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Dienstag, 28. Dezember 2021

None but the Brave - Maximilian Ehrhardt (Carpe Diem)


Mit diesem Album erweist Maximilian Ehrhardt einem berühmten Kollegen seine Referenz: John Parry (1710 bis 1782) gilt als Vater der neueren walisischen Harfentradition. 

Der blinde Musiker, der seit seiner Kindheit die Harfe spielte, kam als Angestellter eines Adligen aus Wales nach London. Dort erwarb er sich aufgrund seiner Virtuosität bald großes Ansehen. In seinen Konzertprogrammen kombinierte er bekannte Lieder mit Werken seiner Zeitgenossen. 

Er war auch als Lehrer hochgeschätzt, und er ließ etliche Stücke, die er selbst spielte, drucken. Maximilian Ehrhardt, stets auf der Suche nach Harfenmusik, die in Vergessenheit geraten ist, hat sich mit diesen Notendrucken befasst. In der walisischen Nationalbibliothek in Aberystwyth studierte er zudem die drei ältesten Manuskripte mit Harfenmusik. 

Auch mit der jahrhundertealten walisischen Harfentradition hat sich Ehrhardt intensiv beschäftigt. Man lese nur seinen Aufsatz im Beiheft - wirklich beeindruckend, denn die Harfe ist das Nationalinstrument von Wales, und sie ist dort offenbar schon zu Zeiten der Römer erklungen. 

Im Ergebnis dieser gründlichen Studien entstand diese CD – stilecht eingespielt auf einer walisischen Tripelharfe. Hoch interessant und dazu hinreißend klangschön. Faszinierend! 

Samstag, 27. Juli 2019

Toccata - Elisa Netzer (Naxos)

Harfe und Toccata? Sachen gibt es! Das ist eigentlich ein genuin barockes Genre, eine auskomponierte Improvisation; gespielt wurden Toccaten ursprünglich auf der Laute oder mit Tasteninstrumenten. In der Romantik sowie in der Orgelmusik des 20. Jahrhunderts interpretierten dann Komponisten die alte Form neu. 
Doch die allermeisten dieser Werke wurden für Cembalo, Orgel oder Klavier geschrieben. Elisa Netzer zeigt auf dieser CD, dass man dieses anspruchsvolle Repertoire durchaus auch auf der Harfe spielen kann. Auf ihrem Debütalbum bei Naxos geht die Schweizerin auf Entdeckungsreise quer durch die Musikgeschichte – von Alessandro Scarlatti bis hin zu Stephan Hodel, der sein faszinierendes Toccare für Harfe solo eigens für Elisa Netzer geschrieben hat. 
Die Musikauswahl der Harfenistin ist ausgesprochen originell; das Album bietet neben Klassikern, die für Harfe bearbeitet wurden, wie zwei Stücken aus Aram Chatschaturjans Kinderalbum oder Toccata y Fuga op. 50 von Joaquín Turina, auch tatsächlich Harfenmusik wie eine Toccata des israelischen Komponisten Ami Maayani oder Werke von Nino Rota, der Sarabande e Toccata 1945 ebenfalls originär für Harfe komponierte. 
So ermöglicht diese CD gar manche Entdeckung – die größte Entdeckung allerdings ist die Solistin selbst. Denn Elisa Netzer erweist sich als eine Harfenvirtuosin allererster Klasse. Von der jungen Musikerin, die ihr Debüt 2017 beim renommierten Lucerne Festival gab und seitdem weltweit auftritt, wird man hoffentlich noch viel hören! 

Freitag, 28. Dezember 2018

Eichner: Four Harp Concertos (cpo)

