Die Johannes-Passion schrieb Johann Sebastian Bach in Leipzig für die Karwoche 1724, unmittelbar nach seiner Anstellung als Thomaskantor. Er hat das Werk, uraufgeführt seinerzeit in der Nikolaikirche, immer wieder überarbeitet und abgeändert. Hier ist die sogenannte Fassung letzter Hand zu hören, die Bach 1739 begonnen, aber letztendlich wohl niemals selbst in dieser Form aufgeführt hat. Die Einspielung wird ergänzt durch eine ebenso ergiebige wie aufwendig produzierte Werkeinführung von Markus Vanhoefer.
Die Passion beginnt und endet mit großen Chören – Herr, unser Herr- scher und Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine. In diesen Rahmen gefasst, erklingt die Passionserzählung, immer wieder unterbrochen durch reflektierende Choräle sowie durch Arien, die biblischen Texte eindringlich kommentieren. Neben Julian Prégardien, der die Partie des Evangelisten gekonnt vorträgt, hat der Chor des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Peter Dijkstra daher den umfangreichsten Part. Und der Chor singt hinreißend – beweglich wie ein Kammerchor, blitzsauber und stets durchhörbar, gestalterisch souverän und gänzlich ohne Manierismen. Sehr beeindruckend! Dieser Live-Mitschnitt einer konzertanten Aufführung am 7. März 2015 im Herkulessaal der Münchner Residenz ist ohne Zweifel mit Abstand die beste Einspielung der Johannes-Passion seit langem. Dazu tragen auch das renommierte Originalklang-Ensemble Concerto Köln und eine umfangreiche Riege junger Vokalsolisten mit bei.
Posts mit dem Label Dijkstra werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dijkstra werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Samstag, 16. April 2016
Dienstag, 22. März 2016
Bach: Magnificat; Händel: Dixit Dominus (BR Klassik)
Händel schrieb seine Psalmver- tonung Dixit Dominus im April 1707 in Rom, zum Auftakt seiner Reise nach Italien. Es wird vermutet, dass er in einem besonders feierlichen Vesper-Gottesdienst erklungen sein soll. Besetzt ist das Werk mit fünf Solisten sowie jeweils fünf Chor- und Streicherstimmen; es wirkt wie eine Art monumentales Concerto grosso. Der junge Händel hat dabei allerdings auch die Singstimmen über weite Strecken kaum anders behandelt als die Violinen. Dem Chor des Bayerischen Rundfunks bereitet das keine Probleme; die Sänger sind exzellent. Aber der Chorklang ist mir im Dixit Dominus mitunter beinahe etwas zu massiv, meinem Empfinden nach könnte er schlanker sein, beweglicher und bewegter.
Das Magnificat war einst das erste großformatige Werk, mit dem sich Johann Sebastian Bach nach seiner Bestellung zum Thomaskantor dem Leipziger Publikum präsentierte. Solisten und Chor ließ er dabei gemeinsam mit einem üppig besetzten Orchester musizieren, inklusive Oboen, Traversflöten, Pauken und Trompeten. Das Barockorchester Concerto Köln ist hier in seinem Element, und setzt Glanzpunkte.
Sonntag, 27. Dezember 2015
Händel: Der Messias (BR Klassik)
Schon eine öffentliche Probe bewog seinerzeit die Kritiker zu Lobes- hymnen – und zur Uraufführung am 13. April 1742 in Dublin wurde darum gebeten, dass die Damen doch auf das Tragen von Reifröcken verzichten mögen, damit ausreichend Platz im Saal ist für die herbeiströmenden Zu- hörer. Bis heute gehört Der Messias zu den Publikumsfavoriten. Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) hat für dieses Oratorium ein Libretto von Charles Jennens (1700 bis 1773) vertont, das ausschließlich Texte aus der Bibel und dem Book of Common Prayer verwendet – eine weise Strategie, um Auseinandersetzungen mit der ziemlich konservativen Geistlichkeit aus dem Wege zu gehen; auch aus der Marketingperspektive war das clever, schließlich kannte diese Verse seinerzeit jedermann. Dank der Textpassagen, die überwiegend aus dem Alten Testament stammen, erlebt das Publikum das Leben Jesu als erfüllte Vorhersagen der Propheten.
