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Mittwoch, 30. Oktober 2019

Across The Lake (Genuin)

Sie kommen längst nicht mehr nur vom Bodensee, und sie haben eine gemeinsame Leidenschaft: Das Ensemble Lake Brass, gegründet 2010 als Hornquartett, ist heute mit zwölf Hörnern, zwei Tenorhörnern, Tuba und drei Schlagzeugern üppig besetzt. Seit 2017 wird Lake Brass von Norbert Stertz, Professor für Horn an der Hochschule für Musik Detmold, geleitet. Und die Musiker stammen aus vielen verschiedenen Ländern. Auf ihrer ersten CD bei Genuin präsentieren sie einen satten Blechbläsersound mit imposantem Fundament. Was für eine Tiefblechgruppe! 
Das Programm ist abwechslungsreich. Zu hören ist Filmmusik von Hans Zimmer, Steve Jablonsky, Trevor Jones, John Powell und John Williams, dazu Sinfonisches von Gustav Mahler, Kammermusik von Dmitri Schostakowitsch, Felix Mendelssohn Bartholdys berühmter Chor Abschied vom Walde in einem Arrangement für Lake Brass, und auch zwei Premieren sind dabei: Die Bodensee Fantasie von Kerry Turner und Zerberus von Alexander Reuber, speziell für das Ensemble geschrieben, erklingen in Weltersteinspielung. Man staunt einmal mehr darüber, wie nuancen- und farbenreich Blechbläser musizieren können. Es ist herrlich, der Sound ist großartig, das kann man mit Worten gar nicht erfassen. Wer den Hörnerklang liebt, der sollte sich diese CD auf gar keinen Fall entgehen lassen. 

Donnerstag, 18. Juli 2019

Russisch Grün (Gramola)

Haben Sie schon einmal Musik von Efim Jourist gehört? Diesen Namen sollten sich insbesondere Tango-Fans merken. Die österreichischen Salonisten um den Violinisten Peter Gillmayr haben auf einer CD russische Tänze zusammengestellt. Und für diesen Komponisten formierten sie eigens ein weiteres Ensemble – Tango de Salón, mit Peter Gillmayr, Violine, Andrej Serkow, Bajan, Guntram Zauner, Gitarre, und Roland Wiesinger, Kontrabass. 
Erstaunt nimmt man zur Kenntnis, dass der ukrainische Bajan-Virtuose, geboren 1947 in Kamjanez-Podilskyj, erstklassige russische Konzert-Tangos geschaffen hat. Mit seinem Knopfakkordeon und dem Efim Jourist Quartett hat er diese ausdrucksstarken Stücke auch in Deutschland gespielt; dort lebte er seit 1992 mit seiner Familie, und er starb in Hamburg, viel zu früh, an seinem 60. Geburtstag. Seine Werke sind übrigens im Musikverlag Sikorski erschienen, und seine Aufnahmen bekommt man hier
Ich jedenfalls finde seine Musik, die ganz selbstverständlich westliche und russische Traditionen verbindet, ausgesprochen hörenswert. Herzlichen Dank an die Musiker um Gillmayr – das war für mich eine Entdeckung! 
Ansonsten haben die österreichischen Salonisten in ihrem Programm unter dem Titel Russisch Grün so manchen Ohrwurm eingespielt; die charmanten Arrangements dafür schrieben Gerrit Wunder und Uwe Rössler. Gekonnt mischen sie volkstümliche und sogenannte „ernste“ Musik. Musiziert wird mit Temperament, und mitunter auch mit einem Augenzwinkern. 
Bekannte Melodien wie der Walzer Nr. 2 aus der Suite für Varieté-Orchester von Dmitri Schostakowitsch oder Sätze aus dem Ballett Romeo und Julia von Sergej Prokofieff stehen neben russischen Tänzen von Komponisten wie Alexej Kozlov oder Anatoli Novikov, und traditionellen Klängen wie Schwarze Augen oder Moskauer Nächte. Und natürlich darf auch der Tanz der Zuckerfee aus dem Nussknacker von Pjotr Iljitsch Tschaikowski nicht fehlen. 

