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Dienstag, 28. Januar 2020

Louis Spohr - The Clarinet Concertos (Orfeo)

Louis Spohr (1784 bis 1859) war als Violinvirtuose einst ein europäischer Superstar; er war ebenso populär wie Paganini. Doch anders als sein italienischer Kollege war Spohr stets darauf bedacht, seine Kenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben. Und so unterrichtete er auch enorm viele Schüler – es sollen mehr als 200 gewesen sein. Außerdem war Spohr auch als Komponist eine Instanz. 
Seine vier Klarinettenkonzerte konnten sich bis heute im Repertoire halten. Geschrieben hat Spohr sie seinerzeit für Johann Simon Hermstedt. Dieser musizierte im thüringischen Sondershausen als Mitglied der Hofkapelle, und er muss ein exzellenter Klarinettist gewesen sein. Denn Spohrs Konzerte gelten bis heute als Herausforderung; wichtig waren ihm „schöner Ton“, „reine Intonation“ und „immense Fertigkeit“. Und gleich im ersten Konzert überschritt Spohr den damals verfügbaren Tonumfang der Klarinette – was Hermstedt dazu veranlasste, sich ein neues Instrument bauen zu lassen, mit dem das Konzert dann spielbar war. 
Diese Doppel-CD präsentiert Spohrs Klarinettenkonzerte komplett, in einer sehr gelungenen Studio-Einspielung aus dem Jahre mit dem Solisten Karl Leister und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart unter Leitung von Rafael Frühbeck de Burgos. 

Mittwoch, 28. August 2019

Spohr: Violin Duets (Naxos)

Zwei britische Geiger spielen Violinduos von Louis Spohr (1784 bis 1859): Jameson Cooper und James Dickenson musizieren in namhaften Streichquartetten; beide unterrichten auch. Spohr, der wichtigste deutsche Violinvirtuose seiner Zeit, schrieb schon als Jugendlicher die ersten Duos für sein Instrument. Dabei handelt es sich zunächst um brillante Konzertstücke, die er gemeinsam mit seinem Lehrer präsentierte. 
So ist auf dieser CD das dritte jener Violinduos WoO 21 zu hören, die Spohr als Zwölfjähriger zu Papier brachte – und das merkt man auch. Im Kontrast dazu erklingen die Duos op. 67, routiniert und aus dem Jahre 1824. „Ihrer lieben Frau meinen schönen Dank, daß sie Sie zur Composition eines Heftes Duetten angehalten hat“, schrieb der Musikverleger Carl Friedrich Peters damals, und bat: „machen Sie solche nur nicht so grausam schwer, denn sonst schießen wir wieder neben den Zweck, zu welchem ich die Duetten haben will.“ 
Denn die Vorgänger aus den Jahren 1805, 1807 und 1816 waren so virtuos angelegt, dass sie Amateure überforderten – und die Noten brachten Peters daher nicht die erhofften Umsätze. Ob der Verleger an Spohrs op. 67 mehr Vergnügen hatte, wissen wir nicht. Aber an dieser Aufnahme kann man sich erfreuen. 

Mittwoch, 15. Mai 2019

Reiselust (Genuin)

Louis Spohr (1784 bis 1859) steht im Mittelpunkt dieser CD, die das Eldering Ensemble bei Genuin veröffentlicht hat. Der Violinvirtuose war seinerzeit viel unterwegs und hat dabei eine Menge erlebt. Aus Tagebüchern und Briefen können wir darüber etliches erfahren. So war er 1811 in Beethovens Wohnung bei einer Probe des sogenannten Geistertrios op. 70,1 zugegen. 
Felix Mendelssohn Bartholdy widmete Spohr 1845 sein c-Moll-Klaviertrio op. 66, mit den Choralthemen im vierten Satz; es scheint dem Geiger gefallen zu haben. Seine Frau jedenfalls lobt das Werk sehr, sie notierte zudem in ihrem Tagebuch, dass Spohr es 1846 gemeinsam mit dem Komponisten und dem Cellisten Johann Grabau in Leipzig gespielt hat. 
Die beiden leidenschaftlichen Trios, zwei der ganz großen Werke des Repertoires, komplettiert die heitere Reisesonate. In diesem Duetto für Pianoforte und Violine op. 96 schildert Spohr mit musikalischen Mitteln Eindrücke einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz, die der Geiger 1836 gemeinsam mit seiner Frau Marianne und seiner Tochter Therese unternommen hat. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Man hört Hufschlag und Postillonsignale, und dann das Orgelspiel und die Gesänge in der katholischen Hofkirche. Auch das nahe Böhmen schickt einen musikalischen Gruß. Die Überschrift des ersten Satzes, Reiselust, steht als Motto auch über der CD. 
Simon Monger, Violine, und Sandra Urba, Piano, haben die Reisesonate hier erstmals nach der neuen Urtextausgabe eingespielt. Die jungen Solisten musizieren sehr engagiert; auch der Klaviertrio-Klang, mit Jeanette Gier am Violoncello, ist schlank, agil und lebendig. Das Eldering Ensemble ist ohne Zweifel eine exzellente Formation, die Freunde der Kammermusik im Blick behalten sollten – es lohnt sich! 