Wie das Publikum, so lieben auch Musiker dieses Oratorium. Peter Dijkstra hat Händels Werk nun mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem B'Rock Belgischen Kammerorchester Gent eingespielt. Er verabschiedet sich möglicherweise bereits mit dieser Aufnahme von dem Ensemble, das er seit 2005 geleitet hat, denn Dijkstra wechselt zum Nederlands Kamer- koor. Ab der Saison 2016/17 wird daher Howard Arman Künstlerischer Leiter des erfolgreichen Münchner Profi-Chores.
Für jeden Chor ist Händels Messias eine dankbare Aufgabe. Denn das Oratorium enthält eine Vielzahl großartiger Chöre. Sie haben große Bedeutung für die Struktur des Werkes, und sind auch sehr populär – von And he shall purify the sons of Levi über For unto us a child is born über das berühmte Hallelujah! bis hin zum abschließenden Amen, einer gran- diosen Fuge. Natürlich sind auch unter den Arien etliche barocke „Super- hits“. Die Soli werden gesungen von Julia Doyle, Sopran, Lawrence Zazzo, Countertenor, Steve Davislim, Tenor, und Neal Davies, Bassbariton.
Um es kurz zu machen: Der Chor des Bayerischen Rundfunks singt wirk- lich gut. Aber von den Solisten wird leider keiner ein Star werden, und auch das Orchester spielt nicht in der Champions League. Wer damit leben kann, der findet hier eine solide Aufnahme. Neben den beiden Musik-CD enthält die Box eine dritte Silberscheibe mit einer sehr gelungenen Werk- einführung von Markus Vanhoefer. Dieser umfassende Hör-Essay mit vielen Musikbeispielen macht diese Edition wertvoll, und empfehlenswert. Wer sich für Händels Arbeitsweise und für die Entstehung seiner Oratorien interessiert, der kann hier sehr viel lernen.
Wie das Publikum, so lieben auch Musiker dieses Oratorium. Peter Dijkstra hat Händels Werk nun mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem B'Rock Belgischen Kammerorchester Gent eingespielt. Er verabschiedet sich möglicherweise bereits mit dieser Aufnahme von dem Ensemble, das er seit 2005 geleitet hat, denn Dijkstra wechselt zum Nederlands Kamer- koor. Ab der Saison 2016/17 wird daher Howard Arman Künstlerischer Leiter des erfolgreichen Münchner Profi-Chores.
Für jeden Chor ist Händels Messias eine dankbare Aufgabe. Denn das Oratorium enthält eine Vielzahl großartiger Chöre. Sie haben große Bedeutung für die Struktur des Werkes, und sind auch sehr populär – von And he shall purify the sons of Levi über For unto us a child is born über das berühmte Hallelujah! bis hin zum abschließenden Amen, einer gran- diosen Fuge. Natürlich sind auch unter den Arien etliche barocke „Super- hits“. Die Soli werden gesungen von Julia Doyle, Sopran, Lawrence Zazzo, Countertenor, Steve Davislim, Tenor, und Neal Davies, Bassbariton.
Um es kurz zu machen: Der Chor des Bayerischen Rundfunks singt wirk- lich gut. Aber von den Solisten wird leider keiner ein Star werden, und auch das Orchester spielt nicht in der Champions League. Wer damit leben kann, der findet hier eine solide Aufnahme. Neben den beiden Musik-CD enthält die Box eine dritte Silberscheibe mit einer sehr gelungenen Werk- einführung von Markus Vanhoefer. Dieser umfassende Hör-Essay mit vielen Musikbeispielen macht diese Edition wertvoll, und empfehlenswert. Wer sich für Händels Arbeitsweise und für die Entstehung seiner Oratorien interessiert, der kann hier sehr viel lernen.
