Posts mit dem Label Bläserkonzerte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bläserkonzerte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 20. Januar 2017

Michael Haydn: Complete Wind Concertos Vol. 1 (cpo)

Nach den Divertimenti und den kompletten Sinfonien von Johann Michael Haydn (1737 bis 1806) wendet sich cpo nunmehr den Bläserkonzerten des „Salzburger Haydn“ zu. Der jüngere Bruder von Joseph Haydn begann seine Ausbildung ebenfalls als Chorknabe am Wiener Stephansdom. Er wirkte dann zunächst als Geiger und ab 1760 als Kapellmeister am Hofe des Bischofs in Großwardein, heute Oradea in Rumänien. 1763 wurde er Konzertmeister beim Salzburger Fürstbischof; 1782 wurde er als Nachfolger von Wolfgang Amadeus Mozart Hof- und Domorganist. Er komponierte eine Vielzahl von Werken, von der geistlichen Musik bis zum Lied und von der Kammermusik für den Fürstbischof bis hin zur Tanz- musik für die Bürgerschaft. 
Seine Bläserkonzerte sind, mit wenigen Ausnahmen, eigentlich einzelne Sätze für konzertierende Instrumente aus Serenaden. Diese Concertinos wurden aber schon zu Haydns Zeiten nicht nur in diesem ursprünglichen Zusammenhang aufgeführt, sondern auch aus diesem Kontext gelöst. So kommt es, dass mitunter die Serenade verloren gegangen und nur das Concertino überliefert ist. 
Im ersten Teil der Gesamteinspielung präsentiert die Salzburger Hofmusik unter Wolfgang Brunner Bläserkonzerte für Klarinette, Horn, Altposaune und Trompete, die aus Serenaden stammen, sowie ein „echtes“ Flöten- konzert. Als Solisten musizieren Ernst Schlader, klassische Klarinette, Johannes Hinterholzer, Naturhorn, Norbert Salvenmoser, klassische Altposaune, Franz Landlinger, Naturtrompete, und Linde Brunmayr-Tutz, Traversflöte. Die Musikstücke zeugen vom Witz und von der Experimentier- lust des Komponisten – für jeden der Solisten ließ er sich etwas Besonderes einfallen. So notierte er für den Trompeter eine Partie, die bis zum a''' hin- aufreicht – ein absoluter Rekord; kein anderes Stück dieser Zeit verlangt vom Solisten derartige Höhen. 
Haydns Bläserkonzerte sind virtuos, abwechslungsreich und ansprechend. Für das Publikum halten sie ein wahres Füllhorn an schönen Melodien bereit – und wenn so gekonnt musiziert wird, wie in diesem Falle, dann sind sie ein großer Genuss. Auf die nächsten Folgen darf man also schon gespannt sein. 

Montag, 28. April 2014

Concertante - Virtuosic Wind Concertos (Challenge Classics)

Wie hätte es geklungen, wenn Paganini ein Konzert nicht für die Geige, sondern für Bläser geschrie- ben hätte? Wer die Antwort auf diese Frage erfahren möchte, der sollte sich diese CD anhören. Denn dafür hat Dirigent Claus Efland gemeinsam mit dem Hornisten des dänischen Bläserquintetts Carion gezielt nach Konzerten des 18. und 19. Jahrhunderts gesucht, die bislang wenig gespielt wurden. Die Musiker wurden fündig – und legten kürzlich Aufnahmen von vier  Bläserkonzerten mit ungewöhnlichen Instrumentenkombina- tionen vor; drei davon sind sogar Ersteinspielungen. 
Hornist David M.A.P. Palmquist, Klarinettist Egils Schefers und Fagot- tist Niels Anders Vedsten Larsen präsentieren die Entdeckungen gemeinsam mit der Sinfonietta Riga unter der Leitung von Claus Efland. Es handelt sich dabei um Kompositionen von Franz Danzi (1763 bis 1826) Agostino Belloli (1778 bis 1839), Ignaz Lachner (1807 bis 1895) – ein Bruder des legendären Franz Lachner – und Louis Emmanuel Jadin (1768 bis 1853). Diese Werke sind aus dem Konzertsaal verschwunden; sie sind aber gerade aufgrund der kühnen Experimente in Sachen Besetzung durchaus interessant. Lachners Concertino beispielsweise ist für Horn und Fagott geschrieben, Belloli kombinierte Horn und Klarinette. Es sind jedoch, wie Efland selbst einräumt, „keine ,großen' Stücke. Sie alle haben“, schreibt der Kapellmeister, „und das ist nicht abwertend gemeint, keinen tieferen Sinn. Es sind echte ,Show-Pieces' – Bravourstücke für die jeweiligen Solisten, bei denen das Orchester eine untergeordnete Rolle spielt.“ 