Dienstag, 23. Januar 2018

Geliebte Dorette. Spohr: Works for violin and harp (Stradivarius)

Diese CD lädt ein zum Ausflug in die Geschichte der Harfe, und zwar in eine Zeit, da die Hakenharfe von der Einfach-Pedalharfe abgelöst wurde. Letztere ermöglichte es, durch das Treten von Pedalen Harfensaiten beim Spielen zu verkürzen, und so ihren Ton bei Bedarf um einen Halbton zu erhöhen. 
Maria Christina Cleary, die gemeinsam mit dem Geiger Davide Monti diese CD eingespielt hat, gehört zu den Spezialistinnen für solche historischen Instrumente. Sie hat in Leiden mit einer Arbeit zur Rekonstruktion der komplizierten Pedaltechniken für diese sogenannte Harpe organisée promoviert. 
Angeregt wurde sie dazu durch ihre Beschäftigung mit Musikstücken, die Louis Spohr (1784 bis 1859) einst für seine Gattin komponierte – und die Cleary zunächst unspielbar fand. Dorothée Henriette Scheidler (1787 bis 1834), Tochter des Cellisten und Komponisten Johann David Scheidler, wuchs im thüringischen Gotha in einem unglaublich musikalischen Umfeld auf. Auch zwei ihrer Onkel musizierten wie ihr Vater in der (exzellenten) Hofkapelle, und ihre Mutter war dort als Sängerin engagiert. 
Dorette, wie die junge Musikerin gerufen wurde, spielte Geige und Klavier. Ihr wichtigstes Instrument aber war die Harfe; sie galt als eine der besten Harfenistinnen ihrer Zeit. Im Oktober 1805 wurde Louis Spohr Konzertmeister am Gothaer Hof. Und schon bald fragte er seine adrette Kollegin: „Wollen wir so fürs Leben miteinander musizieren?“ Im Februar 1806 heirateten die beiden, und sie musizierten in der Tat sehr viel miteinander. Zahlreiche Werke widmete Spohr seiner Dorette, mit der er auch gemeinsam auf Konzertreisen ging. 
Einige davon stellen Davide Monti und Maria Christina Cleary auf dieser CD vor. So erklingen die Sonate WoO 23 und die Grande Sonate pour La Harpe et la Violon op. 16. Die Sonate Concertante op. 115 und die Fantaisie sur des Thêmes de Händel at Abbé Vogler op. 118 sind auf dieser CD sogar zum ersten Male in Originaltonart zu hören. 
Dazu nutzen die Musiker einen Effekt, den Spohr in seinen Memoiren wie folgt beschreibt: „Ich kam auf die Idee, die Harfe einen halben Ton tiefer als die Violine zu stimmen. Dadurch gewann ich zweierlei. Da nämlich die Geige am brillantesten in den Kreuztönen klingt, die Harfe aber am besten in den B-Tönen, wenn möglichst wenig Pedale getreten werden, so erhielt ich dadurch für beide Instrumente die günstigsten und effekt- vollsten Tonarten: für Geige nämlich D und G, für Harfe Es und As. (..) Ich schrieb daher von nun an alle meine Kompositionen für Harfe und Violine in solcher verschiedener Stimmung.“ 

Sonntag, 26. November 2017

Spohr: Symphony No. 4 (Naxos)

Der renommierte Violinvirtuose Louis Spohr (1785 bis 1859) war auch als Komponist, Dirigent und als Musikpädagoge überaus gefragt und weithin berühmt. Allerdings sind seine Werke, mit Ausnahme vielleicht seiner Violinschule, nach seinem Tode der Vergessenheit anheim gefallen. 
Dass dies bedauerlich ist, beweisen mittlerweile einige Aufnahmen. So ist bei dem Label Marco Polo in den 1980er und 1990er Jahren der erste vollständige Spohr-Sinfonienzyklus auf CD erschienen, eingespielt durch die Budapester Symphoniker bzw. die Slowakische Staatsphilharmonie unter Leitung des 2004 verstorbenen Dirigenten Alfred Walter. Diese Gesamtaufnahme, die auch heute noch erstaunlich frisch und inspiriert wirkt, ist nun bei Naxos wieder erhältlich. 

Sonntag, 24. September 2017

Music for Violin & Viola (Brilliant Classics)

Kammermusik und Konzerte aus drei Jahrhunderten für die seltene Solisten-Kombination Geige und Bratsche bietet diese Doppel-CD aus dem Hause Brilliant Classics. Der italienische Geiger Davide Alogna und der mexikanische Bratschist José Adolfo Alejo haben dafür eine sehr hörenswerte Auswahl zusammen- gestellt, die neben Bekanntem, wie der berühmten Sinfonia Concertante KV 364 von Wolfgang Amadeus Mozart und dem Doppelkonzert in e-Moll op. 88 von Max Bruch auch weniger populäre Stücke enthält, wie die Symphonie Concertante B112 von Ignaz Joseph Pleyel. Bei diesen drei Werken musizieren die Solisten gemeinsam mit dem mexikanischen Kammerorchester Camerata de Coahuila unter Leitung von Ramón Shade. 
Auf der ersten CD sind die beiden verwandten und klanglich doch so unterschiedlichen Instrumente in Duetten zu hören. Neben dem Duo in G-Dur KV 423 von Mozart erklingen hier das erste der 3 Madrigale H313 von Bohuslav Martinů, das Grand Duo op. 13 des Geigenvirtuosen Louis Spohr, eine Sonata a Duo des mexikanischen Komponisten Manuel Ponce und die beliebte Passacaglia auf ein Thema von Georg Friedrich Händel, ein ebenso klangschönes wie virtuoses Werk des norwegischen Kompo- nisten Johan Halvorsen. 