Freitag, 20. Februar 2015
Brahms: Mass & Motets (Channel Classics)
Peter Dijkstra gilt als einer der weltweit besten Chorleiter. Der junge Spezialist, Jahrgang 1978, leitet seit 2005 den Chor des Bayerischen Rundfunks in München. Seit 2007 ist er zudem Musikdirektor des Schwedischen Rundfunkchores; ab August 2015 wird er dann außerdem Chefdirigent des Niederländischen Kammerchores sein. Noch viel mehr Chöre und auch etliche Orchester hat er bereits dirigiert, und zahlreiche Preise erhalten. Insofern startet man diese CD mit hohen Erwartungen. Denn die A-cappella-Chormusik von Johannes Brahms ist für Sänger keineswegs ein Spaziergang. Stücke wie die Fest- und Gedenksprüche op. 109 oder die diversen Motetten – man denke nur an Warum ist das Licht gegeben – stellen beträchtliche Anforderungen an Chöre. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese anspruchsvollen Stücke aufzuführen.
„Ik denk dat het bij de uitvoering van koormuziek van Brahms de grote uitdaging is, om de stemkleuren von de individuele zangers zo te vereningen dat er een levendige en persoonlijke koorklang kan ontstaan, welke in dienst staat van de muzikale expressie“, erklärt Dijkstra seine Sicht auf diese Werke. „Er wordt in de koorwereld bij de uitvoering von romantische muziek vaak gekozen voor een erg strak klangideaal, waarbij de ruimte voor individuele expressie voor de zangers vaak extreem wordt opgeofferd voor het ultieme doel: de menging van de klank“, merkt der Chorleiter an. „Dit resulteert vaak in vlakke uitvoe- ringen, die op mij 2-dimensioneel overkomen. Ik kies duidelijk voor een vokalere instelling die correspondeert met de principes van het lied zingen, waarin een legato-frasering zeer belangrijk is, verbonden aan een duidelijke deklamatie van de tekst. De menging van de klank ontstaat op zo'n manier door het vereningen van de persoonlijke klank en expressie van elke inidivuele zanger, en niet door het terughouden van de klank om menging te realiseren.“
Der Schwedische Rundfunkchor ist mit 32 Sängern kein allzu großes Ensemble. Doch seine Mitglieder sind durchweg erfahrene Profis. Und so klingt der Chor dann auch: Intonation sauber, Phrasierung gekonnt und Dynamik flexibel. Ausdruck hingegen ist nicht unbedingt die Stärke dieses Chores. Auch einen charakteristischen Chorklang habe ich nicht gefunden. Gewisse Wünsche hätte man da schon, zumal Brahms in diesen Werken offenbart, wie viel er bei den sogenannten alten Meistern gelernt hat. Insofern wäre es interessant, diese Musik einmal weniger romantisch-opernverklärt zu hören, statt dessen vielleicht klanglich etwas näher an ihren Vorbildern. Diese Aufnahme jedenfalls macht mich nicht voll- kommen glücklich.
„Ik denk dat het bij de uitvoering van koormuziek van Brahms de grote uitdaging is, om de stemkleuren von de individuele zangers zo te vereningen dat er een levendige en persoonlijke koorklang kan ontstaan, welke in dienst staat van de muzikale expressie“, erklärt Dijkstra seine Sicht auf diese Werke. „Er wordt in de koorwereld bij de uitvoering von romantische muziek vaak gekozen voor een erg strak klangideaal, waarbij de ruimte voor individuele expressie voor de zangers vaak extreem wordt opgeofferd voor het ultieme doel: de menging van de klank“, merkt der Chorleiter an. „Dit resulteert vaak in vlakke uitvoe- ringen, die op mij 2-dimensioneel overkomen. Ik kies duidelijk voor een vokalere instelling die correspondeert met de principes van het lied zingen, waarin een legato-frasering zeer belangrijk is, verbonden aan een duidelijke deklamatie van de tekst. De menging van de klank ontstaat op zo'n manier door het vereningen van de persoonlijke klank en expressie van elke inidivuele zanger, en niet door het terughouden van de klank om menging te realiseren.“
Der Schwedische Rundfunkchor ist mit 32 Sängern kein allzu großes Ensemble. Doch seine Mitglieder sind durchweg erfahrene Profis. Und so klingt der Chor dann auch: Intonation sauber, Phrasierung gekonnt und Dynamik flexibel. Ausdruck hingegen ist nicht unbedingt die Stärke dieses Chores. Auch einen charakteristischen Chorklang habe ich nicht gefunden. Gewisse Wünsche hätte man da schon, zumal Brahms in diesen Werken offenbart, wie viel er bei den sogenannten alten Meistern gelernt hat. Insofern wäre es interessant, diese Musik einmal weniger romantisch-opernverklärt zu hören, statt dessen vielleicht klanglich etwas näher an ihren Vorbildern. Diese Aufnahme jedenfalls macht mich nicht voll- kommen glücklich.
