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Montag, 27. Juli 2015

Hotteterre: Complete Chamber Music Vol. 2 (cpo)

Jacques-Martin Hotteterre (1674 bis 1763) entstammte einer etablierten Musiker- und Instrumentenbauer- dynastie, die im Umfeld des französi- schen Hofes tätig war. In den Jahren 1698 bis 1700 war er in Rom, wo er als maestro di flauto bei Marchese Francesco Maria Ruspoli musizierte – und die italienische Musiktradition gründlich kennenlernte. Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde Hotteterre Oboist im Orchester der Grande Ècurie und flûte de la chambre du roi. Und er integrierte das Wissen, das er aus Italien mitgebracht hatte, behutsam in die ziemlich konservative französische Musik. 1707 veröffentlichte er in Paris das Lehrbuch „Principes de la flûte“, den Holzbläsern zur Unterweisung, insbesondere jenen, die die Traversflöte spielen wollten, die damals sehr in Mode war. Da es aber nur wenig Repertoire für dieses neue Instrument gab, schrieb Hotteterre auch gleich sein Opus 2, das Premier Livre de pièces mit Suiten für die Flöte und andere Instrumente mit Basso continuo. 
Das Label cpo eröffnete mit einer Einspielung dieses Bandes eine neue Reihe, in der die komplette Kammermusik des Komponisten erscheinen soll. Das ist eine dankbare Aufgabe, denn das Werk dieses Musikers ist zum einen umfangreich – und zum anderen wirklich hörenswert und viel zu wenig bekannt. Die Camerata Köln haben inzwischen auch die zweite Folge dieser Edition mit Triosonaten Hotteterres vorgestellt – und die Musiker um die beiden großartigen Flötisten Michael Schneider und Karl Kaiser beweisen einmal mehr ihre Klasse. Auf die nächsten Folgen darf man sich schon freuen. 

Freitag, 3. Januar 2014

Telemann: Wind Concertos Vol. 8 (cpo)

Wer Ohren hat, zu hören, der wird spätestens durch diese CD davon überzeugt, dass Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) keineswegs der Langweiler und Vielschreiber war, zu dem ihn Musikwissenschaftler später erklärt haben. Auf insgesamt acht CD hat Michael Schneider mit seinen Ensembles La Stagione Frankfurt und Camerata Köln zahlreiche Bläserkonzerte des Komponisten eingespielt. 
Ob man wirklich von einer „Gesamteinspielung“ sprechen kann, darüber äußert Telemann-Experte Professor Wolfgang Hirschmann im Beiheft begründete Zweifel. Abwechslung aber bietet die Aufnahme reichlich, das wird schon beim Blick auf die Besetzungen der einzelnen Werke deutlich; so sind Konzerte für Block- sowie Traversflöten und Fagott ebenso dabei wie Konzerte für Hörner, für Oboe, für Trompete und zwei Oboen, für Oboe'amore, ja, sogar für zwei Chalumeaux, zumeist gemeinsam mit Streichern und Basso continuo. 
Zwar erklärte Telemann 1718 in seiner Autobiographie, dass seine Konzerte „mehrentheils nach Franckreich riechen“. Doch woher auch immer der Komponist seine Anregungen bezogen hat – immer stellt man fest: Es ist am Ende Telemann, was in den Noten steht. Er schöpfte aus einem schier unerschöpflichen Vorrat von Formen, Klangideen und Melodien, und er verwandelte das musikalische Material durch seinen unverkennbaren Personalstil. 
Wer diese CD hört, der wird über die Schaffenskraft des Komponisten staunen, und sich über die exzellente Qualität der Einspielung freuen. Die Musiker um Schneider spielen großartig. Noch schöner wäre es, wenn nun bald eine Gesamtaufnahme der Telemann-Konzerte folgen würde, in denen Bläser und Streicher in gemischten Besetzungen konzertieren. Ich bin mir sicher, dass dies weitere Entdeckungen ermöglichen würde.