Montag, 7. November 2016

Spohr - Onslow: Nonets (Ramée)

„Der wahre Inhalt des Romantischen ist die absolute Innerlichkeit“, schrieb einst Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Der Philosoph sieht die Romantik als Gegenbewegung zur Aufklärung mit ihrer Suche nach Objektivität. Nicht die Vernunft, sondern das Individuum rückte in den Mittelpunkt. Das zeigt sich auch in der Musik: „In this recording we present two pieces of early romantic music, in which the clear lines and transparency of classical music begin to give way to an impressionistic soundscape of shifts and slides and a vexatious chromaticism that draws the listener to unexpected destinations“, schreibt Kate Clark, die Flötistin des Ensembles Osmosis in dem sehr informativen Beiheft. 
Louis Spohr (1784 bis 1859), bekannt nicht zuletzt als Geigenvirtuose, komponierte sein Grand Nonetto pour Violon, Alto, Violoncelle, Contrabasse, Flûte, Hautbois, Clarinette, Basson et Cor op. 31 im Jahre 1813 als Auftragswerk für den Tuchhändler Johann Tost. Er wünschte sich ein Stück für neun Mitwirkende – wobei das Werk zudem den besonderen Charakter eines jeden Instrumentes betonen sollte. 
André George Louis Onslow (1784 bis 1853) war der Sohn eines britischen Adligen, der in Frankreich lebte. Die Familie war sehr vermögend, so dass Onslow niemals Geld verdienen musste. In der ersten Hälfte des 19. Jahr- hunderts gilt er als der wichtigste Komponist von Kammermusik in Frankreich. Onslow schrieb ein Nonetto pour Violon, Alto, Violoncelle, Contrabasse, Flûte, Hautbois, Clarinette, Cor et Basson op. 77. 
Die beiden Nonette, so unterschiedllich sie auch sind, können jeweils als exemplarisch für die frühromantische Kammermusik gelten. Das Ensemble Osmosis hat für diese Aufnahme mit großer Sorgfalt eine Auswahl an historischen Instrumenten zusammengestellt, so dass charakteristische Klangfarben jener Zeit zu vernehmen sind. Die Aufnahme, gewohnt erst- klassig betreut von Rainer Arndt, beeindruckt durch ihre Ausdrucksstärke sowie durch ein klares, ausgewogenes Klangbild – was einmal mehr den Eindruck verstärkt: Alles, was das Label Ramée veröffentlicht, ist rundum gut. Großes Kompliment! 

Samstag, 10. Oktober 2015

Spohr: String Quartets (Marco Polo)

Als Louis Spohr (1784 bis 1859) sein Debüt als Violinvirtuose gab, war auch das Streichquartett als solches noch in recht jugendlichem Alter. Als Braunschweiger Kammermusikus lernte Spohr die Quartette von Haydn, Mozart und Beethoven kennen und lieben – er spielte sie bei zahlreichen Quartett-Gesellschaften, und trug dazu bei, sie weithin bekannt zu machen. 
Es waren nicht etwa Violinsonaten und Violinkonzerte, sondern Streich- quartette, die Spohr zu einem der wichtigsten und am meisten verehr- ten Komponisten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten. Es ist allerdings erstaunlich, dass sie heute kaum noch jemand kennt – im Konzertbetrieb spielen sie faktisch keine Rolle mehr. 
Das Label Marco Polo hat diese vergessenen Werke nun auf insgesamt 17 CD veröffentlicht, eingespielt vom New Budapest Quartet, dem Moskauer Dima-Quartett sowie dem Moskauer Philharmonischen Concertino-Streichquartett. Letzteres beschließt den Reigen und präsentiert auf der letzten CD dieser verdienstvollen Serie die Quartette Nr. 10 op. 30, Nr. 18 op. 61 sowie die Variationen d-Moll op. 6; im Grunde handelt es sich dabei ebenfalls um ein Streichquartett. 
Allerdings waren zu Spohrs Zeiten nicht alle Quartette so ausgewogen und gediegen komponiert wie die der großen Wiener Meister. Beim sogenann- ten Quatuor brillant handelt es sich um ein Werk für Solo-Violine mit Streicherbegleitung, die, je nach Talent und Laune des Urhebers, mehr oder meist weniger anspruchsvoll gestaltet wurde. Die Aufnahmen zeigen, dass in Spohrs eigenen Werken sowohl der Einfluss der Wiener Klassik als auch der zeitgenössischen Virtuosen hörbar wird: Die erste Violine hat typischerweise einen exponierten Part, doch die Stimmen der anderen Instrumente sind meistens ebenfalls sehr sorgfältig und mit Anspruch gearbeitet. Es lohnt sich wirklich, diese Streichquartette wiederzuent- decken – zumal die Moskauer Musiker sie mit großem Engagement vor- tragen. 

