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Dienstag, 16. Februar 2021

Bach & Piazzolla (Berlin Classics)


 Bach und Piazzolla kombiniert Nikola Djoric miteinander auf einem Album. Der serbische, in Österreich lebende Akkordeonist hat gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter der Leitung von Hans-Peter Hoffmann sowohl Bachs Cembalokonzerte BWV 1058 und 1052 als auch Piazzollas bekanntes Konzert für Bandoneon „Aconcagua“ eingespielt. Dabei legt er besonderen Wert auf die Feststellung, dass alle Werke originalgetreu auf seinem Konzertakkordeon erklingen – jede einzelne Note ist an ihrem Platz. 

„Das Instrument bietet mit seiner Fähigkeit zum Singen und seiner Komplexität einen unvergleichlichen Reiz“, erläutert der Akkordeonvirtuose. „Stellen Sie sich vor: Ein Blasinstrument, das beim Ein- und Ausatmen polyphon spielt und den Klang in der Luft entstehen lässt; ein Tasteninstrument, das Töne wie Streicher mit dem Bogen phrasieren kann, mit zwei unterschiedlichen Manualen, über 500 Tönen, 20 Klangregistern und einem Musiker, der mit allen zehn Fingern spielt und frei atmen kann – das ist das Knopfakkordeon, es singt und atmet.“ 

Dieses „Atmen“ bekommt vor allem Bachs Cembalokonzerten ausgezeichnet, die im Original oftmals etwas hektisch klingen. Das Akkordeon bringt einerseits Farbe, andererseits wirkt auch die Phrasierung auf einmal ganz neu und interessant. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 


Freitag, 28. Dezember 2018

Eichner: Four Harp Concertos (cpo)

Auf die Mannheimer Schule ver- weisen die Harfenkonzerte von Ernst Eichner (1740 bis 1777). Der Komponist, der einer Hofmusiker-Dynastie entstammte, wuchs wohl in Arolsen auf und wurde dort auch ausgebildet. Sein Lieblingsinstru- ment war das Fagott, mit dem er als begnadeter Virtuose überall, wo er konzertierte, Aufsehen erregte. 1762 engagierte schließlich der Herzog von Zweibrücken-Birkenfeld den jungen Musiker. 
Mit seinem Dienstherrn reiste Eichner unter anderem nach Paris; allerdings scheint er auch allein des öfteren auf Reisen gegangen zu sein. Der Herzog versuchte, dem Musiker die Extratouren abzugewöhnen; dazu erhöhte er Eichners Salär auf immerhin 600 Gulden, und ernannte ihn zum Konzertmeister. 1772 ließ er den Ausreißer in Frankfurt sogar arretieren. Das zeigte Wirkung, doch anders als gewünscht – noch im gleichen Jahr verließ Eichner Zweibrücken endgültig. 
Der Musiker reiste nach Paris und nach London, und nahm letztendlich eine Stelle am Hof des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Potsdam an. Dort blieb er, bis zu seinem frühen Tod im Alter von gerade einmal 37 Jahren. 
Was für ein Verlust! Zeitgenossen schätzten insbesondere die Sinfonien Eichners. Die Harfenkonzerte des Komponisten hat Silke Aichhorn gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter Stefan Fraas eingespielt. Sie sind in Zweibrücken entstanden, und wahrscheinlich in Frankfurt erstmals im Konzert erklungen. Für welchen Solisten sie geschrieben worden sind, ist heute nicht mehr herauszubekommen – es muss allerdings ein Virtuose gewesen sein, denn sie sind musikalisch wie technisch sehr anspruchsvoll. 
Silke Aichhorn musiziert dementsprechend brillant; und das Kurpfälzische Kammerorchester schafft quasi den Rahmen, der die Solistin gebührend in den Mittelpunkt rückt, aber selbst auch Farbakzente setzt und glänzt. Komplettiert wird das Hörvergnügen durch zwei weitere Harfenkonzerte, die bis vor kurzem ebenfalls Ernst Eichner zugeschrieben wurden. Sie sollen tatsächlich von einem Jean Théophile Eichner stammen – über den man aber ansonsten gar nichts weiß. Und sie sind denen Ernst Eichners in der Tat verblüffend ähnlich. 

