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Montag, 17. Februar 2020

Air Music (Deutsche Harmonia Mundi)

Mit ihrem aktuellen Album wendet sich die Capella de la Torre nach den Elementen Wasser und Feuer nun der Luft zu. Das Renaissance-Ensemble um Katharina Bäuml lässt kräftig die Winde wehen, wobei insbesondere der Westwind es englischen Komponisten angetan zu haben scheint. 
Die Musiker vergessen aber auch den Atem nicht, was eine menschliche und eine göttliche Dimension mit einschließt. Denn hat nicht Gott einst den Menschen mit seinem Atem belebt? Freilich gehören auch höchst irdische Seufzer in dieses Kapitel, und wie könnte man diese schöner besingen als mit Claudio Monteverdis Dolci miei sospiri
Die meisten Musikstücke allerdings, die die Capella de la Torre für diese CD ausgewählt hat, sind weit weniger bekannt. So erklingen Werke etwa von Michael Praetorius, Girolamo Frescobaldi oder Anthony Holborne, aber auch von Komponisten, deren Namen wohl nur einigen wenigen Experten etwas sagen. 
Die Musik allerdings sagt jedermann etwas – vor allem im dritten Kapitel, wo es um alles geht, was Flügel hat, Kanarienvögel beispielsweise, die Nachtigall oder Engel. Und von den mystischen Bewohnern der Lüfte bis hin zu allerlei Luftschlössern ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. 
Zu hören sind Instrumental- und Vokalstücke aus dem 15. bis frühen 17. Jahrhundert. Ein abwechslungsreiches Programm mit vielen reizvollen Entdeckungen, von der Capella de la Torre einmal mehr bestens präsentiert. Insbesondere Freunde historischer Bläserklänge werden verzückt lauschen. Bravi!

Freitag, 20. Dezember 2019

Ein musikalisches Gipfeltreffen 1503 (Musikmuseum)

In den Jahren 1502 bis 1504 reiste Philipp von Österreich, genannte „der Schöne“, mit seinem Hofstaat von Spanien über Frankreich nach Brüssel. Dabei stattete er 1503 seinem Vater, Kaiser Maximilian, in Innsbruck einen Besuch ab. Das war ein großes Ereignis und ging wie jeder Staatsakt mit Turnieren, Jagden, allerlei Feierlichkeiten und natürlich auch Gottesdiensten einher. Bekannt ist, dass am 17. September 1503 die Hofkapellen beider Herrscher gemeinsam ein Hochamt in der Innsbrucker St. Jakobs-Pfarrkirche gestalteten. Auch in den nachfolgenden Tagen musizierten sie mehrfach zusammen. 
Und das war ohne Zweifel ein musikalisches Gipfeltreffen – denn die beiden Hofkapellen gehörten zum Besten, was das Abendland seinerzeit zu bieten hatte. So reisten mit Philipp 39 Musiker, darunter elf Trompeter, und zusätzlich Kapellknaben. Auch Maximilian beschäftigte zahlreiche Könner ihres jeweiligen Faches. 
Welche Wirkung es auf das Publikum hatte, wenn sie gemeinsam musizierten, davon vermittelt diese CD einen ungefähren Eindruck. Denn die Capella de la Torre unter Leitung der Oboistin Katharina Bäuml hat sich an eine Rekonstruktion der Feierlichkeiten gewagt. Als Schauplatz dafür wurde die Hofkirche Innsbruck ausgewählt, auch wenn sie damals noch nicht stand – aber sie ist heute der einzige verbliebene Renaissance-Sakralbau der Stadt, und dort befindet sich auch die älteste erhaltene Orgel Österreichs. Zentrale Werke der Einspielung sind insbesondere die Missa Virgo Prudentissima von Heinrich Isaac und die Missa pro fidelibus defunctis von Pierre de la Rue; die beiden Musiker waren Mitglieder der beteiligten Hofkapellen. 
„Wie in einem Zeitraffer lassen wir die knapp vier Wochen von September bis Oktober 1503 Revue passieren“, berichtet das Beiheft: „Auf den Einzug der Fürsten mit ihrem Hofstaat und ihren Kapellen folgt der feierliche Gottesdienst, ein Bankett mit ausgelassener Tafelmusik schließt sich an und das Requiem für Hermes Sforza bildet den Schlusspunkt der Festlichkeiten. Wir haben versucht, einen möglichst vielfältigen Eindruck von der Klangpracht eines außergewöhnlichen, musikhistorisch denkwürdigen Ereignisses der Hochrenaissance zu geben. Dazu sind unterschiedliche Klanggruppen aufgeboten: Eine ,Alta Capella' mit Blasinstrumenten der Zeit, Singknaben und hervorragende Gesangssolisten.“ 
Die Capella de la Torre musiziert daher gemeinsam mit den Sängern Kai Wessel, Bernd-Oliver Fröhlich, Harry van Berne und Matthias Lutze sowie den Wiltener Sängerknaben, einem Innsbrucker Knabenchor, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurück reicht. Die Einspielung entführt den Hörer in die Klangwelt des Innsbrucker Hofes unter Kaiser Maximilian, und sie beeindruckt noch heute durch ihre enorme Klangpracht. Überwältigend! 