Montag, 13. Juli 2015

Spohr: Reisesonate (Stradivarius)

Der große Geiger Louis Spohr (1784 bis 1859) hatte ein kleines Problem: Er konnte nicht Klavier spielen. Das beeinträchtigte ihn ziemlich, nicht nur beim Einstudieren seiner Werke mit Chören und anderen Ensembles, sondern auch beim Komponieren selbst. Natürlich konnte er den Stil der großen Virtuosen seiner Zeit imitieren – aber er konnte nicht beurteilen, wie spielbar seine Musik letzten Endes auf dem Klavier war. So soll Chopin 1830 über Spohrs Quintett für Bläser und Klavier op. 52 geklagt haben, es sei wunderschön, aber für das Klavier schlecht geschrieben; man könne oftmals gar keine Fingersätze erstellen. Spohr selber soll 1838 geseufzt haben, er würde gern hundert Louis d'or dafür geben, wenn er nur Klavier spielen könnte. Allein er konnte es nicht, und so spielte ihm seine zweite Frau Marianne Pfeiffer (1807 bis 1892) vor, was immer er hören wollte. 
Trotz dieser technischen Kalamitäten hat Spohrs Kammermusik für Violine und Klavier einige Überraschungen zu bieten. Der Geiger Francesco Parri- no und der Pianist Michele Fedrigotti haben diese Werke für sich entdeckt, und stellen bei Stradivarius nun einige davon vor. Die italienischen Musiker präsentieren auf zwei CD Spohrs erstes Duo concertant op. 95, das Grand duo concertant op. 112, dazu die Sechs Duettinen „Elegisch und humoristisch“ op. 127, Mendelssohns Liedern ohne Worte nachempfun- den, sowie das Duo concertant op. 96. Letzteres ist feinste Programm-Musik – das Werk schildert, so verrät der eigentliche Titel, „Nachklänge einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz“ und ist 1836 als Ergebnis eines Ferienausflugs entstanden. Der erste Satz schon ist voller Vorfreude; im zweiten Satz erklingen die Signale des Posthorns, und im dritten Satz schildert Spohr unüberhörbar einen Gottesdienst in der Katho- lischen Hofkirche zu Dresden. Die Felsen und Klüfte der Sächsischen Schweiz schließlich werfen auch ein Echo der böhmischen Musik zurück. Spohr bildet all dies aber nicht naturalistisch in seiner Musik nach, er spiegelt eher Stimmungen und Eindrücke. Und natürlich ist all dies letztendlich brillante Virtuosenmusik, von Parrino und Fedrigotti auf zeitgenössischen Instrumenten gekonnt vorgetragen. Insbesondere ein herrlicher Broadwood-Flügel, erbaut im Jahre 1849, aus dem Besitz des Pianisten bringt ganz erstaunlich Farbe. Spohrs Werke aber sollten generell viel öfters zu hören sein – es lohnt sich! 

Dienstag, 31. März 2015

Spohr: Die letzten Dinge (Oehms Classics)

 Louis Spohr (1784 bis 1859) war zu Lebzeiten eine Berühmtheit. Als Geiger war er ebenso prominent wie sein Zeitgenosse Paganini, und als Komponist war der Kasseler Hofkapellmeister ebenfalls sehr geschätzt. Dennoch geriet er nach seinem Tode recht schnell in Vergessenheit – überstrahlt von Beethoven, den Romantikern sowie Liszt und Wagner. Das Label Oehms Classics hat nun eines der Erfolgs- werke Spohrs auf CD veröffentlicht: In seinem Oratorium Die letzten Dinge geht es in den drastischen und rätselhaften Bildern der Johannes-Apokalypse um Grundfragen der Menschheit: Gerechtigkeit, Verantwortung und Erlösung. Das Libretto erstellt hat Friedrich Rochlitz, ein bekannter Leipziger Schriftsteller, der auch recht konkrete Vorstellungen äußerte, wie die Texte vertont werden sollten. 
Durch das Spohr-Jahr 2009 ist dieses eingängige Werk wieder zu etwas mehr Beachtung gelangt; hin und wieder wird es sogar aufgeführt. So erklang es am 6. Juni 2013 im Salzburger Mozarteum. Oehms Classics präsentiert einen Live-Mitschnitt dieses Konzertes mit einem nicht übermäßig beeindruckenden Solistenquartett, dem kraftvoll singenden Salzburger Bachchor und dem Mozarteumorchester Salzburg unter Ivor Bolton.

Freitag, 10. Januar 2014

Fantasies for Bassoon (Chandos)

Das Fagott steht nur selten im Mittelpunkt eines Konzertes. Warum eigentlich? fragt man sich, wenn man diese CD mit der groß- artigen jungen Fagottistin Karen Geoghegan hört. Sie beeindruckt durch ihr gefühlvolles, sangliches Spiel – besonders in den Höhen –, produziert aber auch in der Mittellage sowie in der Tiefe ganz erstaunliche samtweiche, runde Töne. Am Klavier souverän begleitet wird die Musikerin durch Philip Edward Fisher. 
Das Repertoire für diese Instrumentenkombination scheint allerdings rar zu sein – nur ein einziges Werk auf dieser CD, eine Sonate des Thomaskantors Gustav Schreck (1849 bis 1918) wurde tatsächlich für das Fagott geschrieben. Die beiden Musiker haben darum herum etliche bekannte Werke, bevorzugt aus der romantischen Literatur, gruppiert – zumeist, indem sie auf Bearbeitungen für Violoncello und Klavier zurückgegriffen haben. Das funktioniert hervorragend. 