Montag, 7. Januar 2019

Iveta Apkalna - Light & Dark (Berlin Classics)

Mit dieser CD präsentiert Iveta Apkalna, Titularorganistin der Elbphilharmonie in Hamburg, ihr Instrument. Es wurde von Johannes Klais Orgelbau errichtet, und ist ohne Zweifel eine Orgel der Superlative. 
Acht Jahre haben die Bonner Orgelbauer daran gearbeitet. Als die Planung des Instrumentes begann, war der Konzertsaal noch eine Vision. Heute ist er ein Ereignis – und die Orgel befindet sich mittendrin. Das Instrument reicht über fünf Publikumsränge, und ist den Besuchern des Konzertsaales tatsächlich zum Greifen nah, weshalb die Prospektpfeifen durch eine Spezialbeschichtung geschützt sind. 
Die Orgel verfügt über 69 Register mit 4.765 Pfeifen, verteilt auf vier Manuale plus Fernwerk und Pedal. Und weil es eine Hamburger Orgel ist, gibt es zudem Schiffshorn und Glocke. Der Organist kann entweder über einen festen Spieltisch, mit mechanischer Traktur, oder vom mobilen Spieltisch aus musizieren. Gestiftet hat dieses Instrument der Unter- nehmer Peter Möhrle. 
„Light And Dark“ nannte Iveta Apkalna das Solo-Orgelprogramm, das als Welterstaufnahme aus dem Großen Saal der Elbphilharmonie bei Berlin Classics veröffentlicht wurde. Das Label würdigt dieses Ereignis mit einer schön gestalteten Deluxe-Edition, inklusive 48-seitigem Booklet und Poster der Orgel im hochwertigen Schuber. Wer freilich Bach, Buxtehude oder Widor erwartet hatte, der wird enttäuscht: Um die Klangmöglich- keiten der neuen Klais-Orgel zu demonstrieren, entschied sich die Organistin durchweg für Musik aus dem 20. Jahrhundert und der Gegen- wart. 
„Das Kernstück des Albums – das Stück Hell und Dunkel von Sofia Gubaidulina – ist programmatisch für die Grundstimmung dieses durch Gegensätze geprägten Repertoires“, erläutert Apkalna in ihrem Geleitwort im Beiheft: „Licht und Dunkelheit. Schwarz und Weiß. Kraft und Zärtlich- keit. Geistliches und Weltliches...“ Mit Aivars Kalējs und Lūcija Garūta sind zwei Komponisten aus der lettischen Heimat der Organistin vertreten. Werke von Leoš Janáček, György Ligeti, Dmitri Schostakowitsch und Thierry Escaich komplettieren das anspruchsvolle Programm. Es wird polarisieren – und auch wenn es sehr facettenreich und sehr reizvoll ist, wird es nicht jeder mögen. 

Freitag, 27. April 2018

Shostakovich: Complete Symphonies (Melodija)

In einer limitierten Edition hat das Label Melodija eine neue Gesamteinspielung der Sinfonien Dmitri Schostakowitschs (1906 bis 1975) veröffentlicht. Die 15 CD konnte man gar nicht so schnell anhören und besprechen, wie diese Box vergriffen war. Wer sie kaufen möchte und sie noch irgendwo findet, der sollte wohl rasch zuschlagen, denn es kann sich nur um einige wenige Einzelexemplare handeln. Das erstaunt ein wenig. 
Zwar hat sich das Tatarstan National Symphony Orchestra, beheimatet in der Millionenstadt Kazan am Ufer der Wolga, auf zwei umjubelten Deutschlandtourneen als eines der besten modernen russischen Orchester empfohlen. Das Orchester hat zudem unter Leitung seines Chefdirigenten Alexander Sladkovsky bereits eine viel beachtete Aufnahme von Sinfonien Gustav Mahlers vorgelegt. 
Aber mit den Sinfonien Schostakowitschs erreicht das Ensemble meiner Meinung nach kein Spitzenniveau. Die 15 Werke hat das Tatarstan National Symphony Orchestra durchweg im Jahre 2016 eingespielt – neben einem umfangreichen Konzert- und Tourneeprogramm, selbstredend. Das ist ein höchst kräftezehrendes Unterfangen. Vielleicht hätte man sich für das Projekt mehr Zeit nehmen sollen. Hört man diese Einspielung im Vergleich zu älteren, beispielsweise jener mit dem Berliner Sinfonie-Orchester unter Kurt Sanderling aus dem Jahre 1961, fällt zum einen auf, dass das Klangbild zu wünschen übrig lässt. Da mangelt es sowohl an Klarheit als auch an farblicher Differenziertheit. 
Sladkovsky setzt stark auf Virtuosität und auf Brillanz. Schostakowitsch hat allerdings, unter dem Druck der Verhältnisse, sehr oft doppeldeutig komponiert. Der Sarkasmus, der seine Werke häufig geprägt hat, ist hier kaum wahrzunehmen. Das ist schade, denn bei den meisten Sinfonien Schostakowitschs kommt es genau darauf an, dass der Hörer dies wahrnehmen kann. Für eine neue Referenz ist das eindeutig zu wenig. 

