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Samstag, 6. Januar 2018

Tesori d'Italia (Deutsche Grammophon)

„Tesori d’Italia“ suchte Albrecht Mayer für seine aktuelle CD. Und dafür musste der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker nicht einmal weit reisen. Denn die begehrten Schätze aus Italien fand er in Dresden, einer Stadt, die nicht umsonst Elbflorenz genannt wird. 
Sie ist aber nicht nur durch italienische Architekten dazu geworden, sondern auch dank einer Vielzahl italienischer Künstler, die im Umkreis des sächsischen Hofes wirkten. So engagierten die sächsischen Kurfürsten für Oper und Hofkapelle gern Virtuosen aus dem Süden. Begabte deutsche Musiker hingegen schickten sie nach Italien, wo sie von den besten Meistern lernen sollten – ein Modell, das über Generationen hinweg ausgezeichnet funktionierte, von Heinrich Schütz bis zu dem Geiger Johann Georg Pisendel. 
Dieser studierte bei Antonio Vivaldi, und aus Italien brachte er nicht nur viele Noten, sondern auch gute Kontakte mit, von denen die Hofmusik sehr profitierte. Die Notensammlung des legendären Konzertmeisters der Dresdner Hofkapelle befindet sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Sie wurde überliefert, weil sie einst in einem Schrank eingeschlossen und vergessen worden ist. Heute werden die Bestände aus diesem „Schranck No: II“ durch Musikhistoriker ebenso gern genutzt wie durch Musiker. 
Albrecht Mayer hat dort eine Abschrift des Oboenkonzertes in C-Dur RV 450 von Antonio Vivaldi gefunden, sowie ein Oboenkonzert in a-Moll von Domenico Elmi (um 1676 bis 1744), das hier in Weltersteinspielung erklingt. Aus „Schranck No: II“ stammt zudem das Oboenkonzert in Es-Dur von Giovanni Alberto Ristori (1692 bis 1753), einem Organisten, Kapellmeister und Komponisten, der ebenfalls am Dresdner Hof wirkte. 
Giuseppe Sammartini (1695 bis 1750) war der Sohn eines französischen Oboenvirtuosen, und spielte auch selbst dieses Instrument hervorragend. Er wurde in Italien geboren, ging aber später nach London, wo er unter anderem in Händels Opernorchester musizierte, und hoch angesehen war. Mayer hat für seine CD gleich drei Oboenkonzerte von Sammartini ausgewählt. In Weltersteinspielung zu hören ist das Konzert in C-Dur op. 8 Nr. 4. 
Außerdem erklingt das Oboenkonzert in g-Moll op. 8 Nr. 5 sowie ein weiteres Konzert in C-Dur ohne Opuszahl. Es ist „in einer Abschrift aus dem 18. Jahrhundert erhalten, die sich der musikliebende schwedische Baron Patrick Alströmer (..) für seine private Notenbibliothek anfertigen ließ“, berichtet Mayer in einem ausführlichen Text im Beiheft. Die beiden anderen Konzerte befinden sich in den Beständen der British Library. Und die Edition des Vivaldi-Konzertes, die für diese Einspielung verwendet wurde, beruht auf einem Manuskript, das in der Biblioteca nazionale universitaria di Torino aufbewahrt wird. 
An der weiten Verbreitung dieser Musikstücke kann man noch heute erkennen, wie sehr die Werke italienischer Komponisten seinerzeit in ganz Europa geschätzt und begehrt wurden. Mayer hat eine Auswahl derartiger musikalische Kostbarkeiten zusammengestellt, die man auch heute noch gern hört. „Um dabei intensiv in das spezielle Flair Italiens eintauchen zu können, suchte ich mir als meine Wegbegleiter Musiker, die die Welt kennen, aber italienisch denken, lachen und fühlen“, schreibt der Oboist – „und ich fand sie mit I Musici di Roma, jenem Ensemble, das schon in meiner Kindheit eine Instanz auf dem Gebiet des italienischen Barock- repertoires war.“ 
Nun hat sich aber seitdem die Welt weiter gedreht, und wer Barockmusik als solche hören möchte, der wird heute wohl kaum noch dieses Ensemble dafür wählen. Wer allerdings italienische Lebensfreude und Musizierlust erleben möchte, und wer bei der Oboe insbesondere musikalischen Aus- druck und schöne Töne schätzt, der wird diese CD lieben. Denn Albrecht Mayer ist wirklich ein vortrefflicher Oboist. 