Montag, 25. Juli 2016

Piffarissimo (Challenge Classics)

Ein Papst und zwei Gegenpäpste, Streitereien und bewaffnete Ausein- andersetzungen – als Sigismund von Luxemburg König wurde, sah er es als seine vordringliche Aufgabe, Ordnung und Frieden in Europa wiederherzustellen. Nach zähen Verhandlungen, in denen unter anderem der Ort der Zusammenkunft ausgehandelt wurde, trafen sich 1414 alle Beteiligten in Konstanz. 
Dem Konzil gelang es schließlich im Jahre 1418, das Abendländische Schisma zu überwinden und mit Martin V. einen neuen, von allen akzeptierten Papst zu wählen. Wenn aber damals ein Herrscher anreiste, um seinesgleichen zu treffen, dann führte er im Gefolge auch seine besten Musiker mit – man will ja beeindrucken. „Item pfiffer, prusuner, bögger, saitenspiler (..), dero was ccclxv“, berichtet Ulrich von Richenthal. Die drei Posaunisten und vier Pfeifer im Gefolge des Earls von Warwick, Richard Beauchamps, schildert der Chronist, „prusonettend überainander mit dry stimmen, als man gewonlich singet“
Mit dieser CD wandelt das Ensemble Capella de la Torre auf den Spuren dieses Ereignisses. Stilecht spielen die Musiker um Katharina Bäuml Melodien jener Zeit auf Instrumenten, wie sie einst in Konstanz erklungen sind. Dabei stellen sie Unterschiede in der Musizierpraxis einzelner Länder heraus, und improvisieren um die Wette – hinreißend! 

Sonntag, 27. März 2016

Ciaconna (Deutsche Harmonia Mundi)

Gute Musik ist keine Frage des Jahr- hunderts – das beweist die Capella de la Torre mit dieser CD. „Seit 2005 widmet sich unser Ensemble der Wiederbelebung der Musik für histo- rische Holz- und Blechblasinstru- mente, insbesondere in der Kombi- nation aus Schalmei, Pommer, Posaune und Dulcian“, schreibt Leiterin Katharina Bäuml im Beiheft. „In Kooperation mit weiteren Ensemblemitgliedern an Laute, Orgel und Percussion und oft zusammen mit Sängern gehen wir immer wieder neu auf Entdeckungsreisen.“ 
Zum zehnjährigen Bestehen hat die Capella de la Torre Klänge aus Vergangenheit und Gegenwart zusammengefügt: Improvisation, von der Renaissance bis zum Jazz – und selbst die ganz alten Werke haben, wenn die Musiker um Bäuml sie spielen, durchaus Drive. Die Reise beginnt mit Ostinato vo' seguire von Bartolomeo Trombocino (um 1470 bis nach 1535), einer Frottola, die schließlich einem Formprinzip den Namen gab, dem sogenannten Ostinato, der beharrlichen Wiederholung musikalischer Strukturen. Und sie endet mit modernen Ostinato-Werken von Michel Godard und Johannes Vogt-Ansorg, die die alten Formen reizvoll neu interpretieren. Tuba, Akkordeon und E-Bass erklingen in trauter Eintracht mit den „alten“ Instrumenten, und die Ensemblemitglieder der Capella de la Torre improvisieren gekonnt gemeinsam mit den befreundeten Jazz-Musi- kern Michel Godard, Tuba, Serpent und E-Bass, und Luciano Biondini, Akkordeon. Magisch! 

