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Dienstag, 29. Dezember 2020

Leclair: Concerti per Violino (Glossa)


 Jean-Marie Leclair (1697 bis 1764) gilt als Gründer der französischen Violinschule. Wie kaum ein anderer wusste er italienische Virtuosität mit kantablem Spiel und dem Streben nach schönem Ton, ganz nach französischem Geschmack, zu verbinden. Über den Lebensweg des Musikers, der eigentlich Korbmacher hätte werden sollen, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. Als Geiger muss er ein Ereignis gewesen sein; in seinen Werken lässt sich noch heute nachvollziehen, dass er über eine exzellente Technik verfügte. 

Auf dieser CD mit dem La Cetra Barockorchester Basel stellt sich Leila Schayegh den spieltechnischen Herausforderungen in den Konzerten Leclairs. Die Schweizer Barockgeigerin beeindruckt durch ihre ebenso temperamentvolle wie klangschöne Interpretation. Mit ihrer Einspielung, die inzwischen in einer weiteren CD eine Fortsetzung fand, zeigt Leila Schayegh, wie reizvoll und hörenswert doch Leclairs Violinkonzerte sind. Musiziert wird mit fundiertem historischen Wissen ebenso wie mit Spielfreude und einer gehörigen Portion Eleganz. Bravi!

Samstag, 23. Juli 2016

Magdalena Kozená - Monteverdi (Deutsche Grammophon)

Die Musik von Claudio Monteverdi machte sie zum Klassikstar: Magda- lena Kožená sang einst als Vertretung der erkrankten Anne Sofie von Otter in seiner Oper L’Incoronazione di Poppea bei den Wiener Festwochen. Dies war der Beginn einer beeindruk- kenden Karriere. 
Monteverdi gehört noch immer zu den Favoriten der tschechischen Mezzo- sopranistin – nicht nur, weil sie seinerzeit mit seinen Stücken Italie- nisch gelernt hat, wie sie im Beiheft berichtet: „Die Qualität seiner Texte ist unglaublich, seine Libretti sind so tief. Oft mag ich in der Oper die Rezitative lieber als die Arien, weil ich als Sänger Geschichten erzählen und mit den Worten spielen möchte. Und Monteverdis Arien sind im Stil des Recitar cantando komponiert, also einer Art rezitierendem Gesang.“ 
Zwölf Stücke wurden für die CD ausgewählt; drei davon sind Instrumental- musik von Monteverdi-Zeitgenossen. Das Barockorchester La Cetra aus Basel, geleitet von Andrea Marcon vom Cembalo aus, erhält so Gelegen- heit, eigene Akzente zu setzen. Mit Magdalena Kožená harmoniert das Orchester prächtig; vermutlich war diese Einspielung nicht das erste gemeinsame Projekt. 
Zu hören sind Ausschnitte aus Monteverdis Oper L'Incoronazione di Poppea, drei Stücke aus den Scherzi musicali, und eine kleine Auswahl aus dem Settimo bzw. dem Ottavo libro de’ madrigali, darunter das berühmte Combattimento di Tancredi e Clorinda und der ebenfalls sehr bekannte Klagegesang Lamento della ninfa
Magdalena Kožená beeindruckt durch ihre Ausdrucksstärke. Damit wird sie Monteverdi bestens gerecht, den sie in seinen Werken vor allem als „Geschichtenerzähler“ sieht, „der nicht so sehr an der reinen Schönheit der Stimme oder aufregenden Koloraturen interessiert ist. Ihm ist vor allem wichtig, dass der Sänger die Geschichte so erzählt, dass sie wahrhaftig wird und den Zuhörer berührt.“ Und das gelingt der Sängerin hervorra- gend. Man höre nur den Bericht vom Kampf zwischen dem christlichen Ritter Tancredi und der Sarazenin Clorinda, eigentlich ein Liebespaar. Doch dann begegnen sie sich auf dem Schlachtfeld, und erkennen einander zu spät. Kožená gibt sowohl dem Erzähler als auch die beiden Protagoni- sten Stimme, und gestaltet diese Figuren souverän. „Es war Andrea Marconis Idee, dass ich alle drei Rollen singe“, sagt die Sängerin. „Auf diese Idee wäre ich gar nicht gekommen.“ Das Album enthält mit Pur ti miro und Zefiro torna zudem zwei zauberhafte Duette mit Koloratur- sopranistin Anna Prohaska. Großartig! 

Sonntag, 1. Mai 2011

Mozart Overtures; Marcon (Deutsche Grammophon)

"Von der ouverture haben sie nichts als 14 Täckt. – die ist ganz kurz – wechselt immer mit forte und piano ab; wobey beym forte allzeit die türckische Musick einfällt. – modolirt so durch die töne fort – und ich glaube man wird dabey nicht schlafen können, und sollte man eine ganze Nacht durch nichts geschlafen haben", schrieb Wolfgang Amadeus Mozart seinerzeit an seinen Vater Leopold. Nicht nur die Ouvertüre zur Ent- führung aus dem Serail ist beein- druckend; auch bei den anderen Werken, die Mozart einst seinen Opern und Singspielen voranstellte, dürfte man kaum einnicken - zumindest dann nicht, wenn man hört, was Andrea Marcon und das Basler Barockorchester La Cetra daraus machen. 
Musiziert wird frisch und sinnlich - und zugleich handwerklich über- aus fundiert. Marcon, der einst an der Schola Cantorum Basiliensis studiert hat, lehrt dort heute als Professor. Seit zwei Jahren leitet er zudem La Cetra, das Absolventenorchester der Hochschule, die sich auf Alte Musik spezialisiert hat. Die Präzision in Phrasierung und Artikulation, die die Musiker aus ihrer Auseinandersetzung mit barocker Musik heraus gewohnt sind, bekommt auch Mozarts Musik ganz hervorragend. 
Was man hier erlebt, das ist nicht Kunsthandwerk nebst populärem Sahnehäubchen, sondern Wissen und Können, gepaart mit Respekt vor der Partitur. Marcon lässt Mozart zu Wort kommen - und verhilft so seinen Ouvertüren zu struktureller Klarheit, beeindruckender Durchhörbarkeit und individueller Klangsprache. Das ist ein sehr interessanter Ansatz, denn er zeigt auch die Entwicklung Mozarts von seinen ersten Werken, die noch ganz der barocken Tradition folgen, hin zu seinen späten Opern, die mitunter sogar schon nach Frühromantik klingen.