Montag, 10. Juli 2017

Rossini: 6 Sonate a quattro / Bottesini: Gran Duo Concertante (Eloquence)

„Sei Sonate orrende“, so schrieb Gioacchino Rossini Jahre später auf das Manuskript, „da me composte alla Villeggiatura (..) del mio amico mecenate Agostino Triossi alla età la più Infantile non avenda presa nep- pure una Leziona di Accompagna- mento: il Tutto Composto e Copiato in trè giorni ed eseguito cagnesca- mente dal Triossi Contrabasso, Morini (..) Primo Violino, il fratello di questo il Violoncello, ed il Secondo Violino da me stesso, che ero per dir vero il meno Cane.“ 
Die sechs „schrecklichen Sonaten“ freilich, deren Entstehung der Komponist derart launig schildert, sind so übel nicht. Was Rossini seinerzeit, im Sommer 1804, innerhalb von drei Tagen zu Papier brachte, das klingt überhaupt nicht nach dem Werk eines Zwölfjährigen. 
Die Sonate a quattro sind beschwingte Musikstücke, die gelegentlich bereits jenen berühmten Rossini-Humor aufblitzen lassen; doch die Heiterkeit ist immer eine elegische, es ist Fröhlichkeit in Moll. Bei Eloquence ist nun eine berühmte Aufnahme dieser Musik wieder zugänglich – eingespielt 1978 in der Schweiz von Salvatore Accardo gemeinsam mit Sylvie Gazeau, ebenfalls Violine, Alain Meunier, Violoncello, und Franco Petracchi, Kontrabass. Diese Referenzaufnahme wird im originalen Zwei-LP-Set für dreistellige Beträge gehandelt – und sie ist in der Tat exquisit. 
Komplettiert wird das Programm auf Doppel-CD durch das Duett für Violoncello und Kontrabass, sowie Un mot à Paganini, gespielt von Salvatore Accardo und Bruno Canino. Der Pianist ist auch Partner von Franco Petracchi bei Une larme in einer Bearbeitung für Kontrabass und Klavier. Als Zugabe erklingt das virtuose Gran Duo Concertante von Giovanni Bottesini, mit Luciano Vicari, Violine, Lucio Buccarella, Kontrabass, und dem Orchester I Musici. 

Mittwoch, 31. Mai 2017

Concerti Romani (Dynamic)

Rom war im 17. Jahrhundert eine
der wichtigsten Musikmetropolen Europas. Viele der italienischen Komponisten jener Zeit lebten und wirkten zumindest einige Zeit in der Ewigen Stadt. 

So ließ sich Arcangelo Corelli (1635 bis 1713) in den 1670er Jahren dort nieder; er erwarb sich rasch einen Ruf als ausgezeichneter Violinist und er- hielt so Zugang zu höchsten Kreisen. Er stand im Dienste dreier bedeuten- der Mäzene – Königin Christina von Schweden, Kardinal Benedetto Pamphilj und Kardinal Pietro Ottoboni. Über seine Schüler und mit den wenigen Werken, die er im Druck veröffentlicht hat, beeinflusste er das Musikleben in ganz Europa; Corelli war im gesamten 18. Jahrhundert der am meisten gedruckte Komponist überhaupt. 
Auf dieser CD spielt das Ensemble I Musici Werke seiner Nachfolger, die deutlich machen, wie sehr sein Vorbild imitiert wurde. Zu hören sind neben Corellis Concerto grosso op. 6 Nr. 4 das Concerto grosso op. 5 Nr. 7 seines Schülers Francesco Geminiani (1687 bis 1762), sowie Werke von Pietro Castrucci (1679 bis 1752), Giuseppe Valentini (1681 bis 1753) und Pietro Locatelli (1695 bis 1764). 

Donnerstag, 19. August 2010

Tartini: 3 Violin Concertos (Pentatone Classics)

Giuseppe Tartini hat nahezu aus- schließlich Werke für sein Instru- ment komponiert - die Violine, für die er mehr als 200 Sonaten schrieb, und über 125 Konzerte. Drei davon enthält diese Super Audio CD - die Violinkonzerte in A-Dur, D.96, in B-Dur, D.117 und in G-Dur, D.78. "Per bon sonare, bisogna bon cantare", soll Tartini einst gesagt haben - um gut zu klingen, muss man gut singen. 
Das fiel Salvatore Accardo nicht schwer, der diese Aufnahme 1973 mit den I Musici eingespielt hat. Sie ist wirklich zauberhaft, und deshalb ist es sehr erfreulich, dass Pentatone Classics sie jetzt  wieder zugänglich macht - zumal sie obendrein perfekt Quadro-remastered wurde. Hörvergnügen garantiert!