Auf die Mannheimer Schule ver- weisen die Harfenkonzerte von Ernst Eichner (1740 bis 1777). Der Komponist, der einer Hofmusiker-Dynastie entstammte, wuchs wohl in Arolsen auf und wurde dort auch ausgebildet. Sein Lieblingsinstru- ment war das Fagott, mit dem er als begnadeter Virtuose überall, wo er konzertierte, Aufsehen erregte. 1762 engagierte schließlich der Herzog von Zweibrücken-Birkenfeld den jungen Musiker. 
Mit seinem Dienstherrn reiste Eichner unter anderem nach Paris; allerdings scheint er auch allein des öfteren auf Reisen gegangen zu sein. Der Herzog versuchte, dem Musiker die Extratouren abzugewöhnen; dazu erhöhte er Eichners Salär auf immerhin 600 Gulden, und ernannte ihn zum Konzertmeister. 1772 ließ er den Ausreißer in Frankfurt sogar arretieren. Das zeigte Wirkung, doch anders als gewünscht – noch im gleichen Jahr verließ Eichner Zweibrücken endgültig. 
Der Musiker reiste nach Paris und nach London, und nahm letztendlich eine Stelle am Hof des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Potsdam an. Dort blieb er, bis zu seinem frühen Tod im Alter von gerade einmal 37 Jahren. 
Was für ein Verlust! Zeitgenossen schätzten insbesondere die Sinfonien Eichners. Die Harfenkonzerte des Komponisten hat Silke Aichhorn gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter Stefan Fraas eingespielt. Sie sind in Zweibrücken entstanden, und wahrscheinlich in Frankfurt erstmals im Konzert erklungen. Für welchen Solisten sie geschrieben worden sind, ist heute nicht mehr herauszubekommen – es muss allerdings ein Virtuose gewesen sein, denn sie sind musikalisch wie technisch sehr anspruchsvoll. 
Silke Aichhorn musiziert dementsprechend brillant; und das Kurpfälzische Kammerorchester schafft quasi den Rahmen, der die Solistin gebührend in den Mittelpunkt rückt, aber selbst auch Farbakzente setzt und glänzt. Komplettiert wird das Hörvergnügen durch zwei weitere Harfenkonzerte, die bis vor kurzem ebenfalls Ernst Eichner zugeschrieben wurden. Sie sollen tatsächlich von einem Jean Théophile Eichner stammen – über den man aber ansonsten gar nichts weiß. Und sie sind denen Ernst Eichners in der Tat verblüffend ähnlich. 

Dienstag, 17. Dezember 2013

Harfhorn (Auris Subtilis)

Der Böhmischen Harfe und dem Alphorn hat sich Stefan Weyh verschrieben. Der Musiker legt nun bei dem Chemnitzer Label Auris subtilis seine erste CD vor: Harfhorn. Dabei hat ihn eine ganze Schar von Kollegen unterstützt; allen voran zu nennen ist hier Sebastian Fischer als versierter Duopartner auf Alphorn, Büchel und Zink. 
Die etwas archaische Gestaltung der CD-Hülle harmoniert perfekt mit den Klängen der geschichtsträchtigen Instrumente, deren Herkunft in einem kleinen Beiblatt erläutert wird. Das erweist sich als interessant, denn zwar stammen das Alphorn und seine gebogene Sonderform, das Büchel, aus dem Alpenraum. Die Böhmische Harfe aber ist offenbar im 18. Jahrhundert in Preßnitz im Erzgebirge ent- standen, und sie gelangte mit Wandermusikanten in den süddeut- schen Raum – aus der Klangwerkstatt Markt Wald im Allgäu kommt das Exemplar, das Weyh nun spielt. 
Zu hören sind auf dieser CD sowohl Klassiker, jedem Musikfreund bekannt, als auch Kompositionen, die speziell für Stefan Weyh entstanden sind. Mir persönlich gefallen letztere besser, denn hier ist der Musiker ganz in seinem Element – sei es im Wirbel des Tau- wetterwindes, den Weyh in seiner ausdrucksstarken Musik kongenial erfasst, oder in der entzückenden Hirtenmusik für Stefan von Herta Lippold. 

Sonntag, 22. September 2013

Why not? (Genuin)