Montag, 11. September 2017

Vivaldi: Fagottkonzerte / Oboenkonzerte (Ars Produktion)

Simon Fuchs, Solo-Oboist des Tonhalle-Orchesters Zürich, und Matthias Rácz, Solofagottist dieses Ensembles sowie des Lucerne Festival Orchestra, präsentieren Konzerte von Antonio Vivaldi. Entstanden sind sie einst für das Mädchenorchester des Ospedale della Pietà in Venedig. Nicht umsonst wird dieses Ensemble in zeitgenössi- schen Reiseberichten immer wieder sehr gelobt. Die jungen Musikerinnen müssen enorm gut ausgebildet und überragend in ihrem jeweiligen Fach gewesen sein; diese Kompositionen jedenfalls sind durchaus anspruchsvoll und bieten selbst heutigen Solisten, auf modernen Instrumenten, so manche Herausforderung. 
Sowohl die Oboe als auch das Fagott waren zu Vivaldis Lebzeiten Innova- tionen. Entsprechend experimentierfreudig werden sie eingesetzt. Bei den Oboenkonzerten beispielsweise orientierte sich der Komponist am Vorbild der Violine, und auch dem Fagott verlangt er, unter anderem mit weiten Intervallsprüngen zwischen Tenor- und Basslage, so einiges ab. 
Eine Auswahl aus dem umfangreichen Repertoire, das Vivaldi für die Oboe und das Fagott geschaffen hat, ist auf dieser CD zu hören. Simon Fuchs und Matthias Rácz spielen virtuos, gekonnt gestalten sie ein abwechs- lungsreiches Programm. Die Solisten musizieren gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter Johannes Schlaefli. 

Samstag, 22. September 2012

Rosetti: Bassoon Concertos Vol. 2 (cpo)

Antonio Rosetti (1750 bis 1792) stammte aus Böhmen. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts ge- sichert bekannt. Es wird vermutet, dass er seine musikalische Aus- bildung bei den Jesuiten erhielt. Im Herbst 1773 trat er als Kontra- bassist in den Dienst des Grafen Kraft Ernst zu Oettingen-Waller- stein. Dort musizierte er nicht nur in der Hofkapelle, er komponierte auch, und wurde schließlich 1781 von seinem Dienstherrn nach Paris gesandt. Von dieser Bildungsreise kehrte Rosetti im Mai 1782 zurück; er war in Paris mit seinen Werken sehr erfolgreich gewesen, und bald schon erschienen seine Komposi- tionen bei namhaften Verlegern, und wurden in ganz Europa gespielt. 1785 ernannte ihn Fürst Kraft Ernst zum Hofkapellmeister.
Vier Jahre später ging der Musiker, der damals in einem Atemzug mit Mozart und Haydn genannt wurde, nach Ludwigslust. Als Hofkapell- meister des Herzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin verdiente Rosetti wesentlich mehr; endlich war er seine Geldsorgen los. Allerdings konnte er das sehr ordentliche Gehalt und die hohen Ehren, die man ihm dort angedeihen ließ, nur noch eine kurze Frist genießen. Rosetti schuf in seinem kurzen Leben eine Vielzahl von Werken. Darunter sind Lieder ebenso wie Konzerte, Oratorien, Har- moniemusiken, Sinfonien wie Kammermusik.
Rosetti hat offenbar auch zehn Fagottkonzerte geschrieben; sieben davon sind erhalten. Eckart Hübner, Professor an der Universität der Künste in Berlin, hat vier davon bereits vor einiger Zeit für cpo ein- gespielt. Mit der vorliegenden CD vollendet er nun die Gesamtaufnah- me. Rosetti kombiniert in seiner Musik Elemente, die bereits auf die Klassik verweisen, mit galanten Klängen und einer großen Portion Charme und Witz. Hübner weiß dies herauszuarbeiten. Dabei steht ihm das Kurpfälzische Kammerorchester zur Seite - ein Klangkörper, der sich den Traditionen der Mannheimer Schule verschrieben hat. Das passt ganz ausgezeichnet, und der Zuhörer darf sich obendrein über eine Zugabe freuen: Mozarts Fagottkonzert B-Dur, das früheste Bläserkonzert des Komponisten, das dieser im Alter von 18 Jahren geschrieben hat - und das den Solisten vor so manche Herausforde- rung stellt. Hübner bewältigt auch diese Partie souverän, wobei er sich für eine zügige und elegante Interpretation entschieden hat. Schön!