Chefdirigent Jonathan Nott schaut mit kühlem, ja, mit misstrauischem Blick in die Partitur. Nichts ist hier idyllisch und harmlos. Nott verzichtet auf auf- gesetztes Pathos und überflüssige Sentimentalisierung; er lotet akribisch aus, was im Notentext steht, und akzeptiert dabei insbesondere auch die Brüche und Abgründe. Damit macht er Klangeffekte hörbar, die Mahler offenbar wichtig waren, die aber beim Beharren auf der spätromantischen Aufführungspraxis mit ihren diversen Rubati eher verschmiert und verdeckt werden. Nott setzt auf Strukturen und Farben, und er hat ein grandioses Gespür für das richtige Zeitmaß. Das Ergebnis ist unglaublich spannend, dramatisch und mitreißend. Atemberaubend!
Posts mit dem Label Windsbacher Knabenchor werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Windsbacher Knabenchor werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 17. Oktober 2016
Mahler: The 9 Symphonies (Tudor)
Chefdirigent Jonathan Nott schaut mit kühlem, ja, mit misstrauischem Blick in die Partitur. Nichts ist hier idyllisch und harmlos. Nott verzichtet auf auf- gesetztes Pathos und überflüssige Sentimentalisierung; er lotet akribisch aus, was im Notentext steht, und akzeptiert dabei insbesondere auch die Brüche und Abgründe. Damit macht er Klangeffekte hörbar, die Mahler offenbar wichtig waren, die aber beim Beharren auf der spätromantischen Aufführungspraxis mit ihren diversen Rubati eher verschmiert und verdeckt werden. Nott setzt auf Strukturen und Farben, und er hat ein grandioses Gespür für das richtige Zeitmaß. Das Ergebnis ist unglaublich spannend, dramatisch und mitreißend. Atemberaubend!
Mittwoch, 27. Mai 2015
Staden: Motetten (Deutsche Harmonia Mundi)
Johann Staden (1581 bis 1634) wuchs in Nürnberg auf. Über seine Kindheit und Jugend ist weiter nichts bekannt. 1604, als er eine Pfarrerstochter heiratete, war er bereits fürstlich brandenburgischer Hoforganist bei Markgraf Christian in Bayreuth; dieser verlegte 1605 nach einem Stadtbrand seine Residenz nach Kulmbach. Staden scheint zudem einige Zeit Hoforganist in Dresden gewesen zu sein. 1616 erhielt er jedoch die Stelle des Organisten an der Nürnberger Spitalkirche, und kehrte in die Heimat zurück. Noch im gleichen Jahr wechselte er an die Kirche St. Lorenz, und 1618 wurde er Organist an St. Sebald. Damit hatte er die bedeutendste Organistenstelle von Nürnberg inne, und war zugleich für das städtische und kirchliche Musikwesen zuständig. Er war auch als Komponist hoch angesehen. Staden veröffentlichte fünf Sammlungen mit weltlichen Gesängen und 17 Kollektionen mit geistlicher Musik. Zu seinen Schülern gehörte übrigens Johann Erasmus Kindermann (1616 bis 1655).
Der Dreißigjährige Krieg allerdings machte auch vor der wohlhabenden Reichsstadt nicht halt. 1627 erlagen Stadens Ehefrau und vier seiner Kinder einer Pest-Epidemie. 1629 heiratete der Organist daher erneut. Den Frieden sollte er nicht mehr erleben. 1634 grassierte erneut die Pest in Nürnberg. Die Seuche raffte tausende Bürger dahin; auch Staden fiel ihr zum Opfer.
Auf dieser CD ist in Weltersteinspielung seine Kirchenmusik 1 zu hören, 1625 im Druck erschienen. Diese Kollektion enthält 15 Vertonungen liturgischer Texte und Psalmen, entstanden offenbar für Festgottesdienste in Nürnberger Kirchen. Die Musikstücke sind von höchst unterschied- lichem Charakter, von der solistisch zu besetzenden Motette bis hin zur prachtvollen Mehrchörigkeit nach venezianischem Vorbild.
Der Windsbacher Knabenchor, geleitet von Martin Lehman, präsentiert diese bedeutenden Werke sehr ansprechend und gekonnt. Die jungen Sänger überzeugen durch einen kraftvollen, von soliden Männerstimmen getragenen Chorklang. Sie singen auch in kleinen Gruppen sowie solistisch souverän. So sind neben den Solisten Hana Blažiková, Sopran, Alex Potter, Altus, Satoshi Mizukoshi, Tenor, und Dominik Wörner, Bass, etliche Chorsolisten zu hören.