Dienstag, 31. Oktober 2017

Russian Classics (Genuin)

Auf die musikalische Reise nach Südamerika folgt nun eine weitere, die nach Osten führt: Russische Klassiker präsentiert die Sächsische Bläserphilharmonie unter ihrem Leiter Thomas Clamor in höchst ansprechenden Arrangements auf ihrer neuen CD, die jüngst bei dem Leipziger Label Genuin erschienen ist. 
Die Ouvertüre stammt von Michail Glinka (1804 bis 1857), der mit Ruslan und Ljudmila eine der schönsten Märchenopern überhaupt geschaffen hat. Dmitri Schostako- witsch (1906 bis 1975) hat nicht nur gewichtige Sinfonien geschrieben, sondern auch zahlreiche kleinere Musikstücke, wie Filmmusiken. Einige davon fasste er in den 50er Jahren zu Suiten zusammen. Hier sind einige dieser wunderbaren Werke zu hören, aus der Suite für Varieté-Orchester und aus der Stechfliege-Suite
Das Capriccio Italien von Peter Tschaikowski (1840 bis 1893) spiegelt Italien aus russischer Perspektive; unter heiteren Klängen lauert latent die Melancholie. Auch die Suite zu dem Ballett Romeo und Julia von Sergej Prokofjew (1891 bis 1953) verweist auf Italien; allerdings ist die Mandoline des Morgentanzes eine nahe Verwandte der Balalaika. 
Es ist sehr interessant, wie diese bekannten Melodien klingen, wenn sie nur mit Bläsern besetzt sind: Die Motive der Julia wirken eher noch fragiler, und auch die Konfrontation zwischen Montagues und Capulets erscheint in dieser Version klanglich zugespitzt. Die Sächsische Bläserphilharmonie kann durchaus in herrlichen Melodien schwelgen – aber sie verliert sich nicht darin. Musiziert wird auf den Punkt, rhythmisch prägnant, mit berückendem Piano, aber bei Bedarf auch mit kräftigen Akzenten. Und wie farbenreich die Bläser klingen können, das ist auch beim letzten Stück auf dieser CD noch einmal zu erleben: Igor Strawinskys (1882 bis 1971) Ballett Der Feuervogel liefert ein märchenhaftes Finale. Bravi! 

Montag, 18. September 2017

In the moment (Naxos)

Das Streichquartett, heutzutage eine der bedeutendsten Gattungen der Kammermusik, gilt gemeinhin als ein Genre großer Meisterwerke. Das Arabella Quartett beweist mit dieser Aufnahme, dass diese nicht unbe- dingt besonders umfangreich sein müssen. Denn es gibt durchaus auch kleine Werke für diese Besetzung, die sich als Pretiosen erweisen. 
So bietet diese CD unter anderem zwei wenig bekannte, aber dennoch starke Stücke von Dmitri Schostako- witsch. Dazu gesellen sich sorgsam ausgewählte Werke von Joaquin Turina, Anton Webern, Felix Mendels- sohn Bartholdy, Carl Nielsen, Hugo Wolff, Antonin Dvořák, Franz Schubert und auch die elegischen Crisan- temi von Giacomo Puccini. Und die Aufnahmen sind sowohl musikalisch als auch akustisch von exzellenter Qualität – meine Empfehlung! 