Samstag, 20. Juli 2013

Portraits - The Clarinet Album; Ottensamer (Deutsche Grammophon)

Kann es sein, dass viele Menschen heutzutage besser sehen als hören können? Im Februar 2013 nahm die Deutsche Grammophon Andreas Ottensamer exklusiv unter Vertrag – als ersten Solo-Klarinettisten überhaupt. Natürlich beherrscht der Österreicher sein Instrument exzellent, er ist schließlich Solo-Klarinettist bei den Berliner Phil- harmonikern.
Doch um zu einem Debütalbum bei einem Major zu kommen, sollte man offenbar zusätzlich jung und attraktiv sein – und nichts dagegen haben, auch so beworben zu werden. Hervorragende Klarinettisten gibt es etliche. Was also zeichnet den Musiker Ottensamer aus?
Da wäre ganz sicher seine Experimentierlust zu nennen. Ottensamer spielt nicht nur Klarinettenkonzerte – neben Klassikern von Spohr und Cimarosa ist hier auch ein interessantes Stück von Aaron Copland zu hören –, er präsentiert auch Musikstücke, die ursprünglich für ganz andere Instrumente entstanden sind. Drei Arrangements dafür hat ihm sein Jugendfreund Stephan Koncz geschrieben, der als Cellist bei den Berliner Philharmonikern musiziert.
Das hat Konsequenzen: „Dieses Album stellt den Interpreten vor die Herausforderung, zwischen verschiedenen Stilen und Spieltechniken zu wechseln“, erläutert Ottensamer; „gleichzeitig habe ich aber großen Wert darauf gelegt, immer meine persönliche Interpretation und meinen Klang zu bewahren.“ Der ist in der Tat ziemlich eigen, denn Ottensamer spielt eine Wiener Klarinette, die eine weitere Bohrung hat als deutsche Instru- mente – und das macht ihren Klang wärmer, dunkler und voluminöser. The Rotterdam Philharmonic Orchestra begleitet ihn unter der Leitung von Yannik Nézet-Séguin.

Montag, 22. April 2013

Spohr: Doppelkonzerte - Musik am Gothaer Hof (Es-Dur)

Die Pflege musikalischer Traditio- nen wird beim Landessinfonie- orchester Thüringen, heute Thüringen Philharmonie Gotha, groß geschrieben. Zu den Namen, die vom Glanz der einstigen Hofkapelle in den zurückliegenden Jahrhunderten künden, zählt auch der von Louis Spohr ( 1784 bis 1859). Der Geiger, der nach seinem Debüt 1804 im Leipziger Gewand- haus als bedeutendster deutscher Violinvirtuose gefeiert wurde, wirkte von 1805 bis 1812 in der thüringischen Residenzstadt. Der junge Musiker wurde durch Herzo- gin Caroline Amalie von Sachsen-Gotha zum Konzert- und Kapell- meister der Hofkapelle berufen. 
In Gotha organisierte er öffentliche Konzerte, Musikfeste und Konzertreisen, er musizierte, dirigierte, unterrichtete, und fand trotz dieser Vielzahl von Aufgaben noch die Zeit zum Komponieren. Auf dieser CD erklingen zwei sogenannte Concertanten, Doppelkonzerte für zwei Violinen bzw. Violine und Violoncello und Orchester, aus den Jahren 1808 und 1803, sowie ein Potpourri für diese Solo-Instrumen- te und Orchester, in dem Spohr 1823 Themen aus seiner Oper Jesson- da verarbeitete. Das sind Raritäten, die man so leicht sonst nirgends hören kann. 
Die Musik ist kraftvoll, romantisch und heiter - Unterhaltung im besten Sinne, und die Solisten Antje Weithaas und Mila Georgieva, Violine, und Michael Sanderling, Violoncello, setzen Spohrs Werke mit Virtuosität und Temperament in bestes Licht. 

Donnerstag, 7. März 2013

Spohr: Grand Duo (cpo)