Freitag, 3. Januar 2014

Telemann: Wind Concertos Vol. 8 (cpo)

Wer Ohren hat, zu hören, der wird spätestens durch diese CD davon überzeugt, dass Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) keineswegs der Langweiler und Vielschreiber war, zu dem ihn Musikwissenschaftler später erklärt haben. Auf insgesamt acht CD hat Michael Schneider mit seinen Ensembles La Stagione Frankfurt und Camerata Köln zahlreiche Bläserkonzerte des Komponisten eingespielt. 
Ob man wirklich von einer „Gesamteinspielung“ sprechen kann, darüber äußert Telemann-Experte Professor Wolfgang Hirschmann im Beiheft begründete Zweifel. Abwechslung aber bietet die Aufnahme reichlich, das wird schon beim Blick auf die Besetzungen der einzelnen Werke deutlich; so sind Konzerte für Block- sowie Traversflöten und Fagott ebenso dabei wie Konzerte für Hörner, für Oboe, für Trompete und zwei Oboen, für Oboe'amore, ja, sogar für zwei Chalumeaux, zumeist gemeinsam mit Streichern und Basso continuo. 
Zwar erklärte Telemann 1718 in seiner Autobiographie, dass seine Konzerte „mehrentheils nach Franckreich riechen“. Doch woher auch immer der Komponist seine Anregungen bezogen hat – immer stellt man fest: Es ist am Ende Telemann, was in den Noten steht. Er schöpfte aus einem schier unerschöpflichen Vorrat von Formen, Klangideen und Melodien, und er verwandelte das musikalische Material durch seinen unverkennbaren Personalstil. 
Wer diese CD hört, der wird über die Schaffenskraft des Komponisten staunen, und sich über die exzellente Qualität der Einspielung freuen. Die Musiker um Schneider spielen großartig. Noch schöner wäre es, wenn nun bald eine Gesamtaufnahme der Telemann-Konzerte folgen würde, in denen Bläser und Streicher in gemischten Besetzungen konzertieren. Ich bin mir sicher, dass dies weitere Entdeckungen ermöglichen würde. 

Mittwoch, 25. Juli 2012

Ponchielli: Concertos (MDG)

"Gran brutto lavorar, il lavorar per banda / È come coltivar de- serta landa" - übersetzt wird das im Beiheft zu dieser CD: "Mit Blasmusik sich abzurackern / heißt ödes Heideland beackern", diese Reime notierte einst Amil- care Ponchielli (1834 bis 1886) auf einer seiner Partituren. Dennoch komponierte er für seine "Räuber- bande" - wie er das Blasorchester, italienisch banda, nannte, dem er etliche Jahre lang vorstand - be- merkenswerte Konzerte.
Die Solopartien sind ausgesprochen anspruchsvoll, was uns verrät, dass Ponchielli, bei allem Zähneknirschen, exzellente Instrumenta- listen zur Verfügung standen. Sie haben den Komponisten offenbar auch in technischen Fragen beraten. So schreibt Ponchielli auf dem Titel des Trompetenkonzertes in Es-Dur op. 198, es sei von "diversen Autoren". Wesentliche Teile dieses Konzertes, darunter ein wunder- volles Andantino, stammen aber hörbar aus der Feder des maestro. Die anschließende Stretta bietet ein wahres Feuerwerk an Kolora- turen auf - der junge Trompeter Giuliano Sommerhalder wagt sich an dieses atemberaubende Stück, und man muss sagen, das macht er gar nicht schlecht. Es dürfte seine Gründe haben, warum so viele Werke aus der Frühzeit der modernen Blasinstrumente in den Archiven schlummern. Vermutlich muss man ein Ausnahmetalent sein, ein Paganini der Trompete, um diese brillanten Werke angemessen vortragen zu können.
Virtuoses Spiel und zugleich die Fähigkeit, ausdrucksstark in großen Linien zu gestalten, verlangt auch das Trompetenkonzert F-Dur
op. 123. Es wurde im April 1866 durch die Banda Nazionale in Cre- mona uraufgeführt; wenige Wochen später tobten ganz in der Nähe die letzten großen Schlachten der italienischen Unabhängigkeits- kriege. Das Kampfgetümmel zieht sich auch durch diese Musik. Man hört den Aufmarsch der Heere, die Trompetensignale, Schlachten- lärm und Geschützdonner sowie die Totenklage. Doch der Schluss nimmt auch die Siegesfeier vorweg - und dieser Sieg wird tempera- mentvoll gefeiert.
Ganz anders klingt die Fantasie über Motive aus La Traviata op. 146. Dafür hat Ponchielli die tragischen Stellen aneinandergereiht - von Champagnerlaune und Liebestaumel keine Spur. Die Entsagung der sterbenden Violetta lässt der Komponist heraustrompeten, und die Trauer am Totenbett wird sagenhaft munter umspielt. An Humor jedenfalls scheint es Ponchielli nicht gemangelt zu haben.