„Wir wissen, was Sie denken: Warum um alles in der Welt muss man Tuba und Harfe in ein Duo packen? Wie soll denn das bitte funktionieren“, schreibt Andreas Martin Hofmeir im Beiheft zu dieser CD, die er gemeinsam mit seinem Duopartner Andreas Mildner eingespielt hat. Nun – es funktioniert so gut, dass der Tubist für seine Debüt-CD Uraufnahmen, erschienen ebenfalls bei dem Leipziger Label Genuin Classics, übernächste Woche als „Instru- mentalist des Jahres“ mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet wird. 
Auch wenn nicht alle Blütenträume reiften – „Statistisch gesehen ist nämlich die Harfe das Instrument mit dem höchsten Anteil an Spielerinnen, wenn Sie verstehen, was ich meine...“, berichtet Hofmeir über seine Motivation für die Wahl ausgerechnet dieses Duopartners – kann der Tubist eine geradezu atemberaubende Karriere vorweisen. Hofmeir studierte in Berlin, Stockholm und Hannover, und war Stipendiat der Orchesterakademien der Berliner und Münchner Philharmoniker. Er musizierte mit den Wiener Philharmonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig, den Bamberger Symphonikern , dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Bayerischen Staatsorchester sowie von 2004 bis 2008 als Solotubist im Bruckner-Orchester Linz. Seit 2006 lehrt er am Mozarteum in Salzburg, wo er 2010 zum Universitätsprofessor berufen wurde. 
2005 erhielt Hofmeir den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs – als erster Tubist überhaupt. Und als Preisträger nahm er an dem Förderprojekt „Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler“ teil. „Diese Auswahl hat zum Ziel, die besten Musiker zu verschiedenen Kammermusikformationen zusammenzuführen und bei ihren Konzerten zu unterstützen“, erläutert Hofmeir. „Erst sollte ich mit einem Posaunisten verkuppelt werden, aber der Blick auf die Liste verriet mir doch, dass dort auch vier nette Harfenistinnen geführt wurden. Und so kramte ich die alten Stücke wieder heraus und stellte den kühnen Antrag für ein Tuba-Harfen-Duo. Natürlich nicht ahnend, dass mir der einzige männliche Harfenist zugelost wurde. Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass Herrn Mildners Schreck noch viel größer war“, meint der Tubist. Denn die beiden Musiker kannten sich bereits vom Wettbewerbsfinale, „weil irgendein Mensch mit viel Humor uns da in das gleiche Stimmzimmer gesteckt hatte, wo sich Herr Mildner mittels Konzentrationsübungen auf den Auftritt vorbereitete und ich mich mittels eines Döner Kebabs“ – wofür sich Hofmeir offensichtlich erfolgreich entschuldigt hat. 
Die beiden Musiker, die kürzlich bei Genuin ihre zweite CD veröffentlicht haben, harmonieren trotz allen Gefrotzels ziemlich gut miteinander. Das gilt auch für die beiden Instrumente, die bei allen Unterschieden erstaunlich gut miteinander klingen. Man staunt insbesondere, was für sanfte Töne Andreas Martin Hofmeir dem riesigen Blasintrument entlockt, wie wandlungsfähig und nuancen- reich doch der Klang einer Tuba sein kann. 
Hofmeir und Mildner stellen Originalwerke der zeitgenössischen Komponisten Jörg Duda und Gisbert Näther vor. Komplettiert wird dieses Programm durch handverlesene ältere Einzelstücke. Sehr erheiternd ist L'Apres-Midi d'une Crocodille, eine Debussy-Parodie von Quinto Maganini (1897 bis 1974). Hofmeir wagt sich an eine Fantasie, die Georg Philipp Telemann seinerzeit für Flöte solo geschrieben hat, Mildner spielt solistisch Deux Divertissements von André Caplet (18878 bis 1925). Außerdem erklingen zwei Melodien von Astor Piazzolla, und als Finale gibt’s die berühmte Méditation aus der Feder von Jules Massenet (1842 bis 1912). Wie ein solcher Geigen-Ohrwurm auf der Tuba klingt? Unbedingt reinhören – es lohnt sich! 

Sonntag, 20. Februar 2011

Le grazie del violino nel seicento italiano (Stradivarius)

Im 16. Jahrhundert entstand in Oberitalien ein neues Solo-Instru- ment: Die Violine. Wie Musiker damals die Möglichkeiten dieser Innovation erkundet und aus- probiert haben, zeigt die vorlie- gende CD anhand von Werken aus dem 17. Jahrhundert. Auch ihre formale Gestaltung war innovativ, und in der Entwicklung begriffen - auf der Suche nach einem Weg abseits von den "alten" Regeln des Kontrapunkts, hin zu einer eher rhetorischen Musik. Claudio Monteverdi nannte dies seconda practica; und viele seiner Kollegen folgten den neuen Ideen.  
Das Duo Arparla - in diesem Wort stecken nicht umsonst die Begriffe arpa und parla - zeigt einige der Varianten, die Musiker damals für die Violine gefunden haben. Davide Monti spielt eine Violine von Giovanni Paolo Maggini, gebaut 1620 in Brescia, mit Darmsaiten und dem Nachbau eines Bogens aus dem 17. Jahrhundert. Maria Christina Cleary spielt eine Doppelharfe, nach dem Vorbild einer Tripelharfe im Museo della Musica di Bologna angefertigt von Rainer M. Thurau in Wiesbaden 2005. 
Die Harfe war zur Zeit der Renaissance und des Barocks ein beliebtes Continuo-Instrument. Cesare Ripa rühmte die Arpa doppia: "per la dolcezza del suono si dice haver conformità von Venere, e con le Gratie, che como questo, così quella diletta gl'animi, e ricrea li spiriti". Es braucht einige Zeit, bis man sich eingehört hat - doch dann wird man ihm gern zustimmen.