Louis Spohr (1784 bis 1859) gehört zu jenen Komponisten, deren Werk derzeit allmählich wieder durch Musiker entdeckt wird. Dabei erweist sich, wie sehr das Repertoire durch diese Werke bereichert wird, die lange im Kon- zert überhaupt nicht zu erleben waren.
Dass die Musikwelt auf diese Verluste aufmerksam wird, das ist nicht zuletzt das Verdienst einiger sehr engagierter Labels. So hat beispielsweise cpo  bereits sämt- liche sinfonischen Werke von Louis Spohr in Neueinspielungen veröffentlicht. Auch für die Edition der Violinkonzerte durch cpo gab es großen Beifall.
Nun haben Ingolf Turban und Kolja Lessing eine CD mit Werken für Violine und Klavier vorgelegt. Sie zeigt uns, dass der Violinvirtuose und Hofkapellmeister Spohr auch beim Klavier eher die Diskant- register, klanglich transparente Strukturen und  Eleganz bevorzugte. Im Zusammenspiel mit der Violine bekam das Klavier zudem nicht mehr die führende Stimme, der sich die Violine beiordnet. Spohr folgte nicht mehr dem Modell der Sonata per pianoforte con accompagnamento di violino, sondern er weist schon mit Titeln wie Duo concertant darauf hin, dass beide Partner gleichermaßen mit virtuosen Partien vor das Publikum treten. 
Und auch wenn das Anfang 1837 in Kassel komponierte Grand Duo concertant op. 112 klassischen Prinzipien folgt, von der Sonaten- hauptsatzform im ersten Satz bis hin zum abschließenden Rondo, so klingt das Werk doch ausgesprochen vergnügt und naturverbunden. In den Sechs Salonstücken op. 135 aus den Jahren 1846/47 sind ebenfalls Passagen zu hören, die an Reiseerinnerungen denken lassen. Was Spohr freilich von allzu romantischen Ideen hält, das kann der Hörer am zweiten Teil des Grand Duo concertant erkennen, einem Larghetto, in dem der Komponist zunächst eine biedermeierliche Idylle aufbaut - um sich dann deftig darüber lustig zu machen. 
Ingolf Turban und Kolja Lessing erweisen sich als ideale Besetzung für dieses charmante, aber gelegentlich auch doppelbödige Repertoire. Anders als die Werke Paganinis, wo die Virtuosität stets im Vorder- grund steht, fordert die Musik von Spohr deutlich mehr als Finger- akrobatik. Turban macht deutlich, dass virtuose Passagen bei Spohr immer Bestandteil einer musikalischen Idee sind. Doppelgriffe und Trillerketten sind hier Gestaltungsmittel, und nicht Turnübungen. Und wenn Turban auf einen allzu satten, "romantischen" Ton zumeist verzichtet, dann wirkt dies mitunter wie der Kommentar zum Kommentar. Auch das ist Rezeptionsgeschichte. Wie kühn und modern Spohr komponierte, das zeigt vor allem das Adagio WoO 37 mit seinen harmonischen Überraschungen.  
Turban und Lessing haben gemeinsam schon mehrere CD eingespielt. Diese künstlerische Partnerschaft ist möglicherweise gerade deshalb so fruchtbar, weil Kolja Lessing selbst Geiger ist. Wie eine amüsante Fußnote wirkt es, wenn er hier Spohrs einzige Miniatur für Klavier solo spielt, das heiter-beschwingte Rondoletto op. 149.

Montag, 14. Januar 2013

Louis Spohr - The forgotten master (Alpha)

Die vier Klarinettenkonzerte von Louis Spohr (1784 bis 1859) hat Paul Meyer gemeinsam mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne eingespielt. Man fragt sich, warum man diese wunder- volle Musik noch nie gehört hat - weder im Konzertsaal, noch vollständig auf CD. Sabine Meyer hat, wenn ich mich recht erinnere, zwei davon eingespielt - andere Aufnahmen sind mir jedenfalls nicht bekannt.
Auch die anderen Werke Spohrs haben im Musikleben heutzutage kaum eine Bedeutung. Dabei galt der Kasseler Hofkapellmeister nach Mendelssohns und Beethovens Tod unangefochten als der führende deutsche Komponist, und zudem teilte er sich mit Paganini in den Ruhm des größten Violinvirtuosen seiner Zeit.
Spohrs Klarinettenkonzerte erweisen sich als überaus gelungene Kompositionen, die an Mozarts einziges Konzert anknüpfen. Sie sind ausgesprochen feinsinnig, und bis in die Orchesterbegleitung hinein mit Sorgfalt ausgearbeitet. Meyer begeistert mit seinem traumhaft schönen Ton und der Noblesse seiner Interpretation. Er spielt großartig, und wer ihn spielen hört, der denkt keine Sekunde daran, dass der Solopart sämtlicher Spohr-Konzerte als überaus schwierig gilt. Noch heute gehören seine Werke zu den technisch anspruchs- vollsten der Konzertliteratur. 
Das liegt daran, dass Spohr sie für einen Klarinettisten komponierte, der selbst ein Ausnahmevirtuose war: Johann Simon Hermstedt (1778 bis 1846) stammte aus dem thüringischen Langensalza, und war zunächst Premier-Hautboist und schließlich Hofkapellmeister in Sondershausen. Mit Spohr war er befreundet; die beiden Musiker hatten einander kennengelernt, als Spohr Konzertmeister im nahe- gelegenen Gotha war. Das erste Klarinettenkonzert bestellte 1808 Hermstedts Dienstherr, Günther Friedrich Karl I. von Schwarzburg-Sondershausen, der das Instrument auch selbst spielte - allerdings auf Liebhaber-Niveau. 
Spohrs Werk freilich war selbst für den Profi unspielbar. Hermstedt aber veränderte lieber seine Klarinette, als Änderungen einzufordern. Diese Anstrengungen zahlten sich aus, denn im Winterhalbjahr ging der Virtuose regelmäßig auf Konzertreisen. Die Kritik stand Kopf; selbst im musikbesessenen Dresden schwärmte die Zeitung: "In solcher Vollkommenheit hörten wir dieses Instrument noch nicht." Wer Meyer zuhört, der möchte die Musikalität dieses Klarinettisten und seine extrem gute Technik mit ähnlichen Superlativen bedenken. Das Kammerorchester sekundiert einmal mehr ganz phantastisch. Bravi! 