Das zeigt sich auch an seinem Gran Capriccio op. 80, das Ponchielli 1876 seinem Freund Cesare Confalonieri übergab, dem er schon im Kindesalter ein Piccolo Concertino geschrieben hatte. Der Solo-Oboist der Mailänder Scala und Professor am dortigen conservatorio muss ein herausragender Instrumentalist gewesen sein, denn dieses Werk verlangt dem Solisten alles ab. Simone Sommerhalder nimmt diese Partie, die mitunter an ein Zirkuskunststück erinnert, erstaun- lich locker, und kann damit überzeugen. 
Ponchielli schuf auch das allererste Konzert für Euphonium. Dieses Instrument war damals eine Innovation; um die Verwandtschaft streiten sich die Familien der Bügelhörner und der Tuben. Eines steht jedoch fest: Es  trägt seinen Namen "das Wohlklingende" zu Recht. Das Concerto per Flicorno Basso op. 155 hat Amilcare Ponchielli 1872 zu Papier gebracht. Für wen er es komponiert hat, das ist nicht bekannt. Aber auch dieser Musiker muss ein Meister seines Faches gewesen sein. Der Schweizer Euphonist Roland Fröscher spielt dieses Werk klangschön, und er hat hörbar Vergnügen an den Kapriolen, die Ponchielli seinerzeit mit Melodien verknüpft hat, die durchaus das Format zum Hit haben. Neun Monate später wurde der maestro in Mailand für seine Oper I promessi sposi gefeiert - aber das ist eine andere Geschichte.
Für diese CD wurden seine Werke, die ursprünglich ausschließlich mit Bläsern besetzt waren, für Sinfonieorchester bearbeitet. Die Orche- strierung für das Gran Capriccio übernahm 1970 der Berliner Kompo- nist Wolfgang Hohensee auf Anregung des Oboisten Burkhard Glaetz- ner. Alle anderen Werke arrangierte Max Sommerhalder, Professor für Trompete an der Musikhochschule in Detmold. Es musiziert die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin unter Matthias Foremny. Sie entwickelt eine gehörige Portion Italianità, und ist den hervor- ragenden Solisten ein angemessener Partner.

Freitag, 18. Mai 2012

Telemann: Wind Concertos Vol. 7 (cpo)

Das Ensemble La Stagione hat unter Michael Schneider für cpo sämtliche Bläserkonzerte von Georg Philipp Telemann einge- spielt. Dies ist nun die vorletzte CD der Reihe, und sie macht erneut deutlich, wie effektvoll, farben- reich und handwerklich versiert Telemann komponierte. 
Er nutzte sowohl französische Stil- elemente als auch den "italiäni- schen Rock", und kombinierte beides gern mit Ideen, die er in jungen Jahren der polnischen Tanzmusik abgelauscht hatte, die Telemann offenbar ebenfalls sehr schätzte. 
Ein ganz besonderes Bonbon ist ohne Zweifel das Concerto in D-Dur für Corno da caccia, Streicher und Basso continuo. Jörg Schulteß wagt sich an die außerordentlich anspruchsvolle Solopartie, und er bewältigt dieses Virtuosenstückchen souverän. Hervorragend ge- spielt sind aber auch all die anderen Bläserkonzerte; die Musiker des Ensembles La Stagione zeigen zudem, dass man Telemann durchaus schätzen muss - denn seine Musik hat viele Facetten, und ist immer für eine Überraschung gut.