Dienstag, 11. August 2015

Water Music - Tales of Nymphs and Sirens (Deutsche Harmonia Mundi)

Den Spuren antiker Wasserwesen folgt Katharina Bäuml mit ihrem Ensemble Cappella de la Torre, quer durch die Musik des des 16. und
17. Jahrhunderts. Die Musiker haben eine Menge interessanter Werke herausgesucht – beispielsweise von Luca Marenzio (1553 bis 1599), Adrian Willaert (1490 bis 1562), Thomas Morley (1557 bis 1602), Orlando di Lasso (1532 bis 1594), Tomás Luis de Victoria (1548 bis 1611) oder Lorenzo Allegri (1567 bis 1648). Von imaginären menschen- ähnlichen Wesen wie den Fluss- göttern und den Quellnymphen bis hin zum vor seinem Tode singenden Schwan tummeln sich darin die verschiedensten mythischen Gestalten. Denn in der Renaissance wurde die antike Literatur wiederentdeckt – und mit ihr ein Paralleluniversum, dessen literarische Bewohner mit dem Christentum zumeist nicht ohne weiteres in Übereinstimmung zu bringen waren. 

Die Künstler und ihre Auftraggeber hat das offenbar nicht gestört. Die beiden Welten treten auch in der Musik in spannungsvolle Wechsel- beziehungen, wie diese CD zeigt: Maria wird zum maris stella, der den Gläubigen den Weg auf ihrer Lebensreise weist. In einem Gesang von Josquin Desprez ruft ein Teil der Sänger die Nymphen herbei, auf dass sie trauern helfen – während andere Stimmen einen Psalmtext vortragen, der auf die Vorpassionszeit verweist. Und Baccio Moschini lässt den Flussgott Tiber höchstpersönlich auftreten, um einem Brautpaar von höchstem Stande zu huldigen. 
So wird deutlich, dass das Wasser Komponisten fasziniert hat, lang bevor Barockmusiker das Eintauchen der Ruder oder das stürmisch bewegte Meer effektvoll in Musik verwandelt haben. Die Musiker um Katharina Bäuml lassen die Frösche quaken, und die Sirenen singen; die acht Instrumen- talisten, die auf historischen Musikinstrumenten brillieren, werden dabei unterstützt durch die Sopranistin Cécile Kempenaers und Altus Benno Schachtner. Ein farben- und abwechslungsreiches, klug zusammenge- stelltes Programm – sehr erfreulich! 

Montag, 22. Oktober 2012

Harry Our King - Music for King Henry VIII Tudor (Carpe Diem)

Henry Tudor, Earl of Richmond, Oberhaupt des Hauses Lancaster, besiegte 1485 in der Schlacht von Bosworth König Richard III. Er war der letzte König von England, der den Thron  im Kampf errang. Henry VII. heiratete Elisabeth of York, und beendete damit den sogenannten Rosenkrieg zwischen den Häusern York und Lancaster.
Er schmiedete eine Vielzahl von politischen Allianzen mit dem Ziel, Ruhe und Stabilität zu stiften, und lebte ansonsten ziemlich unspektakulär. Das lässt sich von seinem Sohn Henry, der 1509 im Alter von 18 Jahren den Thron bestieg, nicht unbedingt sagen. Sein erster Lehrer war der Hofpoet John Skel- ton, und auch sonst erhielt er Unterricht im Geiste der Renaissance. So lernte er nicht nur reiten, kämpfen und beten, sondern er wurde auch in diversen Sprachen, Geschichte, Musik und Poesie unter- wiesen.
Somit bekam England einen König, der fließend Latein und Franzö- sisch sprach, der mit Gelehrten korrespondierte, wie mit Erasmus von Rotterdam, und der dichtete und komponierte. Er soll aber auch im Ringkampf geübt gewesen sein, ein exzellenter Bogenschütze und ein leidenschaftlicher Turnierkämpfer, der als Sieger aus vielen Tjosten hervorging. Als er dann älter wurde, wechselte die Frauen ziemlich häufig - und weil der Papst seine erste Ehe nicht scheiden wollte, führte er kurzerhand die Anglikanische Kirche ein, zu deren Oberhaupt er sich selbst ernannte. Damit ging er in die Geschichte ein.
Diese CD zeigt, wie ihn Musik durch sein Leben begleitete. Katharina Bäuml hat sich mit dem Ensemble Capella de la Torre auf die Spuren- suche begeben, gemeinsam mit dem Tenor Charles Daniels. Die Quellenlage freilich ist nicht gerade üppig. Zwar beschäftigte Henry an seinem Hof eine große Anzahl Sänger und Instrumentalisten. Doch sind aus seiner Herrschaftszeit nur wenige Handschriften überliefert, die Auskunft über das Repertoire geben, das zu seiner Zeit erklang. Eines davon ist das Henry VIII's Manuscript, aus dem die meisten Werke stammen, die die Musiker vorstellen. Und das machen sie sehr versiert - hier sind Spezialisten am Werke, denen man gern lauscht. Meine Empfehlung!