Donnerstag, 27. Oktober 2011

Weber - Spohr - Reicha. Raphael Wallfisch (Nimbus Records)

Raphael Wallfisch spielt virtuose Cellomusik  - Werke aus jener Zeit, da das Instrument, soeben dem Continuo entwachsen, zunehmend mit solistischen Aufgaben betraut wurde. So verwundert es nicht, dass zwei der Komponisten, deren Stücke Wallfisch hier präsentiert, selbst exzellente Cellisten waren. Josef Reicha (1752 bis 1795) wirkte zunächst als Solocellist in der Kapelle des Fürsten Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein, und später als Konzertmeister und Musikdirektor der Kurfürstlichen Hofkapelle in Bonn. Sein Cello- konzert in A-Dur op. 4 Nr. 1 klingt noch ganz erstaunlich nach Mozart. Franz Danzi (1763 bis 1826), Solocellist in Mannheim und München, ist auf dieser CD vertreten mit Variationen über Là ci darem la mano aus Mozarts Don Giovanni - ein zauberhaftes Werk, das in erster Linie Charme und Grazie dieses Duettes betont. 
Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) wiederum war mit Danzi eng befreundet. Sein Konzert Grand pot-pourri op. 20 aus dem Jahre 1808 ist nicht zuletzt eine Verneigung vor Danzi - und zudem ein musikalischer Spaß von hohen Graden. Weber inszeniert das Cello wie einen Opernstar; er lässt es vor einer dramatischen Kulisse singen. 
Louis Spohr (1784 bis 1859) war einer der besten Geiger seiner Zeit. Er war unglaublich populär, und galt zu Lebzeiten auch als einer der führenden Komponisten. Sein Violinkonzert Nr. 8 in a-Moll op. 47, in Form einer Gesangsszene, war offenbar noch für die nachfolgende Generation so attraktiv, dass der Cello-Virtuose Friedrich Grützma- cher (1832 bis 1903) eigens eine Version für Violoncello arrangier- te. Und nicht umsonst sagt man dem Instrument nach, dass es singen könne wie die menschliche Stimme. 
Wallfisch nutzt diese vier doch recht unterschiedlichen Werke, um verschiedene Facetten des Celloklanges zu demonstrieren - von der schlanken, beweglichen, fast noch barock geführten Stimme bis hin zum satten, grandiosen Belcanto. Das Northern Chamber Orchestra aus Manchester unter Nicholas Ward begleitet ihn dabei stilsicher - und zeigt auf, welch enorme Vielfalt an musikalischen Handschriften und Ideen in Deutschland blühte, als sich noch jeder Hof sein Orche- ster leistete. 

Montag, 11. Juli 2011

Spohr: Der Alchymist (Oehms Classics)

Spohr als Opernkomponist? Ro- mantische Oper - aus Kassel? Das lässt staunen, denn Louis Spohr (1784 bis 1859), der dort als Hofkapellmeister wirkte, ist in erster Linie als Violinvirtuose, sehr erfolgreicher Musikpädagoge und als Schöpfer wunderschöner Violinkonzerte bekannt. Christian Fröhlich hat sich nun in Braun- schweig für die Wiederentdeckung von Spohrs Oper Der Alchymist eingesetzt - um "ihm Gerechtigkeit zu verschaffen", so der Dirigent: "Wer hat sich nicht alles auf Mozart berufen? Spohr hat ihn weiter- geführt, in seiner Leichtigkeit, die bekanntlich ja das Schwerste ist. (...) Ein Abglanz von Mozart findet sich bei Spohr fast in jedem Takt. Ich hoffe, Spohr wird es so ergehen wie einst Franz Schubert, dessen Musik auch lange als belanglos galt und völlig missverstanden wurde. Bei ihm hat es hundert Jahre gedauert, bis erkannt wurde, dass seine Musik eben nicht biedermeierlich-muffig ist, sondern Ab- gründe hat und Tiefen, die es auszuloten lohnt."
Spohr hat zehn Opern geschrieben; im Spohr-Archiv liegen neben Der Alchymist auch Faust - leider nicht auf der Grundlage von Goethes Drama -, Jessonda, Der Berggeist und Die Kreuzfahrer. Der Alchymist sei, so Fröhlich, "eindeutig" die stärkste davon. Die Geschichte ist nicht besonders originell, ein junger Librettist namens Carl Pfeiffer hat die Handlung nach der Novelle The student of Salamanca von Washington Irving mehr oder minder geschickt in Verse gebracht: Ein Jüngling, der viel zu oft betont, dass er ein edler Ritter sei, hat sich in ein Mädchen verguckt und möchte sie gern gewinnen. Dummerweise will sie von ihm nichts wissen, denn sie ist einem anderen zugetan. Deshalb heuert der Möchtegernbräutigam allerlei Gesindel an, um zunächst mit Sang und Klang, und schließlich mit immer handfesteren Methoden zu überzeugen. Denn als alles Geturtel nicht verfängt, entführt er die Angebetete, und verpetzt ihren Vater bei der Inquisition. Die Patres haben da wenig Humor; doch zum Glück hat sich der Übeltäter eine raffinierte Frau zum Feind gemacht: Die Sklavin Paola, seine verlassene Geliebte, verhilft Inez zur Flucht. So kann sie gemeinsam mit dem Liebsten ihren Vater, den Alchymi- sten, in letzter Sekunde vor dem Scheiterhaufen retten.
Viel spannender als diese Geschichte ist die Musik, die der Komponist dazu schuf. Sie klingt ein wenig nach Wagner, ein wenig auch nach Otto Nicolai - und ist ansonsten ganz Spohr, wie ihn jeder Geigen- schüler kennt.  Das Staatstheater Braunschweig hat die Oper versiert auf die Bühne gebracht; doch die Mitwirkenden stehen nicht wirklich über den Dingen, und so gerät die Weltersteinspielung des Werkes unfreiwillig doch ein bisschen biedermeierlich-museal. 
Leider bringt der Live-Mitschnitt klanglich gewisse Verluste mit sich. Und auch die Besetzung vermag nicht durchweg zu begeistern. Insbe- sondere Bernd Weikl macht seinen Don Felix zu einer Knallcharge. Und Jan Zinkler nuschelt sich durch die Partie des Schurken Don Ramiro, dass es einen graust. Susanne Pütters ringt mit der Partie der Paola, die sich als umfangreich und technisch erstaunlich anspruchs- voll erweist. Moran Abouloff mit ihrem hellen, lyrischen Sopran überzeugt in der Rolle der Inez, und auch Jörg Dürmüllers strahlen- der Evangelisten-Tenor passt sehr gut zur Partie des Don Alonzo. Das Braunschweiger Staatsorchester und der Chor des Staatstheaters zeigen sich routiniert; insgesamt hatte man sich von einer Weltpre- miere aber mehr erhofft.  