Dienstag, 20. Mai 2014
Bach: Matthäus-Passion; Dijkstra (BR Classic)
Diese Aufnahme ist ein gutes Bei- spiel dafür, dass namhafte Sänger und Musiker nicht in jedem Falle ein Garant für eine hervorragende Aufnahme sind. Und was wird für diese Matthäus-Passion nicht alles aufgeboten! Eine lange Solisten- riege, die aber nicht wirklich überragendes leistet, dazu der Chor des Bayerischen Rundfunks nebst Regensburger Domspatzen sowie das renommierte Orchester Concerto Köln steht Peter Dijkstra hier zur Verfügung. Was er daraus macht? Enttäuschend wenig. Wir hören den Live-Mitschnitt mehrerer Konzerte im Münchner Herkulessaal, in historisch informierter Aufführungspraxis, nun ja, das würde heute kaum ein Kantor noch anders machen. Einzig Julian Prégardien gestaltet seine Partie als Evangelist mit atemberaubender Intensität (und phantastischer Technik). Leider steht er damit allein auf weiter Flur. Schade.
Montag, 5. April 2010
Händel: Israel in Egypt (BR Klassik)
Es war ein kühnes Experiment, und es war beim Publikum offenbar nicht sehr erfolgreich - sonst hätte Händel, der Operndirektor, es sicher nicht bei diesem einen Ver- such belassen: "Israel in Ägypten" kennt keine Figuren, keine Hand- lung im klassischen Sinne und kei- ne Konflikte. Der Text entstammt der Bibel, und er wird einzig durch die Musik dramatisiert. Das Oratorium wird zum überwiegen- den Teil vom Chor getragen.
Es beginnt mit einer bewegenden Totenklage - ursprünglich 1737 von Händel für das Begräbnis von Königin Caroline geschrieben; ein bezauberndes Werk, das der Komponist dann mit nahezu identischem Text als Trauergesang der Israeliten in Ägypten auf ihren Stammvater Josef an den Beginn seines Oratoriums setzte. Der Mittelteil des Oratoriums schildert unüberhörbar die Plagen, vom Gestank des verpesteten Wassers über das Quaken der Frösche, das Flirren der Heuschreckenschwärme, das Prasseln der Hagelkörner bis hin zur Finsternis, die so dicht ist, dass sich auch das Ohr verirrt, von keiner Tonart geleitet. Nach dem gelungenen Auszug der Kinder Israels durch das Schilfmeer beginnt der dritte Teil, Moses' Song, in dem das Volk mit prächtigen Chören den Untergang den Verfolger feiert, die hinter den Israeliten im Meer versanken und von den Fluten verschlungen wurden.
Es singt der Chor des Bayerischen Rundfunks - außerordentlich sauber geführt und stimmgewaltig. Er wird begleitet vom Concerto Köln, und in einigen Partien traut sich Peter Dijkstra sogar, die exzessive Klangrede umzusetzen, die das Werk förmlich aufdrängt. Dort ist die Aufnahme richtig stark.
Abonnieren
Posts (Atom)