Montag, 12. Juni 2017

András Schiff piano Live (Melodija)

„Contest stage has never been part of my world“, bekannte einst András Schiff. „In fact, life would be much better without music contests. Why? Naturally, music in not a kind of sports. It cannot be measured in seconds, metres or kilograms.“ 
Dennoch hat der Philosoph unter den Musikern, Jahrgang 1953, einst selbst an etlichen Wettbewerben teilgenommen und auch Rekorde gebrochen. So wurde er bereits im Alter von 14 Jahren Student an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest – der jüngste, den die Hochschule jemals hatte. Ein Jahr später gewann er seinen ersten Preis in einem ungarischen TV-Wettbewerb. 
Diese CD dokumentiert seine Beteiligung an einem der berühmtesten Wett- bewerbe überhaupt: 1974 musizierte András Schiff beim Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau. Er errang dort einen vierten Preis; gewonnen hat damals Andrei Gawrilow. 
Sämtliche Wettbewerbsbeiträge wurden mitgeschnitten. Das Programm, das András Schiff seinerzeit gespielt hat, wurde nun bei Melodija veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen, dass der Pianist schon in diesen jungen Jahren sehr eigene Wege ging. Das beginnt bereits bei der Auswahl der Stücke, soweit sie den Wettbewerbsteilnehmern überlassen war. Doch auch bei der Interpretation wird deutlich, dass es Schiff schon damals nicht darum ging, sein Publikum mit einem Feuerwerk an Brillanz zu überwäl- tigen - man höre nur die Liszt-Konzertetüde. 

Dienstag, 30. August 2016

Fantasia - Alliage Quintett & Sabine Meyer (Sony)

Was denn – das sollen wirklich nur vier Saxophone plus ein Klavier sein? Das Alliage Quintett überrascht mit sattem orchestralen Sound; Daniel Gauthier, Magdalena Lapaj, Asya Fateyeva und Sebastian Pottmeier können allerdings auch verblüffend schlank und lieblich musizieren, ebenso wie Jang Eun Bae am Klavier. 
Auf ihrem neuen Album Fantasia laden die zweifachen Echo-Klassik-Preisträger zu einer musikalischen Märchenreise ein – und dafür haben sie sich mit der Klarinettistin Sabine Meyer zusammengetan. Die CD beginnt mit den Polowetzer Tänzen aus Alexander Borodins Fürst Igor, für diese Besetzung arrangiert von Stéphane Gassot und Camille Pépin. 
Ebenso populär ist Der Feuervogel von Igor Strawinsky, hier zu hören in einer Bearbeitung von Sebastian Gottschick. Goethes Zauberlehrling inspirierte einst Paul Dukas zu einer Komposition; sie erklingt auf dieser CD in einem Arrangement von Rainer Schottstädt. Ihm ist es beispiels- weise kongenial gelungen, den wankenden Besen, im Original hörbar gemacht durch Fagott und Klarinette, auf Bariton-Saxophon und Klarinette zu übertragen. 
Die Ouvertüre zu Candide von Leonard Bernstein arrangierte Itai Soboi speziell für die sechs Musiker. Die Fünf Stücke für Orchester von Dmitri Schostakowitsch entstammen seinen Filmmusiken und Balletten; davon existiert eine Fassung für zwei Violinen und Klavier von Schostakowitschs Freund Levon Atovmian. Das Alliage Quintett setzte diese mit Blasinstru- menten um, in unterschiedlichen Besetzungen. Die Aufnahme verbindet kammermusikalische Intimität und Raffinesse mit magischem Orchester- klang. Faszinierend! 