Klanggewaltige Werke mit raffinierten Wirkungen durch Echo- und Fern- chöre wechseln sich ab mit virtuosen, mit einzelnen Sängern besetzten Stücken. Begleitet werden sie ebenso gekonnt von den Alte-Musik-Spezia- listen der Capella de la Torre und des Concerto Palatino. Beeindruckend! Es ist sehr erstaunlich, dass diese großartige Musik bisher noch nicht einmal editorisch erschlossen ist. Insofern freut man sich über dieses Engagement für sein Werk – und wünscht sich mehr davon.
Der Dreißigjährige Krieg allerdings machte auch vor der wohlhabenden Reichsstadt nicht halt. 1627 erlagen Stadens Ehefrau und vier seiner Kinder einer Pest-Epidemie. 1629 heiratete der Organist daher erneut. Den Frieden sollte er nicht mehr erleben. 1634 grassierte erneut die Pest in Nürnberg. Die Seuche raffte tausende Bürger dahin; auch Staden fiel ihr zum Opfer.
Auf dieser CD ist in Weltersteinspielung seine Kirchenmusik 1 zu hören, 1625 im Druck erschienen. Diese Kollektion enthält 15 Vertonungen liturgischer Texte und Psalmen, entstanden offenbar für Festgottesdienste in Nürnberger Kirchen. Die Musikstücke sind von höchst unterschied- lichem Charakter, von der solistisch zu besetzenden Motette bis hin zur prachtvollen Mehrchörigkeit nach venezianischem Vorbild.
Der Windsbacher Knabenchor, geleitet von Martin Lehman, präsentiert diese bedeutenden Werke sehr ansprechend und gekonnt. Die jungen Sänger überzeugen durch einen kraftvollen, von soliden Männerstimmen getragenen Chorklang. Sie singen auch in kleinen Gruppen sowie solistisch souverän. So sind neben den Solisten Hana Blažiková, Sopran, Alex Potter, Altus, Satoshi Mizukoshi, Tenor, und Dominik Wörner, Bass, etliche Chorsolisten zu hören.
Klanggewaltige Werke mit raffinierten Wirkungen durch Echo- und Fern- chöre wechseln sich ab mit virtuosen, mit einzelnen Sängern besetzten Stücken. Begleitet werden sie ebenso gekonnt von den Alte-Musik-Spezia- listen der Capella de la Torre und des Concerto Palatino. Beeindruckend! Es ist sehr erstaunlich, dass diese großartige Musik bisher noch nicht einmal editorisch erschlossen ist. Insofern freut man sich über dieses Engagement für sein Werk – und wünscht sich mehr davon.
Montag, 17. November 2014
Christmas around the world (Berlin Classics)
Auf Weihnachtsreise gehen die Musiker von German Brass, gemeinsam mit dem Windsbacher Knabenchor. Dieses Album wurde aufgezeichnet, als Enrique Crespo noch der Leiter des Bläserensembles war. Von ihm stammen auch sämtliche Arrangements auf dieser CD. Sie enthält Weihnachtslieder aus aller Welt, von Händels berühmtem Joy to the world bis hin zu White Christmas und von Stille Nacht, heilige Nacht bis zu Bajuschki baju. Das ist alles ganz nett, aber auch ziemlich kaufhaustauglich – bei aller Spielfreude. Professionalität allein reicht eben nicht aus, um ein anrühren- des Weihnachtsalbum zu machen.
Samstag, 3. Dezember 2011
Bach: Weihnachtsoratorium; Beringer (Winter & Winter)
Karl-Friedrich Beringer, seit 34 Jahren Leiter des Windsbacher Knabenchores, hat angekündigt, dass er diese Position zum Jahres- ende abgeben wird. Das hat Winter & Winter zum Anlass genommen, sein Wirken mit einer CD-Edition zu würdigen. Ausgewählt hat das Münchner Label dafür eine Auf- nahme des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach, die 1991 aufgezeichnet wurde.
Neben dem Windsbacher Knabenchor, der sehr ausdrucksstark singt, wirken daran auch die Münchner Bachsolisten mit sowie die Solisten Juliane Banse, Cornelia Kallisch, Markus Schäfer als Evangelist, Robert Swensen, Tenor/Arien, und der in seiner Intensität hier überaus beeindruckende Thomas Quasthoff. Eine ausgesprochen hörenswerte Einspielung, und ein würdiges Abschiedsgeschenk an einen engagierten Musikpädagogen, der Generationen junger Leute für die Musik begeistert hat.
Neben dem Windsbacher Knabenchor, der sehr ausdrucksstark singt, wirken daran auch die Münchner Bachsolisten mit sowie die Solisten Juliane Banse, Cornelia Kallisch, Markus Schäfer als Evangelist, Robert Swensen, Tenor/Arien, und der in seiner Intensität hier überaus beeindruckende Thomas Quasthoff. Eine ausgesprochen hörenswerte Einspielung, und ein würdiges Abschiedsgeschenk an einen engagierten Musikpädagogen, der Generationen junger Leute für die Musik begeistert hat.
Abonnieren
Posts (Atom)