Sonntag, 24. April 2011

Spohr: Die letzten Dinge (K&K)

Über die Uraufführung seines Oratoriums Die letzten Dinge am Karfreitag 1826 bei verdunkeltem Chorraum und unter einem mit 600 Gaslaternen beleuchteten Kreuz in Kassel schrieb Louis Spohr: "Die Wirkung war, ich muss es mir selbst sagen, außerordent- lich! Nie hatte ich früher bei Auf- führungen eines meiner größeren Werke diese Genugtuung gehabt!" Spohr, ein gefeierter Violinvirtuo- se, war 1822 als Hofkapellmeister nach Kassel gegangen. Dort brach- te er das Orchester und das städtische Musikleben auf Vordermann, unterrichtete zahlreiche Schüler und schuf mehr als 200 Werke. Zwar sind seine Opern heute vergessen, doch insbesondere seine Violin- konzerte und seine Violinschule gehören noch immer zu den Stan- dards. 
Zu Lebzeiten war Spohr ebenso berühmt wie Paganini. Doch setzte er nicht ausschließlich auf den virtuosen Effekt vor einem Orchester als Hintergrund, sondern vertrat offenbar ein romantisches Kunst- konzept, das sehr viel Wert auf  Gefühl und Harmonie legt. Selbst sein Oratorium Die letzten Dinge, welches das Publikum mit Apokalypse, Gericht und Auferstehung konfrontiert, ist voll schöner Melodien, klangvoller harmonischer Wendungen und herrlicher Chöre. So steht denn auch die Kantorei Maulbronn, dirigiert von ihrem Gründer und Leiter Jürgen Budday, im Zentrum dieser Aufnahme, die im Juni 2010 als Live-Mitschnitte eines Konzertes im Kloster Maulbronn entstanden ist. Der Chor singt wie immer hervorragend. Als Solisten wirken mit Miriam Meyer, Sopran, Ursula Eittinger, Mezzosopran, Marcus Ullmann, Tenor und Josef Wagner, Bass. Das Orchester, die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg, zeigt leider hier und da Schwächen. Das ist schade, denn ansonsten ist die Aufnahme sehr hörenswert. 

Dienstag, 13. Juli 2010

Spohr: Concertos for Two Violins (Naxos)

Louis Spohr war ein unterneh- mungslustiger und wahrscheinlich auch unbequemer Zeitgenosse. Als er 15 Jahre alt war, ernannte ihn der Herzog von Braunschweig zum Kammermusiker, und versprach, ihn von einem der führenden Musiker der damaligen Zeit aus- bilden zu lassen. So kam es, dass der Junge wenig später mit dem Münchner Musikus Franz Eck nach Russland reiste - was ihn nach- haltig beeindruckt hat. Insbesondere das Erlebnis des russisch-orthodoxen Gottesdienstes mit seinem antiphonalen Wechselgesang prägte sein Schaffen. Doch auch die Lust an musikali- schen Erkundungen blieb Spohr zeitlebens erhalten. Immer wieder ging er auf Konzertreisen.
Schon bald war er, neben seinem Zeitgenossen Paganini, als Violin- virtuose europaweit hochangesehen. Auch seine Kompositionen zeugen von seinem hohen künstlerischen Anspruch, ebenso wie von handwerklichem Vermögen. Diese CD stellt zwei seiner Concertantes vor, Doppelkonzerte für zwei Violinen, die Spohr gern mit seinen Meisterschülern gespielt haben soll. Die beiden Solisten agieren hier auf Augenhöhe; die Werke erinnern eher an die Doppelkonzerte Bachs und an die barocken Concerti grossi als an romantische Virtuosen- musik. Spohrs typische Art, Themen zu entwickeln und fortzuschrei- ben, belegt auch das Violinduett in G-Dur op. 3 Nr. 3 - ein lebhafter Dialog zweier gleichberechtigter Partner. 
Die beiden Solisten Hennig Kraggerud und Oyvind Bjora haben hörbar Vergnügen an den traumhaft schönen Melodien und eleganten harmonischen Wendungen. Den Zuhörer freut zudem die brillante Begleitung durch die Oslo Camerata und das Barrat Due Kammer- orchester, unter Leitung von Stephan Barratt-Due. Er wirkt seit vielen Jahren erfolgreich als Professor für Violine, und zu seinen Schülern gehörten einst auch die beiden Solisten. Das kommt der Aufnahme zugute, die wie aus einem Atem gespielt wird. Phantastisch!