Samstag, 12. März 2016

The Last Words of Christ (Challenge Classics)

Das Ebonit Saxophone Quartet wurde 2011 am Konservatorium Amsterdam gegründet. Die Mitglieder des Ensembles – Simone Müller, Sopransaxophon, Dineke Nauta, Altsaxophon, Johannes Pfeuffer, Tenorsaxophon, und Pauline Marta Kulesza, Baritonsaxophon – haben alle in der Klasse von Arno Bornkamp studiert. Mittlerweile sind die jungen Musiker erfolgreich in der künstle- rischen Praxis angekommen, und haben bereits etliche Preise gewonnen; in der Saison 2016/17 werden sie als Preisträger des Wettbewerbes „Dutch Classical Talent“ auf eine Konzertreise durch die Niederlande gehen. 
Für ihre Debüt-CD bei Challenge Classics haben vier Bläser Abschnitte aus Joseph Haydns Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze mit Musik aus dem 20. Jahrhundert kombiniert. Es sind Einzelsätze aus Werken von Max Reger, Anton Webern, Jean Sibelius und Dmitri Schostakowitsch, die in Gestus und Gestaltung zu Haydns berühmten Quartettsätzen passen. Die Arrangements dafür haben sie überwiegend selbst geschaffen. 
Im Original ist vorgesehen, dass der Priester vor jedem Musikstück eines der sieben letzten Worte Jesu spricht. Um den Charakter dieser Medita- tionsmusik zu unterstreichen, haben die Musiker beschlossen, diese Texte ebenfalls vortragen zu lassen – leider haben sie auch die Meditation dazu gleich mit ausformuliert. Und die Sopranistin Claron McFadden interpre- tiert diese nun nicht mehr so prägnanten Sprechtexte mit einer Theatralik und einem Pathos, das bei mir, ich gebe es ungern zu, eher einen Lach- anfall auslöst als Andacht. 
Musiziert wird allerdings prächtig. Ob der Saxophon-Sound dieses Ensembles wirklich zu den Haydn-Quartettsätzen passt, das ist Geschmackssache – mir ist er zu hell und zu wenig dramatisch. Aber das Nachtlied op. 138 Nr. 3 von Max Reger klingt wunderbar, und auf die Idee, anstelle des Haydnschen Erdbebens das Allegro-Allegretto aus Schostakowitschs siebentem Streichquartett zu spielen, muss man erst einmal kommen. 

Montag, 25. Januar 2016

Music for Brass Septet 3 - Septura (Naxos)

Musik aus Russland und aus der Sowjetunion präsentieren die Bläser von Septura auf ihrer jüngsten CD. Arrangiert haben die Stücke Simon Cox und Matthew Knight, die Gründer und künstlerischen Leiter des Ensembles. Das ist durchaus ein Wagnis, denn die CD beginnt mit dem Quartett Nr. 8 op. 110 von Dmitri Schostakowitsch. Es gilt als das persönlichste Werk des Kompo- nisten, der seine Signatur D-Es-C-H im Notentext an prominenter Stelle hinterlassen hat. Entstanden ist es 1960 in Gohrisch, einem Kurort im Elbsandsteingebirge; eigentlich sollte Schostakowitsch dort an einer Filmmusik über die Bombardierung Dresdens arbeiten. 
Der Komponist war, als er dieses Werk schrieb, in hörbar mieser Stimmung. Man hatte ihn genötigt, in die KPdSU einzutreten, weil man ihn zum Vorsitzenden des sowjetischen Komponistenverbandes machen wollte. Außerdem quälte ihn ein Rückenleiden. Und auch wenn das Quartett dann mit der Widmung „Im Gedenken an die Opfer von Faschismus und Krieg“ veröffentlicht wurde, verrät die Musik, mit einer Vielzahl von Zitaten, was Schostakowitsch wirklich im Sinn hatte. In einem Brief berichtete er Isaak Glikman, einem engen Vertrauten, er habe „ein niemandem nützendes und ideologisch verwerfliches Quartett geschrieben. Ich dachte darüber nach, dass, sollte ich irgendwann einmal sterben, kaum jemand ein Werk schreiben wird, das meinem Andenken gewidmet ist. Deshalb habe ich beschlossen, selbst eines zu schreiben. Man könnte auf seinen Einband auch schreiben: ‚Gewidmet dem Andenken des Komponisten dieses Quartetts’.“ 
Man staunt, wie gut sich aus diesem Streichquartett ein Werk für Bläser formen lässt, und wie dezent Septura hier agiert. Und es ist nicht einfach, neben einem solchen Schwergewicht noch weitere Musik passend zu einem Programm zusammenzustellen. Die sieben Bläser lösen dieses Problem mit einem Blick in die Musikgeschichte: Neben Schostakowitsch tritt Sergej Prokofjew mit einer Suite aus den Zehn Stücken für Klavier op. 12 und dem bekannten Marsch aus Die Liebe zu den drei Orangen op. 33. 
Aus dem vorrevolutionären Russland, aber dennoch ziemlich modern, sind die sechs ausgewählten Preludes von Alexander Scriabin. Sie werden ergänzt durch vier der sechs Stücke für Klavier zu vier Händen op. 11 von Sergej Rachmaninoff – und natürlich darf auch seine Vocalise op. 34 Nr. 14 nicht fehlen. 
Septura erweist sich einmal mehr als eines der besten europäischen Blechbläserensembles. Alan Thomas und Simon Cox, Trompete in B, Huw Morgan, Trompete in Es, Matthew Gee und Matthew Knight, Posaune, Dan West, Bass-Posaune und Peter Smith, Tuba, musizieren exzellent und bestens aufeinander eingestellt. Insofern kann man diese dritte CD der Briten erneut empfehlen – und darf auf die Fortsetzung gespannt sein, die sicherlich bald folgen wird. 

