schrittweise erarbeitet. Auf der vorliegenden CD musiziert die Filharmonia Narodowa, das Warschauer Philharmo- nische Orchester. Antoni Wit, der das Orchester seit 2002 leitet, zaubert mit seinen Musikern Klangfarben, und platziert die Serenade auf der Schwelle zwischen Romantik und Moderne. Ilja Kaler ist der Solist des Violinkonzertes. Der Geiger stammt aus einer russischen Musikerfamilie, und studierte am Moskauer Konservatorium bei Viktor Tretjakow, Leonid Kogan, Sinaida Gilels und Abram Stern. Er gewann Goldmedaillen beim Paganini-, Sibelius- und Tschaikowski-Wettbewerb, drei bedeutenden Violinwettbewerben, und musiziert weltweit mit führenden Orchestern. Kaler ist zudem ein gefragter Musikpädagoge; er unterrichtet als Professor an Musikhochschulen in den USA, wo er auch lebt. Kaler spielt brillant; da wird jede Phrase mit Sorgfalt gestaltet, und jeder Bogenstrich erfolgt wohlüberlegt.
Karlowicz' Violinkonzert in A-Dur, op. 8, entstand 1902 für den polnischen Geiger Stanislaw Bacewicz, einem Studienkameraden aus Warschauer Tagen. Man merkt es dem Konzert durchaus an, dass sein Komponist das Instrument exzellent beherrscht hat; es steht durch- aus in der Tradition der großen Virtuosenkonzerte des 19. Jahrhun- derts, aber es erschöpft sich darin nicht. Insofern ist es erstaunlich, dass dieses ausdrucksstarke Konzert so selten im Konzert erklingt. Auf dieser CD zeigt Ilja Kaler, dass es nicht nur ein anspruchsvolles, sondern auch ein attraktives Werk ist, dem man einen festen Platz im Repertoire wünscht.
Samstag, 19. Februar 2011
Chopin: Piano Concerto No. 1 (Naxos)
Die Erstausgaben der Werke Chopins erschienen zu seinen Leb- zeiten in vier Ländern: Frankreich, Deutschland, Österreich und Eng- land. Sie waren, unausweichlich, voller Fehler - so gibt es beispiels- weise simple Lesefehler, die dem Notenstecher passiert sind. Einige Fehler hat der Komponist selber durch seine Korrekturen oder durch Änderungen verursacht. Oftmals existieren mehrere Ver- sionen. Mitunter haben zudem Herausgeber Werke "überarbeitet". So haben sich im Laufe der Zeit etliche Mängel in den Ausgaben eingeschlichen, die es dann irgendwann zu tilgen gilt, wenn man auf der Grundlage eines einigermaßen verlässlichen Notentextes arbeiten möchte.
Eine solche Urtext-Ausgabe, die den Notenhandschriften des Komponisten und den Editionen zu Lebzeiten kritisch folgt, existiert nunmehr auch für die Werke Chopins: Die Wydanie Narodowe Dziel Fryderyka Chopina (WN) - die Polnische Nationaledition der Werke Chopins. Auf der Grundlage dieses Notenwerkes haben der Pianist Eldar Nebolsin und die Warschauer Philharmonie unter Antoni Wit nun für Naxos die beiden Klavierkonzerte Chopins eingespielt. Das Label hat sich entschieden, sie auf separaten CD unterzubringen, und durch eine Reihe sehr attraktiver Werke zu ergänzen, die relativ selten auf CD zu finden sind.
So erklingen neben dem Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll op. 11 die Fantaisie sur des airs nationaux polonais für Klavier und Orchester A-Dur op. 13 und der Krakowiak. Grand Rondeau de Concert für Klavier und Orchester F-Dur op. 14. Das Klavierkonzert Nr. 2 in
f-Moll op. 21 - kurioserweise entstand es vor der Nr. 1, da täuscht die Opus-Zahl - wird flankiert von den Variations sur „Là ci darem la mano“ de „Don Juan“ de Mozart für Klavier und Orchester B-Dur
op. 2 und der Grande Polonaise Brillante précédé d'un Andante spianato, G-Dur u. Es-Dur op. 22.
Die Aufnahme ist exzellent; Eldar Nebolsin erweist sich als ein her- vorragender Pianist, der den Konzertflügel singen lässt, und vom feinsten Pianissimo bis zum vollgriffigen Temperamentsausbruch zu überzeugen weiß. Auch das Orchester ist eine Entdeckung.
Eine solche Urtext-Ausgabe, die den Notenhandschriften des Komponisten und den Editionen zu Lebzeiten kritisch folgt, existiert nunmehr auch für die Werke Chopins: Die Wydanie Narodowe Dziel Fryderyka Chopina (WN) - die Polnische Nationaledition der Werke Chopins. Auf der Grundlage dieses Notenwerkes haben der Pianist Eldar Nebolsin und die Warschauer Philharmonie unter Antoni Wit nun für Naxos die beiden Klavierkonzerte Chopins eingespielt. Das Label hat sich entschieden, sie auf separaten CD unterzubringen, und durch eine Reihe sehr attraktiver Werke zu ergänzen, die relativ selten auf CD zu finden sind.
So erklingen neben dem Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll op. 11 die Fantaisie sur des airs nationaux polonais für Klavier und Orchester A-Dur op. 13 und der Krakowiak. Grand Rondeau de Concert für Klavier und Orchester F-Dur op. 14. Das Klavierkonzert Nr. 2 in
f-Moll op. 21 - kurioserweise entstand es vor der Nr. 1, da täuscht die Opus-Zahl - wird flankiert von den Variations sur „Là ci darem la mano“ de „Don Juan“ de Mozart für Klavier und Orchester B-Dur
op. 2 und der Grande Polonaise Brillante précédé d'un Andante spianato, G-Dur u. Es-Dur op. 22.
Die Aufnahme ist exzellent; Eldar Nebolsin erweist sich als ein her- vorragender Pianist, der den Konzertflügel singen lässt, und vom feinsten Pianissimo bis zum vollgriffigen Temperamentsausbruch zu überzeugen weiß. Auch das Orchester ist eine Entdeckung.
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