Samstag, 10. Oktober 2015

Souvenirs - Musiktage with Rudens Turku & friends (Oehms Classics)

Souvenirs heißt eine neue CD aus dem Hause Oehms Classics. Sie enthält Aufnahmen, die in einem Zeitraum von drei Jahren entstanden sind, als ein klingendes Andenken an Konzerte bei den Starnberger bzw. Seefelder Musiktagen. Dieses Musikfest, ins Leben gerufen und geleitet von dem Geiger Rudens Turku, bringt alljährlich gestandene Musiker, Studierende und Dozenten sowie natürlich das Publikum zusammen. Einige Ausschnitte aus dem umfangreichen Programm, das neben Konzerten auch beispielsweise Meisterkursen und Vorträge beinhaltet, sind nun auf dieser CD zu hören. Die Auswahl der Stücke hat sehr viel Charme, und die Liste der Mitwirkenden ist ebenso lang wie illuster. Zu hören sind András Adorján, Flöte, Rudens Turku und Lena Neudauer, Violine, Franz Halasz, Gitarre, Malte Refardt, Fagott, Wen-Sinn Yang, Violoncello und Yumiko Urabe sowie Adrian Oetiker, Klavier. Diese exzellenten Musiker bereiten dem Zuhörer ein grandioses Musikfest; die Programmfolge wirkt fast wie ein Hauskonzert – aber was für eines! Unbedingt anhören! 

Samstag, 3. Oktober 2015

Pictures (Genuin Classics)

Kann man das legendäre Ballett der Küken in ihren Eierschalen auf dem Horn spielen? Das Ensemble German Hornsound kann, wie diese CD beweist. Für diese Einspielung im Breitwandformat präsentiert sich das Hornquartett in Version 8.1 – Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger musizieren gemeinsam mit Carsten Duffin, Ralph Ficker, Martin Grom, Christian Lampert und dem Schlagzeuger Simon Rössler, der auch Klavier und Celesta spielt. Beteiligt war zudem Dirigent Hannes Krämer, der mit sicherer Hand musikalische Präzision garantiert. 
Den Hornisten gelingt es tatsächlich, mit dem oft und gern bearbeiteten Werk von Modest Mussorgski zu verblüffen. Das liegt zum einen an dem überraschend wandlungsfähigen Hornsound. Klanglich wartet diese CD mit ganz erstaunlichen Kontrasten auf. Dazu trägt auch ihr Konzept mit bei – denn Mussorgskis Promenaden führen nicht nur von Bild zu Bild, sie leiten den Hörer auch zu einigen großen Werken aus der russischen Musiktradition, wie Mussorgskis gespenstischer Nacht auf dem kahlen Berge, Walzer und Tanz aus der zweiten Varieté-Suite von Dmitri Schostakowitsch, sowie bekannten Melodien aus zwei Ballettmusiken – Sergej Prokofjews Romeo und Julia und Peter Tschaikowskis Nuss- knacker. Nach Tanz der Zuckerfee und Blumenwalzer folgt dann ein atemberaubendes Finale – mehr sei hier nicht verraten. Diese acht Hornisten jedenfalls spielen jedes Orchester mühelos an die Wand. Dabei hat jeder einzelne Instrumentalist eine höchst individuelle Stimme; die Arrangements sind faszinierend, und sie sind passgenau für die Mitwir- kenden gearbeitet. Soviel Können und Leidenschaft kann man gar nicht genug loben. Unbedingt anhören! 

Donnerstag, 15. August 2013

Portrait (Genuin)

10 for Brass – das sind zwölf exzellente junge Blechbläser, die sich der Kammermusik ver- schrieben haben. Martin Gierden, Anne Heinemann, Rudolf Lörinc, Lukas Paulenz und Andre Schoch, Trompete, Swantje Vesper und Felix Wilmsen, Horn, Jan Donner, Matthias Haakh, Johannes Weidner und Florian Zerbaum, Posaune, sowie Alexander Tischendorf, Tuba, musizieren seit 2010 gemeinsam in dieser Formation. Sie studieren überwiegend an verschiedenen deutschen Musik- hochschulen. Einige der jungen Bläser haben bereits Engagements bei namhaften Orchestern. 
Die Musiker wurden mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet; so haben sie 2011 beim Deutschen Musikwettbewerb ein Stipendium erhalten. Ihre Konzerte kommen beim Publikum wie bei der Presse gut an – kein Wunder, dass sie nun auch eine CD vorlegen wollen. Das erste Album hat das Blechbläser-Ensemble teilweise über Crowd- funding finanziert. 
Die Mühe hat sich gelohnt, denn das Debüt ist gelungen. Die Werke, die die Zwölf dafür ausgewählt haben, reichen von Giovanni Gabrieli bis zu Duke Ellington, und von Händels bekannter Ankunft der Königin von Saba bis zur Bruckner-Etüde für das tiefe Blech aus der Feder von Enrique Crespo, dem langjährigen Spiritus rector von German Brass. Die Bläser von 10 for Brass begeistern mit ihrem satten, runden, harmonischen Ensembleklang. Ihr Spiel ist wirklich perfekt, und ihre Spielfreude überträgt sich auf den Hörer; allerdings dürfen sie gern noch etwas mehr Temperament entwickeln. Wer Bläsermusik liebt, der sollte dieses Album auf keinen Fall verpassen – es lohnt sich! 

Dienstag, 5. Februar 2013

Cellocinema (Genuin)

Eckart Runge und Jacques Ammon, im Konzertleben präsent unter dem Namen Celloprojekt, haben sich auf ihrer neuen CD der Filmmusik zugewandt. Das Violoncello sieht der Cellist als das ideale Medium für ein solches Unterfangen: "Vom innigen Singen der Diva über säuselnden Flöten oder krächzenden Quäken gestopfter Trompeten bis hin zu kreischenden Todesschreien, heulendem Wind oder dem Knarren einer alten Tür lassen sich diesem Instrument wie keinem anderen alle denkbaren Klänge des Lebens entlocken", begeistert sich Runge im Beiheft. 
Glücklicherweise ist sein Cello-Spiel deutlich besser als seine Grammatik. Und so arbeiten sich Runge und der Pianist Ammon gemeinsam durch die Filmgeschichte - von Charlie Chaplin, der übrigens selbst Cello spielte, über Astor Piazzolla, Klassiker wie Carlos Gardel, Nino Rota oder Enrico Morricone bis hin zu Dmitri Schostakowitsch, der immerhin 39 Filmmusiken komponierte, bis hin zu Dick Dale oder Tom Waits. Der Zuhörer wird erinnert an Kino-Ereignisse wie Modern Times, Psycho oder Pulp Fiction - und freut sich über die pfiffigen Arrangements, die zum überwältigenden Teil von den beiden Musikern selbst geschrieben worden sind. Bravi!